BGH · II ZR 236/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
a) Eine Satzungsbestimmung, die die Veräußerung von Teilen eines Geschäftsanteils an Gesellschafter genehmigungsfrei macht, gilt auch für den Fall, daß ein zu einem Nachlaß gehörender Geschäftsanteil unter die Erben aufgeteilt wird oder daß ein Vermächtnis zu erfüllen ist, das einem Gesellschafter einen Teil des Nachlaßgeschäftsanteils zuwendeto b) Ist nach der Satzung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung die Veräußerung von Teilen eines Geschäftsanteils ohne Genehmigung der Gesellschaft zulässig, so ist auch die Erfüllung eines Vermächtnisses genehmigungsfrei, das auf den Teil eines Geschäftsanteils gerichtet ist und das der bedachte Nichtgesellschafter an einen Gesellschafter abgetreten hat«, daß von dem ihr an der 4HHHI Kraftwerke GmbH (AKW) zustehenden Geschäftsanteil von 13o500 DM die Erstbeklagte 4/15 und vier weitere Angehörige Teile von 4/13 ? Die Klägerin verlangt von der Erstbeklagten Erfüllung der abgetretenen Vermächtnisforderungen durch Abtretung eines Teils von 9„300 DM des ererbten Geschäftsanteils, vom Zweitbeklagten Duldung der 'Zwangsvollstreckung in den Nachlaße Die Beklagten haben geltend gemacht, die Vermächtnisanordnungen seien unwirksam, weil ihre Erfüllung schon bei Eintritt des Erbfalls unmöglich gewesen, jedenfalls aber dadurch unmöglich geworden sei, daß die AKW die Genehmigung zur Abtretung wirksam und unabänderlich versagt habe, bevor die Vermäehtnisforderung an die Klägerin übertragen worden sei« In jedem Palle wollen dieBeklagten durch die Veräußerung des Nachlaßgeschäftsanteils an die Gemeinde Sonthofen frei geworden sein«, Die Klägerin sieht in dieser Veräußerung eine die Beklagten zu Schadensersatz verpflichtende Handlung und oeantragt deshalb hilfsweise, die '.Erstbeklagte zur Abtretung eines Teils von 9-300 DM ihres eigenen Geschäftsanteils äußerstenfalls beide Beklagte zur Zahlung von 41o850 DM zu verurteileno Das ist der Preis, den die Klägerin für die ihr abgetretenen Rechte bezahlt haben will© Einen Wertersatz anspruch von 23<>000 DM haben die Beklagten anerkannt0 Dieser Betrag entspricht für die Vermächtnisforderungen dem Preis, den die Gemeinde Sonthofen für den Nachlaßgeschäftsanteil zugestanden hat« Das ist unrichtig« Nach der Passung xtes § 17 Abs0 3 GmbHG sieht es allerdings so aus, ’als könne der Gesellschaft sverlrag zwei Ausnahmen von dem Genehmigungserforder-nis des § 17 Abs© 1 GmbHG machen, die eine für den Veräußerungsfall und die andere für den Pall der Erbteilung© In Wirklichkeit deckt sich jedoch der Pall der Aufteilung eines ererbten Geschäftsanteils unter die Erben mit dem Pall der Veräußerung von Teilen eines Geschäftsanteils an Mitgesellschafter© setzung, ist eine Veräußerung an Mitgesellschafter0 Denn durch den Erbfall werden die Erben Gesellschafter und die Umwandlung ihrer Gesamthandsberechtigung an dem sum Nachlaß gehörenden Geschäftsanteil in Einzeleigentum einzelner oder aller Miterben ist eine Veräußerung, und zwar an Mitg6se.i.l— sohafter<> Daß es dabei anders als im Veräußerungsfall nicht um eine Veräußerung an einen ’’anderen” Gesellschafter geht, sondern der Erwerber zugleich auf der Veräußererseite steht,-macht sachlich keinen Unterschied0 Daher brauchte die Aufteilung des ererbten Geschäftsanteils unter die Erben in § 17 AbSo 3 GmbHG gar nicht als ein besonderer Pall neben dem Veräußerungsfall genannt zu werden (vgl« Peine in Ehrenbergs Handbo? Ein Vermächtnis begründet bloß ein Porderungsrecht (§ 2174 BGB)o Die schuldrev)ht-liche