BGH · II ZR 28/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Pie Kraftfalir-Haftpflichtversicherung umfaßt grundsätzlich nicht auch die Kosten der Neben-*' klage des Geschädigten, deren Erstattung dem Haftpflichtversicherten im Strafverfahren auf^ erlegt worden ist. mann eine Knieprellung erlitt« In dem gegen ihn eingeleiteten Strafverfahren wurde SJfHHfcals Nebenkläger zugelassen« Hiervon erfuhr die Beklagte erst nach Abschluß des Strafverfahrens durch ein Schreiben des Prozeßbevollmächtigten des Klägers« Vor dem Amtsgericht wurde der Kläger wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt« Seine Berufung hatte im Strafmaß nur teilweise Erfolg« Seine Revision wurde als offensichtlich unbegründet verworfen« Auch im Berufungs- und Revisionsverfahren trat S^m^als Nebenkläger auf.Mit Beschluß vom 26« September 1955 setzte das Amtsgericht die vom Kläger zu erstattenden Kosten der Hebenklage auf 639,65 DM fest« Auf Grund dieses Beschlusses hat Vollstreckungsmaßnahmen gegen den Kläger eingeleitet. Der Kläger hat geltend gemacht, die Beklagte müsse ihn auf Grund des Versicherungsvertrages von dem Kostenerstattungsanspruch des Nebenklägers freisteilen, weil es sich hierbei zugleich um einen privatrechtlichen Haftpflichtan-spruch im Sinne der §§ 149 VVG, 10 Ziff.1 AKB handle. Dadurch, daß die Beklagte dieser Verpflichtung bisher nicht nachgekommen sei, sei ihm ein sehr hoher Verzugsschaden entstanden« Der Kläger hat beantragt, die Beklagte zu verurteilen, an ihn 650 DLI nebst Zinsen als Teilbetrag des ihm aus dem Versicherungsverhältnis zustehenden Befreiungsanspruchs zu zahlen* . Sie ist der Auffassung, der auf einem strafprozessualen Kostenfestsetzungsbeschluß beruhende Anspruch des Nebenklägers sei ausschließlich öffentlichrechtlicher und nicht zivilrechtlicher Natur* Die Kosten der Nebenklage seien kein durch die Körperverletzung adäquat verursachter Schaden, da sie durch einen freiwilligen Sntschluß des Verletzten veranlaßt und nicht zur Beseitigung der TJnfallfolgen, sondern zu ganz anderen Zwecken aufgewandt worden seien» Zudem regele die Sondervorschrift des § 150 WG die Kostenerstattungspflicht des Versicherers abschließend und schränke insoweit den allgemeinen Deckungsgrundsatz des § 149 WG ein* Schließlich entfalle der Anspruch des Klägers auch deswegen, weil er ihr den Beitritt des Nebenklägers verspätet angezeigt und dadurch seine Obliegenheiten aus § 7 AKB verletzt habe» Das Berufungsgericht hat angenommen, daß die Dek-kung von Hebenklagekosten des Verletzten nicht zu den Vertragspflichten der Beklagten gehöre» Bs hat dies in der Hauptsache damit begründet, daß § 150 WG als Sonderbestimmung für das Deckungsverhältnis abschließend regele, welche durch ein gerichtliches Verfahren veranlaßten Kosten der Haftpflichtversicherer zu tragen habe, und daß daneben für einen auf § 149 WG gestützten Befrei- ungsanspruch des Versicherten hinsichtlich der ihm auferlegten Nebenklagekosten selbst dann kein Kaum mehr sei, wenn der Dritte seinen Anspruch auf Ersatz dieser Kosten nicht nur auf den strafprozessualen Kostenausspruch,sondern auch auf materiellrechtliche Schadenersatzbestimmungen stützen könne« was jedoch zu verneinen sei* Mithin brauche der Ilaftpflichtversicherer nach § 150 Abs. 1 Satz 1 und 3 VVG die Kosten des Nebenklägers nur dann zu übernehmen* wenn der Nebenkläger im Strafverfahren eine Buße verlange oder das Adhäsionsverfahren betreibe, oder wenn der Versicherte die Verteidigungskosten auf Weisung des Versicherers aufgewandt habe. Bei der Haftpflichtversicherung umfaßt der Anspruch des Versicherungsnehmers gegen den Versicherer auf Gewährung von Versicherungsschutz im Rahmen der gesetzlichen und vertraglichen Bestimmungen (5§ 149, 150 WG, .