BGH · II ZR 293/51
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Ansprüche auf Nachzahlung wegen nicht in Rechnung gestellter Teile des Festpreises standen nach Auflösung des Reichskraftwagenbetriebsverbands dem Unternehmer zu. Seit der Auflösung des Kraftvagenbetriecs-verbandes gilt für die Nachforderungsan- Auf die Revision der Beklagten werden das Urteil des 6, Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Hamm vom 9c Oktober 1951 und das; Teilurteil der Kammer für Handelssachen des Landgerichts in Hagen vom 20, Februar 1951 aufgehoben. Die Sache wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen, das auch über die Kosten der Revision zu entscheiden hat« Klägerin ist von der Preisüberwachungsstelle des. ist auigegeben worden, von der Beklagte] betrag einzufordern, der sich aus den ursprünglichen Berecii nungen und einer Berechnung entsprechend den tatsächlichen Ladegewichten ergibt_ Die Klägerin hat die Differenz auf 7*. Es hat allerdings die Frage, ob Anfuhrgelder in der Neuberechnung enthalten seien und gege benenfalls in welcher Höhe und ob in Bezug auf diese eine vertragliche Freistellung der Beklagten möglich sei, noch nicht entschieden,. für die Anfuhr in Betracht kommende Summe hat das Landgericht durch Teilurteil die Beklagte zur Zahlung von 6,500 DM nebst Zinsen' verurteilt „ Die Berufung gegen die--ses Urteil ist, abgesehen von einer Herabsetzung bezüglich der Zinsen und der Berücksichtigung einer zwischenzeitlich erfolgten Teilabtretung der Klageforderung zurückgewiesen worden. gen als Festpreisvorschriften genannt hat, stehe im Widerspruch mit den vorgenannten Gesetz« Es trifft zu} dass die erwähnte Anordnung sich sowohl auf das Leitsätzegesetz wie .auf § 2 des Preisgesetzes vom 10„4ol948 bezieht und die Be-fugnis, eine derartige Anordnung zu erlassen« aus diesen Gesetzen abgeleitet ist« so dass also die Anordnung nicht im Widerspruch zu dem Leitsätzegesetz stehen darf* Ein solcher Widerspruch besteht aber auch nicht * Wenn auch die einzelnen Leitsätze Gesetzesinhalt sind und damit einen verbindlichen Charakter haben« so müssen sie doch im Zusammenhang des Gesamtgesetzes ausgelegt werden« Per wesentliche Teil des Leitsätzegesetzes besteht in dessen Einleitung« die ein Teil des. Gesetzestextes ist und die die grundsätzlichen Erwägungen aufstellt, auf Grund deren das Gesetz erlassen worden ist« Gerade da der eigentliche gesetzestechnische Inhalt sich nur in Leitsätzeüniedergeschla gen hat, die naturgemäss nicht ins einzelne gehen können, 'müssen die hier mit in den Text: hineingenommenen gesetzlichen Motive eine besondere Beachtung finden* In diesem Zusammenhang ist entscheidend ein Satz aus der. Nun'sind die gesamten Regelungen bezüglich des Tarifwesens im Güterfernverkehr nicht wie die sonst zur•Zeit von Knappheiten erlassenen Preisbestimmungen zu dem Schutz des Konsumenten getroffen worden, um diesen vor Überforderungen zu schützen* Der ausgesprochene Zweck der gesetzlichen Bestimmungen ist vielmehr der Schutz der Eisenbahn gegen eine Unterbietung durch den freien Kraftwagenfernverkehr* | Hierbei wurde in Motiven und Lehre einhellig besonders betont« dass die Eisenbahn deshalb gegebenenfalls nicht mit den Preisen des Kraftwagenverkehrs konkurrieren könne, weil sie im gesamtwirtschaftlichen Interesse unter kontrahierungszwang stehe und insbesondere auch verlustbringende Linien und Verbindungen aufrecht erhalten müsse, während der freie Unternehmer des Güterverkehrs sich nur die günstigen Gelegenheiten aussuchen.könne. Der Zweck der Tarifbindung im GPG ist deshalb gerade nicht der Schutz des Konsumenten vor Überforderungen, sondern m Gegenteil der Schutz eines allgemeinwirtschaftlich höchst wichtigen Unternehmens, der Reichsbahn und nunmehr der Bundesbahn, gegen einen ruinösen Wettbewerb durch aen freien Unternehmer (vgl die Präambel des GIG und dessen bei Müller, Stra-ssenverkehrsrecht , 18, Au^l S 928 acge- Es kann daher nicht angenommen werden, dass die Anordnung vom 25,6,1948 insofern im Widerspruch zu dem Leitsätzegesetz steht, als