Verpflichtung zur Übertragung des Teiles eines Geschäftsanteils kann wirksam begründet werden, ohne daß es einer Mitwirkung der Gesellschaft bedarf (RGZ 130, 59# 47) o Pur ein Vermächtnis kann nichts anderes gelten0 Die Erblasserin hat der Erbin und den Vermächtnisnehmern lediglich verboten, Teile ihres Geschäftsanteils an Richtgesellschaf-ter zu veräußern, und nicht die Abtretung des Vermächtnisanspruchs untersagto 3® Wenn danach auch die Vermächtnisnehmer, da sie nicht Gesellschafter der AKW waren, die ihnen zugedaöhten Teile des Nachlaßgeschäftsanteils nicht ohne Genehmigung der Gesellschaft erwerben konnten, so war doch eine Übertragung von Teilgeschäftsanteilen nicht schlechthin, sondern nur für den Pall ausgeschlossen, daß die Gesellschaft die Erteilung der Genehmigung endgültig versagteo Das genügte, um mindestens zunächst den Eintritt der Polge des § 2171 BGB aufzuhalten (BGB - RGRK § 2171 Anm0 2; Staudinger/ Seybold § 2171 Anm«, 2)0 4o Die Erfüllung der Vermächtnisse war auch nicht deshalb unmöglich, weil jeder Teilgeschäftsanteil nach § 17 AbSo 4, § 5 Abs«, 3 Satz 2 GmbHG durch hundert teilbar sein muß und ein Geschäftsanteil über 13o500 DM nicht in die von der Erblasserin gewünschten Bruchteile zerlegt werden kann, ohne diese Bestimmungen zu verletzen«, Denn ein Testament ist so auszulegen, daß dem Willen des Erblassers so weit wie möglich Geltung verschafft wird (BGK LM § 2084 BGB Nr«, 3)<> Dies kann aber entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts nicht in der Weise geschehen, daß allen vier Vermächtnisnehmern zusammen derjenige durch hundert teilbare Betrag (9°500 DM) vermacht sei, der am nächsten unter der Summe von 9/13 cles Geschäftsanteils der Erblasserin bleibt«, Denn Gegenstand des Vermächtnisses war nicht ein einziger Teilgeschäftsanteil von 9/13? 1/13 und 2 mal 2/13o Hieran konnten die Vermächtnisnehmer auch nichts dadurch ändern, daß je™ der von ihnen seinen Anspruch auf Erfüllung des Vermächtnisses an eine und dieselbe Person abtratö Bas auf § 17 AbSo 4 Gm'bHG beruhende Erfüllungshindernis richtet sich gegen die Erfüllbarkeit jeder der vier Vermächtnis-forderungen«, Es ist anders als das Pehlen des sich aus § 17 Abs«, 1, 3 Gm'bHG ergebenden Genehmigungserfordernisses nicht behebbar, da es nicht der Bisposition der Gesellschaft oder der Vermächtnisnehmer unterliegt«, Bieses Er— füllungshindernis ergibt sich aus der Sache selbst? wie sie die Erblasserin angeordnet hatte, von vornherein entgegen«, Baß die Klägerin Inhaberin aller vier Vermächtnisforderungen geworden ist, konnte den Inhalt der einzelnen Vermächtnisse nicht ändern«, Wären die vier Vermächtnisnehmer oder ein Teil von ihnen Gesellschafter gewesen oder hätte die Gesellschaft die Genehmigung zur Abtretung von Teilgeschäftsanteilen an die Vermächtnisnehmer erteilt, so könnte jeder von ihnen nur einen Teiigeschäftsanteil in Höhe desjenigen Betrages verlangen, der unter dem sich für jeden einzelnen Bruchteil ergebenden Betrag bleibt0 Ba 1/13 von 13o500 BM den Betrag von I«, 058,46 BM ergibt, können die vier Vermächtnisse nur in Höhe von 4 «>100, 2«,000 BM, nochmals 2p000 BM und lo000 BM erfüllt werden«, Die Erfüllung den Vermächtnisse ist auch nicht nach träglich unmöglich gewordene lo Es kann dahingestellt bleiben, ob der Gesellschaft terbeschluß vom 19o April 1956 rechtsgültig zustandegekommen und wirksam geworden ist<> Das Vermächtnis als solches und das darin begründete Forderungsrecht bedurften keiner Genehmigungo Nur die Übertragung von Teilen des Nachlaßge-schäftsanteils an Nichtgesellschafter war genehmigungspflichtige Der Beschluß vom 19o April 1956 wurde zu einer Seit gefaßt, als nicht mehr als das Vermächtnis vorlag, und ohne daß es je zu einer Abtretung von Teilen des Nachlaß-geschäftsanteils an die Vermächtnisnehmer gekommen ist© Ein Schwebezustand bestand nur insofern, als die Vermächtnisnehmer zu dem eigenen Erwerb von Teilen des Nachla.