BGH · II ZR 340/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am 19* März 1955 befand sich der Raddampfer ,!D| mit dem beladenen Kahn "LflHHIH" (3009 t, 110 m lang) und dem leeren Kahn "EflBB" auf erster Länge , dem leeren Kahn "RflHl auf zweiter Länge auf der Talfahrt von Mannheim nach Duisburg«, Der kleinere Kahn ''EflHB'S der an der Steuerbordseite von befestigt war, hing mit dem Kopf etwa 5 m hinter dem von die erste Länge etwa 30 bis 40 m hinter dem Boot; der Kahn zweiter Länge hing auf Kreuzdrähten hinter dem größeren Kahn Als der Schleppzug gegen 16„30 Uhr die Loreley-Krümmung umfahren hatte, zog ein schweres Unwetter verbunden mit starkem Schneetreiben rheinaufwärts,* das für kurze Zeit jede Sicht nahm* Auf der Wahrschaustrecke zwischen den Lützelsteinen und dem Bankeck fuhr das Boot zu Berg0 Danach kam ein weiterer Schleppzug, dessen Vorspannboot «Eflfll UVPf> an einem Strang von 130 m Länge das Schleppboot an einem Strang von 120 Als das Boot ,fD(NHMHHRff in die Höhe des Kahnes “BflHMMHHI' kam, stieß es mit ihm zusammene Der Kahn geriet mit dem Steven in die Galerie des Bootes vor dem Steuerbordkasten, blieb darin hängen und wurde nach Reißen seiner Stränge von dem Boot nach Steuerbord mitgenommen» Dann fuhr der Kahn seinem Boot achtern auf und kollidierte anschließend ebenfalls mit dem Kahn Alle drei Schiffe wurden erheblich beschädigt <> schädigung ihres Kahnes entstandenen Schaden in Anspruch« Sie ist der Ansicht, der Unfall sei allein von den Beklagten zu 2) und 4) schuldhaft herbeigeführt worden« Der Beklagte zu 4) hätte als Schleppzugführer den Übergang von St» Goar zu dem rechten Ufer überhaupt nicht vornehmen dürfen, da das heraufziehende Unwetter rechtzeitig erkennbar geworden und anderseits der Talzug bereits auf dem Bankeck gewahrschaut worden sei« Auch hätte der Schleppzug dann im dichten Schneetreiben ohne Orientierungsmöglichkeit nicht und insbesondere auch nicht ohne Verminderung der Fahrstufe weiterfahren dürfen« Ferner macht die Klägerin dem Beklagten zu 4) den Vorwurf, die Signale von «Bf********* nicht erwidert zu haben« Hinsichtlich des nautischen Verhaltens des Beklagten zu 2) ist die Klägerin der Ansicht, daß dieser im Schneetreiben ebenfalls die Fahrt nicht hätte fortsetzen dürfen, sondern den Schleppzugführer von der Weiterfahrt hätte abhalten, notfalls selbständig am rechten Ufer loswerfen und vor Anker gehen müssen« Auch sei der Kahn, der keine Schallzeichen gegeben habe, zunächst zu nahe an das rechte Ufer herangefahren und habe sich alsdann, um den Molenkopf und die untere Boje am Grüns freizufahren, zu weit nach steuerbord gehalten, so daß er zu dem Strom hin ausgelaufen und in den Kurs des Talzuges geraten sei« Zungen ihrer Fahrzeuge« Rach ihrer Ansicht hat die Führung des Talzuges den Fehler gemacht, statt näher an das linke Ufer zu gehen, sich im rechtsrheinischen Teil des Fahrwassers zu Tal treiben zu lassen, obwohl man bereits von tfF00HHHMft gewahrschaut gewesen sei, daß noch ein weiterer Schleppzug zu Berg käme» sei dadurch in Zwerchlage in den Kurs und gegen.den Steven des Kahnes getrieben» Die Beklagten zu 1} und 2} bestreiten, daß ihr Kahn nach steuerbord ausgelaufen sei und der Beklagte zu 2) die Verpflichtung gehabt habe, sich selbständig aus dem Schlepp-.zug zu lösen und seinerseits Signal zu geben» Sie machen aber auch ihrerseits dem Beklagten zu 4) den Vorwurf, daß er als verantwortlicher Schleppzugführer angesichts des drohenden