BGH · II ZR 248/54
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zugleich sollte OpBHHBBP bei der Klägerin gekaufte und von dieser weisungsgemäß eingeschnittene Sperrfurniere (sog, Abachi-Purniere) abnehmen, Am genannten Tage fuhren OBBBHHBP und D4BP mit ihren Ehefrauen nach L^p, OBBBBP besichtigte hier in Gegenwart DB|P und des Angestellten der Klägerin die Rüsternfurniere und notierte sich eine Anzahl von Stämmen als brauchbar für den Betrieb der Beklagten, Über den Preis der Hölzer konnte eine Einigung nicht erzielt werden. Jedenfalls aber sei der Kaufvertrag dadurch zustande gekommen, daß die Beklagte dem Bestätigungsschreiben, das ihr von Uberbracht worden sei, nicht widersprochen habe. Die Beklagte hat um Abweisung der Klage gebeten* Sie hat das Zustandekommen eines Kaufvertrages in Abrede gestellt und geltend gemacht, O0HB sei von ihr nur mit der Besichtigung der Purniere beauftragt gewesen* Abschlüsse habe sich der Geschäftsführer der Beklagten St Vorbehalten* 0flHBHI einen Kauf in Präge gekommen seien* Er habe VjfH^ gebeten, ihm die genaue Menge der Purniere aufzuschreiben* Bei Entgegennahme der Aufstellung habe OflMBHl nicht gewußt, daß es sich um eine Auftragsbestätigung handele* Während D und V« im Hebenzimmer die Aufstellung angefertigt hätteolty habe dem Mitinhaber der Klägerin erklärt, er sei nur Angestellter der Beklagten und sei nur zur Besichtigung da* Er habe keine Abschlußvollmacht; ob gekauft werde, entsobeide der Chef* Bin Kaufvertrag sei ferner deshalb nicht zustande gekommen, weil man sich nicht über die Menge der zu liefernden Purniere geeinigt habe* habe die Auftragsbestätigung auch in der Folgezeit nicht als solche angesehen* Er habe sie dem Geschäftsführer Ströhlein erst nach Lieferung der Rüsternfurniere abgeliefert. Oktober 1953 geführten Telephongesprächen hätte die Klägerin ersehen müssen, daß die Beklagte den Abschluß eines Kaufvertrages nicht beabsichtigt habe* Notfalls hat die Beklagte die in ihrem Schweigen auf die Auftragsbestätigung liegende Erklärung wegen Irrtums und arglistiger Täuschung angefochten« Oktober 1953 ein Kaufvertrag über Rüsternfurniere nicht abgeschlossen worden sei und daß der Teilhaber äer Klägerin dies erkannt habe. 1* Pie Revision bezeichnet es als eine Verletzung des § 286 jSPO und als einen Fehlschluß, daß der Vorderrichter zur weiteren Unterstützung seiner Feststellung, M0PH **a~‘ be gewußt, daß am 18* Oktober 1953 ein Kauf nicht zustande gekommen sei, ausgeführt hat, M^m^habe dies "als Kaufmann,r gewußt* Pem kann schon deshalb nicht beigetreten werden, weil die Rüge - offenbar veranlaßt durch eine mißverständliche Formulierung der Entscheidungsgründe - der beanstandeten Wendung einen Sinn gibt, der dem Berufungsgericht ferngelegen hat* Pieses hat bereits aus anderen Umständen, z.B* der von dem Zeugen bekundeten Äußerung, er sei kein Chef, sondern nur Angestellter bei der Beklagten, er wolle alles mit Herrn St^H^Hpidurchsprechen, der voraussichtlich am Pienstag wieder zurückkäme, gefolgert, daß MdJP den Mangel der Abschlußvollmacht des gekannt habe. * Im übrigen ergibt sich aus der Begründung des Berufungsurteils deutlich, daß es die Bemerkung er sei kein Chef, sondern nur Angestellter der Beklagten, auf alle Verhandlungen bezogen hat, weil die Verhandlungen über die ungenügende Stärke der Sperrfurniere (Abachi-Furniere) und über den Ankauf der Rüsternfurniere nicht voneinander getrennt stattfanden, Pas Berufungsgericht hätte hinzufügen können, daß die Zeugin Frieda <4HH| bekundet hat, ihr Kann habe zweimal zu Herrn MBHD Sesag*t9 er könne in dieser Sache nicht endgültig abschließen, und daß OBHHHB nach seiner Aussage selbst noch erklärt hat, er werde die ganze am Morgen besprochene Angelegenheit - also auch die der Rüsternfurniere - Herrn StBHBB vortragen. 3« Pie Revision ist der Ansicht, wenn keine Vollmacht gehabt habe, so sei es nicht erforderlich gewesen, daß er etwas "Schriftliches” verlangt habei darin, daß im Berufungsurteil eine Auseinandersetzung mit dieser Äußerung fehle, liege eine Verletzung des § 286 ZPO, Pie Beweisaufnahme ergibt nichts darüber, daß OtfflHHHi schlechthin etwas Schriftliches gewünscht hat. Hiernach hat das Berufungsgericht ohne Rechtsverstoß das Ergebnis der Beweisaufnahme dahin zusammengefaßt, daß es am 18« Oktober 1953 nicht zu dem Abschluß eines Kaufvertrages über die besichtigten Rüsternfurniere gekommen ist und daß der Teilhaber dies auch erkannt hat« II« Ungeachtet der Tatsache, daß die Parteien am 18« Okto- .