BGH · II ZR 224/58
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Hatte der vorsätzlich den Tarif unterbietende Unternehmer von vornherein die gegenüber dem Auftraggeber verheimlichte ■Absicht* später Nachzahlung des Unterschiedsbetrages zwischen dem tarifmäßigen und dem vereinbarten Entgelt zu verlangen, so steht dem Auftraggeber gegenüber dem Nachforderungsanspruch des Unternehmens der Einwand der unzulässigen Rechtsausübung jedenfalls dann nicht zu, wenn auch ihm vorsätzliche Tarifunterbietung zur Last fällt« Der Kläger betreibt ein Güterkraftverkehrsunternehmen und eine Kraftwagenreparaturwerkstätte* Seit Dezember 1953 bat er für den Beklagten eine größere Anzahl von Transporten mit Lastkraftwagen im Güterfernverkehr durchgeführt und ihm Treibstoffe, Autoreifen und Kraftv/agenersatzteile gelieferte Der Kläger macht geltend, aus diesen Transporten und Lieferungen ötünden noch Forderungen in Höhe von insgesamt 26o899>30 DM nebst Zinsen offen* 3r verlangt mit der Klage Zahlung dieses Betrages an die Stadt* Sparkasse in Bad Tölz, an die er seine Forderungen vor Klageerhebung sicherungshalber abgetreten hat* Der Beklagte* der die rechnerische Richtigkeit der Klageforderungen bei Zugrundelegung der Sätze des Reichskraftwagentarifs nicht bestreitet, hat seinen Antrag auf Klageabweisung wie folgt begründet: Die Parteien hätten bei Beginn ihrer Geschäftsbeziehungen vereinbart, der Kläger solle dem Beklagten jeweils 20 - 25 # der tarifmäßigen Fracht in der Veise zurückerstatten, daß er ihm Treibstoffe und Kraftfahrzeugteile von entsprechendem Wert ohne besondere Berechnung liefere* Die den Klageforderungen zugrunde liegenden Lieferungen gingen auf diese Vereinbarung zurück und oeruhten nicht auf einem Kaufvertrag* Der Kläger könne deshalb kein Entgelt dafür verlangen* Der Rückforderung stehe auch § 817 Satz 2 BGB entgegen. rührt, Zahlung zu verlangen, und zwar an die Zessionarino Die Anschlußrevision stellt diese Auffassung unter Hinweis darauf zur Nachprüfung, daß sie für den Schuldner zu erheblicher Ungewißheit führe* Diese 3edenken sind nicht begründet o Der Bundesgerichtshof hat in ständiger Rechtsprechung die klageweise Geltendmachung eines fremden Rechts im eigenen Namen zugelassen, wenn der Kläger durch den Berechtigten hierzu ermächtigt worden war und ein schutzwürdiges Interesse an der Rechtsverfolgung hatte (BGHZ 4, 153, 165; BGH MDR 1956, 154 m. zust» Anm» von Pohle; BGH NJW 1959, 1725; vgl» ferner RG J'ff 1929, 1747 eu Anm, von Rosenberg; Wieczorek, ZPO § 50 Anm» G I; Stein-Jonas-Schönke, ZPO 18«, Auflo Vorbem* I 3 b vor § 50)- Davon abzugehen sieht der erkennende Senat keinen Anlaß» Da es Sache des Klägers ist, die tatsächlichen Voraussetzungen für die Zulässigkeit der Geltendmachung des fremden Rechts nachzuweisen, ist nicht ersichtlich, inwiefern diese Auffassung zu einer unzu demutbaren Unsicherheit für den Schuldner führen konnte» Den Belangen des Schuldners ist ferner dadurch Rechnung getragen, daß das in dem Prozeß ergehende Urteil Rechtskraftwirkung auch gegenüber dem Inhaber des Rechts hat (RG J\7 1929? In vorliegendem Full ergibt sich ein schutzwürdiges Interesse des Klägers an der Geltendmachung der abgetretenen Forderungen i:n Wege der Klage daraus«, daß die Abtretung nur zur Sicherung erfolgt war, Zahlungen auf die Forderungen an die Sparkasse mithin dem Kläger zugute kommen<> Daß die Sparkasse ihn ermächtigt hatte, die Forderungen im eigenen Namen einzuklagen, wird zwar in dem Urteil des Berufungsgerichts nicht ausdrücklich festgestellt, ist aber aus den gesamten Umständen zu entnehmen« Der Beklagte selbst hat die Sparkasse in seinem Schriftsatz vom 13« August 1957 als den "eigentlichen Interessenten des Rechtsstreits undeiner etwaigen Vollstreckung gegen den Beklagten" bezeichnet, nachdem der Kläger beantragt hatte, ihm nachzulassen, die in dem Urteil des Landgerichts vorgesehene Sicherheitsleistung durch selbstschuldnerische Bürgschaft der