BGH · II ZR 31/58 vom 01.06.1959
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b) Auch die Mhrerscheinklausel in § 3 Nr. 7 AVB für Rechtsschutz Versicherung begründet keine Risikobeschränkung, sondern eine Obliegenheit im Sinne von § 6 Abs. 1 VVG. Die Beklagte zu 2) kündigte den Versicherungsvertrag nicht, lehnte aber ebenfalls den Versicherungsschutz auf Grund von § 3 Ziff.7 ihrer AVB ab, der lautet: ”Der Versicherungsschutz entfällt bei Fahrzeug- und Fahrer-Rechtsschutz auch dann, wenn bei Eintritt des Versicherungsfalles der Fahrer dieses Fahrzeuges nicht die vorgeschriebene Fahrerlaubnis hatte oder insoweit als Fahrer, Beifahrer oder Fahrgäste keine Berechtigung zur Benutzung des Fahrzeuges hatten oder wenn das Fahrzeug sich nicht in einem den verkehrspolizeilichen Vorschriften entsprechenden Zustand befand oder nicht zugelassen war. 369 19, 31) zutreffend davon aus, daß sich die Beklagte zu 2), die den Versicherungsvertrag nicht gemäß § 6 Abs» 1 Satz 2 WG gekündigt hat, nach dessen Satz 3 nicht auf die in § 3 Ziff.7 ihrer AVB vereinbarte Leistungsfreiheit berufen kann, wenn diese Klausel rechtlich als eine Obliegenheit anzusehen ist. Beide Vorinstanzen sind hierin mit Recht der Auffassung der Klägerin gefolgt, lo) Die Revision hat allerdings darin recht, daß die Gründe, aus denen der erkennende Senat die Verwendungsund Pührerscheinklausel des § 2 Ziff.2 AKB als Obliegen-hexten gewertet hat (BGHZ 1, 159 [166 ff]; 4, 369 [37l]), auf die hier in Rede stehende Pührerscheinklausel des § 3 Ziff.7 AVB nicht übertragbar sind; denn bei dieser’ Klausel der Rechtsschutzversicherung kommt - anders als bei den Klauseln des § 2 Ziff- 2 AKB - eine Auswirkung auf die Rechtsstellung des durch § 158 c VVG geschützten Geschädigten nicht in Betracht, so daß diesem Gesichtspunkt hier für die Auslegung' der Klausel keine Bedeutung zu-kommto Das haben auch die Vorinstanzen nicht verkannt-§ 3 Ziff.7 AVB ist aber aus anderen Gründen dahin auszulegen, daß auch diese Bestimmung keine Risikobeschränkung, sondern eine Obliegenheit des Versicherungsnehmers begrün- Bei den Risikobeschränkungen wird dagegen der Versicherer nicht bei einem schuldhaft pflichtwidrigen Verhalten des Versicherungsnehmers von der übernommenen Haftung wieder frei, durch sie werden vielmehr aus der vom Versicherer nach dem Vertrag zu tragenden Gefahr von vornherein die in der betreffenden Klausel bezeiöhneten; 'Gef ahrumstände.:herausgenommen, ohne daß es hierbei überhaupt auf ein schuldhaft pflichtwidriges Verhalten des Versicherungsnehmers ankommt (RGZ 160, 220 [222]; Brölss WG 11. Beide Rechtsformen unterscheiden sich in ihrer rechtlichen Ausgestaltung grundlegend dadurch, daß nur die Obliegenheiten, nicht auch die Risikobeschränkungen der nach § 15 a VVG nicht zu dem Nachteil des Versicherungsnehmers abänderbaren Schutzvorschriften des § 6 VVG mit ihren Verschuldens-, Kausalitäts- und Klarstellungserfordernissen unterliegen« denen ein Verhalten des Versicherungsnehmers in Frage steht,• strenge Anforderungen zu stellen» Darüber hinaus entsteht bei dieser Rechtslage sogar die Frage, ob nicht solche Klauseln bei den Versicherungen, die der Beschränkung der Vertragsfreiheit unterliegen* grundsätzlich ohne Rücksicht auf ihre Fassung rechtlich als Obliegenheiten zu behandeln sind (so Möller JRPrV 1934, 49 [50l; Bruck-Möller WG § 6 Anm« 13 - 15 und § 32 Anm» 37 unter Hinweis auf RG VA 1921 Nr» 1210 = JW 1912, 100; 'Ehrenzweig, Deutsches (österreichisches) Versicherungsvertragsrecht S» 174 ff: vgl» auch Reimer Schmidt aaO und BGH VersR 1955, 568; PM Prölss VVG § 6 Anm» 3 sowie JRPrV 1933, 183; HansRGZ 1937 A,. Die einleitenden Wortes "Der Versicherungsschutz entfällt" weisen jedoch eher darauf hin, daß der Versicherer in diesen Fällen von der übernommenen Haftung wieder frei werden soll, als darauf, daß diese Fälle von vornherein aus der vom Versicherer zu tragenden Gefahr herausgenommen'werden sollen«, Entgegen der Auffassung der Revision behandelt auch nicht § 3 einheitlich und zusammengefaßt die Fälle der Riaikobe-schränkungen und § 4 die Fälle der Obliegenheiten» § 4 regelt vielmehr nur das Verhalten des Versicherungsnehmers nach Eintritt des Versicherungsfalles, besagt aber nichts über das ihm vorher obliegende Verhalten» Auch § 3 statuiert nicht lediglich Rieikobeschränkungen, sondern auch Obliegen- Fahrzeug nicht in einem den verkehrspolizeilichen Vorschriften entsprechenden Zustand befand; denn daß damit eine nicht nach § 6 WG vom Verschulden des Versicherungsnehmers und von der Kausalität abhängige Risikobeschränkung normiert werden sollte, kann schlechterdings nicht angenommen werden; vielmehr kann diese Klausel im Rahmen einer sinnvollen Ausgestaltung des Versicherungsschutzes nur die Bedeutung haben, daß damit dem Versicherungsnehmer eine den Verschuldens- und Kausalitätserfordernissen des § 6 unterliegende Pflicht auferlegt werden sollte, zur Verhinderung einer Gefahrensteigerung für einen einwandfreien Zustand des Fahrzeugs zu sorgen» b) In gleicher Weise läßt aber auch die in § 3 Ziff» 7 ebenfalls enthaltene Führerscheinklausel erkennen, daß damit dem Versicherungsnehmer eine Obliegenheit auferlegt werden sollte, nämlich dafür zu sorgen, daß das Fahrzeug nur von einem Fahrer gefahren wird, der die vorgeschriebene Fahrerlaubnis hat» Nach den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanzen weist hierauf insbesondere die Bestimmung hin, daß der Versicherungsschutz erhalten bleibt, wenn der Versicherungsnehmer von dem Verstoß ohne Verschulden keine Kenntnis hatte; denn damit wird der Verlust des Anspruchs an ein schuldhaftes Verhalten des Versicherungsnehmers geknüpft, also das Wesen einer Obliegenheit zu dem Ausdruck gebracht«, Eeshalb hat auch das Reichsgericht eine ähnliche Führerscheinklausel mit Entschuldigungsvorbehalt als Obliegenheit gewertet (RG JRPrV 1932, 341 = VA 1932 Nr«, 2506; zustimmend Möller HansRGZ 1937 A, 241 [258]; ablehnend Prölss HansRGZ.1937, läßt die Fassung des § 3 Ziff.7 AVB nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit erkennen* daß mit der in ihr enthaltenen Führerscheinklausel eine nicht nach § 6 WG vom Verschulden des Versicherungsnehmers und von der Kausalität abhängige Hisikobeschränkung begründet werden sollte.