BGH · II ZR 237/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der IIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 10o Februar 1966 unter Mitwirkung dos Senatspräsidenten Dr<> Fischer und der Bundesrichtor Dr0 Körr? Die Klägerin ist die Witwe eines 1955 verstorbenen Töpfermeisters* Hach seinem Tode führte sie den Töpferei» betrieb unter der verantwortlichen Leitung eines von ihr bostollton Töpfermeisters fort* Bei ihm erlernte der Schwiegersohm der Klägerin,* namens das Töpfer- zeit übereignete die Klägerin ihrem Schwiegersohn und ihrer Tochter das Betriebsgrund st tick und überließ ihnen den Töpfereibetrieb mit Inventar9 Warenbeständen und Kraftfahrzeuge Die Klägerin hatte bei der Beklagten eine Betriebshaftpflichtversicherung abgeschlossene Mit ihrer Klage begehrt sie5 die Deckungspflieht der Beklagten für zwei Schadensfälle festzustellen« In dem einen Fall handelt es sich um einen größeren Sachschaden durch ein am 10» Dezember I960 ausgebrochenes Feuer« Die Feuerversicherung des Geschädigten verlangt von der Klägerin und Bffenberger die Erstattung der geleisteten Brandentschädigung? weil deren Schwiegersohn den Töpfereibetrieb bereits vor den beiden Schadensfällen übernommen habe und damit anstelle der Klägerin in die Rechte und Pflichten des Versicherungsverhältnisses eingetreten seii Außerdem habe die Klägerin die beiden Schadensfälle nicht innerhalb einer Woehe angezeigto Gegenüber hatte die Beklagte schon vorher jede Leistung abgelehnt? Die Klägerin hatte sich gegen die Haftpflicht aus dem von ihr forigeführtem Topfercibetrieb versichert * Der Versicherung liegen die Allgemeinen Versicherungsbedingungen-für die Haftpflichtversicherung fAHB) zugrunde* Der Anspruch der Klägerin auf Versicherungsschutz hängt davon ab, ob die beiden streitigen Versicherungsfälle eingetreten sind, bevor der Schwiegersohn den Töpfereibetrieb übernommen hat und damit nach § 151 Abs* 2 VVG anstelle der Klägerin in die Rechte und Pflichten des Versicherungsverhältnisses einge-treten ist * I* Versicherungsfall ist nach § 5 Mr« 1 AHB “das Schaden-ereignis, das Haftpflichtansprüche gegen den Versicherungs-nohmer zur Folge haben könnte“* Unter dem Schadenereignis ist nicht die Schadensursache, sondern der äußere Vorgang zu verstehen, der die Schädigung des Dritten und damit die Haftpflicht des Versicherungsnehmers unmittelbar herbeiführt In Übereinstimmung mit dieser Rechtsprechung des Senats (BGHZ 25, 34 = VersR 1957, 499; BGHZ 43, 88, 92 = VersR 1965 325/26) hat das Berufungsgericht zutreffend angenommen, daß die beiden Versicherungsfälle am 10* Dezember I960 und 11* Januar 1961 eingetreten sind* lie Zu dem streitigen Zeitpunkt9 zu dem der Töpfereibe-trieb der Klägerin auf ihren Schwiegersohn übergegangen ist9 hat das Berufungsgericht ausgeführt: Die Klägerin habe am 29o November I960 mit ihrem Schwiegersohn und ihrer Tochter einen notariellen Grundstücksüberlassungsvertrag geschlossen«, in dessen § 3 es heißt: Die Beteiligten sind sich darüber einig«, daß Besitz und Eigentum an den vorgenannten Gegenständen am 10 Juli I960 über gegangen sind«, der Kfz-Brief ist übergebeaio Klarstellend wird bemerkt2 daß die Übergabe des Betr^beserf olgt ist«, nachdem der Erschienene zu 3) seine Meisterprüfung abgelegt hat«" Hiermit werde ein in der Vergangenheit abgeschlossener Vorgang bestätigto Für die Richtigkeit spreche«, daß der Kfz-Brief und das Inventar tatsächlich vor Protokollierung des Vertrages an Effehberger übergeben worden seien« Ss sei nicht glaubhaftp daß der Stichtag des 1« Juli I960 nur aus steuerlichen Gründen gewählt worden sei* Auch das Finanzamt habe die Betriebsübernahme zu dem 1o Juli I960 anerkannt9 und Effenberger habe ab ?0 Juli 1960 Einkommen- und Gewerbesteuer gezahlte Weiter sei zu berücksichtigen«, daß seit seiner Meisterprüfung im Mai i960 keine. Beiträge zur Sozialversicherung mehr abgeführt habe« Offensichtlich habe er sich nicht mehr als Arbeitnehmer«, sondern als Betriebsinhaber angesehene Seit Kovember I960 habe er auch nicht mehr allabendlich mit der Klägerin abgerechnet«, sondern die Kasse allein verwaltet« Schließlich sei das Bankkonto des Betriebes am t» Dezember i960 umgeschrieben wordene Aus den angeführten Umständen schließt das Berufungsgericht daß der Töpfereibetrieb bereits vor dem 10c Dezember 1960,o dem ^Eintritt des ersten Versicherungsfalles? weil schon vorher als neuer Betriebsinhaber aufgetreten soio Firmenschilds Briefbogen und Rechnungen des Betriebes habe er allerdings erst im Januar 1961 geändert0 Das brauche aber5 so meint das Berufungsgericht? wie den notariellen Vertrag der Klägerin mit ihrem Schwiegersohn und die allabendliche Abrechnung«, für wesentliche Einen bestimmten Zeitpunkt für den Betriebsübergang hat das Berufungsgericht nicht angegeben* Es hat dafür den 1o Juli I960 als bedeutsam angesehen5 daneben aber auch zeitlich früher und später liegende Vorgänge berücksichtigt * Die daraus ersichtlichen Zweifel9 worauf es für den Zeitpunkt des BetriebsÜbergangs ankommt ? erklären sich aus der irrigen Auffassung«, der Übergang des versicherten Haftpflichtinteresses sei an die Übereignung der für den Betrieb wesentlichen Gegenstände (Maschinen? wenn der Betriebsinhaber auf Grund einer Veräußerung des Unternehmens oder eines gleichgestellten Rechtsverhältnisses wechselt?der Betrieb aber ungeachtet der rechtlichen und personollen Änderungen ohne Unterbrechung weitergeführt wird* Haftpflichtrisiko und Versicherungsschutz dürfen dadurch nicht auseinander-falleno Der Versicherungsschutz muß dem Haftpflichtrisiko folgen*. Briefbogen und Rechnungen des Unternehmens erst im Januar 1961 auf den Namen des Schwiegersohnes der Klägerin geändert worden» Bas läßt auf einen Übergang des Unternehmens nach Eintritt des ersten Versiche-X'ungsfalles schließen» Ob der Übergang des Betriebes bei Würdigung der dafür wesentlichen Vorgänge vor oder nach dem zweiten Versicherungsfall am 110 Januar 1961 anzunehmen ist? bedarf noch ergänzender Feststellungen® Alsdann bleibt zu klären» ob die Beklagte leistungsfrei geworden ist» weil ihr» wie sie behauptet fl die Schadensfälle nicht rechtzeitig angezeigt worden seien* Die Sache muß deshalb unter Aufhebung des Berufungsurteils zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden*