BGH · II ZR 23/55
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
nommenen Personen-Kautionsversicherung iVer-trauensschädenversicherung) ist der Versicherer von der Verpflichtung zur Leistung frei, wenn, der Versicherungsnehmer bei Abschluß des Versicherungsvertrages weiß, daß der Versicherungsfall schon eingetreten ist* ftZur Sicherung des Erschienenen zu 1) (Klägers) gegen alle vorsätzlichen oder fahrlässigen Pflichtverletzungen des Erschienenen zu-2) (PvP) oder seines Stellvertreters aus dem vorstehend geschlossenen Sicherüngsübereignungsvertrage - darunter fällt insbesondere auch eine Veräußerung der übereigneten Maschinen an Dritte, deren Verpfändung, deren vorsätzliche oder fahrlässige Beschädigung, die Unterlassung einer Anzeige an den Erschienenen zu 1) von etwaigen Pfändungen durch dritte Personen - hat der Erschienene zu 2) zugunsten des Erschienenen zu 1) eine Kautionsversicherung (Vertrauensschädenver-sicherung) mit einer Versicherungssumme von 20,000 DM. Schon mit der ersten Zins- und Tilgungsrate für das Darlehen blieb PflU im Verzug, Daraufhin machte der Kläger von der vertraglichen Verfallsklausel Gebrauch und erwirkte gegen Pfl^ einen rechtskräftigen Vollstreckungs-befehl über den gesamten Darlehensbetrag, Im Vollstrek-• kungsverfahren stellte sich heraus, daß Pfl^ die Maschinen bereits am 1, Oktober.1951 für ein Darlehen von 35^000 DM an einen Mainzer Kaufmann zur Sicherheit übereignet hatte. Der Kläger fordert von der Beklagten auf Grund dieses Vertrages den Ersatz des ihm entstandenen Schadens, Er hat beantragt, die Beklagte zur Zahlung von 20,000 DM nebst.. Sie hat sich auf die von ihr erklärte Anfechtung berufen und weiter ausgeführt, nach dem Wortlaut des Versicherungsscheins und des Darlehensvertrages habe sich der Versicherungsschutz nur auf solche Pflichtverletzungen des Versicherungsnehmers PO erstrecken sollen, die zeitlich nach Abschluß des DarlehensVertrages gelegen hätten* Außerdem entfalle ein Versicherungsanspruch schon deswegen, weil der Versicherungsfall bereits vor Abschluß des Versicherungsvertrages eingetreten sei und Pilz dies bei Vertragsabschluß gewußt habe* Es kann dahingestellt bleiben, ob der von der Revision bekämpften Auffassung des Berufungsgerichts gefolgt werden kann, daß die zugunsten- des Klägers genommene Versicherung nach den bei ihrem Abschluß getroffenen Vereinbarungen von vornherein nur die. eignungsvertrages zu erv/achsen drohten* Der Klageanspruch ist jauch dann nicht begründet, wenn man mit der Revision annimmt* daß sich der Versicherungsschutz ganz allgemein auf alle Schäden erstrecken sollte, die dem Kläger im Zusammenhang mit der Sicherungsübereignung durch Pflichtverletzungen des PHP entstehen konnten* Bei der Personen-Kautionsversicherung (Vertrauensschädenversicherung) ist Gegenstand des Versicherungsschutzes die Gefahr, daß der Versicherungsnehmer das Vertrauen des Versicherten enttäuscht, indem er vorsätzlich oder fahrlässig die ihm anvertrauten Vermögensinteressen des Versicherten pflichtwidrig verletzt. Eine versicherbare Gefahr wurde für den Kläger erst in dem Augenblick begründet, als ihm die Maschinen zur Sicherheit für das an Pfl^ zu gewährende Barlehen übereignet werden sollten und er damit selbst in eine rechtliche Beziehung zu diesen Gegenständen trat«. Benn dadurch, daß PflD dem Kläger die bereits erfolgte Veräußerung der Maschinen verschwieg und ihn unter Vorspiegelung einer in Wirklichkeit nicht bestehenden Sicherung zu dem Abschluß des Bar lehensvertrage s anlaßte, verletzte er das ihm.vom Kläger entgegengebrachte