BGH · II ZR 239/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
rer Grundstückeo Sowohl die Klägerin wie der Bekla gte will mit diesem Verein identisch seinc Nach der Satzung von 1913 ist es Zweck des Turnver-eins, s'auf dem Gebiet des Turnens und der Jugendspiele durch körperliche Übungen die Gesundheit und körperliche Gewandtheit der Mitglieder zu fördern®0 Am 24 „ Februar 1935 nahm die außerordentliche Mitgliederversammlung, die nach der Niederschrift von 18 Turnern besucht war, die Einheitssatzung für die dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen NSRL; angeschlossenen Vereine an, nach der ,!die körperliche und seelische Erziehung der Mitglieder im Geiste des nationalsozialistischen Volksstaates durch planmäßige Pflege der Leibesübungen” Vereinszweck warc Diese Satzungsänderung wurde am 3o Oktober 1935 ins Vereinsregister eingetragene ln RPBBIB bestand seit dem Jahre 1912 außer dem Turnverein noch der Sportverein RPH^PP, ein nicht eingetragener Vereine Die Vorstände beider Vereine beschlossen in einer gemeinsamen Sitzung vom 22D Oktober 1938, beide Vereine unter dem Namen !iVerein für Leibesübungen ePVo RpHBV s-usammenzuschließen, hierüber aber noch die Mitgliederversammlungen sprechen zu lassend Am 60 November 1938 hielt der Turnverein eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab? Tripanwesend war und das Wort 5'uber die Bedeutung und Ziele des Zusammenschlusses der beiden Vereine'* ergriffen hato fiese Mitgliederversammlung beschloß mit 24 Stimmen gegen 4 Neinstimmen bei einer Enthaltung, den Vereinsnamen in ’’Turn- und Sportverein ecVo 1887 in R^HHB1'' zu ändern und die Mitglieder des Sportvereins entweder geschlossen nach Liste-oder einzeln zu übernehmen0 Die Änderung des Vereinsnamens wurde, nicht zur Eintragung ins Vereinsregister angemeldet und nicht eingetragene Der Sportverein faßte keine Entschließung der von den Vorständen vorgesehen Art. Mehrere seiner Mitglieder (oder, wie die Klägerin S 2 ihres Schriftsatzes vom 20<.10"52 Der unter dem Namen ’’Sportvereinigung von 1887” handelnde Zusammenschluß berief durch seinen Vorstand eine außerordentliche Mitgliederversammlung auf den 40 August 1951 ein« Diese Versammlung beschloß die Annahme einer Satzung;, nach deren § 1 ’’die Sportvereinigung 1887" ihren Sitz in hat und diese Vereinigung ins Ver- Der im Jahre 1887 gegründete, im Jahre 1913 eingetragene Turnverein habe im Jahre 1938 die Mitglieder des Sportvereins aufgenommen und sich den Namen Turn- und Sportverein beigelegt» der im Jahre 1946 in Sportvereinigung 1887 umgeändert worden seio Diese Vereinigung habe den Turnverein fortgesetzte Den Beschluß vom 23« Oktober 1950 hätten 27 mit der Entwicklung unzufriedene Mitglieder der Sportvereinigung gefaßt« Dazu seien sie bei einer Gesamtmitglie- sich als Mitglieder des Turnvereins zu bezeichnen,, Die Änderung des Namens des Turnvereins in Turn- und Sportverein sei unter politischem Druck vorgenommen worden und deshalb und mangels Eintragung ins Vereinsregister niemals wirksam geworden» Die Fusion eines rechtsfähigen Vereins mit einem nichtrechtsfähigen Verein sei rechtlich unmöglich., Unstreitig hat Le^HHV die Versammlung vom 16 „ Oktober 1951 mitveranlaßt„ Er war stellvertretender Vorsitzender des Turnvereins und als solcher bis zur Eintragung des Vorstandes des Beklagten im Jahre 1950 im Vereinsregister eingetragen* Die Klage meint, le^B habe sein Vorstandsamt damit verloren, daß er unter dem 6„ Oktober 1940 unstreitig an den "Turn- und Sportverein geschrieben hats "Melde mich hiermit als Mitglied aus dem Turn- Sportverein ab"c Das