Sparkasse zu erbringen« II« Das Berufungsgericht ist auf Grund des Ergebnisses der Beweisaufnahme zu der Überzeugung gelangt, der Beklagte habe nach seinen mit dem Kläger getroffenen Vereinbarungen zunächst die volle tarifmäßige Fracht zahlen sollen und habe dies im wesentlichen auch getan, habe dann aber durch die Warenlieferungen des Klägers einen Teil der Fracht - erst 25 später 20 $ - zurückerhalten sollen« Durch diese Lieferungen habe die Einhaltung der Tarifsätze, die nach § 22 GüKG unabdingbar und auch gegen den Willen der Parteien Vertragsinhalt geworden seien, umgangen werden sollen« Wenn der Kläger die in diesen Leistungen liegenden Zuwendungen jetzt von dem Beklagten zurückverlange, so falle dieser Anspruch unter § 23 Abs® 2 GüKG; für diese Ansprüche schließe aber § 23 Abs« 2 Satz 4 GüKG die Anwendbarkeit .des § 817 Satz 2 3GB ausdrücklich aus« Diese Ausführungen lassen keinen Rechtsirrtum er-kenneno Die Anschlußrevision meint zwar, den Klageforderun-gen stehe § 817 Satz 2 BGB entgegen* da auch der Kläger durch die den Lieferungen zugrunde liegende Vereinbarung gegen das gesetzliche Verbot* von dem Tarif abzuweichen, verstoßen habe« Nur für den hier nicht vorliegenden Pall, daß die Nachforderung auf die Bundesanstalt für den Güterfernverkehr übergegangen sei, schließe § 23 Abs«. Auf einen solchen Anspruch kann § 817 Satz 2 BGB ohnehin weder unmittelbar noch entsprechend angewendet werden (BGH NJW 1955, 1755)» Soweit die Klage auf Wertersatz für die Lieferungen ein den Beklagten gerichtet ist, handelt es sich um unter § 23 Abs« 2 GüKG fallende Ansprüche auf Rückleistung tarifwidriger Zuwendungen» Wie der Senat bereits in seinem Urteil vom 3» März i960 - II ZR 196/57 - ausgesprochen hat, ist die Anv/endbarkeit dieser Vorschrift nicht auf die Rückforderung übertariflichen Entgelts beschränkt« Sie erstreckt sich vielmehr auf jedwede Rückforderung tarifwidriger Zahlungen und Zuwendun gen, gleichviel, wer sie gewährt und wer sie empfangen hat» Nach § 23 Abs» 2 Satz 3 ist bei Zuwendungen, die wie hier nicht in Geld bestehen, der dem Wert der Zuwendungen entsprechende Geldbetrag einzuziehen» Damit ist klargestellt, daß es für die Anwendbarkeit dieses Absatzes auch nicht darauf ankommt, ob das ursprünglich Geleistete oder an seiner Stelle Wertersatz verlangt wird. Aus dieser Behauptung in Verbindung mit der Aussage des als Zeugen vernommenen Buchhalters Haass habe das Berufungsgericht den Schluß ziehen müssen, daß der Kläger von Anfang an die spätere Nachforderung beabsichtigt und den Beklagten über seine Absicht bei Vertragsabschluß getäuscht habe. Der Anschlußrevision ist zwar zuzugeben, daß das Berufungsgericht sich bei der Prüfung der Präge, ob der Kläger von vornherein zur späteren Geltendmachung seiner Ansprüche entschlossen war, nicht mit dem Vorbringen des Klägers befaßt hat, er habe der Beklagten lediglich Stundung gewährt und habe dementsprechend schon im Jahre 1954 seinem Buchhalter die bezeichnete Anweisung gegeben. Die Richtigkeit dieses Standpunkts ergibt sich schon daraus, daß nach § 25 Abs.3 GüKG auch bei vorsätzlichem Tarifverstoß des Forderungsberechtigten eine Nachforderung oder Rückforderung, die die Bundesanstalt auf sich überleiten kann, als bestehend vorausgesetzt wird (vgl« dazu im einzelnen das erwähnte Urteil in Der Güterverkehr 1956, In den genannten Entscheidungen wird zwar nicht der Fall erörtert, daß der vorsätzlich gegen den Tarif verstoßende Unternehmer überdies von vornherein die gegenüber dem Vertragspartner verheimlichte Absicht hat, den Unterschiedsbetrag zwischen dem tarifmäßigen und dem vereinbarten Entgelt später nachzufordern, was der Beklagte dem Kläger zur Last legt« Das Vorhandensein einer solchen Absicht kann Jedoch nicht zu einer anderen Beurteilung der Rechtslage führen« Unternehmer werde keine Nachforderungen erheben, hinsichtlich seines Interesses an der Einhaltung dieser Vereinbarungen auch dann nicht hinreichend