BGH · II ZR 292/56 vom 10.02.1958
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Kläger hat beantragt, die Beklagte zur Übergabe von insgesamt 88,503 cbm Brettern, Balken, Bauware, Fenstern, Türen und Verschalungen zu verurteilen« Br macht geltend, dieses Holz sei durch Karl von H^fcbei der ®e~ klagten eingelagert worden und nicht mehr vorhanden» Die Beklagte hafte als Lagerhalterin für seinen Verlust, Sie sei weder zu dem Verkauf an W^^^noch zur Versendung an berechtigt gewesen. Die Kläger als Erben des Klägers Stefan Räch §§ 417» 390 HOB ist der Lagerhalter für den Verlust des Lagergutes verantwortlich» es sei denn, daß der Verlust auf Umständen beruht, die durch die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes nicht abgewendet werden konnten« lu Lie Revision bemängelt zunächst» das Berufungsgericht habe nicht berücksichtigt» daß für den internierten Inhaber der Beklagten Treuhänder eingesetzt gewesen seien» als das Holz an verkauft wurde und die Fehl- menge eintratc Die Beklagte meint, die Revision, müsse für die Handlungen der Treuhänder nicht einstehen; ebensowenig könne ihr während der Zeit der Treuhandschaft ein Verhalten ihrer Angestellten zur Last gelegt werden» Denn die Treuhänder seien nicht gesetzliche Vertreter des Inhabers der Beklagten gewesen und dieser habe während seiner Internierung keine Möglichkeit gehabt, das Verhalten seiner Angestellten irgendwie zu überwachen oder zu beeinflussen« Auch habe das Berufungsgericht nicht festgestellt, wer das schadenstiftende Verhalten geübt habe; dadurch habe das Berufungsgericht die Vorschrift des § 551 Nr.7 ZPO verletzt« Dabei handelte es sich um die Frage der Sach-befugnis des klagenden Treuhänders, nicht um die Verantwortlichkeit des Vermögensträgers für das Verhalten des Treuhänders« In dem Urteil vom 25* November 1954 IV ZR 81/54 (NJW 1955, 339; WM 1955, 33) hat der Bundesgerichtshof ausgefütot, für die während des Bestehens der Verwaltung des Treuhänders mit Bezug auf das verwaltete Vermögen von ihm begründeten Verbindlichkeiten könne der Vermögensinhaber nach Beendigung der Verwaltung in Anspruch genommen wei*den, soweit solche Verbindlichkeiten durch den Verwalter im Rahmen seiner Verwaltungsbefugnisse und in den Grenzen einer ordnungsgemässen Verwaltung begründet seien; jedoch sei die Inanspruchnahme auf das der Be- • schlagnahme unterworfene ’Vermögen beschränkt« Auch als Partei kraft Amtes ist der Treuhänder einem gesetzlichen Vertreter im Sinne des § 278 BGB gleichzustellen, weil der Ausdruck gesetzlicher Vertreter” in §273 BGB nicht im eigentlichen, sondern in dem weiteren Sinne des Handelns mit Wirkung für andere zu verstehen ist (Palandt BGB 16,Auflc § 278 Anm, 2 a)* Das. ergibt sich aus folgendem? Überschreitet der Treuhänder seine Verwaltungsbefugnisse, wie sie sich aus dem Gesetz und seiner Bestallung ergeben, so erzeugt sein Handeln - auch abgesehen von den in Art.II und V des Gesetzes enthaltenen besonderen Vorschriften - keine rechtlichen Wirkungen gegenüber dem Vermögensinhaber, sondern gegebenenfalls solche gegen ihn persönlich nach § 179 BGB. Hält sich jedoch der Treuhänder im Rahmen seiner Verwaltungsbefugnisse, so verpflichtet sein Handeln (oder Unterlassen) nicht ihn persönlich, sondern den Träger des von ihm verwalteten Vermögens; dabei entfällt die Rechts Wirksamkeit seiner Handlungen gegenüber dem Ver- ;; mögensinhaber nicht etwa deshalb, weil seine Handlungen seine Pflicht zur ordnungsgemäßen Verwaltung des ihm anvertrauten Vermögens verletzen« Die Verwaltung fremden Vermögens läßt dem Ermessen des Treuhänders einen beträchtlichen Spielraum« Macht er von seinem Ermessen in pflichtwidriger und dem von ihm verwalteten Vermögen abträglicher Weise Gebrauch, so wird hierdurch allein die Rechtsgültig- • keit seines Handelns gegenüber dem Vermögensinhaher nicht in Präge gestellt« Die Prüfung der Rechtsbeständigkeit der Handlungen des Treuhänders ksnn nicht darauf abgestellt werden, ob seine Handlungen letzten Endes für das von ihm verwaltete Vermögen fördex’lich gewesen sind, da hierdurch die Sicherheit des Rechtsverkehrs, insbesondere die Interessen Dritter, die mit dem Treuhänder Geschäfte eingehen, in nicht zu rechtfertigender Weise zugunsten des verwalteten Vermö-* gens gefährdet würden« Dementsprechend hat auch das Reichsgericht für den Konkursverwalter angenommen (RGZ 53, 190, 192* ähnlich 29, 82; vgl« ferner 144, 399, 402*hinsichtlich des Testamentsvollstreckers, der als Inhaber eines privaten Amtes ebenfalls die Stellung eines Treuhänders hat, BGH WM 1957, 1490), die Rechtswirksamkeit seiner Handlungen fände in ihrer Zweckmäßigkeit keine Grenze, und der Konkursverwalter könne sich, wenn er tatsächlich gegen den Zweck der Verwaltung verstoßen, d«h« nachteilig gehandelt habe, dem Gemeinschuldner oder den Gläubigem verantwortlich machen, allein unbeschadet der Gültigkeit der von ihm innerhalb der gesetzlich auferlegten Schranken vorgenommenen Handlungen« Der Gemeinschuldner muß die Polgen aller zu dem Schadensersatz verpflichtenden Handlungen des Konkursverwalters tragen (Mentzel/Kuhn KO 6«Aufl« § 6 Anm«6). Dies verlangt der in § 278 BGB zu dem Ausdruck gekommene Schutz des Vertragsgegners, dem keine Nachteile daraus erwachsen dürfen, daß sein Vertragspartner seine Verbindlichkeit nicht in eigener Person erfüllen will oder erfüllen kann« Dem Rechtsgedanken des Schutzes des Gläubigers entspringt die in § 278 BGB enthaltene Regel der Haftung für fremdes Verschulden bei Erfüllung von Verbindlichkeiten« Eine andere, hier nicht zu entscheidende Präge ist, ob der Dritte sich auf diesen Schutz auch dann bei*ufen kann, wenn er weiß oder wissen muß, daß sich der Treuhänder nicht im Rahmen einer ordnungsgemäßen Verwaltung hält, oder ob Zu der Verwaltung, die dem für das Vermögen des Inhabers der Beklagten bestellten Treuhänder übertragen war, gehörte die Durchführung des zwischen der Beklagten und von Beigeschlossenen Lagervertrages« Dieser Vertrag wurde sowohl durch den Verkauf an als auch durch die nicht sorgfältige Aufbewahrung des Lagergutes verletzt. Pur diese Verletzung hat die Beklagte einzustehen, mag das Handeln und Unterlassen des Treuhänders ihr gegenüber sich auch gleichzeitig als Verletzung seiner Pflicht zur ordnungsgemäßen Verwaltung ihres Vermögens, zu dem nach Art«VII c des Gesetzes auch die gegenüber dem Einlagerer bestehenden Verbindlichkeiten gehören, darstellen und ihr gegebenenfalls das Recht geben, gegen den Treuhänder Rückgriff zu nehmen« Vermögens der Militärregierung gegenüber die sich aus Art, III, IV ergebenden Pflichten, Das ändert aber nichts daran, daß sie wegen der dem Einlagerer von gegenüber begangenen Vertragsverletzungen schadensersatzpflichtig isti Daß etwa die Treuhänder der Beklagten von der Militärregierung gleichzeitig als Treuhänder für das Vermögen des Ausländers von Bjd bestellt worden wären, ist vom Berufungsgericht nicht festgestellt* Es bedarf daher keiner Prüfung der Frage, wie sich die Rechtslage hinsichtlich der Haftung der Beklagten gestalten würde, wenn ihre Treuhänder gleichzeitig Treuhänder des Ausländers von gev/esen wären* ünerörtert kann auch die Frage bleiben, ob der Verkauf und die Übereignung des Holzes an wirksam waren; denn die Nichtigkeit dieses Geschäftes würde das Vorliegen einer Vertragsverletzung gegenüber dem Einlagerer von nicht ausschließen * Der Revision kann auch nicht beigepflichtet werden, wenn sie meint, das Berufungsgericht hätte feststellen müssen, wer das schadenstiftende Verhalten geübt habe» Vielmehr wäre es Sache der Beklagten gewesen, den Verlust aufzuklären und sich zu entlasten (§§ 417, 390 HGB)? Dazu hätte gehört, daß die Beklagte nachgewiesen hätte, auf wessen Verhalten der Verlust zurückzuführen sei und warum sie das Verhalten dieser Person nicht zu vertreten habe* Dies gilt auch für den Verkauf an 7^^ Das Berufungsgericht hat festgestellt, daß die fragliche Holzmenge an verkauft wurde« Die Beklagte hätte behaupten und beweisen müssen, daß die Weggabe des Holzes an keine schuld- 2e Der vom Berufungsgericht festgestellte Fehlbetrag lag unstreitig im August 1946 vor, als das Holz an die Firma versendet wurde« Das Berufungsgericht führt aus, die Fehlmenge sei abhanden gekommen, und läßt offen, ob der Verlust, wie die Beklagte behauptet, auf Plünderungen und Diebstähle im Lager zurückzuführen sei« Im