BGH · II ZR 26/72 vom 25.06.1973
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Die bezogene Bank 1st grundsätzlich nicht verpflichtet, nachträglich das anfragende Kreditinstitut zu unterrichten, wenn nach erteilter Scheckauskunft GrUnde eintret en, derentwegen sie den Scheck nicht einlösen wird« Nur ausnahmsweise unter ganz besonderen Umständen kann nach Treu und Glauben eine solche Benachrichtigungspflicht bestehen« März 1970 erhielt die Klägerin gegen 11,40 Uhr einen von der E^P&usgestellten und auf die Beklagte gezogenen Scheck über 40.000 DM. März 1970 zugesagt, der Klägerin die Einlösung des Schecks zu bestätigen, nachdem diese ihr einen Wechsel über 43.000 bis 30.000 DM zu dem Kauf angeboten habe. Sie habe den Scheck nur deshalb nicht eingelöst, weil die EflB den Wechsel der Beklagten nicht wie zugesagt übergeben habe. Das sei ein Alarmzeichen gewesen, weil die Ef^PfÜr sie ein Sparkassengebäude habe errichten sollen und ihre Zahlungen auf den Werklohn den Wert der bis dahin von der EBP erbrachten Leistungen um 70.000 DM überschritten habe. Im übrigen stehe der Klägerin auch deshalb kein Schadensersatzanspruch zu, weil sie ihre Forderungen gegen die EflÜaus den Sicherheiten werde voll abdecken können. Das Berufungsgericht begründet die Klagabweisung damit, ein Auskunftsvertrag sei wegen der dem Angestellten Richter fehlenden Vertretungsmacht nicht zustande gekommen und entfalle daher als Haftungsgrundlage. Der Abschluß eines AuskunftsVertrages kann nicht, wie das Berufungsgericht meint, daran gescheitert sein, daß dem Angestellten RflUB die Vertretungsmacht für den Abschluß einer solchen Vereinbarung gefehlt hat. Dagegen hat das Berufungsgericht einen Garantievertrag mit Recht als Haftungsgrundlage verneint« Er kommt bei einer Scheckauskunft nur unter ganz besonderen Umständen in Betracht (BGHZ 49, 167» 168)« Solche ergeben sich aus dem Sachvortrag der Klägerin nicht« II« Dem Berufungsgericht ist entgegen der Meinung der Revision darin beizutreten, daß die Beklagte die Scheckanfrage am 16« März 1970 zutreffend beantwortet hat und daher Insoweit eine Pflicht zu dem Ersatz des von der Klägerin behaupteten Schadens ausscheidet« Der wegen der Einlösung eines Schecks Befragte, in der Regel der KontofUhrer, muß zwar bei der Erteilung der Auskunft nicht nur den auf dem Kontoblatt oder ihm gleichkommenden Aufzeichnungen vermerkten Stand des Kontos des Scheckausstellers, sondern auch die schon im Geschäftsgang befindlichen und zur Belastung des Kontos führenden Wechsel (BGHZ 49, 167, 169), Schecks, Überweisungen und Pfändungen sowie ihnen in der Wirkung entsprechende Verfügungen berücksichtigen, weil dem Anfragenden sonst kein treffendes Bild darüber vermittelt wird, ob der Scheck eingelöst werden kann« Die von der Beklagten erteilte Auskunft war unter diesem Gesichtspunkt richtig« Das Guthaben der Efli genügte, um den Scheck einzulösen« Verfügungen über das Konto, die noch zu erledigen gewesen waren, lagen nicht vor« Auf die Behauptung der Klägerin, die Beklagte habe der EflP gegenüber die Einlösung des Schecks,von der am Vormittag des 16« März 1970 versprochenen Hereingabe eines Wechsels über 43*000 bis 50«000 DM abhängig gemacht, dies der Klägerin jedoch vorenthalten und den Scheck gerade deshalb nicht eingelöst, weil die EflPihr diesen Wechsel alsdann nicht übergeben habe, kann sich die Revision nicht berufen, weil die Beklagte das bestritten und die Klägerin diese Behauptung nicht unter Beweis gestellt hat« Einen Vorbehalt wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage der EHB brauchte die Beklagte entgegen der Ansicht der Revision schon deshalb nicht zu machen, weil die EflB Kundin der Klägerin war und diese mit den Verhältnissen daher mindestens ebenso vertraut sein mußte« Entgegen der Meinung der Revision war die von der Beklagten erteilte Auskunft auch nicht deshalb unrichtig, weil die Beklagte den Scheck als "in