BGH · II ZR 222/67 vom 03.03.1969
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
HGB § 171 Ein Kommanditist kann sich von seiner Haftung nach § 171 Abs. 1 HGB dadurch befreien, daß er die Gesellschaft von einer Verbindlichkeit entlastet, insbesondere mit einem vertraglichen Schadenersatzanspruch gegen die Gesellschaft aufrechnet. Die Berufung der Klägerin gegen das Urteil der 3° Kammer für Handelssachen des Landgerichts München I vom 11 „ November 1966 v/ird zurückgev/iesen«, Auf Grund des Versprechens gemäß der Bestätigung vom 30„ Juli 1962, das die Revisionservri.de-rung mit dem Hinweis auf das Vorbringen der Beklagten in der Berufungsbegründung (S„ 7, 8) nicht auszuräumen vermag, haftet die KG dem Beklagten jedenfalls unter dem Gesichtspunkt des Garantievertrages für den Schaden, der ihm durch die Nichtbelieferung entstanden istQ Daß dieser Schaden mindestens so hoch ist wie die Klage forderung, hat die Klägerin nicht bestritten,, 20 Nach § 406 BGB kann der Schuldner eine ihm gegen den bisherigen Gläubiger zustehende Porderung auch dem neuen Gläubiger gegenüber aufrechnen, es sei denn, daß er bei dem Erwerb der Forderung von der Abtre tung Kenntnis hatte oder daß die Porderung erst nach Erlangung der Kenntnis und später als die abgetretene Forderung fällig geworden ist„ Unstreitig hat der Beklagte erst durch die ihm am 1„ März 1967 zugestellte Berufungsbegründung von der Abtretung der Einlageforderung an G und von diesem an die Klägerin erfahren; diese Abtretungen kommen allein in Betracht, da die Klägerin ihren erstinstanzlichen Vortrag, die KG habe die Forderung zu dem Inkasso unmittelbar an sie abgetreten, als unzutreffend fallengelassen hat (Berufungsbegründung So 3/4)o Schon vorher war die Schadenersatzforderung des Beklagten gegen die KG entstanden 1o Insoweit hält das Berufungsgericht den Aufrechnungseinwand für unberechtigt„ Zwar könne sich ein Kommanditist von seiner Haftung nach § 171 Abs„ 1 HGB grundsätzlich auch dadurch befreien, daß er mit einer Forderung gegen die Gesellschaft gegen seine Einlagepflicht aufrechne* Das setze aber voraus, daß diese Forderung auf einer wirklichen, nicht nur bilanzmäßigen Vermögenszuführung an die Gesellschaft beruhe; denn die Einlage müsse in irgendeiner Form das Aktiv-vermögen der Gesellschaft vermehren* Daran fehle es, wenn der Kommanditist mit einem gegen die Gesellschaft erworbenen Schadenersatzanspruch aufrechne, weil dann die Einlage wirtschaftlich aus Mitteln der Gesellschaft geleistet werde und der Gesellschaft hierdurch kein tatsächlicher Vermögenswert zufließe„ 328)0 Vor dieser Folge ist der Gläubiger auch dann nicht geschützt, wenn er, wie hier, den Kommanditisten bereits verklagt hat (Weipert in HGB-RGRK 2« Aufl« § 171 Anm« 24; Schlegelberger/Geßler, HGB 4o Aufl« § 171 Anm« 27, 28) 0 Ebenso kann ein Kommanditist, der selbst Gesellschaftsgläubiger ist, jederzeit gegen die Einlageforderung aufrechnen und auf diese Weise gleichfalls bewirken, daß in Höhe der hierdurch getilgten Gesellschaftsschuld seine Haftung nach § 171 Abs» 1 HGB erlischt (RGZ 63? 