BGH · II ZR 243/62 vom 12.03.1964
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BGB § 1004; RhoinSchPolVQ vom 24 „ Dezember 1954p BGBl II 1411, § 97 Hre Bührt die Bundesrepublik auf einer Bundeswasserstraße die Wahrschau und Kennzeichnung eines gesunkenen Schiffes durch, so kann sie Vorn Schiffseigontümer Ersatz ihrer Aufwendungen jedenfalls dann verlangen, wenn es sich ura einen nicht nur kurzfristigen Einsatz ihres Personals und ihrer Einrichtungen handelt * Rechtsanwalt hat der II0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 12c März 1964 unter Mitwirkung des Senatopräsidcjntcn Ir» Fischer und der Bundesrichter Dr» Nürr, Dr0 Bukaw, Dr, Schulze und Fleck für Recht erkannt: Unter Zurückweisung der Revision des Beklagten worden auf die Anschlußrevision der Klägerin das Urteil des 3° Zivilsenats des Ober'londes-gorichts - Rheinschiffahrtsobergerichts - in Köln vom 4, Oktober 1962 und das Urteil des Amtsgerichts ~ Rheinschiffahrtsgerichts - in Duisburg-Ruhrort vom 7» Juli 196'! Da der Beklagte das unter Wasser liegende V/raek nicht gekennzeichnet und auch keine Wahrschaupooten ausgestellt hatte, führte die Y/SD IifBBMB in der Zeit vom 13. Mit der Revision verfolgt der Beklagte seinen Klageabweisungoantrag weiter, während die Klägerin mit ihrer Anschlußrevision die Verurteilung des Beklagten zu einem weiteren Betrag von 1«551,61 UM nebst Zinsen erstrebt„ Beide Parteien beantragen die Zurückweisung der gegnerischen Revision,, Io Bas Berufungsgericht hält den Rechtsweg für zulässige Zwar hätte, wie im angefochtenen Urteil aus-goführt ist,, die Klägerin kraft ihrer Polizcigcwalt auch auf G-rund des Verwaltungcvollo.trcckungsgcsetsos (VwVG) vom 27« April 1953 (BGBl III 201-4) vorgehen können; denn der Beklagte sei für den polizciinäßigcn Zustand seines Schiffes gemäß § 2G Abc« 1 PrPVG verantwortlich o Die Klägerin hätte daher mit Wahrschau und Kcnnzcich'ung beginnen, gleichseitig aber den Beklagten auffordern können, diese Maßnahmen selbst zu ergreifen, anderenfalls sie auf seine Kosten weiter fortgesetzt würden; dann stünde,,, wie das Berufungsgericht offensichtlich meint, der Klägerin gegen den Beklagten eine öifentlichrechtliche Geldfordorung zu (§§ 1 Abs0 1, 6 Abs» 2, 12 VwVG)o Biesen Weg habe aber die Klägerin nicht besenrittono Sie habe vielmehr lediglich ihre Verpflichtung zur Abwehr von Gefahren für die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs (Schiffahrtspolizei) auf den Bundeswasscrstrußcn erfüllt, die ihr nach § 1 Es bedarf hier keiner Erörterung, ob die Klägerin auf dem vom Berufungsgericht aufgezeigten Wege des Vor-waltungszwongos den .Ersatz ihrer -Aufwendungen hatte erlangen können» Die Klage ist darauf gegründet, daß die Klägerin als Eigentümerin der Bundeswassorstraß c den Ersatz von .Aufwendungen für eine Tätigkeit verlangt-, zu deren Vornahme der Beklagte verpflichtet gewesen wäreo Bio Klägerin tritt in diesem Rechtsstreit nicht als Hoheitsträger, sondern glcichgeordnot dem Beklagten gegenüber„ Sic stützt ihren Anspruch auf ihr Eigentum und auf Geschäftsführung ohne Auftrag» also auf privat-rechtliche Gründe, wobei es unerheblich ist, daß die Y/acserotraßo dom öffentlichen Verkehr gewidmet ist und die von ihr vorgenom.moucA'Tätigkeit nicht nur unter ihre privatrechtlicho Verkehrssicherungspflicht fällt, sondern' gleichzeitig die Erfüllung ihrer hoheitlichen Aufgabe der Verkehrsregelung uarstclit» Daher ist der Rechtsweg gegeben (BGH, Urteil vom 14„ Dezember "954 - I ZR "34/52? 1. Bas Berufungsgericht hält den Anspruch der Klägerin auf Ersatz ihrer Aufwendungen zwar nicht auf Grund der Vorschriften über das Eigentümer-.Bcsitsor-Vcrhältniö Eigentümer beim Sinker seines Schiffes die Pflicht auch zur Wahrschau und Kennzeichnung des Wracks» Wenn die Klägerin diese Maßnahmen durchgeführt habe, so habe sie ein Geschäft für den Beklagten besorgt» Bern stehe nicht entgegen-» daß die Klägerin damit ihre Verkchrssichorungspflicht erfüllt und daher auch ein eigenes Geschäft wahrgenommen habe.. 93p 94 RhSchPVO seien verkehrspolizeilicher Art-, für deren Einhaltung die allgemeinen Poliseimittel eingesetzt werden müßten» Auf die am Unfall beteiligten Fahrzeuge könnten die Kosten der Verkehrsregelung, die durch den Unfall notwendig geworden seien, nicht abgewälzt werden» Pie Klägerin habe nicht zugunsten dos Beklagten, sondern zugunsten der übrigen Yorkehrsteil-' nehmer gehandelt und nur ein eigenes Geschäft geführt» Aus der Pflicht zur Beseitigung gesunkener Fahrzeuge (§ 97 Nr» '[ RhSchPVO)!lasse sich nichts für die Pflicht zur Kostentragung verkehrspolizeilicher Maßnahmen hcr-leitcn, da der Eigentümer an der Auswertung eines gesunki neu und gehobenen Fahrzeuges noch Interesse haben möge, ein solches aber bei der Wahrschau und Kennzeichnung foh § 20 PrPVG komme nicht mehr zu dem Zuge; jedenfalls hafte de .Beklagte nicht, da der polizeiwidrige Zustand gegen seine Willen von einem anderen horgcstollt worden sei» Störer sei derjenige, der handelnd eingreife» 3» Pas Berufungsgericht hat die gegenüber der Klägerin bestehende Pflicht des Beklagten zur Kennzeichnung und Wahrschau aus dem Gesichtspunkt der Zustandchaftung (§ 20 PrPVG) bejahte Per zu entscheidende Fall gibt den Senat keinen Anlaß» sich mit den hierbei auftauchenden Rechtsfragen zu "befassen. Denn diese Pflicht dos Beklagten der Klägerin gegenüber ergibt sich schon aus § 1004 BGB, Der Beklagte hat dadurch, daß sein gesunkenes Schiff den Schiffsverkehr auf der Wasserstraße gefährdete, das Eigentum der Klägerin an der Schiffahrtsstraßc, die die Klägerin dom öffentlichen Verkehr gewidmet hat, beein- ein Verschulden des Störers voraus Aus all diesen Gründen hat der Bundesgerichtshof in dem bezeichncten Urteil vom 14» Dezember 1954 den Anspruch der Bundesrepublik auf Beseitigung eines im Rhein' gesunkenen Wracks gegen den Schiffooigentümer unter dem rechtlichen Gesicht opium t ‘hloo § 1004 BGB grundsätzlich anerkannt;,, wenn auch in dem damals entschiedenen Pall die Störung ment als rechtswidrig angesehen worden ist, weil aas ^chifa. durch Bombentreffer versenkt Worden war» IW vorliegenden Pall kann es sich nur fragen, ob der Bescitißur‘ßcanopruch auch den Anspruch auf Kennzeichnung und Wahrschau unnaß u » Das ist zu bejulien„ Ist die Beseitigung der tigung nicht sofort in vollen Umfange, möglich’ der Eigentümer von dem Störer verlangen* ^aß <2xc Beeinträchtigung bis au ihrer völligen Beseitiget? 319)o Denn er ist ohne rechtlichen Grund von coiner ursprünglichen Verpflichtung zur Kennzeichnung und Wahrschau befreit worden« Wenn die Klägerin in Erfüllung ihrer privat- und offontliehreehtlichen Vorkehr coicherungcpf licht oder ihrer öffentlich-rechtlichen Aufgabe zur Erhaltung der Verkehrswege (BGIIZ 21 ? wenn der Beklagte ihr Eigentum nicht gestört hätte oder die Störung seiner Rechts- ' Pflicht entsprechend Selbst beseitigt hätte; die dafür notwendigen Aufwendungen hat der Beklagte infolge der von der Klägerin getroffenen Maßnahmen erspart« Der Beklagte hat daher nach § 818 BGB den Wert zu eir.s'etzenv ob den Kcehtsgrund für die Aufwendungen der Klägerin nicht die Vorschriften über Geschäftsführung ohne Auftrag (§§ 677 ff BGB) abgeben könnten ('vgl» BG-HZ 40? 1— ■ n-"l hatte in Höhe eines weiteren Betrages von U55’1,, 61 DM otattgegehen worden müssen,, Im angefochtenen Urteil gl 0 ist m dieser Richtung ausgeführt: Soweit die Klägerin Dor Anschlußrevision ist im Ergebnis zuzugeben, daß die Ausführungen dos Berufungsgerichts seine Entscheidung nicht tragen« Es erscheint nicht gerechtfertigt, bei den Personalkosten, die bei der über zwei Wochen dauernden Warhschau und Kennzeichnung entstanden sind, einen Unterschied zu machen, jo nachdem, ob sio innerhalb oder außerhalb des normalen Dienstbetriebos entstanden sind« Die Klägerin muß das nötige Personal auch für die Palle halten, in denen ein Unfallbeteiligter die ihm nach dom Gesotz obliegenden Sicherungen nicht sachgemäß erfüllen kann oder sie aus einem sonstigen gründe nicht erfüllt« Es bedarf keiner Entscheidung darüber, wie die Rechtslage ist, wenn es sich dabei nUr um einen kurzfristigen Einsatz cos Personals der Schiffahrtsvcrwaltung handelte Jedenfalls besteht bei cinen zeitlich erheblichen Einsatz von Personal, das auch für solche Fälle gehalten werden muß, kein (Grund 2U der Annahme, daß die Klägerin das Personal in dera-nclben seitlichen Umfange bezahlen müßte, wenn ihr nicht aic Aufgabe obläge, für solche Fälle ihre Bediensteten ,