angefochtenen Urteil ist weiter ausgeführt, die Beklagte habe nicht nachgewiesen, daß die Fehlmenge auf Umständen beruhe, die durch die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes nicht hätten abgewendet werden können, weshalb die Beklagte für den Verlust verantwortlich sei« Die Revision rügt, das Berufungsgericht habe den Vortrag der Beklagten nicht beachtet, daß die zu dem Schutz des Lagers eingesetzten Zivilwäehter den Dieben und Plünderern gegenüber machtlos gewesen seien, so daß auf die Bitten der Beklagten 30 Polizisten zur Bewachung des Lagers eingesetzt worden seien und daß selbst dann noch gestohlen worden sei« ubersieht, daß dss Berufungsgericht nicht festgestellt hat, V daß das Holz geplündert worden sei, sondern zu der Auffassung gekommen ist, der Grund des Abhandenkommens sei nicht aufgeklärte Im angefochtenen Urteil sind hierzu zwar keine näheren Ausführungen gemacht; nach dem Sachverhalt, soweit er unstreitig ist, kann aber der Auffassung des Berufungsgerichts aus Rechtsgründen nicht entgegengetreten werden. Hach dem Schreiben der Beklagten an den klägerischen Bevollmächtigten von S^|HHByoin 7° Mai 1946 (Bl» 16 des von der Beklagten vorgelegten Beilagenheftes IV) entsprach die Umlagerung und Stapelung des Holzes vom Freilager in ein gedecktes Lager der Anweisung dieses Bevollmächtigten; die Beklagte hat die Durchführung dieser Arbeiten gleichzeitig dem Bevollmächtigten in Rechnung gestellt. Januar 1946 begonnenen Umstapelung, noch 88,5 cbm Holz (nach Berichtigung eines Rechenfehlers) vorhanden« Hoch am 25« Februar 1946 hat die Beklagte der Außenstelle F^HMfedes Landesamts für Vermögens-Verwaltung und Wiedergutmachung den Bestand des eingelagerten Holzes mit ca» 85 cbm gemeldet (Auskunft dieser Aussenstelle vom 10« April 1952). Wenn bei der Versendung des Holzes im August 1946 gegenüber dem Bestand am 31 * Dezember 1945 35 cbm fehlten (das Berufungsgericht hat hiervon 7 cbm, die nach seiner Feststellung an geliefert worden waren, abgezogen, was die Beklagte nicht belastet), so ist diese Fehlmenge erst eingetreten, nachdem das Holz in der Halle gelagert worden war. und beweisen müssen, daß di'e Halle, in der das Holz gelagert war, in der Zeit von Januar bis August 1946 von Aus-senstehenden geplündert wurde«' In dieser Richtung hat sie jedoch nichts dargetan. dem Geschäftsabschluß etwa vorausgehenden Briefwechsel darauf hingewiesen hätte, daß sie ihren Geschäften die ADSp zugrunde lege (BGHZ 7, 187, 190), was jedoch nach den Feststellungen des Berufungsgerichts nicht geschehen ist. tionsgewerbe in Berührung kommt, nach seiner Geschäftser-fahrung zu der Auffassung kommen muß, daß der Spediteur Speditions- und Frachtgeschäfte nach den ADSp abzuschlies-sen pflegt; für den Fall der Einlagerung könnte dies jedoch nur dann gelten, wenn der Einlagernde damit rechnen muß, daß die ADSp auch für das Lagergeschäft Bedingungen enthalten, was dann nicht ohne weiteres angenommen werden kann, wenn Lagex^geschäfte nach anderen Bedingungen abgeschlossen zu wei'den pflegen« Im vorliegenden Fall fehlt es an jedem tatsächlichen Anhalt dafür, daß der Einlagerer von Hild damit hätte rechnen müssen, daß die Beklagte dem Lagervertrag die ADSp zugrunde legen wollte« Ob von Hfli etwa im Juni 1945 - nach der Feststellung im angefochtenen Urteil (S« 20) war von HflP nach Kriegsende nach gekommen - von den Ge- schäft sgebräuchen in Deutschland Kenntnis erhalten hat, ist unerheblich, da der maßgebende Zeitpunkt der des Ver-ti’agsschlusses ist; das Holz wurde aber bereits in den letzten Kriegsmonaten ein gelagert (Urteil Sc 3)o Daß in diesem Zeitpunkt von in Deutschland gewesen sei und von den deutschen Geschäftsgebräuchen Kenntnis erhalten habe, behauptet die Beklagte selbst nicht« Auch aus der Tatsache, daß die Gesellschaft des von Material für Flugplätze herstellte, ergibt sich schon deswegen nichts für eine stillschweigende Unterwerfung unter die ADSp, weil es sich um ungarische, nicht um deutsche Wehrmachtsaufträge handelte (Sitzungsprotokoll vom 23* Oktober 1952), Das Berufungsgericht hat daher mit Hecht den Klageanspruch nach den Vorschriften des HGB und nicht nach den ADSp beurteilt«