schutswürdig, wenn der Unternehmer insgeheim von vornherein die spätere Geltendmachung von Nachforderungen beabsichtigte Auch in einem solchen Pall schuldet der Auftraggeber das volle tarifmäßige Entgelt, ohne sich mit Erfolg auf treuwidrige Handlungsweise des Unternehmers berufen zu können0 In diesem Zusammenhang ist auf das Urteil des V. Auch mit diesem Angriff kann die Anschlußrevision keinen Erfolg haben« Ist die Arglist, die die Anschlußrevision daraus herleitet, daß der Kläger von vornherein die Absicht gehabt habe, die Lieferungen später in Rechnung zu stellen, unbeachtlich, so kann es auch nicht darauf ankommen, ob er unter Verheimlichung dieser Absicht bezweckt und er-reicht hat, daß der Beklagte seine Geschäftsbeziehungen zu andern Unternehmern löste«. 1* a) Sie bittet zunächst um Nachprüfung der Auffas~ sung, daß die Verjährungsfrist für Nachforderungsansprüche seit Auflösung des Kraftwagenbetriebsverbands nur ein Jahr betrage* - Der Senat hat zu dieser Frage in seiner Entscheidung BGHZ 8, 66, 71 ausgeführt, § 16 Abs* 2 GFG, wonach die durch den Kraftwagenbetriebsverband geltend zu machenden Nachforderungsansprüche in zwei Jahren verjährt seien, sei mit Kriegsende infolge des Fortfalls des Kraftwagenbetriebsverbandes unanwendbar geworden und durch das Güterfernverkehrs-Änderungsgesetz vom 2* September 1949 (WiGBl 306) auch formell aufgehoben worden. b) Das Berufungsgericht geht davon aus, daß auch die Ansprüche des Klägers auf Erstattung des Werts seiner Lieferungen als ’’Ansprüche aus dem Beförderungsvertrag" im Sinne des § 40 Abs- 1 KVO anzusehen seien- Der Senat tritt dieser auch von der Revision nicht angegriffenen Auffassung bei, da diese Ansprüche ebenso wie die ihr gleichkommende Rachforderung des Unterschiedsbetrags auf die zwingenden Vorschriften des Tarifs und des Güterkraftverkehrsgesetzes über den Inhalt des Vertrags zurückgehen und es nicht gerechtfertigt erscheint, beide Arten von Ansprüchen hinsichtlich der Dauer der Verjährungsfrist unterschiedlich zu behandeln« - Mit diesem Angriff setzt die Revision sich in Widerspruch zu den für die Revisionsinstanz bindenden Feststei- J lungen des Berufungsgerichts, wonach der Kläger die Transporte für den Beklagten auf Grund von mit ihm getroffenen Vereinbarungen ausgeführt hat« Der Beklagte war danach Vertragspartner des Klägers, und auf diese Rechtsbeziehung war auch die Klage gestützt. 3« Unter Hinweis auf § 40 Abs» 2 Buchst» a KVO macht die Revision schließlich geltend, das Berufungsgericht habe nicht beachtet, daß die Verjährungsfrist für Ansprüche auf Zahlung oder Erstattung von Fracht grundsätzlich mit Ablauf des Tages der Zahlung beginne; mit dem Ablauf des Tages der Annahme des Gutes beginne sie nur dann, wenn keine Zahlung erfolgt sei» Auch dieser Angriff der Revision geht fehl» Wie der Senat schon in seinem oben erwähnten Urteil vom 27« Mai 1955 ausgeführt hat, beginnt zwar die Verjährung eines Nachforderung sanspruchs bei Vereinbarung einer untertariflichen Fracht mit Ablauf des Tage3, an dem die untertarifliche Fracht bezahlt worden ist» Bei Zahlung in Teilbeträgen beginnt die Verjährung mit jeder Teilzahlung von neuem» Im vorliegenden Fall macht der Kläger jedoch, soweit er Erstattung des Wertes seiner Lieferungen verlangt, keinen Anspruch geltend, auf den der Beklagte schon eine Zahlung geleistet hätte, die für den Beginn der Verjährungsfrist in Betracht käme» Der Anspruch des Klägers auf Erstattung des Wertes dieser Lieferungen entstand jeweils mit deren Ausführung, und mit Ablauf des Lieferungstages begann nach § 198 Satz 1 i» Verb» m» § 187 BGB auch die Verjährung« Käme es für den 3eginn der Verjährung darauf an, wann die Beklagte die Fracht bezahlt hat, so wären die Wertersatzansprüche des Klägers bei Lieferung in einem späteren Zeitpunkt als innerhalb eines Jahres nach der Zahlung schon vor ihrer Entstehung verjährt gewesen» Damit erweist sich die Auffassung der Revision insoweit als unhaltbar«