BGH · II ZR 28/53 vom 27.01.1954
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April 1950 ca 80 cbm Fichte-Tanne Blockware zu dem Preise von DM 125 je cbm, Auf diese Abschlüsse, um deren Erfüllung die Klägerin im Jahre 1950/1951 wiederholt, wie unstreitig ist, mahnte, lieferte der Beklagte nur schlep- ; pend einen Teil der verkauften Holzmengen, Er blieb mit der Lieferung von 205 cbm Rohhobler im Rückstand, auf die von ihm verkauften 80 cbm Blockware lieferte er nichtSo Auch dies ist zwischen den Parteien unstreitig. In den Jahren 1$50 und 1951 stiegen die Holzpreise beträchtlich; der Beklagte drängte die Klägerin auf Erhöhung der vereinbarten Preise; diese erklärte sich bereit, statt der vereinbarten DM 115,40 je cbm Rohhobler DM 120 zu zahlen* Mit i einer derartigen, nach seiner Ansicht unzureichenden Preiserhöhung erklärte sich der Beklagte jedoch nicht einverstanden, er teilte daher der Klägerin am 7v Februar 1951 mit, dass er mit Rücksicht auf den damaligen Listenpreis für Rohhobler bereit sei, ihr die restliche Ware zu DM 140 entgegenkommender- ? Bei Einverständnis hiermit versprach er rascheste Lieferung, Mit Schreiben vom 12, April 1951 erklärte sich die Klägerin unter Bezugnahme auf das Schreiben des Beklagten vom 7p Februar 1951 bereit, den Preis von DM 113,40 je cbm Rohhobler auf DM 140 zu erhöhen und bat den Beklagten, di<|,, Restmenge, wie versprochen, schnellstens zu liefern. Auf dieses Sehreiben erwiderte der Beklagte, er sei bereit, gegen Banfe Sicherheit die restlichen 205 cbm Rohhobler zu dem Preise von 215 DM je cbm und 80 cbm Blockware für 225 DM je cbm abzüglich 10 io Provision zu liefern. Es hat ausgeführt, der Beklagte sei im Verzüge gewesen und daher der Klägerin schadensersatzpflichtig» Die Klägerin habe ; ihren Schaden abstrakt berechnet» Bei dieser Berechnung habe die Klägerin die damals noch geltenden Höchstpreise beachten • müssen, wenn auch zu der damaligen Zeit Holz nur zu erheblich, höheren Preisen gehandelt worden sei« ' Auf die Berufung, in der die Klägerin ihren Klagantrag auf ■ insgesamt DM 15<.000 nebst Zinsen beschränkt hat und nun-mehr zur konkreten Schadensersatzberechnung unter Nachweis von Deckungskäul'en, was-sie sich bereits in der Klage Vorbehalten • hatte, übergegangen ist, hat das Berufungsgericht den Beklagten zur Zahlung von weiteren DM 10.095 verurteilt« Hiergegen wendet •sich die Revision, mit der der Beklagte die Wiederherstellung ■des Urteils des ersten Hechtszuges erstrebt« Die Klägerin hat um Zurückweisung der Revision gebeten« Entscheidungsgründei Das Berufungsgericht hat unter Berücksichtigung des gesamten Inhalts der Verhandlungen die Mitteilung der Klägerin im Mai 1950 an den Kraftfahrer des Beklagten, es solle wegen Platzmangel kein Holz mehr geliefert werden, dahin gewürdigt, : dass in dieser Erklärung kein Rücktritt von den Kaufverträgen zu erblicken gewesen sei, sondern diese Erklärung nur dahin verstanden werden könnte, dass der Beklagte kein Holz in der allernächsten Zeit anliefern sollte, da der der Klägerin zur Verfügung stehende Lagerplatz bereits mit anderer Ware voll belegt war» Der Beklagte habe die Erklärung der Klägerin auch offensichtlich in diesem Sinne verstanden; er habe in der Folgezeit, wie aus dem Briefwechsel hervorgehe, seine Lieferungsverpflichtung zunächst nicht bestritten und auch tatsächlich in Erfüllung der Kaufverträge nach dieser Erklärung der Klägerin noch Holz geliefert« An diese Würdigung des Verhaltens der Parteien, die zu Bedenken keinen Anlass gibt, ist das Revi; onsgericht gebunden» Die Revision erhebt auch hiergegen kei Angriffe» Ebenso ist dem Berufungsgericht darin zu folgen, wenn es bei der rechtlichen Beurteilung des Rechtsstreits ö von ausgeht, dass der Preis für die Rohhobler nachträglich DM 140 je cbm erhöht worden