BGH · II ZR 300/56 vom 10.02.1958
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Februar 1958 unter Mitwirkung der Bundesrichter Br. Haidinger, Br. Fischer, Br. HÖrr, Br. Haager und Br. Reinicke für Recht erkanntg Auf die Revision der Kläger wird das Urteil des 2. des Landgerichts Berlin-Charlottenburg vom 27 * Februar 1956 wird der Beklagte verurteilt, an die Kläger 5-000o- DM nominal Burbach-Kali Aktien zu liefern* Wegen des Anspruchs auf Lieferung der Dividenden-scheine mit Talon wird die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen o Die Kläger verlangen von dem Beklagten auf Grund des Kaufvertrages, der ihrer Auffassung nach zwischen Wfl| und dem Beklagten zustande gekommen ist, Lieferung von 5000 Burbach-Kali Aktien nebst Dividendenscheinen, hilfsweise Zahlung von 10.000 DM. Das Landgericht hat die Klage abgewiesen, das Berufungsgericht die Berufung zurückgewiesen» Mit der Revision verfolgen die Kläger ihre Ansprüche weiter» Der Beklagte bittet um Zurückweisung der Revision, Das Berufungsgericht hat zunächst ausgeführt, der Beklagte habe W^^die Burbach-Kali Aktien (im eigenen Barnen) verkauft| der Beklagte sei bezüglich dieser Aktien nicht etwa als Vermittler tätig gewesen* Diese Ausführungen lassen keinen Rechtsirrtum erkennenc Das Berufungsgericht hat sich sodann der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 16o Dezember 1952 (BGHZ 8, 222 ff * WM 1953, 171) angeschlossen, wonach der Verkäufer eines Wertpapiers dafür einstehen muß, daß dem Käufer das Eigentum nicht auf Grund von gesetzgeberischen Maßnahmen entzogen wird, wenn solche Maßnahmen zwar erst später erlassen werden, aber in tatsächlichen Verhältnissen wurzeln, die einen späteren Eingriff diesei* oder ähnlicher Art mit Wahrscheinlichkeit erwarten lassen? Berlin mit dem Ankauf von Wertpapieren verbunden gewesen sei, bewußt in Kauf genommen habe« Durch die Bestätigung des Beklagten vom 7* Februar 1947 sei die an sich bestehende volle Garantiehaftung des Beklagten dahin eingeschränkt worden, daß der Beklagte nur für die Richtigkeit seiner Bestätigung hafte, also nur dafür hafte, daß er im Besitz der Erklärung seines Vorbesitzers und Verkäufers sei, daß im übrigen aber der Käufer Wdas Risiko tragen solle« Hierfür spreche, daß die Bestätigung des Beklagten von entworfen sei« Ferner sei WfJ^im Wertpapier- handel äußerst versiert gewesen und habe damals ständig mit Wertpapieren gehandelt« Er habe die Gefahr gekannt, die in Berlin vor allem durch das Angebot von Wertpapieren herbeigeführt worden sei, die aus den Tresoren der Banken gestohlen worden seien« Wenn W(|m sich trotzdem mit der Bestätigung des Beklagten vom 7* Februar 1947 begnügt und keinerlei Ermittlungen darüber angestellt habe, ob die Erklärung des Verkäufers des Beklagten über den Besitz der Papiere am 1« Januar 1945 richtig sei, ja sich nicht einmal diese Erklärung habe vorlegen lassen, so habe WflÜ damit das Risiko übernommen, daß die Erklärung des Vorbesitzers des Beklagten, er sei am 1« Januar 1945 im Besitz der Wertpapiere gewesen, gestimmt habe» Es sei zwischen den Parteien unstreitig, daß der Beklagte tatsächlich im Besitz einer solchen Erklärung eines seiner Vormänner gewesen sei« Unter diesen Umständen könnten sich die Kläger auch nicht darauf berufen, daß der Beklagte dem Zedenten WjJ0^seit vielen Jahren als zuverlässiger Bankfachmann bekannt gewesen sei, und WJP£ sich darauf verlassen habe, daß der Beklagte ihm nur einwandfreie Stücke liefern werde. Daß der Beklagte