BGH · II ZR 20/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Januar 1952 kündigte die Beklagte ;töas iJahdelsvertreterverhältnis mit sofortiger, Wirkuhg u«ä,> unit' der Begründung, daß infolge des im Jahre 1951' eingejretenen ümsatzruckganges eine Vertretung durch die Klä&br&n' zu den vereinbart eh Bedihgiingen für das... -; Kündigung voh;der Klägerin angestrengten Rechtsstreits hat die.Beklagte die Kündigung noch darauf gestützt, daß die Klägerin im Auftrag der Ehefrau des Inhabers der Beklagten hihter dessen Bücken Waren verkauft habe und den /Srlos Jek'.Ehefi?au,' i Klägerin:, die die fristlose Kündigung für ungerechtfertigt hält, hat,von der Beklagten einen Betrag von 21 *452,53 DM gefordert als'Teilschaden, der ihr dadurch entstanden sei* daß sie ihre Tätigkeit nicht habe fortsetzen können. ]>as Berufungsgericht hat festgesteilt; daß der in Jahre 1951 eingetretene Umsatzrückgang nicht auf ein Verschulden der Klägerin zurückZufuhren sei und daß der Vertrag vom 1» April 1951 auch nicht unter der Voraussetzung geschlossen worden sei.?, daß der Umsatz sich erhöhen 'werde Es hat ferner untersucht? ob die Tatsache- daß die Beklagte im Jahre 1951 mit Verlust gearbeitet hat ?• einen., wichtigen Grund zur Kündigung des auf 5 Jahre fest abgeschlossenen Handelsvertretervertrages darsteilt» Es hat dies ebenso verneint, wie es auch keinen wichtigen Grund darin gesehen hat., soweit es in dem Eintritt des Verlustes und in den Behwarzverkäufen durch die Klägerin keinen wichtigen Grund gesellen hat. daß im Jahre 1950 in Scheidung lebte und seine Ehefrau sich in schlechten eben Verhältnissen befand« Zugunsten der Klä 3erufungsgericht ferner unterstellt., daß die irtschaftli-gerin hat das Ehefrau des Inhabers der Beklagten? so daß durch jede entdeckte Unredlichkeit das Vertrauen und damit die Grundlage für die Fortsetzung des Handelsvertreterverhältnisses entzogen werde* Diese Erwägungen lassen die Würdigung des Berufungsgerichts nicht als fehleihaft erscheinen. daß die Klägerin,»wie das Berufungsgericht mit Recht darlegt - nicht aus unlauteren Motiven gelian-delt hat» Sie.hat für ihre Verkaufsbemühungen selbst nur eine :geringe Provision genommen 'und der Ehefrau-des Inhabers der Beklagten, die ein nur geringes Haushaltsgeld wahrend des Scheidungsprozesses erhielt? Das Berufungsgericht hat daher zutreffend in dieser einmaligen Verfehlung keinen wichtigen Grund zur Beendigung des Handelsvertreterverhältnisses gesehen« Es war auch nicht erforderlich* daß es diesen Umstand. zusammen gewürdigt hat, da hierzu kein Zusammenhang bestand Die von der Revision in diesem Zusammenhang erhobene verfahrensrechtliche Rüge,- das Berufungsgericht habe unter XTichtbeachtuag der durch § 448 ZPO gegebenen Auf-klärungsmö glichkeit der Part ei Vernehmung zugunsten der IClägerin die Initiative für den heimlichen Warenverkauf der Ehefrau des Inhabers der Beklagten zugeschrieben, ist nicht begründet« Das Be rufungs g er i eht hatte ".die Ehefrau hierzu als Zeugin vernommen« Es hatte ferner den Ehemann der Klägerin als Zeugen gehört; ohne daß es sich daraus eine Überzeugung bilden konnte, wer die Anregung zu dem heimlichen Warenverkauf gegeben hatte. Es stand in seinem Ermessen, ob es danach hoch die Klägerin als Partei vernehmen wollte« Daß es sich dieser Höflichkeit, nicht bewußt gewesen ist, ist aus dem Urteil nicht zu entnehmenc Es brauchte nicht ausdrücklich dazu Stellung zu nehmen, aus 'welchem Grund es von der Höflichkeit des § 448 ZPO keinehf- 6-ebrauch gemacht hat (BGH DM ZPO § 443 Kr« 2; Stein-Jonas ZPO § 448 VI, Pußnote 4., 5)« DK im Jahre 1930 auf 135 « 000 DK im Jahre 1951 zurückging„ Dieser Rückschlag hatte seine Ursache darin* daß die beklagte seit Oktober 1950 in 'Jett bt-:jorb s pro z e s s e mit der Konkurrenzfirma TfllBlvernickelt war* wodurch Kunden und weitere mögliche Kunden der Beklagten von dem Bezug ihrer Erzeugnisse ab gehalten wurden.