BGH · II ZR 258/63 vom 11.10.1963
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Die Löschungsanweisung sei fachgerecht gewesen; ein dabei etwa unterlaufener Fehler sei für den Unfall jedenfalls nicht ursächlich gewesen« Der Bruch des Schiffes sei allein darauf zurückzuführen9 daß der Beklagte zu 2) entgegen einem ausdrücklichen Verbot des den Schiffsführer vertretenden Matrosen V^p mehrere Greiferladungen aus dem in der Schiffsmitte befindlichen Raum 6 entnommen habe« V^p habe den Beklagten zu 2} angewiesen? das von diesem eigenmächtig begonnene Löschen der Ladung aus Raum 6 einzustellen und die Löscharbeiten in Raum 1 fortzusetzen« Auf Bitten des Beklagten zu 2) habe der Matrose ihm dann gestattet? Io In Übereinstimmung mit dem Schiffahrtsgericht ist das Berufungsgericht zu der Überzeugung gekommen* der Unfall sei durch Zusammenwirken des Verschuldens des beklagten Kranführers und des Verschuldens der Kahn-besatzung herbeigeführt worden«, Hinsichtlich des allein noch im Streit befindlichen unfallursächlichen Mitverschuldens der Ksbnbesatznng hat das Berufungsgericht ausgeführt: Eine fachgerechte Entladung des Schiffes erfordere* daß bis zur letzten Phase des EntladungsVorganges die in der Schiffsmitte befindliche Ladung ein geringes Übergewicht gegenüber der Ladung in den anderen Schiffsräumen besitze* damit sich die Elastizitätsveränderung* d.h. der Rückgang der Durchbiegung des Schiffes nach unten und der Übergang zu der bei einem leeren Schiff vorhandenen leichten Aufbiegung nach oben ohne Gewalt vollziehen könneo Daher müsse die Löschung der Fracht von den Schiffsenden aus zur Schiffsmitte erfolgen«, Es bestünden erhebliche Bedenken* ob die von der Kahnbesatzung erteilte Löschungsanweisung dieser allgemein bekannten Grundregel entsprochen habe« Es könne dahinstehen* ob diese Anweisungen dahin gegangen seien* zunächst in den Räumen 3? 5* 7*9 und 11 zu löschen (Behauptung der Klägerin) oder lediglich in den Räumen 3a 5» 7 und 9 (Behauptung der Beklagten)« Jedenfalls sollten die an den äußersten Schiffsenden befindlichen Räume 1, 2 und 12 nicht entladen werden; auch seien die Kranführer nicht angewiesen worden* aus dem in der Schiffsmitte befindlichen Raum 7 geringere Mengen zu entnehmen als aus den anderen Räumen« Jedoch bedürfe es keiner Entscheidung* ob schon die erteilten Anweisungen Über die Reihenfolge der Löscharbeiten einen fahrlässigen Ver- BSchG obliegende Sorgfaltspflicht verstoßen, indem sie zugelassen habe, daß der Kahn entgegen der Grundregel gelöscht worden sei» Es stehe auf Grund der Beweisaufnahme fest, daß die Ladung aus den Räumen 3» 5» 7 und 9 - und zwar in Raum 3, 5 und 7 jeweils bis zur Hälfte des in diesen Räumen befindlichen Frachtgutes - ohne Beanstandung der Schiffsbesatzung entnommen worden sei» Durch dieses der genannten Grundregel widär-sprechende Entladeverfahren. *sei der Kahn bereits vor der weisungswidrigen Entnahme der drei oder vier Greiferfüllungen aus Raum 6 in einen Spannungszustand geraten, der die Sicherheit des Schiffes auf das äußerste gefährdet habe« Ohne einen solchen Spannungszustand hätte die Entnahme dieser wenigen Greiferfüllungen nicht zu dem Bruch des schwer beladenen Kahnes führen können» Unter gröblicher Verletzung ihrer Sorgfaltspflicht habe die Kahnbesatzung ihr Schiff gefährdet und dadurch den Schaden mitverursacht, mögen auch keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür bestehen, daß es ohne Mißachtung der Anweisung der Schiffsführung durch den beklagten Kranführer, die Entnahme von Ladung aus Raum 6 einzustellen, zu dem Bruch des Schiffes gekommen wäre» Für das schuldhafte