sei» Der Beklagte habe die Klag, rin mit Rücksicht auf das andauernde Steigen der Holzpreise der damaligen Zeit im Schreiben vom 7. Februar 1951 gebeten; ihm diesen Preis zu bewilligen» Hierauf sei die Klägerin na* anfänglichem Sträuben erst mit Schreiben vom 12» April 1951 zurückgekommen, in welchem sie ihr Einverständnis mit der Ei höhung des Preises erklärt habe. Auf dieses Schreiben habe Beklagte nicht geantworteto In dem Schreiben vom 12» April 1951 könne allerdings, so führt das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum aus,, keine Annahme des Angebotes des Beklagten vom 7o Februar 1951 mehr erblickt werden, wohl aber ein neue Antrag der Klägerin, den der Beklagte stillschweigend an genommen'habe» Dieses Schweigen des Beklagten müsse nach Treu und Glauben als ein Einverständnis des Beklagten angesehen werden, und zwar sei es spätestens in dem Zeitpunkt erfolgt, in welchem die Klägerin unter normalen Umständen mit dem Ein gang einer ablehnenden Antwort habe rechnen können» Auch an diese Auslegung der Willenserklärung des Beklagten durch das, Berufungsgericht ist das Revisionsgericht gebunden» Auch 'hie gegen erhebt die Revision keine Einwendungen» Ebenso sind di. weiteren Ausführungen des Berufungsgerichts, dass der Beklag sich nach den wiederholten Mahnungen im Verzüge befunden hat' und die Klägerin von ihm Schadensersatz wegen Nichterfüllung, verlangen könne, rechtlich frei von Bedenken, nachdem die tX rin dem Beklagten bereits am 14-»Juni 1951 eine "letzte Frist zur Bieferung des Restpostens des Holzes bis spätestens Augu 1951 und hierauf nochmals am 10»September 1951 eine weitere letzte Frist zur Bieferung bis zu dem 15»September 1951 mit der Erklärung ge- setzt hatte, dass sie nach fruchtlosem Ablauf der Frist die ■ Annahme der Leistung ablehnen und Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen werde» Die Fristsetzung am 10» September 1951 sum 15» September 1951 hat das Berufungsgericht nach den Umständen des Falles als nicht angemessen erachtet, wohl aber sei, so hat das Berufungsgericht ausgeführt, durch diese Frist-Setzung eine angemessene Nachfrist in Lauf‘gesetzt worden, deren Ende mit Rücksicht auf die bereits am 14. Es kann der Revision nicht darin gefolgt werden, dass der Gläubiger, der dem Schuld-her eine zu kurze Nachfrist gesetzt hatte, sich nicht auf die Rechtsfolgen berufen könne, die ihm gegebenenfalls daraus er- '' wachsen, dass das Gericht die ursprünglich vom Gläubiger.zu kurz bemessene Frist auf eine angemessene Dauer erstreckt, Sinn und Zweck der Setzung einer Nachfrist aus § 326 BGB ist, dass mit Ablauf der angemessenen Nachfrist der beiderseitige Anspruch auf Vertragserfüllung erlischt und der die Frist setzende Vertragsteil nunmehr die Wahl zwischen Rücktritt vom Vertrage und Schadensersatz wegen Nichterfüllung hat.-Die Klä^; gerin war daher, wie dem Berufungsgericht zuzustimmen ist, mit Ablauf der angemessenen Nachfrist gemäss § 326 BGB berechtigt, von dem Beklagten Schadensersatz wegen Nichterfüllung insoweit zu verlangen, als der Beklagte seinen Verpflichtungen aus den zwischen den Parteien abgeschlossenen drei Kaufverträgen nicht, nachgekommen ist. Die noch im Sommer 1951 formell gültigen Preise seien durch die tatsächlichen Verhältnisse auf dem Holzmarkt als überholt angesehen worden/ Die zuständigen Behörden hätten weder den Willen noch die Macht gehabt, ihren nicht mehr zeitgemässen, der Wirtschaftslage widersprechenden Preisanordnungen Geltung zu verschaffen» Praktisch sei Holz zu den Pest- bezw Höchstpreisen bis zu dem Erscheinen der neuen Schlüsselpreise nicht zu erhalten gewesen» Bei. einer solchen Sachlage habe, so führt das Berufungsgericht weiter aus, der Beklagte beweisen müssen, dass es der xvlägerin möglich gewesen sei, in dieser Zeitspanne zu den damals noch