Berufungsgericht hat den Klageantrag dahin ausgelegt s es solle festgestellt werden, daß nicht der Beklagte, sondern die klagende Sportvereinigung mit dem im Jahre 1913 unter VR 10 des Amtsgerichts Höhr-Grenzhausen eingetragenen Turnverein identisch ist* Mit dieser Maßgabe hat es die Berufung des Beklagten zurückgewiesen« Das Berufungsgericht meint3 Es möge zutreffen» daß die Annahme der 'Einheitssatzung eine Zweckänderung dargestellt und darum nach § 33 Abs 1 Satz 2 BGB der Zustimmung aller Mitglieder des Turnvereins bedurft habec Diese Satzungsänderung sei aber wirksam geworden, weil alle Turner die beschlossene Zweckänderung widerspruchslos hingenommen hätten und es nicht zu einer Spaltung des Turnvereins gekommen sei*. Das habe aber nur die Folge gehabt» daß der Turnverein unter einem ihm rechtlich nicht zukommenden Hamen aufgetreten sei*, Der Übertritt von 37 Mitgliedern des Sportvereins in den Turn- und Sportverein sei als Aufnahme neuer Mitglieder in den Turnverein zu werten*, Der Turnverein habe damals 89 Mitglieder gehabt Ein Beitritt von 37 Personen habe zu keiner "Entmachtung" der Turner führen und auf die Geschicke des Turnvereins keinen entscheidenden Einfluß haben können*, Zu einer Spaltung des Turnvereins sei es auch 1938 nicht gekommen,. Die Maßnahmen der Militärregierung hätten den Turnverein nur zu dem Ruhen gebracht, ihn aber im übrigen- unberührt gelassen Die am 25*- Juli 1946 beschlossene Namensänderung sei ohne Eintragung ins Vereinsregister wirkungslos geblieben» Die Beschlüsse vom 6, und 23« Oktober 1950 seien für den fortbestehenden Turnverein unverbindlich, da diese Versammlungen nicht von dem damals amtierenden Vorstand.des unter dem Hamen Sportvereinigung handelnden Turnvereins einberu-fen worden seien und da die Personengruppe, die diese Ver- Sammlungen abgehalten habe, nicht für sich in Anspruch nehmen könne, den alten Turnverein zu verkörpern,, Der Beschluß vom 4« August 1951 sei zwar unter dem Namen Sportvereinigung gefaßt worden, habe aber dem Turnverein gegolten, der den ihm nicht zukommenden Namen Sportvereinigung geführt habe» Durch diesen Beschluß sei kein neuer Verein entstandene Das Registergericht habe die Rechtslage verkannt, wenn es unter dem Aktenzeichen VR 50 einen neuen Verein eingetragen habe« Die Klägerin sei mit dem Turnverein identisch,. Der am 6„ November 1938 abgehaltenen außerordentlichen Mitgliederversammlung des Turnvereins hat unstreitig der Kreisführer beigewohnt, der nicht Mitglied des Vereins war« Nach der Niederschrift über diese Versammlung hat er das Wort ergriffen und über die Bedeutung und die Ziele des Zusammenschlusses der beiden Vereine gesprochen« "Hierauf” wurde beschlossen, den Namen des Turnvereins in Turn- und Sportverein zu ändern und die Mitglieder des Sportvereins entweder geschlossen nach Liste oder einzeln aufzunehmen« Die Anwesenheit Lip^m machte die beiden Mitgliederbeschlüsse zwar nicht, unwirksam, zeigt aber die Umstände, unter denen sie zustande kamen« Nach dem Tatbestand des landgerichtlichen Urteils hat die Klägerin selbst vorgetragen, daß die Beschlüsse gefaßt worden seien, um einem Verlangen des NSRL Genüge zu tun« Der Beschluß über die Namensänderung war als Satzungsänderung nach den §§ 57, 71 Abs 1 Satz 2, 3 BGB vom Vorstand zur Eintragung ins Vereinsregister anzu demelden« Das ist nicht geschehen« Die Namensänderung wurde da- HER 1933 Nr 1635 = Warn 1933 Nr 90)0 Galt aber die beschlossene Namensänderung auch für die Beziehungen der Turnvereinsmitglieder zu ihrem Verein nicht, so bedurfte es keines ?