BGH · II ZR 229/54
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
-■ Der Kläger ist Kommanditist der beklagten Gesellschaft^ Persönlich haftende Ge seilschafter dieser Gesell-schaff waren zunächst der Fabrikant Pr» 1, HM sowie der Fabrikant' KMHHft» Nach dem Tode des Fabrikanten Dm A-HM setzten sich seihe -Erben in der Gesellschäfterver-sammlung vom 15, Juli 1949 über dessen Gesellschaftsanteil in der Weise auseinander» daß entsprechend der gesetzlichen Erbfolge die Witwe 1/4? Dieser vertrat daraufhin die Auffassung,: daß ein solcher Widerruf nicht möglich sei und daß der; Klager auch nicht berechtigt sei, das Stimmrecht für seinen Kommanditaateil auszuübeh. Urteil vom IQ, November 1951 (BGHZ 3:, 354) im einzelnen dargelegt, daß es aus Rechtsgründen nicht möglich ist, in einer Rersonalhandelsgesellsehaft das einem Gesellschafter zustehende Stimmrecht:von dem Gesellschaftsanteil abznspalten und auf einen andern zu übertragen (vgl auch BGH lind,-Möhr, § 105 HGB Kr 6), Dabei hat der erkennende Senat in diesem Urteil den Rail einer unwiderruflichen otimmrechtsvollmacht unter gleichzeitigem Stimmrechtsverzicht ausdrücklich.einer Abtretung dieses Stimmrechts gleichgestellte. . Kommanditgesellschaft in ihrer inneren Ausgestaltung sehr stark einer Aktiengesellschaft angenähert und dabei vor allem die Stellung der Kommanditisten sehr stark der Stellung von Aktionären einer Aktiengesellschaft ange-glichen sein, so ist'es doch nicht möglich, deshalb bei einer so gestalteten Kommanditgesellschaft Vorschriften des Aktienrechts unter Aufgabe der für die Personalhandelsgesellschaften zwingend geltenden -Grundsätze entsprechend anzuwenden (vgl dazu auch BGHZ 18, 361)= Es läßt sich daher auch nicht rechtfertigen, im vorliegenden Fall Gesichtspunkte der-bei einer Aktiengesellschaft zulässigen legitimstionszession (§ 114 Abs 4 AktG) heranzuziehen (ebenso Hueck aaO),, Daraus folgt, daß der Hinweis der Beklagäen, die Stellung der Kommanditisten sei hier bei der gesellschaftsverträglichen Gestaltung der internen Rechtsbeziehungen lediglich eine solche rein kapitalmäßiger Beteiligung, ohne rechtliche. Es handelt sich somit bei dieser Vereinbarung nicht utn die Erteilung einer gewöhnlichen St immrechtsvollmacht Denn eine echte Stimmrechtsvollmaclit könnte niemals zu einer Abspaltung des Stimmrechts von dem Gesellschaftsanteil,' sondern nur •zur Begründung einer Befugnis des Bevollmächtigten neben der Befugnis des Rechtsträgers führen> müßte also die Befugnis des Gesellschafters zur selbständigen Ausübung seines Stimmrechts in der Gesellschafterversammlung unberührt lassen (Rischer, GmbH .Rdsch 1952. Daraus folgt,, daß es sich bei dieser Vereinbarung - in Wirklichkeit um eine 'Übertragung des Stimmrechts und damit um die Abspaltung des Stimmrechts von dem Gesellschaftsanteil handelth Es ist daher zutreffend, daß das Berufungsgericht die Stimmrechtsvereinbarung in An-Wendung der in BGHZ 3/ 354- niedergelegten Grundsätze für unwirksam erachtet hat. Wenn die Revision demgegenüber bemerkt, daß es sich hier' gar nicht um die 'Übertragung (Abspaltung) des Stimmrechts, sondern lediglich um eine Stimmrechtser-machtigung mit gleichzeitiger schuldrechtlicher Bindung der Kommanditisten gegenüber .dem .Komplementär Götz Heuß handele, und daß eine solche Ermächtigung nicht einer Abtretung gleichgeachtet werden könne, so ist das nicht richtig. Wie bereits hervorgehoben, liegt der Sinn und der Inhalt dieser Vereinbarung gerade darin, den Kommanditisten die Ausübung des Stimmrechts gegenüb er der Ge- Seilschaft unmöglich zu machen und sie nicht lediglich schuldrechtlich gegenüber dem Komplementär zu "binden,, Eine einfache Stimmrechtsermächtigung mit gleichzeitiger schuld rechtlicher Bindung des stimmberechtigten Kommanditisten gegenüber dem Komplementär wühde nicht die Wirkung haben können, daß dem Kommanditisteh "gegenüber der Gesellschaft sein Stimmrecht genommen istP Br würde vielmehr Träger des Stimmrechts bleiben und"-daher im Verhältnis zur Gesell schaft auch weiterhin zur .Ausübung seines Stimmrechts uneingeschränkt in der Lage sein» Die etwaige schuldrecht liehe Bindung des Kommanditisten gegenüber dem Komplementär würde also nur im Verhältnis zwischen diesen beiden Wirkungen äußern«, Aus dieser Beurteilung folgt, daß die Vereinbarung nicht im Sinne der Ausführungen der Bevision gedeutet werden kann, weil das mit dem Sinn und Inhalt dieser Vereinbarung in Widerspruch stehen würde» Es kann daher in diesem Zusammenhang une-rörtert bleiben, ob und inwieweit eine Stimmrechtsermächtigung mit schuldrechtlicher Bindung des Stimmberechtigten gegenüber dem Ermächtigten in'einer Personalhandelsgesellschaft überhaupt rechtlich zulässig ist und inwieweit sie sich von der hier unzulässigen Legitimationszession im Sinne des § H'4 Abs 4 AktG unterscheidet» II Ist somit davon auszugehen, daßdie Stimmrechtsvereinbarung als unzulässige Stimmrechtsabtretung unwirksam ist, so erhebt sich jedoch die weitere vom Berufungsgericht nicht behandelte Frage, ob dieser Vereinbarung im Wege der Umdeutung (§ 14Q BGB) rechtliche-Wirksamkeit gewahrt werden kann, Pie Besonderheit des vorliegenden Sachverhalts besteht darin, daß nicht nur die beteiligten Gesellschafter eine Vereinbarung über die Ausübung des den Kommanditisten zustehenden Stimmrechts zugunsten eines 'Komplementärs ge- daß auf diesem Wege stimmreehtslose ■Eommandirbeteiligungen geschaffen und die Anteile.der Komplementäre-mit entsprechend höheren Stimmrechten 'ausgestattet worden sind» Mit dieser tatsächlichen Feststellung ist aber noch nicht liehe Kegelung über die btretung des dem Kommanditisten anstehenden Stimmrechts in eine dahingehende Regelung um-gedeutet werden und daher gemäß § 140 BGB rechtliche Wirkung erhalten kann. Die positive Beantwortung dieser Frage hangt davon ah, ob durch den Gesellschaftsvertrag einzelnen Gesellschaftsanteilen das Stimmrecht entzogen und anderen Anteilen ein entsprechend höheres Stimmrecht beigelegt werden kann, und ob des weiteren insoweit die besonderen Voraussetzungen für eine Umdeutung gemäß § 140 BG-.B gegeben sind. I.» ) Im Schrifttum herrscht darüber Streit, ob es in einer offenen'Handelsgesellschaft zulässig ist, einzelne oder eine Gruppe von Gesellschaftern im Gesellschaftsvertrag von der Ausübung des Stimmrechts auszuschließeri ('be- jahend s Hueeky Das Recht der offenen Handelsgesellschaft, 2- Auf1 1950 S 107 zu Anm 16; .Weipert. eine besondere gesetzliche Regelung fehlt,,hat der erkennende Senat, in seiner Entscheidung BGHZ 14, 264 ^/269 ff7 eine dahingehende Möglichkeit in Übereinstimmung mit der jetzt allgemeinen Auffassung im Schrifttum grundsätzlich "bejaht und dabei insbesondere ausgeführtp daß eine Bestimmung über den Entzug des Stimmrechts nicht schon-mit allgemeinen Gr und Sätzen des Gesellschaftsrechts in Widerspruch steht, Bei dieser Sachlage kann es sich lediglich fragen, ob es die' Besonderheiten einer Personalhandelsgesellschaft | zwingend erfordern;, einen solchen Stimmrechtsausschluß bei ihr nicht zuzulassen. Dabei kann die Beantwortung dieser Frage im vorliegenden Pall auf die Kommanditgesellschaft, und bei dieser auch nur auf die Entziehung des Stimmrechts gegenüber einzelnen oder einer Reihe von Kommanditisten beschränkt werden. Diese Erwägung trifft auf einen Kommanditisten, der vom Stimmrecht ausgeschlos sen oder dem mit seinert Zustimmung das Stimmrecht entzogen ist, nicht zu. Bei ihm liegen in dieser Hinsicht die 'Verhältnisse' ganz ähnlich "wie bei dein Gesellschafter einer GmbH, denn seine nur beschränkte und daher für ihn übersehbare Haftung unterscheidet sich in « ■- ■ wirtschaftlicher Hinsicht nicht wesentlich von Her Zugriffs- auf, sondern sie stellt ein besonderes Erfordernis neben