Unwetters die Fahrt nicht, erst recht nicht mit voller Kraft habe fortsetzen und damit den Kahn ’’BflHHHl W eine gefahrvolle Lage habe bringen dürfen» Der Beklagte zu 2) habe nicht einmal mehr die Möglichkeit gehabt, sich mit dem Schleppboot zu verständigen» Durch Urteil des Amtsgerichts - Rheinschiffahrtsge-richts - St» Goar ist der Klageanspruch dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt worden* Die Berufungen der Beklagten gegen dieses Urteil wurden zurückgewiesen* fand der erste Zusammenstoß jedenfalls nicht unterhalb km 555,15 statt» Die Frage, ob das Fahrwasser zwischen km 555,2 und km 555,5 breiter als 120 m ist und ob, eine solche größere Breite unterstellt, der daraus von den Revisionen gezogene Schluß gerechtfertigt ist, ist daher nicht entscheidungserheblicho Die übrigen Feststellungen des Berufungsgerichts ergeben, daß der "DflB^'-Zug in den Kurs des Schleppzuges - nicht umgekehrt - hineingefahren ist» Denn der falzug ist, wie das Berufungsgericht ausführt, an den Lützelsteinen und bei der Begegnung mit BK 1 unterhalb der oberen Boje am Grüns den normalen Kurs gefahren; er hatte den ”FflBflflftM^Zug, das Vorspannboot und das "3flHMn-3oot unter Zurücklegung einer Strecke von 300 bis 400 m in stets gleichbleibendem seitlichen Abstand passierte Wenn das Berufungsgericht hieraus schließt, es sei ganz unwahrscheinlich, daß das nach dem Anhangkahn von Ausschau haltende Boot während der noch verbleibenden Strecke von 120 bis 150 m eine ins Gewicht fallende Kursänderung nach steuerbord vorgenoramen habe, da es die letzten 50 bis 60 m vor dem Zusammenstoß bereits in Backbordlage zurückgelegt habe, so kann dem aus Rechtsgründen nicht entgegengetreten werden» Auch gegen die unter Berücksichtigung der Stromverhältnisse getroffene weitere Feststellung des Berufungsgerichts, der ‘ Kahn sei, als er in dem Bestreben, die untere Boje am Grüns freizufahren, Steuerbordruder gab, erheblich aus dem Kurs seines Schleppers nach steuerbord ausgescho-ren und dadurch in den Kurs des Talzuges geraten, bestehen unter diesen Umständen keine rechtlichen Bedenken« Das Berufungsgericht stellt fest, daß die Gefahr der völligen Sichtbehinderung für den Bergschleppzug erkennbar war, als er den Übergang vom linksrheinischen zu dem rechtsrheinischen Ufer oberhalb der Verladestelle (km 555,6) machte. Ob in diesem Zeitpunkt die Sicht stromaufwärts noch genügend war, ist unerheblich, da nach den Feststellungen des angefochtenen Urteils die Führung des Bergzuges damit rechnen mußte, daß das mit erheblicher Geschwindigkeit stromaufwärts ziehende Unwetter in kürzester Frist auch die Sicht nach oberetrom völlig nehmen würde. Das Oberlandesgericht sieht ein Verschulden von t,D(BHHI<< darin, daß das Boot die Fahrt nichts eingestellt habe, obwohl zwischen Anhangkahn und Schlepper eine Ver- „ ständigung durch Flagge oder Toplicht am Mast des Kahnes nicht mehr möglich gewesen sei und die Strompartie am Eingang des Loreleyhafens (Standort 11310 vor der Verladestelle (Standort "Engelenberg") zu dem.Anhalten des'Schleppzugs geeignet gewesen wäre (§ 80 Wr„ 3 Satz 2 RhSchPVO)? Die Revision der Beklagten zu 3) und 4) erhebt zunächst eine Pi*ozeßrüge gegen die Ausführungen des Berufungsgerichts, es genüge, von den Zeugenaussagen der Besatzungsangehörigen des auszugehen? sagen unbeteiligter Zeugen völlig außer Betracht bleiben unä von der Beiziehung der Aufzeichnungen der Wahrschauer abgesehen werden könne * Die Revision sieht