BGH · II ZR 264/55 vom 06.04.1955
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April 1955 wird festgestellt, daß die Beklagte verpflichtet ist, dem Kläger für den durch sein Fahrrad mit Hilfsmotor verursachten Verkehrsunfall vom 30. In einem weiteren Schreiben vom 7« April 1954 erklärte sie sich dann aber mit Rücksicht auf die von ihrem Vertreter ausgestellte Versicherungsbestätigung bereit, ”die Angelegenheit so zu behandeln, als ob am Unfalltag, also am 30«7ol953> ordnungsmäßiger Versicherungsschutz bestanden hätte”u Jedoch lehnte sie schließlich die Übernahme des Versicherungsschutzes unter Hinweis auf § 2 Abs 2 b AKB mit der Begründung ab, hflHHHl habe zur Zeit des Unfalls nicht die erforderliche Fahrerlaubnis gehabt. Der Kläger ist demgegenüber der Auffassung, die "Führerscheinklausel* des § 2 Abs 2 b AKB treffe für diesen Fall nicht zu, weil ein Fahrrad mit Hilfsmotor nach den StraßenverkehrsheStimmungen nicht als Kraftfahrzeug gelte und die Genehmigung zu dem Führen eines solchen Fahrzeugs keine "Fahrerlaubnis" im Sinne der §§ 2 StVG, 4.StVZO darstelle« Selbst wenn diese Klausel aber verletzt sei, könne sich die Beklagte auf die vereinbarte Leistungsfreiheit nach § 6 Abs 1 Satz 3 WG nicht berufen, weil sie den Versicherungsvertrag nicht fristgerecht gekündigt habe* Der. Kläger hat beantragt festzustellen,.daß die Beklagte ihm auf..Grund des Verkehrsunfalls vom 30» Juli. Bas Berufungsgericht hat ausgeführt, der Versicherungsschutz aus dem zwischen den Parteien abgeschlossenen Vertrag habe nach § 1 AKB am Tage des Verkehrsunfalls vom 30« Juli 1953 zwar noch nicht bestanden, weil der Kläger den Versicherungsschein erst später eingelöst habe und die ihm übergebene Bestätigungskarte für den Beginn des Versicherungsschutzes im Verhältnis der Parteien zueinander ohne Bedeutung gewesen sei; doch habe die Beklagte in ihrem Schreiben vom 7- April 1954 versprochen, sich auf diesen Umstand nicht zu berufen* Gleichwohl könne die Beklagte ihre Leistung nach § 2 Abs 2 b AKB verweigern, weil rungsbeginns der 28„ Juli 1953 angegeben war» Wie der Senat bereits entschieden hat, liegt in einem solchen Fall regelmäßig, eine formlos, d„h« mündlich oder durch schlüssiges Verhalten erteilte vorläufige Becfcungszusage des Versicherers vor, die den Versicherungsschutz auch ohne vorherige Beitragszahlung sofort eintreten läßt (BGHZ 21, 122)« Allerdings tritt die vorläufige Beqkung nach § .1 Abs 2 Satz 3 AKB rückwirkend wieder außer Kraft, wenn der Versicherer den Antrag unverändert annimmt, der Versicherungsnehmer aber den Versicherungsschein nicht unverzüglich einlöst, doho die Zahlung der vom Versicherer berechneten und eingeforderten Erstprämie und der Versicherungssteuer schuldhaft verzögert« Hierzu haben die Parteien nichts vorgetragen, insbesondere ist nicht ersichtlich, wann dem Kläger die Prämienrechnung der Beklagten zugegangen ist* Auf diese Frage kommt es hier aber nicht entscheidend an., weil die Beklagte in ihrem Schreiben vom 7o April 1954 verbindlich zugesagt hat, sie wolle die Angelegenheit so behandeln, wie wenn am Unfalltag ordnungsmäßiger Versichungsschütz bestanden hätte«, Biese Erklärung hat das Berufungsgericht rechtlich fehlerfrei dahin ausgelegt, daß die Beklagte damit nicht nur im Hinblick auf die Rechte des geschädigten Britten nach § 158 