BGH · II ZR 348/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Revision gegen das am 19 * Juli 1956 verkündete Urteil des 1, Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Gelle wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen» ? daß die spätere Gemeinschuldnerin bei Stellung des Antrages auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens (24o Juni 1949) nicht zahlungsunfähig war. so hätte sich der Konkurs vermeiden lassen« Das Berufungsgericht hat die Berufung des Klägers erneut zurückgewiesen. während die Beklagte um Zurückweisung der Revision gebeten hat,' Das ist rechtlich nicht zu beanstanden und wird auch von der Revision nicht angegriffen. 2o Nach Ansicht des Berufungsgerichts hat bei Aufstellung der Bilanz per 31» März 1948 kein die Anzeige-pflicht nach § 83 Abs* 1 AktG auslösender Verlust bestandene Die in dieser Bilanz ausgewiesene Verlustziffer betrage zwar mehr als die Hälfte des Grundkapitals* Eine Anzeigepflicht nach § 83 Abs» 1 AktG bestehe aber nicht, solange der Verlust noch aus gesetzlichen oder freien, offenen oder stillen Rücklagen unter Zuhilfenahme von weniger als der Hälfte des Grundkapitals gedeckt werden könne* Bas ist richtig* Ein Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals ist nicht ein Verlust, der ziffernmäßig gleich der Hälfte des Nennkapitals ist, sondern ein Verlust, der das Vermögen der Gesellschaft auf einen Betrag vermindert, der unter der Hälfte des Grundkapitals liegt (Tz* Schmidt GroßKomm AktG § 83 Annu 1 Abs* 3; v. 3* Bas Berufungsgericht stellt fest, daß die Stellun des Antrages auf Eröffnung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens nicht verzögert worden und der Beschluß des Amtsgerichts in Hildesheim vom 5» August 1949 insoweit unzutreffend sei* Es verwertet hierzu die inzwischen unstreitig gewordene Tatsache, daß die Gesellschaft bei Stellung dieses Antrages nicht zahlungsunfähig-gewesen ist, und nimmt an, daß die Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt auch nicht überschuldet gewesen sei* Bie Konkurseröffnungsbilanz weise zwar eine Überschuldung von 396*562,24 BM aus; in ihr sei aber das Anlagevermögen viel zu niedrig bewertet worden, da das Fabrikgebäude, das in einem Gutachten vom 2* Juli 1949 mit 448*060 BM bewertet worden sei, bloß mit 150*000 BM angesetzt -worden sei, und die Maschinen nur mit 291*000 BM berücksich- tigt worden seien, während ihr Verkauf einen Erlös von 726c566 DM gebracht habe* Die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft sei zu der Zeit, zu der der Beklagte letztmalig für die spätere Gemeinschuldnerin tätig geworden sei, auch keineswegs aussichtslos gewesen* habe unwiderlegt bekundet, die Gesellschaft habe damals von drei, wenn nicht von vier Seiten, ein Darlehen von 6OO0OQO DM bekommen können, und hur infolge seiner Festnahme habe sich diese Möglichkeit zerschlagen* Unter diesen Umständen sei nicht bewiesen, daß der Beklagte erkannt habe, daß sich für die Gesellschaft eine ruinöse Entwicklung änbahne oder die Gefahr eines Zusammenbruchs bestehe* Deshalb treffe ihn nicht die im Senatsurteil vom 15* Dezember 1954 erörterte Redepflicht* Ihm sei auch kein Sonderauftrag zu Prüfungen erteilt worden; seine sämtlichen Arbeiten hätten im Rahmen des ihm erteilten Dauerauftrags gelegen; das gelte insbesondere für die Zwischenbilanz per 51» Dezember 1948, die Steuerzweclcen gedient habe* Diese Formulierung lasse den Zweifel offen, ob das Berufungsgericht nicht die Bedeutung des § 286 ZPO verkannt habe* Lediglich im Strafprozeß könne es rechtser- . heblich sein, ob die Einlassung eines Angeklagten zu widerlegen sei, im Zivilprozeß komme es dagegen darauf an, ob eine Zeugenaussage zur Bildung einer richterlichen Überzeugung geeignet sei* Bei dieser Rüge übersieht die Revision jedoch, daß das Berufungsurteil in unmittelbarem Anschluß an die Erörterung der Aussage ausführt, es sehe nicht für bewiesen an, daß der Beklagte erkannt habe« daß sich eine ruinöse Entwicklung anbahnte* Damit wird deutlich, daß das Berufungsgericht der Aussage Möllers immerhin so. Die Revision meint weiter, daß das Berufungsgericht nicht aus der Bekundung bloßer Barlehensaussichten habe schließen dürfen, daß die wirtschaftliche Bage der Gesellschaft am 14» März 1949, nicht aussichtslos gewesen sei« Dazu komme noch, daß die Aussage Mp0|p| über die Kreditmöglichkeiten der Gesellschaft mit der Bekundung des Bankdirektors Bpp unvereinbar sei« Es kann unerörtert bleiben, ob diese Angriffe berechtigt sind oder nicht» Bas Berufungsgericht hat nicht für bewiesen erachtet, daß der Beklagte, sollte er verpflichtet gewesen sein, Vorstand und Aufsichtsrat über die wirtschaftliche Bage der Gesellschaft aufzuklären, diese Bflicht verletzt habe« Bas begründet ' das Berufungsgericht damit, daß der Zeuge Haw® bekundet hat, er habe als damaliger Mitarbeiter des Beklagten in der außerordentlichen Hauptversammlung vom 14« Marz 1949 gesprochen und keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Zuckerfabrik nur fortgeführt werden könne, wenn es gelänge, einen Kredit in der damals errechnet en Höhe von rund 800«000 BM zu bekommen» Bas Berufungsgericht hat zu diesem Punkt v/eiter verwertet, daß der Zeuge Nppp, der damals dem Vorstand angehörte, .eingeräumt hat, es sei möglich, daß damals die finanzielle Bage der Gesellschaft besprochen worden sei» Außerdem sei unbewiesen geblieben, daß der Beklagte sich geweigert habe; in der Hauptversammlung vom 14» März 1949 selbst zu sprechen» Es treffe auch nicht zu, daß der Beklagte die Fabrik als einen Goldklumpen bezeichnet .habe, den man nur zu heben verstehen müsse» daß dieser Zeuge als früherer Gehilfe des Beklagten bei seiner Aussage in einem Interessengegensatz gestanden habe = Bas kann aber das Berufungsgericht nicht verkannt haben, da es Haw® ausdrücklich als Gehilfen des Beklagten gekennzeichnet hat« daß der Beklagte jede Aufklärung über die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft zu geben unterlassen hat? so brauchte sich das Berufungsgericht auch nicht mit der Behauptung des Klägers auseinanderzusetzen?