BGH · II ZR 30/70 vom 09.11.1972
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HGB § 140 Die Ausschließung eines Gesellschafters kann in Betracht kommen, wenn kurze Zeit nach seiner Aufnahme in die Gesellschaft das Vertrauensverhältnis zerstört ist, der Zweck, der für seine Aufnahme in die Gesellschaft maßgebend war, nicht mehr erreicht werden kann und der Gesellschafter noch keine besonders schutzwürdige Position in der Gesellschaft erlangt hat. Dezember 1966 die Erben aus der Gesellschaft ausgeschieden waren und Fritz das Unternehmen allein fortführen konnte, trat er als Kommanditist mit einer Haftsumme von 30.000 DM ein. Des weiteren berufen die Kläger sich darauf, daß er ab August 1967 für das Unternehmen kaum noch etwas geleistet habe. Den zunächst in erster Linie gestellten Antrag der Kläger festzustellen, daß der Beklagte durch Kündigung der anderen Gesellschafter gemäß § 9 des Gesellschaftsvertrages ausgeschieden sei, hat das Landgericht abgewiesen; es hat aber auf den auf § 140 HGB gestützten Hilfsantrag den Beklagten aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts ist als Folge der Beziehungen des Beklagten zu einer anderen Frau» der Zerrüttung seiner Ehe mit der Tochter und Schwester der Kläger und der im Zusammenhang damit entstandenen persönlichen Zerwürfnisse unter den Parteien das Vertrauensverhältnis unter ihnen so nachhaltig beeinträchtigt» daß ein weiteres Zusammenwirken in der Gesellschaft nicht mehr möglich ist. Es hat vielmehr ersichtlich dem wiederholt auch vom erkennenden Senat anerkannten Gesichtspunkt Rechnung getragen, daß es wenig lebensnahe wäre anzunehmen, es ließen sich in einer von engen verwandtschaftlichen Beziehungen geprägten Familiengesellschaft - hier zudem noch unter kleinstädtischen Verhältnissen -die persönlichen Beziehungen in der Familie und die geschäftlichen Beziehungen im gemeinsamen Handelsunternehmen völlig voneinander trennen. Dieser Grund - die Zerstörung des Vertrauensverhältnisses - ist zwar durch das Verhalten des Beklagten ausgelöst worden und beruht daher, wie Jene Vorschrift weiterhin erfordert, (jedenfalls auch mit) auf einem in seiner Person liegenden Umstand. Das allein vermag aber, insofern ist der Revision recht zu geben, die Ausschließung des Beklagten nicht zu rechtfertigen, weil das auf eine gesellschaftsrechtliche Bestrafung eines Gesellschafters wegen Verfehlungen hinauslaufen würde, die sich in seinem privaten Lebensbereich ereignet haben. Verhaltensweisen eines Gesellschafters dieser Art können im allgemeinen nur dann als wichtiger Grund für die Ausschließung angesehen werden, wenn sie sich - etwa bei ehebrecherischen Beziehungen zu dem Ehegatten eines Mitgesellschafters - unmittelbar gegen den persönlichen Lebensbereich eines Mitgesellschafters richten und daher eine schwere Verletzung der diesem gegenüber gebotenen Rücksicht darstellen, oder wenn sie sich aus besonderen Gründen unmittelbar geschäftlich auswirken und insbesondere zu einer feststellbaren Schädigung des GeSeilschaft sunt ernehmens führen (vgl. Auch wenn den jetzigen Klägern und dem früheren Kläger zu 1 die unglückliche Entwicklung der Ehe ihrer Tochter und Schwester sehr nahegehen mußte, so waren doch die Eheverfehlungen des Beklagten kein derart illoyales und gesellschaftswidriges Verhalten ihnen gegenüber, daß das allein die schwerwiegende gesellschaftsrechtliche Konsequenz des § 140 HGB rechtfertigen würde. Außerdem ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, daß die Kläger auch selbst von dem Vorwurf nicht völlig frei sind, zur Trübung der Beziehungen beigetragen zu haben, da sie geschäftliche Folgerungen