mit der Möglichkeit gerechnet habe, es habe sich bei den Burbach-Kali Aktien nicht um einwandfreie Stücke gehandelt,, sei nicht behauptet worden« Die Auslegung, die das Berufungsgericht der Bestätigung des Beklagten vom 7« Februar 1947 gibt, ist nicht frei von Rechtsirrtum zustande gekommen« Das Berufungsgericht hat seine Auffassung, durch die Bestätigung des Beklagten vom 7. Fe- ; bruar 194.7 auch den von beiden Parteien vorgetragenen Sach-verhalt nicht erschöpfend gewürdigt, W^Bfchat sich eine Bestätigung, wie sie der Beklagte unterschrieben hat, nicht nur bei dem Ankauf der Burbach-Kali Aktien, sondern auch bei dem Ankauf sonstiger Wertpapiere, die er vom Beklagten oder von anderen Verkäufern erwarb, ausstellen lassen. bereinigungsgesetz noch nicht ergangen sei, heim Erwerb von Wertpapieren Bescheinigungen der Art ausgestellt worden seien, wie sie entworfen und er, der Beklagte, sie unterschrieben habe* Die Annahme, in all den Fällen, in denen derartige Bestätigungen abgegeben worden seien, habe der Käufer auf eine ihm kraft Gesetzes zustehende Haftung verzichtet, erscheint jedoch bedenklich; ein Verzicht auf ein Rückgriffsrecht ist, wenn hierfür nicht die Begleitumstände sprechen oder sonstige nähere Anhaltspunkte vorliegen, nicht ohne weiteres anzunehmen (vgl, Urteil des I« Zivilsenates vom 12» Juli 1955 - I ZR 165/53 - WM 1955> 1247)* Bas Berufungsgericht hätte sich daher bei dieser Sachlage mit der naheliegenden Erwägung auseinandersetzen müssen, ob nicht die Käufer durch die Ausstellung der betreffenden Bestätigungen ausschließlich für das erwartete Wertpanierbereinigungsverfabren Vorsorge treffen, sich also sichern, nicht aber eine kraft Gesetzes bestehende Haftung der Verkäufer einschränken wollten. Bas Berufungsgericht hat seine Auffassung, die Bestätigung vom To Februar 1947 schränke die Heftung des Beklagten ein, weiter mit dem Hinweis begründet, sei das Risiko bekannt gewesen, das im Jahre 1947 mit dem Erwerb von Wertpapieren in Berlin verbunden gewesen sei* Aus der Kenntnis des Risikos folgt aber noch nicht ohne weiteres die Übernahme des Risikos. Bas Berufunpsgericht meint jedoch, die Übernahme des Risikos ergebe sich daraus, daß sich Wf^fcbei Kenntnis des Risikos mit der Bestätigung des Beklagten vom 7o Februar 1947 begnügt und keinerlei Ermittlungen darüber angestellt habe, ob die Erklärung des Verkäufers des Beklagten über den Besitz an den Papieren richtig gewesen sei, ja sich nicht einmal diese Erklärung habe vorlegen lassen. In ähnlicher Weise hat der Beklagte ausgeführt, es sei bei dem damaligen Freiverkehr sein gutes Recht gewesen, seine Kundschaft nicht bekanntzugeben» Das Berufungsgericht hätte demgemäß bei der Frage, ob der Beklagte dadurch das Risiko des Kaufvertrages übernommen habe, daß er sich die im Besitz des Beklagten befindlichen Unterlagen nicht vorlegen ließ, diesen Sachverhalt würdigen und berücksichtigen müssen, daß der Beklagte, wenn er auf der Vorlage der Unterlagen bestanden hätte, damit rechnen mußte, daß sich der Kauf zerschlagea Schließlich hat das Berufungsgericht zur Stützung seiner Auffassung, die Bestätigung vom 7o Februar 1947 schränke die Haftung des Beklagten ein, darauf hingewiesen, es sei nicht behauptet worden, der Beklagte habe mit der Möglichkeit gerechnet, daß es sich bei den verkauften Wertpapieren nicht um einwandfreie Stücke gehandelt habe» Auch dieser Gesichtspunkt spricht jedoch nicht für die Auslegung, die das Berufungsgericht der Erklärung des Beklagten vom 7.