20)« Denn auch in diesem Pall v/ird die Gesellschaft von einer Schuld entlastet und insoweit die auf die Einlage beschränkte Haftung des Kommanditisten erschöpft, weil diese Haftung zwar gegenüber jedem Gesellschaftsgläubiger, aber gegenüber dem einzelnen nur unter der Voraussetzung besteht, daß nicht schon durch die Befriedigung anderer Gläubiger die Haftsumme erreicht ist (Eiechtheim in Düringer/Hachenburg, HGB 3= Auflo § 171 Anin« 9? Hierbei macht es keinen grundsätzlichen Unterschied, welcher Art die durch Aufrechnung getilgte Gesellschaftsschuld ist« Gleichviel, ob der Kommanditist etwa mit einer Darlehensforderung, einem Erfüllungsanspruch aus einem gegenseitigen Vertrag (z0 3« einem Kaufvertrag) oder, wie hier, mit einem vertraglichen Schadenersatzanspruch gegen die Gesellschaft aufrechnet, in jedem Fall v/ird die Gesellschaft von einer Schuld befreit und infolgedessen die Haftung des Kommanditisten um den gleichen Betrag gemindert« 2 HGB zu betrachten {Weipert aaO Anm„ 16)„ Voraussetzung ist nur, daß die Forderung gegen die Gesellschaft wirklich besteht,, "Die Zulässigkeit der Befriedigung durch Aufrechnung beruht auf der Entlastung des Gesellschaftsvermögens von einer Verbindlichkeit, nicht indem besonderen Charakter dieser Verbindlichkeit" (Flechtheim aaO Anm„ 11)„ Befriedigt ein Kommanditist die Schadenersatzforderung eines Gläubigers der KG, was auch durch Aufrechnung mit einer eigenen Forderung gegen diesen Dritten geschehen kann, so erlischt insoweit seine Haftung gegenüber allen Gläubigern» Dabei kommt es nicht darauf an, ob die getilgte Forderung mit Rücksicht auf die Vermögenslage der Gesellschaft vollwertig ist oder nicht» Denn die unmittelbare Haftung des Kommanditisten soll die Gläubiger gerade gegen die Unzulänglichkeit des Gesellschaftsvermögens schützen (Weipert aaO Anra»20)D Für die Aufrechnung des Kommanditisten mit einer eigenen Forderung gegen die Gesellschaft kann nichts anderes gelten; insofern besteht ein wesentlicher Unterschied zur Rechtslage bei einer Kapitalgesellschaft (vgl» schafb hat, steht dieser wie ein Dritter und grundsätzlich gleichberechtigt mit sonstigen Gesellschaftsgläubigern gegenüber (vgl» Hueck, Das Recht der OHG 3« Aufl0 § 21 V), Er braucht daher bei der Verfolgung seiner Ansprüche gegen die Gesellschaft im allgemeinen nicht hinter andere Gläubiger zurückzutreten, sondern kann ohne Rücksicht auf diese durch Aufrechnung oder sonstwie Befriedigung suchen, Wäre es dem Beklagten gelungen, auf seine Schadenersatzforderung von der KG eine Zahlung zu erhalten, so könnte er den eingezogenen Betrag bei der KG wieder einzahlen und sich dadurch noch jetzt mit Y/irkung auch gegenüber der Klägerin von seiner Haftung nach § 1?1 AbSo 1 HGB befreien. Er kann nicht gehindert sein, den rechtlich und wirtschaftlich gleichen Erfolg im Y/ege der Aufrechnung herbeizuführen, Daß er auf diese Weise im Verhältnis zur KG seine Einlageschuld tilgen konnte, will auch das Berufungsgericht nicht ausschließen, Jede Erfüllung der gesellschaftlichen Einlageverpflichtung bewirkt aber regelmäßig auch nach außen das Erlöschen der Haftung aus § 171 Abs, 1 HGB, soweit sich Einlagepflicht, Haftsumme und Y/ert des Geleisteten decken (Y/eipert aaO Anm o 12, 13)0