* da sie mit einem Verbot des Vertriebs dieser Erzeugnisse rechnen mußten & Die Beklagte hatte in den Jahren 1949 und 1950 noch Gewinne von über 20.-000 DK erzielte Das Jahr 1951 schloß mit e in eia. Gewinn 4* 700 DM und im Jahre 1953 rund 3«700 DM, Das Berufungsgericht meint * damit stehe fest* daß es sich bei dem starken üms atz rück gang im Jahre, 1951 nur um eihe vorübergehende Krise gehandelt häbe.-Sin Wirtsebaftliehbi Rückgang allein stelle nur dann einen 'Grund zur fristio-sen Kündigung 'dar?iwenn- die Kündigung zwingend notwendig sei* um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Bei sparsamer Geschäftsführung und hp;®älls unter Aufopferung des seit 1952 wieder erzielten • Gewinns ' hatte die Aufrechterhaltung des Vertrages nicht zu dem wirtschaftlichen Ruin geführt,: Zudem hätte die Vertragstreue der Beklagten nicht nur weitere finanzielle Belastungen gebracht* sondern bei der festgestellten Tüchtigkeit der Klägerin wäre es auch; wieder zu dem; Abschluß vph< Geschäften und weiteren Einnahmen gekommen« .. Mit Recht rügt die Revision^ daß das Berufungsgericht sich b:ei seiner Da-rlegung* ein Wirtschafttlicher1v Rückgang bilde keinen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung* auf Rechtsprechung und Schrifttum gestützt habe* die sich auf die Kündigung eines IJahdlungsgehilfen aus 'wichtigem Grund nach § 70 HGB beziehen (GeSler-Hefermehl HG-B 3* Auf 1 d 5 70 Aim, 4; RAG 13, 296* 302;'18, 257? Ger Handelsvertreter ist am Gedeihen des 3etrisbes des Unternehmers beteiligt* Seine Einnahmen hängen von dem Drfolg seiner und des Unternehmers Tätigkeit ab., Sr muß 'daher auf der anderen Seite,in bekanntem Umfang auch an dem geschäftlichen Niedergang teilhaben und die sich aus seinen und seines Unternehmers Mißerfolgen ergebende -Auswirkung' tragen (vgl* -RG LZ 1909, 551)o So hat die Rechtsprechung eine Kündigung aus wichtigem Grund zugelassehj wenn die Tätigkeit des ;1 Kandelsvertreters allein schon\Verluste brachte, weil zJ* die ihm zugosagte läro visionsgarantie die Summe der von ihm eingebrachten Aufträge überstieg (AG UarnBspr 1933 Hr. 79» EG Recht 1920 Kr« 2535; OLG Hamburg LZ 1909, 3475). Laß dies etwa der Fall, gewesen wäre,, ist vom Berufungsgericht nicht festgestellt, Las Berufungsgericht hat jedoch geprüft p ob die Kündigung zwingend notv/sndlg gewesen sei, um den Fortbestand des U&tern-ehmens zu sichern* Zutreffend geht es davon aus? .mit' Schaden oder doch ohne Gewinn lediglich im Interesse des Agenten Geschäfte zu machen'- (-RG V/arnRspr 193-3 Uri 79; vgl, ■; auch HG' vfarnRspr 19.12 Kr* 121)« Jedoch meint das Berufungsgericht, diese Voraussetzung liege nicht vor, weil es sich nur um einen vorüb ergellend schlechten Geschäftsgang gehandelt habe. o es bei der Abwägung; ob die Fortsetzung des Vertreterverhältnis3es der Beklagten zu demutbar war, angestellt hat, ln diesen Zusammenhang war es nach der zutreffenden Ansicht des Berufungsgerichts erheblich; daß die Klägerin an Aufbau des Unternehmens der Beklagten in großem Umfang beteiligt war, da sie viele Kunden von ihrem früheren Unternehmer mitgebracht hatte» Wesentlich erscheint auch die an anderer,.Stel le des Urteils getroffene Feststellung; daß die Klägerin, im Jahre 1950 mit 36>78 $5 am Gesamtumsatz beteiligt war, daß ihr eigener Umsatz im Jahre 1951 nur um 8 >!