formell gültigen Pestpreisen eihehViDeöfcungskauf vorzunehmen» Biesen Beweis habe n er jedoch nicht erbracht» Da die Schadensersatzleistung den Zustand wieder hersteilen solle, der bestanden haben würde, wenn der zu dem Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre, müsse der Schadensersatzberechnung der Klägerin derjenige Preis zugrunde gelegt werden, zu welchem es ihr möglich gewesen sei, einen Holzkauf zu tätigen. Dies sei aber zeitlich erst nach der Preiserhöhung vom 16» Oktober 1951, und zwar zu den neu veröffentlichten Schlüsselpreisen der Pall gewesen» Hur diese PrejU se könnten daher der Schadensersatzberechnung zugrunde gelegt werden» Diese Preise hatten sich für den cbm Rohhobler auf DM 190, für Blockware auf DM 190 - 205 gestellt» Zu einem nie-drigeren Preis hätte die Klägerin auch nicht auf dem ’’grauen Markt” kaufen können, denn diese Preise hätten nach dem Gutachten des Sachverständigen für beide Qualitäten ungefähr bei Dl 225 je cbm gelegen» Gegen diese Ausführungen des Berufungsgerichts wendet sich die Revision» Zu Unrecht habe das Berufungsgericht eine Nachprüfung des konkreten Schadens unterlassen, sondern nur den abstrakten Schaden errechnet und festgestellt» Diese vom Berufungsgericht vorgenommene Errechnung des abstrakten Schadens sei aber rechtsirrig» Nach § 526 BGB müsse der Käufer als Stichtag der Schadensberechnung entweder den Zeitpunkt des Verzuges oder des Ablaufes der Nachfrist nach seiner Wahl Da das Berufungsgericht seine Entscheidung auf eine strakte Schadensersatzberechnung der Klägerin abgestellt u wie der Revision zuzugeben ist, die konkrete Schadensersatz rechnung der Klägerin nicht überprüft hat, so musste das He sionsgericht prüfen, ob bei abstrakter Schadensersatzberech das Berufungsurteil aufrecht erhalten werden konnte. auch der Revision grundsätzlich zuzustimmen, dass der Käufer, der seine Wahl dahin getroffen hat, dass er seiner Schadensersatzforcierung den Marktpreis der Ware im Zeitpunkte, des Ablaufs der Nachfrist zugrunde legen will, sich bei Berechnung des abstrakten Schadens an die behördlichen Preisvorschriften, die in diesem Zeitpunkt in Geltung sind, halten muss» Wenn jedoch, wie im vorliegenden Rechtsstreite, ein Marktpreis' für das der Klägerin verkaufte Holz schon vom Juli 1951 an nicht mehr bestand, die Holzwirtschaft nur Lieferungsverträge zu den am 1. Oktober 1951 erwarteten neuen Schlüsselpreisen abschloss, da die noch formell gültigen behördlich festgesetzten Preise von den holzwirtschaftlichen Betrieben als der Wirtschaftslage nicht entsprechend angesehen wurden und die Preisbehörde selbst sich dieser Ansicht nicht verschliessen konnte, so war unter Berücksichtigung dieser aussergewöhnlichen Umstände der Klägerin nach Treu und Glauben nicht zuzu demuten, dass sie allein diese noch formell gültigen, aber tatsächlich überholten Preise., muss es als Rechtsmissbrauch des Beklagten angesehen werden, ■ wenn er die Klägerin bei Berechnung des ihr von ihm zugefügten Schadens auf die formell hoch gültigen,aber überholten Preise .. setziichen Regelung von der Klägerin zu verlangen, dass sie] ihrer Schadensersatzberechnung die überholten Richtpreise, am 1„ Oktober 1951 noch formell Gel tu ng hatten, zugrunde lejj Es entspricht vielmehr Treu und Glauben im redlichen Ge schäl verkehr, der Klägerin zuzubilligen, bei ihrer Schadensersatz berechnung den Marktpreis in Rechnung zu stellen, der durch neuen Schlüsselpreise, deren Veröffentlichung sich zwar ven gerte, aber für das mit dem 1» Oktober 1951 beginnende Holzwirtschafts ^ahr zunächst Geltung haben sollte, in Rechnung^ stellen, von denen die gesamte Holzwirtschaft, die zuständig »v Behörden und vor allem der Beklagte selbst wussten, dass er schon Monate vor seiner Veröffentlichung als angemessen ange sehen werden musste.