BGH · II ZR 275/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Motors geblieben, weil sie den Motor ah U0HB nur unter ausdrücklichem Vorbehalt ihres Eigentums bis zur voll-ständigen Bezahlung ihrer Forderung von 90 000 DM verkauft habe und weil ihr Uphoff suf diese Forderung noch 81 107,48 UM schulde» Sie sei außerdem auch deshalb Eigentümerin des Motors geblieben, weil der Motor als erster seiner Art in ein Seeschiff eingebaut worden sei und als Versuchsmotor habe dienen sollen, so daß seine Verbindung mit dem Schiff nur zu einem vorübergehenden Zweck vorgenommen worden sei* UflHH habe auch mit Schreiben vom 7* Februar 1954 gerügt, daß der Motor in seiner Konstruktion nicht einwandfrei und für das Schiff nicht geeignet sei, und der Klägerin den Motor zur Verfügung gestellt» Uie Klägerin hat • deshalb Klage erhoben, und zwar zunächst mit dem Antrag, die Zwangsvollstreckung in den Motor für unzulässig zu erklären» Uas Landgericht hat durch Beschluß vom 7* März 1955 die Fortsetzung der Zwangsvollstreckung gemäß §§ 771? 769 ZPC davon abhängig gemacht, daß die Beklagte zur Sicherheit gegen einen der Klägerin aus der ZwangsvollStreckung etwa erwachsenden Rechtsverlust einen Betrag von 90 000 UM hinter-lege» Uie Beklagte hat diese Sicherheit geleistet» Uas Schiff, dessen Verkehrswert auf 340 000 UM festgesetzt war, ist daraufhin am 16» März 1955 versteigert und durch Beschluß vom gleichen Tage der Beklagten, die als einzige Bieterin ein Gebot von 200 000 UM abgab und damit Meistbietende blieb, zugeschlagen worden» Bei der Zwangsversteigerung fiel die Schiffshypothek der Klägerin aus» Uie Klägerin war in dem Versteigerungstermin zwar vertreten? Auch im Verteilungstermin vom 5* Mai 1955 hat die Klägerin, die in diesem Termin gleichfalls vertreten war, keinen Anspruch darauf erhoben, daß ihr wegen des von ihr behaupteten Eigentums an dem Motor bis zu dem Zuschlag ein entsprechender Teil des Versteigerungserlöses ausgezahlt werde« Durch den Verteilungsplan ist deshalb die Verteilung des Erlöses an die betreibenden Gläubiger nach der Rangfolge ihrer Ansprüche angeordnet worden, wobei die letzten 57 860,50 DM auf eine durch eine Schiffshypothek gesicherte Kaufpreisforderung der früheren Schiffseigner entfielen« Da die Klägerin gegen diesen Verteilungsplan keinen Widerspruch erhob, wurde er ausgeführt« Die Beklagte hat Klageabweisung beantragt* Sie hat bestritten, daß der Motor unter Eigentumsvorbehalt verkauft worden und ein Versuchsmotor gewesen sei« Im übrigen sei dieses Vorbringen der Klägerin aber unerheblich gewesen, weil der Motor durch den Einbau in das Schiff wesentlicher Bestandteil des Schiffes geworden und schon damit das Eigen-. Zutreffend geht das Berufungsgericht davon aus, daß die Beklagte durch den Zuschlag Eigentümerin des Schiffsmotors geworden ist ohne Rücksicht darauf, wom bis zur Versteigerung das Eigentum an dem Motor zustand (§§ 37 Hr..5» 55, 90, 91, 162 ZVG} vgl. Die Klage auf Herausgabe des Motors kann daher nicht auf § 985 BGB gestützt werden» Auch im Wege des Bereicherungsanspruches könnte die Klägerin nicht die Herausgabe des Motors verlangen, wenn sie früher Eigentümerin gewesen wäre, da sieh der Bereicherungsanspruch nur auf den Erlös, nicht auf den Motor bezieht (§ 37 Hr»5 ZVG; RGZ 156, 399), woran sich nichts dadurch ändert, daß die Beklagte den Motor mit ersteigert hat (Rosenberg, Lehrbuch des Zivilprozeßrechts 7«Auflc § 185 III 4)° Ebensowenig wäre, wenn der Motor nicht wesentlicher Bestandteil gewesen wäre, gegen die Beklagte als Ersteherin ein schuldrechtlicher Anspruch entstanden, weil in die Versteigerungsbedingungen kein Vorbehalt dahingehend auf genommen wurde, daß der Motor auf den Ersteher nicht übergehen sollte (RGZ 150, 22 /24 £7)».Gegen , die Beklagte als die die Zwangsversteigerung betreibende Gläubigerin wäre, das frühere Eigentum der Klägerin an dem Motor vorausgesetzt, ebenfalls kein Bereichcrungsanspruch entstanden, da ihr der Erlös, soweit er sich durch die Mitversteigorung des Motors erhöht hatte, nicht zuge.flos-sen ist; denn den letzten Teilbetrag von 