BGH · II ZR 347/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
20 Rechtssatzs Haben sich die Gesellschafter dahin geeinigt, den bereits eröffneten Geschäftsbetrieb nicht mehr fortzusetzen, schließt aber ein Gesellschafter gleichwohl noch ein Geschäft im Namen der werdenden GmbH ab, so ist nur er Handelnder und nach § 11 Abs 2 GmbHG haftbar- Juli 1951 gründeten die beiden Beklagten eine GmbH, deren Geschäftsbetrieb mit Wirkung vom 1, Juli 1951 aufgenommen werden und deren alleiniger Geschäftsführer der Beklagte zu 2 sein sollte«, Die Gesellschaft ist nicht ins Handelsregister eingetragen worden, Anfang Juli 1951 .erteilte der Beklagte zu 2 der Erich Kommanditgesellschaft einen Druckauftrag, den diese Firma mit Schreiben vom 11- Juli 1951 bestätigte. Die Kommanditgesellschaft geriet in Konkurs, Der Kläger als Konkursverwalter Uber das Vermögen der KG hat von der V/erklohnforderung einen Betrag von 4-278,65 DM für zurückerhaltenes Papier gutgebracht und verlangt von den Beklagten auf Grund des § 11 Abs 2 GmbHG Zahlung des sich danach ergebenden 3eträges von 33-.883,39 DM.. Eine Haftung des Beklagten zu i für den zweiten Druckauftrag scheide deshalb aus, weil das Einverständnis mit der Eröffnung des Geschäftsbetriebes ohne wenigstens stillschweigende Billigung des einzelnen Geschäfts zur Anwendung des § 11 Abs 2 GmbHG nicht ausreiche; der Beklagte zu 1 sein generelles Einverständnis mit dem Handeln des Beklagten zu 2 auch widerrufen habe und jedenfalls nicht damit einverstanden gewesen sei, daß die Gemeinschuldnerin noch einen Druckauftrag erhalte. 1- "ach § 11 Abs 2 GmbHG haftet nur, wer vor Eintragung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung im Namen der Gesellschaft gehandelt hat« Das Reichsgericht (RGZ 55, 301; 70, 296) und der IV, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (NJW 1955, 1228 = JW 1955- 614 = MDR 1955, 726 = WM 1955, 1017) haben angenommen« daß als Handelnder auch derjenige anzusehen sei, der mit dem Handeln eines anderen lediglich einverstanden ist (zu-stimmends Schilling in Hachenburg GmbHG § 11 Anm i1 und JZ 1955, 615/16 Anm-und im Gegensatz zu den Vorauflagen Baumboch-Hueck AktG 9- Aufl § 34 Anm 2 0; GmbHG 7. Aufl § 11 Anm 3 A)- Gegen diese Auffassung sind Bedenken erhoben worden, weil ihr durch die Erkenntnis von RGZ 159, 43, daß § 11 Abs 2 GmbHG keinen Strafcharakter habe* der Boden entzogen und weil es sachlich nicht gerechtfertigt sei, denjenigen, der sich mit einer noch nicht existenten Person auf Geschäfte einläßt j mehr zu schützen, als dies erforderlich ist« um ihm in dem Handelnden zunächst einmal einen Schuldner zu geben (Schultze von lasaulx JZ 1952, 392; Schlegel-berger-Quassowski AktG § 34 Anm 6; Ritter AktG § 34 Anm 4 c$ Scholz GmbHG § l f Anin 3 und GmbHRdsch 1956 s, 4/5; Kuhn WM Sonderbeilage Nr 5/1956 3 9)» Das bedarf jedoch im vorliegenden Pall keiner Entscheidung, Anerkannt iet^ daß aus § 11 Abs 2 GmbHG nicht haftet; wer das handeln eines anderen lediglich genehmigt (RGZ 70 296 /?02/37)c Denn die erst nachträglich erteilte Zustimmung kann in keiner Weise mehr für den Abschluß des vorgenommenen Geschäfts ursächlich und damit als Handeln im Sinne des § 11 Abo 2 GmbHG angesehen werden. Die Verneinung der Haftung des Beklagten zu 1 für den ersten DruckauCtrag wird von den Feststellungen getragen , daß die GmbH erst nach Erteilung dieses Auftrages errichtet worden ist und daß der Beklagte zu 1 vorher nicht d8 id it einverstanden war. Die Revision kann nicht damit gehört werden* daß diese Bestimmung des Gründungsvertrageg lediglich eine Bestätigung dafür enthalte* daß das Verlagsunternehmen von vornherein für Rechnung der GmbH betrieben worden sei. Das Berufungsgericht dagegen vertritt den Standpunkt, daß noch hinzukommen müsse, daß derjenige Gründer, der nicht selbst handelnd auftritt, in jedem Einzelfalle mit der Vornahme des Geschäfts einverstanden sein müsse. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Beklagte zu 2 keine Befugnis mehr, für die GmbH tätig zu werden, und es fehlte das Einverständnis’ des Beklagten zu 1 mit einem Handeln im Namen der errichteten GmbH.. Nachdem die Beklagten übereingekommen waren, das Gesellschaftsverhältnis nicht mehr fortzusetzen, war der Beklagte zu 2 weder zur Vornahme eines werbenden Geschäfts noch zu dem Handeln im Namen der gegründeten GmbH berechtigt; mit beidem war der Beklagte zu 1 nicht mehr einverstandene Wenn der Beklagte zu 2 gleichwohl im Kamen der GmbH handelte, weil er darauf hoffte, mit dem Beklagten zu 1 wieder einig zu werden, so wurde bloß er und nicht zugleich der Beklagte zu 1 haftbar» Sin einmal erteiltes Einverständnis zu dem Handeln eines anderen ist ohne weiteres widerruflich und kann die Haftung aus § 11 Abs 2 GmbEG mindestens dann nicht begründen, wenn der V/iderruf seinen Gtfund in einer arglistigen Täuschung findet, mit der der andere den Abschluß des Gesellschaftsvertrages und seine Bestellung zu dem Geschäftsführer erreicht hat, wie das hier der Pall istr Gewiß hat die Revision darin Recht, daß Differenzen der Gründer ihre Verantwortlichkeit aus gleichwohl vorgenommenem Handeln nicht zu hindern vermögen (RGZ 70, 296 /2987)« Bin Gründer aber, der nicht selbst im Namen der künftigen juristischen Person auftritt, kann nicht als Handelnder im Sinne des § 11 Abs 2 GmbHG angesehen werden., wenn er im Gesellschaftsvertrag zwar sein Einverständnis zur Aufnahme des Geschäftsbetriebes erteilt hat, aber mit seinem Mitgründer darüber einig ist, daß die noch nicht eingetragene Gesellschaft gar nicht fortgesetzt werden soll, und dieser hierauf doch noch im Namen der GmbH handelt., Ob anders zu entscheiden wäre, falls das Einverständnis zu dem Handeln dem Vertragspartner gegenüber erklärt, aber nur durch Erklärung gegenüber dem Mitgesellschafter widerrufen ist oder falls für die GmbH unter Vorlage einer das Einverständnis enthaltenen Urkunde gehandelt wird und der Dritte den Widerruf des