> zurückgegangen ist, während der Gesamtumsatz sich um 35 verringerte; so daß in diesem Jahre von dem:Gesamtumsatz 52 yl auf sie en t f i ei an c . Mußte er damals zur Br-kennthis kommen, daß eine Fortsetzung des bisherigen Ver-tretungsverhaltnisses mit .der Klägerin zu seinem eschäft-liclien Ruin führen würde, söhväre dieser Erkenntnis bei der Beurteilung der Begründetheit der fristlosen Kündigung Rechnung zu tragen: Der wirtschaftliche Diedergang kann nicht erst dann berücksichtigt werden*. Sollten sich unter diesem Gesichtspunkt gegen die fristlose Kündigung keine Bedenken ergeben, so wird das Berufungsgericht noch darauf eingehen müssen, ob die Beklagte sich nicht auf den Standpunkt hätte stellen müssen, daß infolge des Ümsatzrüclcgangs der Vertrag nach freu und Glauben den veränderten Verhältnissen - zu demindest vorüber-'' gehend - durch Veminderung der Leistung der’.Beklagten an- : i :■ zupassen sei« Wenn die Parteien, die ein Fixum für Heise-' ' wesentlicher Rückgang des Umsatzes und damit die Verande- ; rung der Geschäftsgrundlage, soweit .ein Pesthalten an dem ursprünglichen Vertrag nicht mehr zu demutbar war, zu einer Anpassung an die neue Sachlage führen (vgl« BGH LM § 242 (Bb) 1fr-: 18),o Die Klägerin hat sich zwar geweigert, den Antrag der Beklagten auf Abänderung des Vertrages anzu-nehmen* Trotzdem wird das Berufungsgericht in diesem Zusammenhang zu prüfen haben, ob es der Beklagten, wenn sie der Klägerin die Fortsetzung zu angemessenen Bedingungen angeboten hatte, und wenn die Beklagte die Weiterarbeit unter diesen Bedingungen verweigert hätte, nicht zuzu demuten gewesen wäre, ihren Hechtsstandpunkt, daß sich das Vertragsverhältnis -entsprechend geändert hätte oder zu ändern hätte, gegebenenfalls in einem anhängig zu machenden Hechts- Wenn der Beklagten ein derartiges Vprgeiien nicht zuzu demuten war Lind sie auch das Risiko des Umsatzrückgangs infolge der Prozesse mit der Konkurreiizfirma nicht übernommen hat, söx wäre allerdings eine fristlose Kündigung ' dann gerecht:?ertigt, wenn sich nach der Lage zur Zeit des Ausspruchs der Kündigung die Entwicklung für die 'Beklagte p bei verständiger Würdigung sp, dargestellt hatte, als würdet eine Beibehaltung der Klägerin als, EandelsvertreteriXL zu den vereinbarten Bedingungen zu dem geschäftlichen Ruin führenc Dazu wird noch darzuiegen sein, wie in diesem Zeitpunkt die wirtschaftlichen Aussichten bei Berücksichtigung der anhängigen oder zu erwartenden Prozesse zu beurteilen waren* Es-wird insbesondere wesentlich sein«, wie die Beklagte sich die Wiederherstellung der Rentabilität ihres Betriebes durch Entlassung der Klägerin vorgestellt hat und wie sie in den nächsten Jahren wiederum-einen Gewinn erzielt hat, da es sich, um ein Unternehmen handelt, das offersichtlich auf Absatz durch Aufsuchen.der Kunden angewiesen ist» Per Geschäftsinhaber braucht 'zwar, ’wie ausgeführt, nicht allein im Interesse des Handelsvertreters eine Tätigkeit fortsetzen zu lassen, die für ihn mit Verlust verbunden ist; es kommt aber darauf an, ob gerade die mnijwwnj■ ii wp.i"iiiii m»* i»"»" ■■»!—*■ w iiip^ n.w! In diesem Zusammenhang wäre wiederum zu berücksichtigen, daß, wie das Berufungsgericht bereits festgestellt hat, bei der ■Tüchtigkeit der Klägerin es erneut zu Abschlüssen von Geschäften und zu weiteren Einnahmen gekommen wäre* Ferner wäre hierbei auf die Behauptung der Klägerin einzugehen (Schi'iftsatz Vora 14<»2»1955 3. Bas Urteil des Berufungsgerichts war daher aufzühe-ben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufünss-gericht zurückzuverv/eisen«