Verhalten der Kahnbesatzung habe der Schiffs™ eigner auch im Rahmen des § 254 BGB einzustehen» Das Unfallursächliche Verschulden des beklagten Kranführers überwiege nicht solchermaßen, daß die Festsetzung einer für die Klägerin günstigeren Haftungsquote gerechtfertigt erscheine o « Um die Ausführungen des Berufungsgerichts über den das Schiff gefährdenden Spannungszustand, der Bereits vor Entnahme von Ladung aus Raum 6 bestanden habe, zu bekämpfen, meint die Revision«, das Berufungsgericht habe davon ausgehen müssen * daß sechs Greif erfüllungen aus Raum 6 entnommen gewesen seien, als das Schiff gebrochen sei« Das Berufungsgericht hat jedoch.» keine Weisung erteilt worden; das SchiffahrtsObergericht hat hierzu keine Feststellungen getroffen* Beweispflichtig für den Inhalt der erteilten Weisung ist die Klägerin, da bei positi« ven ForderungsVerletzungen auch im Falle des § 254 BGB den Gläubiger insoweit die Beweislast trifft, als es sichjum in seinem Herrschafts» oder Gefahrenbereich liegende Umstände handelt« Selbst wenn aber die Behauptung der Klägerin zuträfe, würde, wie das Berufungsgericht zutreffend annimmt, ein von der Klägerin zu vertretendes Verschulden darin liegen, daß das die Löschung beaufsichtigende Besatzungsmitglied es zuge» lassen hat, daß nicht aus Raum » und zwar in erster Linie - Ladung entnommen worden sei» 3o Bie Revision wendet sich gegen die Feststellung im angefochtenen Urteil, daß der Kahn vor der Entnahme der wenigen Greiferfüllungen aus Raum 6 in einen Spannungszustand geraten sein der die Sicherheit des Schiffes auf das äußerste gefährdet habe* Nach dem Gutachten des gerichtlichen Sachverständigen müsse nur in den Räumen 6 und 7 ein Übergewicht gegenüber den anderen Räumen vorhanden bleiben« Nehme man die in den Räumen 6 und ? Da die Schiffsmitte kein Übergewicht aufwies* konnte das Berufungsgericht unter Berücksichtigung der Ausführungen des gerichtlichen Sachverständigen* dem das Gericht gefolgt ist* die Peststellung treffen* daß der Kahn schon vor der Entnahme der wenigen Greiferfüllungen durch schuldhaften Verstoß gegen die Grundregel des Entladens in einen gefährlichen Spannungszustand geraten war« 4« Vergeblich greift die Revision die Peststellung des Berufungsgerichts an« der Bruch des Schiffes sei durch das Verschulden der Schiffsbesatzung mitverursacht wordene Das Berufungsgericht geht davon aus* es seien hinreichende Anhaltspunkte weder dafür vorhanden, daß der schuldhafte Verstoß der Schiffsbesatzung gegen die Grundregel allein den Schaden veruracht hätte, noch dafür» daß die geringfügige Entnahme von Ladung aus Raum 6 durch das weisungswidrige Verhalten des beklagten Kran» führers für sich allein zu dem Bruch des Schiffes geführt hätte, wenn das Schiff sich nicht schon vorher in äußerster Gefahrenlage befunden hätte; lediglich das Zusammenwirken beider Umstände habe den Unfall herbei» geführt« Das ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden« Das Schiff durfte nicht in eine derartige Gefahrenlage gebracht werden, daß schon die Entnahme einer geringfügigen Ladungsmenge in der Schiffsmitte den Bruch des Kahnes herbeiführen konnte« Es liegt nicht außerhalb aller Lebenserfahrung, daß aus einer solchen von der Schiffsbesatzung herbeigeführten Gefahrenlage durch unsachgemäßes und weisungswidriges Verhalten eines anderen ein Schaden entsteht« Mit Recht hat daher das Berufungen gericht der Schiffsbesatzung die Herbeiführung dieser Gefahrenlage zugerechneto Maß den Unfall verursacht; auch ihre Schuld9 die in dem Verstoß gegen eine Grundregel der Löschung derartiger Ladung bei einem solchen Kahn liegt» ist erheblich.