ßge-schäftsanteils der Genehmigung der Gesellschaft bedurfteno Die Abtretung des Vermächtnisanspruchs war zulässig und unterlag keiner Genehmigungspflicht0 Durch die Abtretung dieses Anspruchs an einen Gesellschafter der AKW wurden die Vermächtnisse erfüllbar, ohne daß es noch einer Genehmigung der Gesellschaft bedurfte0 Das Reichsgericht (HansRZ 1922, 864) hat den Standpunkt vertreten, daß eine persönliche Erwerbsbeschränkung des einen Vertragsteils nicht die Unmöglichkeit der Leistung des anderen Vertragsteils zur Folge hato Dementsprechend wird angenommen, daß das gesetzliche Verbot, die Forderung eines Ausländers zu erfüllen, nicht zur Anwendung der Vorschriften über die Unmöglichkeit einer Leistung berechtigt, wenn der Gläubiger die Forderung an einen Inländer abtritt (ebenso Staudinger/ Werner, BGB, § 404 III 2; Planok/Siber, BGB § 404 Anm„ 2). den Anspruch auf Erfüllung der Vermächtnisse durch Abtretung an einen Gesellschafter zu verwerten und so die Übertragung von Teilen des Wachlaßgeschäftsanteils genehmigungsfrei zu machen, konnte ein Gesellschafterbeschluß, der die Genehmigung zur Übertragung von Teilen des Wachlaßgeschäftsanteils an die Vermächtnisnehmer versagte, keine die Unmöglichkeit der Vermächtniserfüllung herbeiführende Wirkung haben und der Klägerin nicht entgegengesetzt werden0 Darum brauchte nicht entschieden zu werden, ob eine Teilungsgenehmigung nach Gese oder Gesellschaftsvertrag bereits dann versagt ist, wenn ein dahingehender Gesellschafterbeschluß gefaßt ist, oder ob dazu noch gehört, daß das Vertretungsorgan der Gesellschaft eine entsprechende Erklärung abgibt * Damit erübrigt es sich auch, auf die in diesem Zusammenhang von der Revision erhobenen Rügen einzugehen0 Stütze und ist unrichtig» Dort ist mit Gesetzeskraft klar-gestellt worden* daß Versorgungsbetriebe der Gemeinden nicht wirtschaftliche Unternehmen im Sinne des Art» 75 Abs» 1, 2 BayGO sind» In diesen Bestimmungen sind die sach-liehen Voraussetzungen* unter denen Gemeinden (gemeindliche) wirtschaftliche Unternehmen errichten* übernehmen oder erweitern dürfen* festgelegt» Diese Voraussetzungen brauchen im Hinblick auf das Urteil des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs vom 23ol2ol957 auch nicht gegeben zu sein* -wenn sich eine Gemeinde, an einem gemeindlichen* also von einer anderen Gemeinde betriebenen Versorgungsunternehmen beteiligt» Das hat mit dem in Art» 77 Abs» 3 BayGO geregelten Tatbestand einer gemeindlichen Beteiligung an einem privat-wirtschaftlich betriebenen Versorgungsunternehmen nichts zu tun» Die von der aufsichtlichen Genehmigung abhängige Übertragung des Nachlaßgeschäftsanteils an die Gemeinde Sonthofen ist daher noch schwebend unwirksam und hat demzufolge die Erfüllung der Vermächtnisse nicht unmöglich gemacht (§ 184 Abs» 2 BGB)» Nach alledem kann die Klägerin nicht die Abtretung eines aus dem Nachlaßgeschäftsanteil zu bildenden einheitlichen Geschäftsanteils von 9 <>300 DM* sondern nur die Abtretung von Teilgeschäftsanteilen über 1»000 DM* 2»000 DM* nochmals 2»000 DM und 4ol00 DM verlangen» Das war richtig-zustellen» Zugleich war die Revision ziv einem Betrage von insgesamt 9 «»100 DM zurückzuweisen» Zum verlangten Mehrbe-