Vertrauen und löste damit dasjenige Ereignis aus, das bei einer Vertrauensschädenversicherung die entscheidende Voraussetzung für die Leistungspflicht des Versicherers bildeto • Hieran ändert es nichts, daß die Auszahlung des Darlehens erst einige Tage später erfolgtes denn damit erfüllte der Kläger nur seine Verpflichtungen aus dem bereits abgeschlossenen Darlehensvertrag* Unerheblich ist auch; daß erst im späteren Vollstreckungsverfahren deutlich geworden ist, in welchem Maße sich das betrügerische Verhalten des zu dem Nachteil des Klägers ausgewirkt hatte* Denn der Eintritt eines Schadens ist auch bei der • Schadenversicherung grundsätzlich kein wesentliches Tat-best and smerkmal des Versicherungsfalles selbst, sondern nur eine weitere selbständige Voraussetzung für die Haftung des Versicherers (BGHZ 16* 37 /437? 193)* Endlich ist es für die Präge nach dem Zeitpunkt des Versicherungsfalles belanglos, daß P^^ den Kläger auch nach Abschluß des Vertrages vom 3* Januar 1953 nicht Uber die wahre Sachlage aufgeklärt hat und man darin vielleicht einen weiteren fortgesetzten Vertrauensbruch erblicken könnte*. Der Versicherungsfall ist somit bereits vor Abschluß des Versicherungsvertrages vom 9* Januar 1953 eingetreten« Nach dem Versicherungsschein sollte allerdings die Versicherung bereits am 1« Januar.1953 beginnen* Es kann dahingestellt bleiben, ob hiermit nur der technische Beginn der Versicherung, d*h* der Zeitpunkt, von dem an eine Prämie zu entrichten war, oder der materielle Versio herungsbe ginns d.h« der Beginn der Gefahrtragung durch die Beklagte gemeint war* Auch im letzteren Pall, also auch bei Annahme einer echten RückwärtsVersicherung mit Wirkung ab i«: Januar 1953? ist nämlich die Beklagte nach den zutreffenden Ausführungen des Berufungsgerichts gemäß § 2 Abs 2 Satz 2 WG gleichwohl von ihrer leistungspflicht frei, weil dann der Versicherungsnehmer Pilz bei Abschluß daß der Versicherungsfall bereits eingetreten war» Die Vorschrift des § 79 VVG steht dem nicht entgegen* Sie besagt nicht etwa? bereits eingetreten war, in die Versicherung einzubeziehen, und daß die Beklagte mit einer solchen Ausdehnung des Versicherungsschutzes einverstanden gev/esen wäre* Da,s Berufungsgericht hat hierzu rechtlich unangreifbar festgestel3.t? fahren schlechthin unvereinbar» YJenn die Revision demgegenüber darauf hinweist, daß der Kläger nach dem Versiehe-rungssehein auch gegen Vermögensschäden durch vorsätzliche Handlungen des Versicherungsnehmers Pflp versichert sei, so übersieht sie, daß es § 2 Abs 2 Satz 2 WG gar nicht auf den Vorsatz, sondern auf die Kenntnis des Versicherungsnehmers abstellto Die beiden Begriffe decken sich keineswegs* Die Regelung des § 2 Abs 2 Satz 2 VVG beruht nicht etwa auf dem bei der Personen-Kautionsversicherung vertraglich abbedungenen Grundsatz des § 61 WG, daß der Versicherer bei vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Herbeiführung des Versicherungsfalles durch den Versicherungsnehmer nicht zu leisten braucht» Sie ist vielmehr nur ein Ausdruck des allgemeinen Rechtsgedankens, daß zu den wesentlichen Begriffsmerkmalen eines Versicherungsverträge die Sicherung des Versicherten gegen eine mögliche, aber ungewisse Gefahr gehört» Ist der Eintritt des Gefahrereignisses nicht nur objektiv gewiß, sondern darüber hinaus auch der interessierten Partei bereits bekannt, so soll diese.Partei den Versicherungsvertrag nicht dazu mißbrauchen dürfen, um sich oder einem Dritten auf Kosten des Versicherers eine von Anfang an sichere Forderung zu verschaffen (Kisch Hdb II, 53 ff, 130, 131).