darin, ohne auf Einzelheiten einzugehen, eine unzulässig vorweggenommene Beweiswürdigungo Der Revisionsangriff ist unbegründeto Das Berufungsgericht macht diese Ausführungen anläßlich der Prüfung der Präge, in welchem Zeitpunkt für die Besatzungen von f,DfK ^ft und die drohende Gefahr des hereinbre- und unbeteiligte Schiffer - ließen keine Zweifel darüber, daß die Gefahr des ungewöhnlich schweren und mit erheblicher Geschwindigkeit voranschreitenden Unwetters rechtzeitig klar zu übersehen gewesen sei» Offenbar im Hinblick darauf, daß die Berufungsbegründung der "DfH^-Partei sich gegen die Berücksichtigung dieser ihr ungünstigen Zeugenaussagen gewendet hat, weil die Zeugen Mmit den Schiffsunfällen absolut nichts zu tun haben11, hat das Berufungsgericht seine PestStellungen hinsichtlich des Zeitpunktes der Erkennbarkeit allein auf die Zeugenaussagen der Besatzungsangehörigen des -Schleppzuges gestützt. Hie übrigen Ausführungen der Revision der Beklagten zu 3) und 4) sind entweder unrichtig oder bewegen sich auf tatsächlichem Gebieto Das Berufungsgericht hat ausdrücklich die von der Revision vermißte Feststellung getroffen (So23)» daß» wie die Zeugenaussagen eindeutig erkennen ließen,- kurz unterhalb des Boreleyhafens eine ausreichende Verständigung zwischen Schlepper und Anhang durch Zeichen im Sinne des § 5.8 Nr«, 3 RhSchPVO nieht mehr möglich gewesen sei«, Im angefochtenen Urteil wird darauf hingewiesen, der Schiffsführer Vogt habe selbst zugegeben, nur ab und zu habe man den Köpf des Anhangkahnes gesehen«, Haß die pflichtwidrige Fortsetzung der Fahrt durch den "EjPHT-Zug entgegen der Auffassung der Revision die Zusammenstöße adäquat verursacht hat, bedarf keiner näheren Ausführungj das Verbot der Fahrtfort-setzung bei ungünstigem Wetter soll gerade solche Unfälle verhindern, mit denen der die Fahrt Fortsetzende rechnen muß» gleichgültig, ob der Entgegenkommer schuldhaft oder schuldlos ebenfalls seine Fahrt fortsetzt (vgl#, r \ . zur Ursächlichkeit das Urteil des I* Zivilsenats vom 13o Januar 1953 I ZR 105/52 L-M HOB § 735 Nr* 5)«, Hie Revision wendet sich im übrigen auch vergebens gegen die tatrichter-liche Feststellung, die Führung von habe mit der naheliegenden Möglichkeit des Ausecherens ihres Kahnes rechnen müssen* Keiner Widerlegung bedarf ferner die Ansicht der Revision, die Backbord Signale von seien eine Aufforderung an die Entgegenkommer gewesen, in regelwidriger Begegnung steuerbord an steuerbord vorbeizufahren, wenn die Revision, wie es den Anschein hat, damit zu dem Ausdruck bringen will, habe durch ihre Signale die Entgegenkomme r zur Fortsetzung der Fahrt auffordern wollen« Schließlich enthält auch die Meinung der* Revision* das Unterlassen der Fahrtminderung sei für den Unfall nicht ursächlich gewesen, einen Angriff auf die tatrich-terliche Würdigung* Die Annahme des Berufungsgerichts, bei geringerer Geschwindigkeit wäre der Zusammenstoß erheblich glimpflicher verlaufen, wahrscheinlich wäre nicirfc einmal so kräftig nach steuerbord ausgelaufen, ist keine reine Vermutung, sondern entspricht durchaus der Lebenserfahrung«, Gerade weil nach der Lebenserfahrung bei höherer Geschwindigkeit die Gefahr eines Zusammenstoßes und die Folgen eines Zusammenstosses schwerer sind, verlangt das Gesetz bei unsichtigem Wetter die Fahrtminderung* nung, das Berufungsgericht habe den Grundsatz der Allein-verantwor11ichkeit des Schleppzugfuhrers verletzt* Ein solcher Grundsatz besteht jedoch nicht« Zwar