sie' die Tarife für den Güterfernverkehr mit Kraftfahrzeugen als Festpreisvorschriften erklärt hat. Ill, Damit stellt fest, dass die Tarife Gr5*Gr schon allein auf Grund der erwähnten Anordnungen als Pestsätze und nicht als Höchstsätze rechtsverbindlich wät§| ren» •„ . Es kann deshalb nicht auf die von der Revision ai schnittene Präge ankommen, ob der Reichskraftwagentarif' rechtlich gesehen als Satzung des von den Besatzungsmächl aufgelösten Reichskraftwagenbetriebsverbanäes. sich darstellt und deshalb mit der Auflösung seine Wirkung ver-„loren hätte oder ob die VO zur Einschränkung des Güterverkehrs mit Kraftfahrzeugen vom 6« Dezember 1.939 (RGBl 2410) in dem hier in Betracht kommenden Zeitraum nicht obsolet -war. Mjpi des, ganz gleichgültig, ob er durch dessen.Auflösung zeitü weise seine Wirksamkeit verloren hatte oder nicht, is spätestens durch die Anordnung vom 25» Juni 1948, aber nlolÄ mehr rechtlich als Tarif dieses Betriebsverbandes, sondern!! G-literfernverkehr zu betreiben, ergaben,, Aber alle eiere Dinge und Unklarheiten beeinflussten nicht die ffotwencig-keit einer Kichtimterfcietung der Bahn nach der Währungs-reiorm und damit die Innehaltung von Festpreisen* Zwar war durch die Diquicierung des Eeichskraftwagenbetriebs-vercandes das im GFG vorgesehene Kent r oll organ, dem auch die Einziehung der tarifmassigen:Beträge oblag, weggefallen aber aus der Einsicht heraus., dass eine derartige Tarif-Überwachung erforderlich sei, waren in der Nachkriegszeit in einzelnen Ländern Genossenschaften zur Abrechnung des Beförderungsentgelts entstanden,(Amtliche Begründung zu dem G-PÄG-, abgedruckt bei Hein, Das neue Recht des Güterfernverkehrs s S 14 • wie sich übrigens auch besonders deutlich in dem Urteil des Oberlandesgerichts Braunschweig VSS III S 294 vom 2Soli,,1950 zeigt,. IVh Diese Innehaltung des Festpreises ist im GFG in einer ganz besonderen Weise gesichert, und zwar nicht nur durch die Einschaltung des Kraftwagenbetriebsverban-des„ Alle weiteren Sicherungen- sind deshalb auch im vollen Umfang im GFÄG aufrecht erhalten und im C-öKG von 17 , Oktober 1952, insbesondere § 22.5 2cP nunmehr unter neuen organisatori sehen Formen' eher verstärkt worden,, Ermässigur.ger. Kommen (§ 14 Abs 2)p § 14 Abs 3 GFG (aufrechterhalten GFÄG § 15)- bestimmt ausdrücklich, dass die rechtliche Wirksamkeit des Beförderungsvertrages durch tarifwidrige .Abreden.im Sinne des Abs 2 nicht berührt wird* Die Höhe Beforderungsentgelts richtet' sich in diesen Fällen stets nach den Bestimmungen des Tarifs,. In § 17 ist vorgesehen dassder■Empfänger Zahlungen oder“andererZuwendungen im Sinne des § 14 Abs 2 Satz 2 zuruckzugewähren oder in vol Höhe desjenigen Wertes zu erstatten habe/ den; die -Zuwendungen beim Empfang hatten,, Der - Empfänger kann sich auch , nicht darauf berufen, dass er nicht mehr, bereichert sei.,; Auf.Grund dieser,zwingenden Vorschrift ist daher auch ein nachträglicher Verzicht auf das Beförderungsentgelt als Zuwendung im Sinne von §§ 14, II 2, 17 unzulässig, namen lieh dann, wenn, wie es die Revision hier vorträgt,; jeweils .bei jeder Rechnung ein Verzicht enthalten gewesen soll, so dass gleichsam jede: vorhergehende Abrechnung ein Versprechen des demnächstigen Verzichts auf den vollen Entgelt enthalten würde0 v. Hie Revision führt aus, dass, wenn ein Verzicht zulässig ist, die Klägerin sich auch den Einwand der Ver Wirkung entgegenhalten lassen müsse'. Da ein Verzicht unzu lässig Ist, kommt(der; Verwirkungseinwand; schon deshalb nicht in-Präge, weil die Beklagte nicht annehmen konnte/ dass die Klägerin; einen Anspruch -nicht geltend ^machen de, auf den sie'nicht rechtswirksam und ohne sich stra zu machen verzichten, kann... sei, da für den forderungsanspruch im GPG eine besondere Berechtigung Kraftwagenbetriebsverbandes und nicht des Unternehmers bestand.. Nun kann die Forderung praktisch und rechnerisch, wenn auch nicht rechtlich, dann in zwei Teile zerfallen« wenn entgegen den Bestimmungen des § 14 ein Minderpreis; gefordert worden ist^ Es entsteht dann eine Forderung in Höhe des gesetzlichen Preises auch entgegen etwaiger aus-' drücklieh entgegengesetzter Abrede der Parteien« Der nur durch das GFÄG aufgehobene § 16 GFG sah insoweit vor.