BGH · II ZR 256/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Oberlandesgerichtspräsident Ir« KoH^hat im Jahre 1964 in 8 von 68 Verhandlungen (11,77 $>) mit 28 von 258 Sachen (10,85 i>) den Vorsitz geführt sov/ie an 14 von 124 Urteilen (11,29 i>) und an 17 von 139 Beschlüssen (12,23 $) mitgev/irkt» Er hat außerdem, soweit er nicht beurlaubt gewesen ist, in ollen Sachen den ersten Verhandlungstermin und den Berichterstatter bestimmto Biese Angaben hat Oberlandesgerichtsprä-sident a»Bo Br» 5Co®Bdahin ergänzt, daß er den Vorsitz vor allem in solchen Sachen geführt habe, die von grundsätzlicher Bedeutung für die Rechtsprechung des 1» Zivilsenats gewesen seien» Er hat den Umfang seiner Tätigkeit im Senat unter allem Vorbehalt auf ein Viertel ..bis auf ein Brittel der Arbeitskraft eines Senatspräsidenten geschätzt» IIo Rach dem Beschluß des Großen Senats für Zivilsachen vom 19» Juni 1962 (BGHZ 37, 210) ist der Senat eines Oberlandesgerichts mit einem Senatspräsidenten als Vorsitzenden nach den §§ 115, 117, 62 GVG nur dann vorschriftsmäßig besetzt, wenn dieser durch den Umfang seiner Tätigkeit im Senat einen richtunggebenden Einfluß auf die Rechtsprechung seines Senats ausübt» Bazu muß der Senatspräsident mindestens 75 $ der Aufgaben als Vorsitzender des Senats selbst wahrnehmen» Unter Berücksichtigung aller Aufgaben, die mit dem Amt des Vorsitzenden verbunden sind, wie die Ansetzung von Terminen, die Bestimmung des Berichterstatters usv/», hat der ordentliche Vorsitzende im Regelfall erheblich mehr als 50 i* der rein richterlichen Spruchtätigkeit im Rahmen seines Senats als Vorsitzender zu erledigen (S» 218)» Im vorliegenden Fall ist zu entscheiden, in v/elchera Umfang der Oberlandesgerichtspräsident die Aufgaben des Vorsitzenden des Senats, dem er sich angeschlossen hat, selbst v/ahrnehmen muß, um den gesetzlichen Vorschriften zu genügen» Bei der Beurteilung dieser grundsätzlichen Rechtsfrage kann nicht außer acht gelassen werden, daß das Gcrichtsverfassungogesetz und andere Bundes- oder Landesgesetze dem Oberlanaesgerichtspräsidenten Verwaltungsauf-gaben übertragen haben, die seine Arbeitskraft in großem Umfange, meist erheblich mehr als zur Hälfte, in Anspruch nehmen» Neben seiner Verualtungstätigkeit kann der Oberlan-desgerichtspräsident die Aufgaben eines Senatsvorsitzenden nur dann erfüllen, v/enn entweder geringere Anforderungen an den richtunggebenden Einfluß auf die Rechtsprechung des Senats gestellt werden oder dem Senat des Oberlandesgerichtspräsidenten nur ein Geschäftsbereich zugeteilt wird, der der Arbeitsbelastung des Präsidenten durch Verwaltungsaufgaben angepaßt ist» ! mehr entfalten kann und seiner richterlichen Aufgabe, an der Weiterentwicklung des Rechts mitzuwirken, weitgehend entzogen wird0 Den Verwaltungsaufgaben würde damit tatsächlich ein Vorrang eingeräumt werden, der ihnen rechtlich gegenüber den richterlichen Aufgaben des Präsidenten nicht zukommto Pas ist nur zu vermeiden, wenn der besonderen Stellung des Oberlandesgerichtspräsidenten dadurch Rechnung getragen wird, daß er die Aufgaben des Senatsvorsitzenden nicht in demselben Umfange wie ein Senatspräsident wahrnehmen muß„ Der Senat hält aber eine Vorlage auf Grund des § 137 GVG für gerechtfertigt» Denn das erkennende Gericht ist mit den Rechtsfolgen, die sich aus den §§ 551 Nr» 1 und 579 Abs» 1 lfr. 1 ZPO ergeben, nicht vorschriftsmäßig besetzt, wenn der Oberlandesgerichtspräsident den Vorsitz in dem Senat, dem er sieh angeschlossen hat, nicht in dem gesetzlich gebotenen Umfang wahrnimmt» Diese Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung wird von den Oberlandesgerichtspräsidenten unterschiedlich beurteilt» Die daraus folgende Rechtsunsicherheit, die zu lasten der Rechtsuchbndön.A geht, kann erfolgversprechend nur durch eine Entscheidung des Großen Senats für Zivilsachen überwunden werden»