/iderspruchs der Turnvereinsmitgliederv um den Turnverein mit unverändertem Hamen zu erhalten» Ware nichts weiter vorgefallen, als daß eine vom Turnverein mehr oder-weniger unfreiwillig beschlossene Namensänderung nicht eingetragen worden wäre und als daß sich seine Mitgliederorganisation des neuen Namens bedient hätte, so läge nur eine falsche Namensführung vor» Die Mitglieder-organisation, die unter dem Namen Turn- und Sportverein auftrat, war nicht dieselbe, wie die Mitgliederorganisation des Turnvereins und beruhte auf einer anderen satzungsrechtlichen Grundlage als der Turnverein» Ihr gehörten auch Mitglieder des Sportvereins an, während nach dem Vortrag der Klägerin von den Turnern mindestens Le^HHI nicht als Mitglied des Zusammenschlusses geführt wurde. änderung Bedarf nach § 33 Ahs 1 Satz 2 BGB der Zustimmung aller Mitglieder0 Diese Zustimmung Braucht nicht auf einer Mitgliederversammlung, sondern kann auch in jeder anderen Weise erklärt werden (BGHZ 16, 143 /T5l7) <> Das bloße Verbleiben im Verein und selbst die weitere Teilnahme am Ver— einsleben könnennur dann als Zustimmung gewertet werden, wenn dem einzelnen Vereinsmitglied die Erhebung eines Widerspruchs zu demutbar ist» Das war während der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus nicht der Pall, soweit es um die Ausrichtung eines Vereins auf den Nationalsozialismus oder um einen von Nazistellen verlangten Zusammenschluß mit vereinsfremden Personen oder Mitgliedern eines anderen Vereins ginge Das Berufungsgericht hat daher nicht recht, wenn es die widerspruchslose Hinnahme der Einheitssatzung als Zustimmung zu der am 24o Februar 1935 beschlossenen Zweckänderung ansieht0 - Das war aber weder unter der Unrechtsherrschaft des Nationalsozialismus noch während des Verbots der Turnvereine durch die französische Militärregierung der Falle Alsbald nach Aufhebung dieser Behinderung haben immerhin 27 Turner so gehandelt, als habe der,Turnverein ab Ende 1933 bloß geruht und als existiere für sie weder der Zusammenschluß mit den "übergetretehen" Mitgliedern des Sportvereins, noch die Einheitssatzung, noch die vorge-nommenen Namensänderungen» Sie hielten eine Versammlung ab, die nur die alten Mitglieder des Turnvereins und diejenigen angehen sollte, die sich zu dem alten Turnverein bekannten» Sie benutzten zur Einberufung dieser Versammlung nicht den Vorstand der "Sportvereinigung", sondern scharten sich um den noch immer eingetragenen stellvertretenden Vorsitzenden des Turnvereins. ten sich nicht darum, daß dieser nach dem Vortrag der Klägerin (S 4 des Schriftsatzes vom 20»10,52, Bl 40 VR 50; seit der "Verschmelzung" nicht als Mitglied des "Turn-und Sportvereins" geführt ’worden war und sich unter dem 10» Oktober 1940 in seinem an den "Turn-Sportverein gerichteten Schreiben noch förmlich aus dem "Turn-Sportverein" abgemeldet hatte» Sie sahen ihn durch diesen Austritt nicht als aus dem Turnverein ausgeschieden an und gingen davon aus» daß dieser Austritt und die Berufung Bei dieser Sachlage konnte das Schweigen der Turner während der Nazizeit und der Dauer der französischen Militärregierung nicht als Zustimmung zu irgendwelchen Verwandlungen des' Turnvereins gewertet werden, Es ist darum auch ausgeschlossen, in der "Verschmelzung'''1 bloß die Aufnahme neuer Mitglieder in den Turnverein zu s eilen , Die Klage war daher abzuweisen, ohne daß es darauf ankäme, ob die Versammlungen vom 16, und 23= Oktober 1950 nach den Satzungen des alten Turnvereins ordnungsgemäß einberufen waren und wie es rechtlich zu beurteilen ist, wenn ein Verein von innen heraus durch die Mitglieder eines anderen Vereins " erobert" wird =