c WGr, sondern auch im Beckungsverhältnis zu dem Kläger auf Einwendungen aus § 1 AKB verzichtet habe« Bie Beklagte kann demnach in keinem Falle mehr geltend machen, daß der Kläger den Versicherungsschein verspätet einge3Öst und der Ver- Richtig ist allerdings die Erwägung des Berufungsgerichts, daß die Beklagte durch ihre Erklärung vom 7c April 1954 nicht gehindert ist, den Versicherungsschutz aus anderen,' außerhalb des § 1 AKB liegenden Gründen zu verweigern* Unzutreffend ist aber seine Ansicht,* die Beklagte sei hach § 2 Abs 2 b AKB von ihrer Leistungspflicht frei, weil Litmeyer bei Eintritt des Versicherungsfalles nicht die erforderliche Fahrerlaubnis besessen habe, Uach der Rechtsprechung des Senats begründet die- "Führerscheinklausel11 deiür § 2 Abs 2 b ASB eine gefahfmindemde, vor Eintritt des Versicherungsfalls zu erfüllende Obliegenheit des Versicherungsnehmers im Sinne von § 6 Abs 1 und 2 WCf, deren Verletzung der Versicherer nach § 6* Abs 1 Satz 2 und 5 WG nur in der Weise geltend machen karih, daß er den Vertrag innerhalb eines Monats Icündigt, nachdem er*von ihr Kenntnis erlangt hat* Das gilt auch dann, wenn wie hier der Versicherungsfall in dem Zeiptunkt, in dem der Versicherer von dem Verstoß erfährt, bereits eingetreten ist* Auch in diesem''Fall kann'-sich der Versicherer auf die vereinbarte Leistungsfreiheit nur dann berufen* wenn er den Versicherungsvertrag fristgerecht kündigt und dadurch zu erkennen gibt, daß er die Obliegenheitsverletzung als schwerwiegendes Hindernis für die Fortsetzung der Vertragsbeziehungen ansieht (BGHZ 4, 569)«. Aufl § 6 Anm 43) gegen die Ansicht des Senats vorgebracht worden sind* Mit diesen Einwänden hat sich der Senat in einem weiteren Urteil (BGHZ 19» 31) bereits eingehend auseinandergesetzt und sie widerlegte Der vorliegende Fall bietet keine neuen Gesichtspunkte, die ihn veranlassen könnten, von seiner Rechtsauf-fassung ab2ugehen« Da somit die Beklagte von ihrer Leistungspflicht auch dann nicht befreit .wäre, wenn der Tatbestand des § 2 Abs 2 b Satz 1 AKB vorläge-, braucht nicht entschieden zu werden, ob der von der Revision bekämpfte Standpunkt des Berufungsgerichts, daß die-in:* § 67. 2o) Die Beklagte hat in der Revisionsbeantwortung unter Hinweis auf die Entscheidung des erkennenden Senats vom 9«7»1956 (VersR 1956, 485) die Auffassung .vertreten, sie sei nach § 7 Ziff I Abs 2 Satz 2, Ziff V AKB auch deshalb von ihrer Leistungspflicht frei geworden, weil der Kläger seine Aufklärungspflicht vorsätzlich oder doch jedenfalls grob fahrlässig verletzt habe« Dieser habe nämlich in der Berufungsinstanz selbst behauptet und unter Beweis gestellt, daß seine frühere Darstellung des Sachverhalts, LflHHl habe das Fahrrad mit Hilfsmotor in seinem Auftrag benutzt, unrichtig gewesen sei, daß es sich hierbei vielmehr um eine Schwarzfahrt gehandelt habe« Hiermit kann die Beklagte in der Revisionsinstanz jedoch nicht mehr gehört werden» Der Kläger hatte nämlich sein Vorbringen in der Berufungsinstanz dahin ergänzt, daß sich seine frühere Darstellung des Sachverhalts auf den Polizeibericht gründe, bei dessen Abfassung er von dem vernehmenden Polizeibeamten beeinflußt worden sei; als 70jähriger, in mündlichen und schriftlichen Äußerungen ungewandter Mann habe er damals die an ihn gestellten Fragen nicht richtig verstanden.