§§ 1,* 3 AHB, § 10 AXB) sowohl die Befriedigung begründeter als , auch die Abwehr unbegründeter Schadenersatzansprüche einschließlich der damit verbundenen Kosten sowie den Rechtsschutz im Zivilund Strafverfahren (vgl. Dieser prozessuale Kostenerstattungsanspruch ist aber nach den zutreffenden Ausfüh- ‘ rungen des Berufungsgerichts von einem privatrechtlichen Schadenersatzanspruch durchaus verschieden« Er hat seine Grundlage nicht im bürgerlichen Haftpflichtrecht, sondern ausschließlich in den Xostcnbestimmungen der StPO. Ob die Beklagte nach § 149 WO für die Hebenklagekosten dann eintreten müßte» wenn der Unfallgeschädigte den Kläger nicht nur auf Grund eines strafprozessualen Kostentitels, sondern zivilrechtlich aus dem Gesichtspunkt des Schadenersatzes mit Erfolg auf Ersatz dieser Aufwendungen in Anspruch genommen hätte (vgl» §§ 154 Abs» 1, 156 Abs. 2 WG), oder ob auch insoweit der allgemeine Preistellungsgrundsatz der §§ 149 WG» 10 Ziff»l AKB durch die Sonderregelung des § 150 VVG eingeschränkt wird, wie das Berufungsgericht angenommen hat, braucht hier nicht entschieden zu werden» Denn der Kläger hat selbst nicht vorgetragen, daß der Verletzte-einen solchen Schadenersatzanspruch gegen ihn geltend gemacht habe. Deshalb kann auch offenbleiben, ob einem Nebenkläger neben dem verfahrensrechtlichen auch ein sachlichrechtlicher, vom Ausgang des Strafverfahrens unabhängiger Kostenerstattungsanspruch überhaupt zusteht* und obe sich dieser aus den Vorschriften Liber unerlaubte Handlungen oder aus § 7 StVG herlaiten läßtP • \7er einen Versicherungsvertrag nach den AKB abgeschlossen hat, muß nur solche Vertragsbedingungen gegen sich gelten lassen, die in den Klauseln der AKB selbst genügenden Ausdruck gefunden haben; er braucht sich hingegen nicht auf Versicherungsbedingungen verweisen zu lassen, die für andere Versicherungszweige aufgestellt sind, denen er sich nicht unterworfen hat und die demgemäß auch nicht Vertragsinhalt geworden sind« Mithin ist in Ermangelung einer ausdrücklichen VertragsbeStimmung auf die gesetzliche Vorschrift des § 150 VVG zurückzugehen« a) Bach der Sonderregelung des § 150 Abs« 1 Satz 1 WG umfaßt die Versicherung die gerichtlichen und außergerichtlichen, den Umständen nach gebotenen Kosten, die durch die Verteidigung gegen den von einem Dritten geltend gemachten Anspruch entstehen« Diese Bestimmung setzt die Erhebung eines zivilrechtlichen Anspruchs voraus, sie betrifft also, soweit Prozeßkosten in Präge stehen, grundsätzlich nur die Kosten eines bürgerlichen Rechtsstreits« Darüber hinaus wird sie auch dann entsprechend an zur; enden sein, wenn der Dritte im Strafverfahren eine Buße verlangt oder das Adhäsionsverfehren nach den §§ 403 ff StPO betreibt; denn insoweit verfolgt er einen zivilrechtlichen Anspruch, wobei auch die Buße nur als eine besondere Porm des Schadenersatzes anzusehen ist (Begründung zu § 150 VVG, Reichstagsdrucksache ITr. 364, 12« Legislaturperiode I« Session 1907 Anlage 1 S« 144, abgedr« bei Ger-hard/Hagen/IIanes, Komm« zu dem WG 1908 S. gerichtlichen Kosten, die durch die Verteidigung gegen de$ von einem Dritten geltend gemachten Anspruch entstehen»^ spricht.Noch deutlicher unterscheidet der 1939 neu gefaßte § 150 Abs, 2 WG zwischen den Kosten, »die in einem auf Veranlassung des Versicherers geführten Rechtsstreit entstehen», und den »Kosten der Verteidigung nach Abs. 1 Satz 3». Unter den Kosten der Strafverteidigung sind bei unbefangener Auslegung nur solche Kosten zu verstehen, die der Angeklagte selbst aufwendet, um einen Ifreispruch oder eine mildere Bestrafung zu erzielen, also insbesondere die Gebühren des Verteidigers, v/ie dies auch § 3 Ziff.II 1 AH3, mit dem § 150 Abs. 1 Satz 3 WG in Übereinstimmung gebracht werden sollte, ausdrücklich besagt. Ob der Versicherer unter einem anderen rechtlichen Gesichtspunkt einen im Strafverfahren verurteilten Versicherungsnehmer von den Nebenklagekosten dann freisteilen müßte, wenn der Versicherungsnehmer auf seine ausdrückliche Weisung Einspruch gegen einen Strafbefehl oder ein Rechtsmittel gegen das Strafurteil eingelegt und der Geschädigte sich daraufhin der öffentlichen Klage als Nebenkläger angeschlossen hat, kann hier unerörtert bleiben (vgl. Demnach hat das Berufungsgericht mit Recht den Kläger mit seinem Anspruch auf Erstattung der an den Verletzten zu zahlenden Uebenklagekosten angewiesen und der Widerklage stattgegeben.