ist nach § 2 Kr* 4 RhSchPVO der Führer des Schleppers (Schleppzugführer; im vorliegenden Fall der Schiffsführer von ''DggHNP1 ?e" Gleichzeitig ist aber auch bestimmt, daß die Führer der Anhänge auch ohne Anweisung des Schleppzugführers alle Maßnahmen zu treffen haben/ die für die sichere Führung ihrer Anhänge durch die,Umstände geboten sind® Darüber hinaus hat der Führer eines Anhangkahnes nach § 7 BSchG bei allen DienstVerrichtungen, zu denen insbesondere die nautische Führung des Schiffes gehört, die Sorgfalt eines .ordentlichen Schiffers anzuwenden«- Es ist also nicht richtig, daß die Verantwortlichkeit des Schleppzugführers für die Führung des Schleppzuges die Verantwortlichkeit des Kahnschiffers für die Führung seines Kahnes aufhebee Auch der Kahnführer hat die schiffahrtspolizeilichen Vorschriften zu beachten« Er muß für die Einstellung der Fahrt sorgen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen für die Hotwendigkeit der Fahrteinstellung gegeben sind«, In diesem Fall muß er die Flagge oder das Toplicht am Mast niederholen (§ 58 Nr« 3 c fihSchPVO}« Beachtet der Schleppzugführer pflichtwidrig das Zeichen zu dem Anhalten nicht, so muß der Kahnführer den Strang löswerfen und selbst anhalten, wenn dies ohne Gefährdung seines Kahnes oder Dritter möglich ist, es,sei denn, er habe Grund zu der Annahme, daß besondere Umstände den Schleppzugführer veranlaßten, die Fahrt fortzusetzen (§ 5)« Die Bevision verkennt, daß .durch Beachtung der gesetzlichen Vorschriften Gefahren für die Schiffahrt vermieden werden sollen, die gerade von dem Kahn ausgehen, den der Kahnführer, wenn auch unter dem Oberbefehl des Schleppzugführers, verantwortlich zu führen hat« Die Ansicht, die Verantwortung des Kahnschiffers erschöpfe sich in dem richtigen Nachsteuern (Wassermeyer, Der Kollisionsprozeß, 2oAufl« S«3Q2), kanh nicht gebilligt werden« Steht eine Anweisung des Schleppzugführers mit einer gesetzlichen Vorschrift für den Anhangschiffer klar erkennbar im Widerspruch, und würde der Anhangkahn bei Befolgung der Anweisung sich oder andere in Gefahr bringen, so hat er dem Gesetzesbefehl zu gehorchen« Der Umstand, daß der Anhang sich im Schleppverbsind befindet, kann in der Hegel keine Rechtfertigung für die Befolgung gesetzeswidriger Anweisungen des Schleppzugführers bilden; er kenn gegebenenfalls als besonderer Umstand im Sinne des § 5 HhSchPVO gewertet werden, insbesondere wenn bei Nichtbefolgung der gesetzeswidrigen Anweisung dem Kahn selbst oder anderen eine Gefahr drohen würde (vgl» dazu Kählitz HhSchPVO § 2 Anm®15, 16)<> Die Büge der Revision, eine Verständigung mit sei wegen Fortfalles der Sicht nicht mehr möglich gewesen, übersieht, daß das Berufungsgericht der Schiffsführung von gerade zu dem Vorwurf macht, daß sie unmittelbar vor dem Fortfall der Sicht nicht auf Einstellung der Fahrt bestanden habe® Tie weitere Rüge, das Berufungsgericht habe den Beklagten zu 2 zu Unrecht zu dem Loswerfen vor der Verladestelle für verpflichtet gehalten, da die Lage für uns^c^ie^ Die Pflicht der Kahnführung zur Abgabe des Hebelsignals beruhte auf § 81 Nr«, 2 HhSehPVO, § 7 BSchGk Die Ausführungen des Berufungsgerichts, die Führung des falzuges wäre bei Signalgabe erheblich früher auf den Standort und • Kurs des Kahnes, nach dem Ausschau gehalten wurde, aufmerksam geworden, und hätte dann den Zusammenstoß entweder ganz vermeiden oder doch jedenfalls erheblich abschwächen können, lassen keinen Rechtsfehler erkennen0