gegenüber dem Be- Klagten bereits zu einem Zeitpunkt elngeleltet haben, als dessen Ehefrau noch nicht einmal Ehe Scheidungsklage erhoben hatte» Soweit nach den Feststellungen des Berufungsgerichts wegen des Verhaltens des Beklagten geschäftliche Nachteile - Insbesondere von selten der Fa.” für das Unter- Zu den mehr im privaten Bereich liegenden Vorgängen kommt aber hier der besondere Umstand hinzu, daß im weiteren Zusammenhang damit die Gründe weggefallen sind, die für die erst kurze Zeit vorher erfolgte Aufnahme des Beklagten in die Gesellschaft ausschlaggebend gewesen waren. Nachdem er sich in langjähriger Tätigkeit als Angestellter im Unternehmen bewährt und das Vertrauen des früheren Klägers zu 1 erworben hatte, kam es darüber hinaus allen Beteiligten darauf an, seine Tätigkeit in der Geschäftsleitung auf Dauer in der Weise zu erhalten, daß er nach der geplanten Umwandlung der Gesellschaft in eine GmbH & Co. KG als kapitalmäßig gleich beteiligter Gesellschafter und gleichberechtigter Geschäftsführer der Komplementär-GmbH neben seinen Schwiegervater treten und damit neben ihm zu dem "maßgebenden Mann" im Unternehmen werden sollte. Er wäre, wie es das Berufungsgericht ausgedrückt hat, nicht in die Familiengesellschaft auf genommen worden, hätte man gewußt, daß seine Ehe alsbald scheitern und seine Mitarbeit binnen weniger Monate im Unternehmen unmöglich werden würde. Der Zugehörigkeit des Beklagten zur Gesellschaft 1st daher, gemessen an den Vorstellungen der Parteien bei Vertragsschluß, der Boden entzogen, nachdem die Familienbindungen zerstört sind, der Beklagte etwa seit September 1967 in der Gesellschaft nicht mehr tätig war, sein Angestelltenverhältnis gelöst ist und eine irgendwie geartete Geschäftsführungstätigkeit für ihn in der Gesellschaft nicht mehr in Betracht kommt* Dieser - in der Person des Beklagten liegende - Grund gewinnt unter den gegebenen Umständen bei der im Rahmen des § 140 HGB gebotenen Abwägung der gesamten Verhältnisse und der Interessen beider Teile besonderes Gewicht* Denn einerseits kann den Klägern nicht zugemutet werden, die Gesellschaft, die zwar nicht von jeher Familiengesellschaft war, die aber seit dem Jahre 1966 zu einer solchen der Familie geworden und an deren früherer Entwicklung der verstorbene Kläger zu 1 maßgeblich beteiligt gewesen war, mit dem Beklagten fortzusetzen, obgleich das familiär und geschäftlich für sie jeden Sinn verloren hatte und obendrein mit erheblichen Spannungen beladen wäre. Das Berufungsgericht hat auch nicht festzustellen vermocht, daß die ihm eingeräumte Beteiligung eine Art Entgelt für seine bisherigen Verdienste als Angestellter im Unternehmen darstellen sollte; dementsprechend waren ihm auch Kapitalanteile der übrigen Gesellschafter, was sonst nahegelegen hätte, nicht überschrieben worden. Der sonst von der Rechtsprechung angewandte Grundsatz, daß an die Ausschließung eines Kommanditisten wegen seiner schwächeren Stellung in der Gesellschaft im allgemeinen schärfere Anforderungen zu stellen sind als an die eines persönlich haftenden Gesellschafters (BGH LM HGB § 142 Nr. 13), kann unter Umständen dieser Art keine Rolle spielen, ganz abgesehen davon, daß die weitere Beteiligung des Beklagten auch für die in Aussicht genommene Umgestaltung der Gesellschaft ein wesentliches Hemmnis bilden könnte. Den Rechtssatz, daß die Ausschließung eines Gesellschafters nur das letzte Mittel sein darf und nicht in Betracht kommt, wenn sich eine zu demutbare andere Lösung finden läßt, hat das Berufungsgericht berücksichtigt, die Möglichkeit einer solchen Lösung aber mit rechtsfehlerfreier Begründung verneint.