- Es stand also dem Verband« solange er bestand, gegebenenfalls ein zweiteiliger Anspruch zu, nämlich der Anspruch auf den scheinbar mit Rechtswirkung vereinbarten Beförderungsentgelt und der Anspruch auf den ünterschiedsbetrag gegenüber dem gemäss § 14 Abs 3 Satz 2 sich ergebenden tatsächlichen Beförderungs-entgelt, Ein Rechtsunterschied zwischen den beiden Beförderungsteilen, die beide dem Verband zustanden, beide von diesem gleichsam treuhänderisch für den Unternehmer eingezogen wurden^ und die beide zusammen erst das wirkliche Be-forderungsentgelt darstellten, bestand mit der Ausnahme eines Abweichens bezüglich der Verjährung nicht« Es ist unzweifelhaft, dass das vereinbarte Beförderungsentgelt nach Wegfall des Verbandes dem Unternehmer zusteht« Ob e-s an sich wünschenswert ist,;dass ein Unternehmer, 'der gesetzwidrig .einen zu niedrigen Preis vereinbart hat, 'trotzdem. den höheren Tarifpreis erhält kann dahingestellt bleiben*, § 23 GüKG sieht nunmehr eine verschiedene Behandlung vor, je nachdem, ob der Unternehmer vorsätzlich gehandelt hat oder auch binnen einer ihm gesetzten Frist die Nachförderung nicht vorgenommen hat, in welchen Fällen aie. Forderung auf die Bundesanstalt für den Güterfernverkehr übergeht, während, der Unternehmer -sonst die Forderung für sich behältc Die Frage ist an sich für den im vorliegenden Fall in Betracht kommenden Zeitraum nicht im Gesetz geklärt ,, da es unterlassen, worden ist, eine: Ersatzvorschrift für § 16 .GFG Im GFÄG. gelten, steht eindeutig fest, wie es in § 16 GFG und § 23 GüKG besonders zu dem Ausdruck gekommen ist, dass der Auftraggeber keinesfalls durch Zahlung des vereinbarten Minderpreises weiteren Zahlungsverpflichtungen entgehen und damit die Bestimmung, dass der tarifliche Preis als vereinbart gilt, umgehen kann...Damit steht der zivilrechtliche Anspruch der Klägerin auf den tarifwidrigerweise, wenn auch'entsprechend der|| steht in diesem Rechtsstreit nicht zur Frage0 Der Beklagte geht in gewissem Umfang ja auch'von dieser Rechtslage aus,'wenn er es für möglich-hälts dass■die-Klägerin auf die Hachfor-derung verzichtet hätte be zw-sie verwirkt -habe, da dies nur bei einer Anspruchsberechtigung der Klägerin in Betracht kommt,, VI „ Dagegen beruft sich die Revision teilweise nicht zu Unrecht auf den Eintritt der Verjährung« Sie stützt -diesen Vortrag auf § 40 KVO; diese Vorschrift ist als eine dem Auftraggeber günstige und’jedermann zugute kommende Vergünstigung im Sinne des § 14 GEG anzusehen0 § 16 Abs 2 GEG sah vor, dass die - vom Kraftwagen-betriebsverband geltend zu machenden - Kachforderungsan-spräche wegen nicht ursprünglich in Rechnung gestellter Beförderungsentgelte in zwei Jahren verjähren scllten0 Diese Bestimmung ist ebenso wie § 16 Abs 1 schon mit- Kriegsende durch den Portfall des Kraftwagenbetriebsverbänaes unabwendbar geworden0 Formell-ist sie auch, ohne Ersatz durch eine anderweite Bestimmung, mit der Einführung des GEÄG abgeschafft worden., VH* Zustellung des Zahlungsbefehls-an te ist am 15; Dezember 1950 erfolgt; das bedeutet, dass alle Ansprüche wegen Gütern, die bis zu dem Ablauf des ±4* Dezember 1949 zur Beförderung angenommen worden sind (§ Abs 2 a KVQ),verjährt sind, während später .entstandene. 1951,9BGHZ 1, 85 ffh für den ganzen in diesem Rechtsstre zu .entscheidenden Fragenkomplex _3 oerucksichtigen sei, zu verneinen0 Der I0 Zivilsenat hat, wie es der damal Prozesslage entsprach, es dahingestellt gelassen, ob d Reichskraftwagentarif der XVQ eine allgemein verbindl Geltung beanspruchen konnten Diese Frage ist also unen schiedeh- geblieben, 'während- sie im vorliegenden-fall schieden werden musste,. Auch die Entscheidung:des L Z Senats vom 29„ April 1952 (BGHZ 6, 1.45) steht den h gebenen Ausführungen nicht entgegen^, t Der i; Zivilsenat hat auf eine Anfrage des er den Senats die Auffassung vertreten, dass die Entsehe Ina "b Ö i usd a rice it