« ber 1953 keinen bindenden Vertrag geschlossen haben, könnte die Beklagte zur Zahlung des Kaufpreises verpflichtet sein, weil ihr die Klägerin über die von ihr bezahlt verlangten Rüsternfurniere eine Auftragsbestätigung übermittelt und die Beklagte diesem Bestätigungsschreiben nicht oder.nicht recht , zeitig widersprochen hatte« Enthält ein kaufmännisches Bestätigungsschreiben Abweichungen von dem zwischen den Parteien Besprochenen oder wird der Abschluß eines Vertrages bestätigt, der in Wirklichkeit nicht zustande gekommen ist, so ist unter besonderen Thnständen nach Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte (§ 157 BGB; § 346 HGB) eine Antwort erforderlich, und das Schweigen müßte hier als Annahme gelten« Biese Auffassung entspricht der herrschenden Meinung in Rechtsprechung und Rechtslehre (vgl z«B« RGZ 54, 179 ff; BGHZ 7, 190; 11, 1 ff; RGRK BGB 10« Aufl Anm 2 zu § 147). der Beklagten zugegangen sei, auch wenn der Zeuge 0(m|^|p sie ungelesen in die Tasche gesteckt und sie dem Geschäftsführer der Beklagten erst nach dem Lieferungsangebot am 9* November 1953 ausgehändigt haben sollte (vgl RGZ 50, 194)* Es meint aber, der unterbliebene Widerspruch gegen das Bestätigungsschreiben habe dennoch keine Ansprüche für die Klägerin entstehen lassen, weil der Grundsatz, daß Schweigen auf ein Bestätigungsschreiben als Zustimmung zu werten sei, nur für den redlichen Geschäftsverkehr gelte, der Mitinhaber der Klägerin aber bei Übergabe der Auftragsbestätigung an gewußt habe, daß‘der von ihm bestätigte Kauf in Wirklichkeit nicht zustande gekommen sei«. Auch gegen diese Rechtsauffassung sind Bedenken nicht zu erheben* Die Annahme, daß ein Kaufmann, der einem ihm zugegangenen Bestätigungsschreiben nicht widerspricht, dadurch regelmäßig seine Zustimmung zu dem Inhalt des Schreibens zu dem Ausdruck bringt, beruht auf den Grundsätzen von Treu und Glauben im redlichen Geschäftsverkehr,, Ist dem Absender des Schreibens bekannt, daß dieses den Inhalt der Vereinbarungen nicht zutreffend wiedergibt oder erfindet er argli-stig bestimmte Abmachungen, so versagt der Gesichtspunkt, daß Schweigen des Empfängers als Zustimmung zu dem bestätigten Vertragsinhalt zu werten sei (RGZ 95, 51, 103, 405; 129, 349; BGHZ 7, 190)o Die Annahme der Zustimmung beruht auf dem Grundsatz von Treu und Glauben« Sie kann nicht gel~ ten, wenn der das Bestätigungsschreiben absendende Teil dadurch gegen Treu und Glauben verstößt, daß er ihm bewußt einen unrichtigen Inhalt gibt (RG LZ 1923 Sp 344)o Viel mehr käme es für die Beurteilung der Frage, ob der Berufung der Klägerin auf die Rechtswirkung des Schweigens der Beklagten zu dem Bestätigungsschreiben die Einrede der Arglist entgegensteht, auf das Wissen des Bestätigenden, d.h, hier des Vertreters D^p an (vgl RGZ 129, 349)«» Dieser hat bekundet, er habe den Schlußschein gefertigt, weil er der Auffassung gewesen sei, daß ein Kaufvertrag über die Rüsternfurniere zustande gekommen sei. Auch wenn man davon ausgeht, daß D0P, nachdem dem einen annehmbaren Preis für die Rüsternfurniere genannt hatte, mit einiger Berechtigung hätte annehmen können, es sei ein Vertrag zustande gekommen, würde die Berufung der Klägerin auf die Rechtswirkung des mangelnden Widerspruchs auf das Bestätigungsschreiben versagen. Dann aber verstieße es gleichermaßen gegen Treu und Glauben, wenn er die Rechtswirkungen des unwidersprochen gebliebenen Bestätigungsschreibens dadurch für sich auszunutzen suchte, daß er in Kenntnis des gesamten Sachverhalts der Beklagten die nicht gekauften Stämme übersandte, wie wenn er von Anfang an gewußt hätte, daß der dem OSHB übergebene Brief die Kaufbestätigung über die tatsächlich nicht gekauften Hölzer darstellto Es kann im rechtlichen Ergebnis keinen Unterschied machen, ob der Inhaber eines Handelsgeschäfts einem Bestätigungsschreiben in Kenntnis der wahren Sachlage bewußt einen unrichtigen Inhalt gibt oder ob er von einer ohne sein Wissen verfaßten Auftragsbestätigung bei gleicher Kenntnis Gebrauch macht. Die Entscheidung des Reichsgerichts vom 5® Juli 1930 (RGZ 129, 347 ff » JW 1930, 3757 f Nr 22) steht dieser Auffassung nicht entgegen; denn.in dem dort behandelten Ball war dem bestätigenden Brinzipal unbekannt, daß sein Reisender den Bestellschein absichtlich unrichtig ausgefüllt hatte, während hier der mit dem Sachverhalt vertraute Kitinhaber den Inhalt des unrichtigen Bestätigungsschreibens, von dessen Übergabe er erst später erfuhr, billigte und davon unter Verstoß gegen die Grundsätze von Treu und Glauben Gebrauch zuemachen suchte.