Ordnung" bezeichnet hat, ohne wegen ihres an die E|B vorausgezahlten Werklohnes für die Errichtung eines Sparkassengebäudes, eines möglichen Schadensersatzoder Rückerstattungsanspruches und eines deswegen bestehenden Pfandrechtes einen Vorbehalt zu machen« Die auskunftserteilende Bank braucht nur auf solche Rechte hinzuweisen, die die Einlösung des Schecks verhindern können und mit deren Ausübung im Zeitpunkt der Scheckanfrage zu rechnen ist« Aus dem angefochtenen Urteil folgt aber, daß die Beklagte, als sie die Auskunft erteilte, noch keinen konkreten Anlaß hatte, daran zu zweifeln, daß die ElBihre Arbeiten an dem Sparkassengebäude fortsetzen und planmäßig beenden werde. III« Eine Schadensersatzpflicht der Beklagten kann aber aus einem anderen rechtlichen Gesichtspunkt in Betracht kommen, den das Berufungsgericht noch nicht erörtert hat. Das schließt aber nicht aus, daß die auskunftserteilende Bank ausnahmsweise unter ganz besonderen Umständen eine Benachrichtigungspflicht hat* Rechtsprechung und Schrifttum haben in verschiedenartigen Fällen angenommen, auch nach der eigentlichen Vertragsabwicklung könnten im Rahmen des Zumutbaren unter dem Gesichtspunkt von Treu und Glauben gewisse Hnachvertraglichen Handlungs- oder Unterlassungspflichten bestehen, damit dem Vertragspartner nicht unverhältnismäßige, mit der vorhergegangenen Vertragserfüllung zusammenhängende Schäden entstehen* Ein solcher Fall liegt hier vor, soweit das nach dem bisherigen Parteivortrag angenommen werden kann* Es handelte sich Diese mußte, als sie alsbald nach erteilter Auskunft die Nachricht von der verschlechterten Lage der EUB erhielt und das selbst als "Alarmzeichen" beurteilte, ohne weiteres übersehen, daß für die Klägerin, wenn sie, wie es häufig vorkommt, ihre Kundin bereits über den unter "Eingang Vorbehalten" gutgeschriebenen Betrag verfügen ließ, bei Nichteinlösung des Schecks kaum noch Aussicht bestand, den kreditierten Betrag von der Ei^P zurückzuerlangen• Zweifellos war die Beklagte deswegen nicht gehindert, das Guthaben für sich selbst in Anspruch zu nehmen. Wenn sich daher die Geschäftsleitung der Beklagten, die von der kurz zuvor erteilten Scheckauskunft wußte und die für die Klägerin drohenden nachteiligen Folgen in etwa abschätzen konnte, selbst entschloß, schleunigst dieses Eigeninteresse wahrzunehmen, dann war es andererseits ein einfaches, im Rechtsverkehr der Banken untereinander nach Treu und Glauben zu beachtendes Gebot der Rücksicht, durch einen leicht zu veranlassenden Anruf die Klägerin davon zu unterrichten, der Scheck werde entgegen der vorhergegangenen Mitteilung nicht eingelöst werden. Daß ihr Anruf zu spät kommen würde, konnte sie nicht ohne weiteres annehmen, da eine Verfügung über die Gutschrift der Schecksumme, die die Klägerin zugelassen haben sollte, weil der Scheck als "in Ordnung" bezeichnet worden war, stets auch gewisse Zeit in Anspruch nimmt, besonders bei zentralen Buchungsmethoden. Eine abschließende Entscheidung des Rechtsstreits in der Revisionsinstanz ist jedoch schon deshalb nicht möglich , weil dieser rechtliche Gesichtspunkt in den Vorinstanzen nicht erörtert worden ist und die Parteien daher zunächst Gelegenheit haben müssen, insoweit ihren Tatsachenvortrag zu ergänzen, und zwar auch zu der für eine Schadensersatzpflicht der Beklagten erheblich«Frage, ob die Klägerin tatsächlich, falls sie von der Beklagten unterrichtet worden wäre, die Verfügung über die Gutschrift noch hätte verhindern können. Da das Berufungsgericht, von seinem Standpunkt aus zu Recht, noch nicht geprüft hat, ob die Klägerin im Hinblick auf die ihr zur Verfügung stehenden Sicherheiten der EHi einen Schaden erlitten hat, muß der Sachverhalt, falls sich im Übrigen die Voraussetzungen für eine Haftung der Klägerin ergeben, auch insoweit noch geklärt und, wenn die Beklagte danach ersatzpflichtig sein sollte, weiter unter sucht werden, ob ihre Hilfsaufrechnung durchgreift.