dem Gesellschafterbeschluß dar» Bas bedeutet, daß ein GesellschafterbeSchluß zu seiner Wirksamkeit auch dann der Zustimmung des betroffenen Gesellschafters bedarf, wenn diesem das Stimmrecht in zulässiger Weise entzogen ist,. Es kann somit der Gesellschafter einer GmbH, der ein Stimmrecht in der Gesellschaft nicht har, nicht ohne seine Mitwirkung (Zustimmung) in seiner Rechtsstellung als Gesellschafter verkürzt oder gegenüber anderen Gesellschaftern zu seinen Lasten ungleich behandelt werden? des weiteren können ihm auch nicht ohne seine Mitwirkung (Zustimmung) erhöhte Pflichten auferlegt werden Es ist erforderlich, auch bei der Kommanditgesellschaft, in der einzelne Kommanditisten ein Stimmrecht nicht haben, diese Schranke zu beachten,. herbeizuführen; einer gesonderten Zustimmung der Gesellschafter .bedarf es dazu .nicht«, Bas wird ganz deutlich«, v/enn im Gesellschaftsvertrag für Bälle dieser Art ein (qualifizierter) Mehrheitsbeschluß vorgesehen ist (vgl dazu BGHZ 8= 35); in diesem Ball kann grundsätzlich auch gegen den Willen des betroffenen Gesellschafters, wenn nur der Grundsatz der Gleichbehandlung - gewahrt ist, eine Erhöhung seiner Geseilschaxter-Pflichten begründet werdena Bei der Personalhanäelsgesellschaft können also die Schatzwerten Interessen eines Gesellschafters, die bei der GmbH durch das besondere Zustimmungserforder-nis gemäß § 53 Abs 3 GmbHG gewahrtlwerden, nur dadurch die ihnen zukommende Berüc>csi.eÄ.t.i||^tg finden, daß dem Gesellschafter insoweit sein Stimmrecht in der Gesellschaf-terverSammlung erhalten bleibth'Eih Ausschluß seines Stimmrechts auch für diesen Bereich würde mit dem allgemeinen Rechtsgrundsatz., der letzten Endes auch der Vorschrift des § 53 Abs 3 GmbH zugrunde liegt, daß nämlich eine sachlich unbegrenzte Einschränkung der wirtschaftlichen und damit auch der persönlichen Freiheit eines Einzelnen nicht gebilligt werden .kann, in Widerspruch stehen-Der mögliche Ausschluß eines Kommanditisten von seinem Stimmrecht findet daher dort seine Grenze, wo Gesellschafterbeschlüsse in Frage stehen, die in die Rechtsstellung dieses Kommanditisten eingreifen, indem sie z„.B„ seine Beteiligung als Kommanditist oder seine Haftsumme durch eine Heufassung des Gesellschaftsvertrages ändern, oder indem Das- könnte nur dann der Pall sein, wenn die Änderung des Gesellschaftsvertrages durch Mehrheitsbeschluß zulässig ist und wenn gerade durch die Ausstattung eines oder einzelner Gesellschaftsanteile mit einem erhöhten btirmirechx eine gegen die guten Sitten verstoßende Abhängigkeit der übrigen Gesellschafter von dem bevorzugten Gesellschafter herbeigeführt wird,, Pur eine solche Annahme - fehlen im vorliegenden Pall hinreichende Anhaltspunkte ratsächlicher Art, so daß sie hier außer Betracht tut eiben kann. Vereinbarung rechtlich gesehen überhaupt nicht die Erteilung einer Stimtnrechtsvollmaciit zu dem Inhalt hat und eine Vc 1Ima cht©erteil ung die eigene Befugnis des Klägers zur Ausübung seines Stimmrechts nicht ausschließen könnte» Denn der Tatbestand der gesellschaftsvertraglichen Regelung über das Stimmrecht würde auch den Tatbestand einer Entziehung des Stimmrechts einzelner Kommanditisten.und einer entsprechenden Erhöhung: des Stimmrechts, des begünstigten Komplementärs enthalten» Das im Wege der Umdeutung anzunehmende Rechtsgeschäft würde des weiteren auch in seiner Wirkung nicht über die von den Beteiligten gewollte Abspaltung und Übertragung des Stimmrechts hinausgehen; es würde vielmehr nach den Ausführungen unter II 1 b) — seinen 'Wirkungen sachlich eingeschränkt sein, weil die Mitwirkung der Kommanditisten bei einer ihre Rechts st e <-• Es ist daher auch nicht möglich, schon jetzt eine Entscheidung über den hier in Betracht kommenden Feststellungsantrag zu treffen, weil diese Entscheidung von der Möglichkeit einer Umdeutung gemäß § 1AQ rqr abhängig ist.