BGH · II ZR 269/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der IIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 15o Februar 1968 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr0 Fischer und der Bundesrichter Dr0 Nörr, Liesecke, Dr0 Bukov/ und Dr* Schulze für Recht erkannt: Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 10* Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Köln vom 27« Februar 1964 aufgehoben o Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen, dem auch die Entscheidung über die Kosten der Revision übertragen wird» Der Kläger hat Lieferungen an die Einzelfirma und an die GmbH vorgenommen <> Er führte hierüber ein Konto, auf den er die Rechnungen und die Zahlungen buchteo Eine Saldierung zu bestimmten Zeiten unter Mitteilung des Ergebnisses an die Firma und Anerkennung des Saldos fand nicht statto Am 20„ Februar 1962 ließ der Kläger die GmbH ein Anerkenntnis des für diesen Zeitpunkt von ihm errechneten Saldos abgebeno Der Kläger hat mit der Klage von der Ehefrau des Inhabers Zahlung von 110 214 9 7B DM für Lieferungen an die Firma Peter MlHHB Bauunternehmung verlangte Er hat behauptet, daß dieser Betrag am 30o April 1961 aus unbezahlten Rechnungen offen geblieben sei« Er hat samt-liehe Forderungen aus den Rechnungen, wie sie vom 6„ Januar I960 bis zu dem 30o April 1961 in dem überreichten Kontoauszug aufgeführt sind, in der Reihenfolge der Buchung bis zu dem genannten Höchstbetrag geltend gemachta Die in der Zeit bis zu dem 30o April 1961 eingegangenen Zah-lungen sowie zwei eingelöste Wechsel über je 5000 DM hat er auf die Summe der Rechnungen gutgebracht<, Vom Kläger werden einzelne Forderungen für bestimmte Lieferungen geltend gemachte Sie sind in einer Aufstellung enthalten, in der auch die Zahlungen vermerkt sindo Nach zutreffender Ansicht des Berufungsgerichts liegt kein Kontokorrentver-hältnis (§ 355 HGB) vor» Auch die Revision vermag ein solches nicht dazutun« Es fehlt die Kontokorrent-abredc, die allerdings auch stillschweigend getroffen werden kann* Eine Verrechnung der Ansprüche unter periodischer Saldierung und Anerkennung des Saldos hat aber nicht stattgefunden« Es wurde eine sog» offene Rechnung geführt, bei der gelegentlich auch der Stand festgestellt und das Ergebnis einmal von der GmbH anerkannt wurde Q Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts sind die meisten Zahlungen während der Inhaberschaft der Beklagten und auch von der GmbH genau nach den Rechnungsbeträgen des Klägers, manchmal unter Zusammenfassung mehrerer Rechnungen, nicht aber in runden Summen "a conto" oder in Höhe des offenen Restes geleistet worden0 Dabei sind einige Rechnungen unbezahlt geblieben 0 Im Streit ist hiernach, welche einzelnen Forderungen, die allein als Klaggrundlage in Betracht kommen, durch Zahlung erloschen sind« Er beruht darauf, daß die Verrechnung der geleisteten Zahlungen nach § 366 BGB verschieden beurteilt wir do Zu Unrecht meint das Berufungsgericht hiernach, daß ein Streit über den Grund und die Höhe der Klagforderungen vorliegeo Die Frage der Tilgung betrifft den Grund des Anspruchs 0 Sie muß für jede einzelne eingeklagte Forderung abschließend entschieden werdeno Soweit sie erloschen sind, können sie nicht dem Grunde nach für berechtigt erklärt wer - ■ den« Es kann nicht offen bleiben, welche vom Kläger behaupteten Forderungen am 30„ April 1961 bestanden haben, vielmehr muß für jede Zahlung bestimmt werden, welche Rechnung nach den Grundsätzen des § 566 BGB getilgt worden ist« Nach dieser Entscheidung bleibt kein Streit über die Höhe der Klage übrig» Eine Vorabentscheidung über den Grund - nicht näher bezeichneter - Forderungen ist hiernach nicht möglich» Es muß nach einer Prüfung der vorgelegten Aufstellungen über die in der Reihen folge ihrer Buchung geltendgemachten Forderungen und die Zahlungen, gegebenenfalls unter Zuziehung eines Buchsachverständigen, festgestellt werden, welche Rechnungen von der Beklagten noch zu bezahlen sind» Bas angefochtene Urteil war hiernach, ohne daß eine weitere Erörterung der von der Revision behandelten Fragen der befreienden Schuldübernahme und der Anwendung des § 366 BGB möglich wäre, aufzuheben o Die Sache war zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen, dem auch die Entscheidung über die Kosten der