BGH · II ZR 266/64 vom 18.05.1967
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Per Kläger begehrt, die Verpflichtung der Beklagten festzustellen, ihm im Bahmen der abgeschlossenen Kranken Versicherung die Kosten seiner Behandlung durch Pr» Kiefl zu ersetzen» Pie Beklagte hält sich zur Erstattung der Kosten nicht für verpflichtet, weil nach § 15 Nr» 6 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) kein Anspruch "Werden Bade-, Kurorte, Sanatorien, Heilstätten * * „ , Sommerfrischen, Erholungsheime o„ä« aufgesueht, so besteht kein Anspruch auf Versicherungsleistungen, auch dann nicht, wenn ein anerkanntes Krankenhaus laut § 23 Ziffo 2 a oder b aufgesucht wird, es sei denn, daß die Behandlung eines neuen Krankheitsfalles erforderlich wird, der in keinem Zusammenhang mit dem Aufenthaltszweck steht* Das Berufungsgericht hat dazu ausgeführt: Die Aus-* Schlußklausel sei so auszulegen, wie sie der Versicherungsnehmer verstanden habe und nach Treu und Glauben habe verstehen dürfen» Unter dem Aufsuchen eines Bade- oder Kurortes sei ein zweckgerichtetes Verweilen zu verstehen, das sich über einen längeren Zeitraum erstrecke, um den Zweck des Kurens verfolgen und erreichen zu können» Hiervon gehe auch § 15 Hr» 6 Abs» 3 AVB aus, der ausnahmsweise die Gewährung eines Zuschusses für einen Kur- oder ähnlichen Aufenthalt vorsehe» In diesem Sinne habe der Kläger keinen Kurort aufgesucht, wenn er sich ambulant von einem Facharzt, der in einem Kurort praktiziere, habe behandeln lassen» Wenn die Beklagte auch insoweit ihre Leistungspflicht habe ausschließen wollen, hätte sie das klar zu dem Ausdruck bringen müssen» Die vorhandene Unklarheit gehe zu ihren Lasten mit der Folge, daß § 15 Kr» 6 AVB hier nicht anwendbar sei» III» Für die Auslegung des § 15 Hr, 6 AVB ist von seinem Wortlaut auszugehen° Hiernach besteht kein Anspruch auf Versicherungsleistungen, d,h» nach § 1 Hr, 1 AVB auf Ersatz des Vermögensschadens, der durch medizinisch notwendige Krankenpflege entsteht, wenn Bade-, Kurorte, Sanatorien, Heilstätten, Sommerfrischen, Erholungsheime o*ä* aufgesucht werden» Hach dem allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet "aufsuchen ein zweckgerichtetes Verhalten, das duroh das Ziel, durch den aufge such ten Gegenstand, näher bestimmt wird» Ein Bade- oder Kurort wird zu dem Zwecke einer Kur, eine Sommerfrische oder ein Erholungsheim zürn Zwecke der Erholung aufgesuchto Per diesen Fällen gemeinsame Zweck ist die Behandlung des gefährdeten oder angegriffenen Gesundheitszustandes, der erhalten, gebessert oder wiederhergestellt werden soll, und zwar durch die natürlichen Heilkräfte, die die aufgesuchte Stätte aus-zeichnen, wie z,B» die Quellen oder das Klima eines Kurortes, Dieser Zweck läßt sich nur bei einem längeren Verweilen am Kurort erreichen» In dem vorhandenen Sinnzusammenhang. Die Kosten einer Kur für Aufenthalt, ärztliche Behandlung und Kurmittel werden nicht erstattet, weil sie vom Versicherer nicht als notwendige Krankenpflege (§ 1 Hr* 1 AVB) angesehen werden. Der Leistungsausschluß des § 15 Nr.» 6 AVB ist weder nach seinem Wortlaut noch nach seinem wirtschaftlichen Zweck auf ambulante Behandlungskosten anwendbar, über deren Ersatz die Parteien hier streiten«, Ein Versicherungsnehmer, der dreimal wöchentlich von Mannheim nach Bergzabern fährt, um sich dort wegen einer akuten Herzentzündung ambulant von einem Pacharzt behandeln zu lassen, sucht damit keinen Kurort zu dem Zwecke einer Klimakur auf* Der nur Stunden währende Besuch des behandelnden Arztes ist kein Kuraufenthalt* Ebenso liegen die hier entstandenen ambulanten Behandlungskosten außerhalb des mit § 15 Hr* 6 AVB verfolgten Zweckes, von der Leistungspflicht des Versicherers alles auszuschließen, was auch nur möglicherweise mehr der Erholung als der n o t w e n -d i g e n Krankenpflege des Versicherungsnehmers dient* Sollten nach Ansicht der Revision ambulante Behandlungskosten eines Facharztes, wenn dieser in einem Bade- oder Kurort praktiziert, allgemein, d»h» auch soweit es sich um notwendige Krankenpflege handelt (§ 1 Kr«.1 AVB), nicht erstattet werden, so kann der Grund dafür nur sein, daß der Versicherer die Inanspruchnahme von Ärzten in Bade- und Kurorten für zu kostspielig hält» Der insoweit verfolgte Zweck einer Kostenersparnis deckt sich aber nicht mit dem versicherungswirtschaftlichen Zweck, der, wie dargelegt, der Regelung des § 15 Kr» 6 AVB zugrunde liegt» Der darüber hinausgehende weitere Zweck muß unberücksichtigt bleiben, weil er in § 15 Kr» 6 AVB nicht zu dem Ausdruck gekommen ist» Bas wäre um so unerläßlicher gewesen, als ein solcher Leistungsausschluß den allgemeinen Versicherungsschutz und die freie Arztwahl des Versicherungsnehmers (§ ?6 Kr» 1 AVB) wesentlich einschränken würde, weil sich anerkannte Fachärzte erfahrungsgemäß oft in Bade- und Kurorten niederlassen» Bas gewonnene Ergebnis beruht nicht auf der sog» ^Unklarheitenregel”, für deren Anwendung kein Raum ist, sondern auf der allgemeinen Auslegungsregel, daß Vorstellungen des Kormengebers Uber Sinn und Zweck einer Norm für die Auslegung nur berücksichtigt werden können, wenn sie in der Norm, sei es auch nur unvollkommen, Ausdruck gefunden haben» Dieser Grundsatz gilt für die Aus-