57 860,50 DM Bas Berufungsgericht lehnt einen Anspruch aus unerlaubter Handlung schon deshalb ab, weil sich nicht feststellen lasse, daß das Vorgehen der Beklagten für die Entstehung eines etwaigen Schadens der Klägerin ursächlich gewesen sei; denn auch die Firma Co C0HH ™ habe die Freigabe des Motors abgelehnt. Bagegen könnte die Ursächlichkeit des Vorgehens der Beklagten entfallen, wenn die Bg^^£~ und für deren Schiffsgläubigerforderung ein gesetzliches Pfandrecht an dem Motor (§§ 754 Nr.4, 755, 768 Nr.3 HGB) auch dann bestand, wenn dieser der Klägerin gehörte, ohne Rücksicht auf das Vorgehen der Beklagten die Zwangsversteigerung betrieben hätte. Das Berufungsgericht verneint weiterhin, daß die Beklagte vorsätzlich oder fahrlässig das etwaige Eigentum der Klägerin verletzt habe* da die Beklagte nur der höchstrichterlichen Rechtsprechung (RGZ 152, 91) gefolgt sei, wenn sie den Schiffsmotor als wesentlichen Bestand- * teil des Schiffs betrachtet und demnach angenommen habe, daß der Eigentumsvorbehalt der Klägerin durch den Einbau des Motors in das Schiff wirkungslos geworden seio Rechtliche Bedenken gegen diese im angefochtenen Urteil eingehend; begründete Ansicht bestehen nicht» Das Berufungsgericht neigt jedoch - ohne die Präge zu entscheiden - zu der Auffassung, die Beklagte, die nach § 771 ZPO gemäß der Entscheidung des Prozeßgerichts die Zwangsvollstreckung gegen Sicherheitsleistung zu Ende geführt habe, sei auch ohne Nachweis eines Verschuldens ersatzpflichtig, wenn sich die von ihr durchgeführte Zwangsvollstreckung nachträglich als unzulässig erweise«, Pür den Senat besteht kein Anlaß, diese Präge zu prüfen, da die Beklagte, wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, das Eigentum der Klägerin nicht verletzt hat«. Der IVo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat in dem in der amtlichen Sammlung Bdo 18 S* 22$ vorveröffentlichten^ Urteil die Auffassung vertreten, der serienmäßig hergestell-j te Motor eines Kraftfahrzeuges sei, wenigstens solange das Pehrzeug noch Eigentum des Herstellungsbetriebes-ist, nach § 93 BGB nicht wesentlicher Bestandteil des Fahrzeuges«, Der;jj IV» Senat hat sich dabei mit dem Urteil des Reichsgerichts * in RGZ 152, 91 auseinandergesetzt, in dem das Reichsgericht! Das Berufungsgericht hat im vorliegenden Pall ebenso wie das Reichsgericht in dem erwähnten Urteil die Eigenschaft des Schiffsmotors als wesentlichen Bestandteil des Schiffes sowohl im Sinne des § 93 als auch im Sinne des § 94 Abs,2 BGB bejaht« Ob im Hinblick auf den Fortschritt der technischen Entwicklung den Ausführungen des Berufungsgerichts und des Reichsgerichts zu § 93 zuzustimmen ist, kann dahingestellt bleiben« Denn dör Schiffsmotor ist im vorliegenden Pall jedenfalls nach § 94 Abs«2 wesentlicher Bestandteil des Schiffes geworden« 97)- Die Einführung des Begriffes der wesentlichen Bestandteile, die nicht Gegenstand besonderer Rechte sein können, beruht auf wirtschaftlichen Erwägungen, Bei den Gebäuden dient sie nicht nur der Erhaltung von Werten, sondern fördert auch die Sicherheit des Rechtsverkehrs, Im Grundstücksverkehr ist die Schaffung sicherer Rechtsverhältnisse von besonderer Bedeutung. Zur Herstellung eines Motorschiffes muß ein Schiffs-motor eingefügt werden* Im Gegensatz zu § 93 (BGHZ 20; 154 /T56 fT/) darf bei der Auslegung des § 94 Abs«,2 nicht von dem trennbaren Bestandteil,* sondern muß von dem Gebäude (Schiff) als Ganzem, so, wie sich das Gebäude (Schiff) in seiner Sonderart und seinem Sonderzweck darstellt, ausgegangen werden (RGZ 150, 22 ^6/; BGH L-M § 93 Nr.2)* Ein Schiff, das mit eigener Antriebskraft fahren soll, ist ohne Antriebsanlage noch kein Schiff, sondern der Rumpf eines Schiffes, ein Schiffskörper« Bin Schiff ohne Schiffsmotor ist noch kein Motorschiff« Zu einem solchen wird es erst durch die Einfügung des Motors, ohne den es seinen besonderen Zweck, auf dem Wasser als Beförderungsmittel mit eigener Antriebskraft zu dienen, nicht erfüllen kann« Der Motor selbst dient daher "zur Herstellung" des Motorschiffes« Er ist auch in das Motorschiff "eingefügt"» Der Einbau des Motors erfolgt nach dem KlageVorbringen derart, daß der Motor im Maschinenraum auf dem.Fundament mit Fundamentbolzen befestigt wirde Da es bei der Vorschrift des § 94 Abs,2 auf die Festigkeit der Verbindung mit dem Gebäude (Schiff) nicht ankommt (RGZ 150, 27),‘ist auch die Voraussetzung des Einfügens in das Schiff erfüllt« Daran ändert auch nichts, daß der Schiffsmotor serienmäßig hergestellt und gegen einen anderen ausgewechselt werden kann« lichkeit machen sie auch Gebrauch, wie die vorgelegten Allgemeinen Lieferungsbedingungen einiger Maschinenfabriken ergeben® Auch für die Klägerin ist im vorliegenden Pall eine Schiffshypothek in Höhe von 40 000 DM eingetragen worden® Es wäre ihre Sache gewesen, vor Lieferung des Motors mit den bereits vorhandenen Hypothekengläubigern eine Vereinbarung Uber eine sie sichernde Rangstelle ihrer Schiffshypothek zu treffen® Während so die Rechtsordnung dem Maschinenlieferanten Sicherungsmöglichkeiten an die Hand gibt, würde auf der anderen Seite bei Anerkennung des Eigenturnsvorbehaltes die Schiffsfinanzierung erschwert werden und die Lage der Kreditgeber sich verschlechtern® Der Wert des Motors im Verhältnis zu dem Wert des ganzen Schiffes kann sehr hoch sein (im vorliegenden Fall betrug bei einem vom Oberlandesgericht angenommenen Schiffswert von J40 000 der Kaufpreis für den Motor 90 000 DM)® Für den Schiffskredi spielen daher die Eigentumsvei’hältnisse am Motor eine erheb-, liehe Rolle® Dazu kommt, daß ein Motorschiff ohne Motor zwar kein Wrack, wie das Berufungsgericht meint, wohl aber ein unfertiges Schiff ist, das bei einer Zwangsversteigerung allein schon aus diesem Grunde und wegen des darin liegenden Unerheblich für die Anwendung des-§ 94 Abs,2 ist,* daß der Motor der Klägerin in das Motorschiff nachträglich zu dem .Ersatz des nicht mehr betriebsfähigen Motors eingebaut wurde (RGZ 153, 362 /J6]J; 160, 166 /T837; vgl. Bei dieser Rechtslage braucht zu der Auffassung des Berufungsgerichts, die Schiffshypothek der Beklagten habe sich nach § 31 SchiffsRG auch auf die einfachen, nicht in das Eigentum des Schiffseigentümers gelangten Bestandteile erstreckt - diese sind nach den vom Reichsgericht in RGZ 156, 368 f aufgestellten Grundsätzen als unbewegliche Sachen zu behandeln nicht Stellung genommen zu werden. Ohne Rechtsirrtum, hat das Berufungsgericht die Anwendung des § 95 AbSo2 BGB abgelehnt, wonach zu den Bestandteilen eines Gebäudes (eingetragenen Schiffes) solche Sachen nicht gehören, die nur zu einem vorübergehenden Zweck in ein Gebäude (Schiff) eingefügt sind. hieraus im Zusammenhang mit der von ihm zugunsten der Kläge rin als richtig unterstellten Vereinbarung vom 22 * Mai 1953 den Schluß ,gezogen ’hat* sollte den Motor zurüekgeben dürfen, wenn er sich als mangelhaft erweise, die Vertragsschließenden seien aber davon ausgegangen, daß der Motor den Anforderungen genügen werde und für dauernd in dem Schiff verbleiben werde, wenn sie auch damit gerechnet hätten, daß sich diese Erwartungen möglicherweise nicht erfüll ten, so liegen diese Ausführungen im Rahmen der dem Tatrich ter obliegenden Beweiswürdigung,, Der Wiederausbau des Motor war hiernach weder von Anfang an beabsichtigt noch mit Sicherheit erwartet (Palandt § 95 Annic2)o Die nach den Vorstellungen der Beteiligten nicht erwartete, aber auch nicht ausgeschlossene Möglichkeit künftiger Trennung rechtfertigt es nicht, die Einfügung zu einem vorübergehenden Zweck an-zunehmen (vglo OGHZ 1, 168; BGHZ 10, 171 /l7£7y> Tatsächlich wurde auch der Motor, obwohl Uphoff ihn nach der Beschlagnahme der Klägerin zur Verfügung gestellt hat, nach dem unwidersprochenen Vortrag der Beklagten im Schriftsatz vom 20 Dezember 1955 auf dem Schiffe belassen und es wurden nur einzelne seiner Teile durch andere ersetzt« Da die Klägerin durch den Einbau des Motors in das Schiff das Eigentum am Motor verloren hat, war die von der Beklagten betriebene Zwangsversteigerung auch in den Motor zulässig« Der Klägerin steht daher gegen die Beklagte weder ein Bchadensersatzanspruch noch ein Bereicherungsanspruch zu«