BGH · II ZR 222/54
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtssatzs Die Abtretung des Anspruchs des Treugebers gegen den bisherigen Treuhänder auf Übertragung eines Geschäftsanteils auf einen neuen freuhänder bedarf nicht der Form des § 15 . Tatbestands Die im Jahre 1929 errichtete* im Handelsregister des Amtsgerichts in Gelsenkirchen unter HEB pp eingetragene Volkshaus PppPPp|^P GmbH wurde am 6« Mai 1936 auf Antrag des Eegierungspräsidenten in gelöscht, weil sie ein Wirt Schaft sunt emehmen der KPD gewesen und deshalb von der Auflösung der KPD mitbetroffen sei« Die Gesellschaft war im Grundbuch von PHIHl ala Eigentümerin des Grundstücks Band P Blatt 1274 eingetragen* Der Begierungspräsident bezeichnete dieses Grundstück als mit der Auflösung der Gesellschaft herrenlos geworden* Die Stadt pppppBpi erwarb es durch Zuschlagsbeschluß vom 27* März 1942. Her Kläger behauptet: Hie Kreisgruppe der KPH habe, hinter beiden Gesellschaftsgründungen gestanden» Sie habe das Volkshaus gebaut und wiederaufgebaut und auch die Stammeinlagen geleistet« Her Ehemann der Beklagten sei, wie auch andere Gesellschafter, auf Grund mündlicher Absprache Treuhänder der KPH gewesen. Die Beklagte bestreitet die Aktivlegitimation des Klägers und behauptet» beide Gesellschaften seien gegen den Willen der KFD gegründet und das Volkshaus ohne finanzielle Hilfe der KBD gebaut und wiederaufgebaut worden« Die Gründung beider Gesellschaften und der Bau und Wiederaufbau des Volkshauses hätten auf eigener Initiative von Mitgliedern der KFD beruht« Da« Geld sei durch Sammlungen und Kredite aufgebracht worden« Deshalb sei der Bau sogar als ein Korruptionsbau, der mit bürgerlichen Mitteln finanziert worden sei, bezeichnet worden« Die Beklagte vertritt den Standpunkt, daß ein Treuhandoder Geschäftsbesorgungsvertrag der Form des § 15 Abs 4 GmbHG bedürfe, und macht geltend, daß sie mangels Einhaltung dieser Form keinesfalls zur Übertragung des begehrten Geschäftsanteils verpflichtet sei« gruppe der KFD ein Treuhandverhältnis vereinbart sei, mehr als iron der gegenteiligen Behauptung der Beklagten zu halten sei« Es nimmt dazu aber nicht abschließend Stellung und hält eine Erweiterung der landgerichtlichen Beweisaufnahme für entbehrlich, weil die treuhänderische Verpflichtung zur Übertragung eines GmbH-Geschäftsanteils 1*) Bach § 15 Abs 4 GmbHG bedarf nur die Ver-einbarung, durch welche die Verpflichtung eines Gesellschafters zur Abtretung eines Geschäftsanteils begründet wird, der gerichtlichen oder notariellen Form* Die Verpflichtung zur Übertragung eines Geschäftsanteils ist dagegen formfrei, soweit sie auf Gesetz beruht oder sich nur mittelbar aus einem Vertrage ergibt* dessen wesentlicher Inhalt nicht die Abtretungsverpflichtung ist» Der Form des § 15 Abs 4 GmbHG unterliegen nur Verträge, die die Verpflichtung zur Übertragung eines Geschäftsanteils zu dem Inhalt haben» Verträge, aus denen sich die Verpflichtung zur Übertragung eines Geschäftsanteils von Gesetzes wegen (z-B* aus § 667 BGB) oder als mittelbare Folge des Vertrages ergibt, fallen nicht unter die Formvorschrift-Wer als Beauftragter, Treuhänder oder Geschäftsbesorger für einen anderen an der .Gründung einer GmbH teilnimmt, ist zwar nach Durchführung der Geschäftsbesorgung oder nach Beendigung des Treuhandverhältnisses zur Abtretung eines Geschäftsanteils verpflichtet, aber diese Verpflichtung ergibt sich aus dem Gesetz oder bloB als mittelbare Folge aus dem auf die Beteiligung an der GmbH- . Der Umstand, daß die KPD Kreisgruppe ein nicht rechtsfähiger Verein ist und sich daher nicht an der Gründung einer GmhH beteiligen kann, ist unerheblich» Denn das hindert nicht, daß seine Mitglieder als Gesamthänder Rechte auf einen Geschäftsanteil aus einem Auftrag oder einem (Treuhand- oder Geschäftsbesorgungs* Verhältnis erlangen» 2») Die Vollmacht des Kreissekretariats beinhaltet, daß der Kläger an Stelle des Ehemanns der Beklagten zu dem (Treuhänder eingesetzt ist und daß er berechtigt sein soll, den Geschäftsanteil im eigenen Namen herauszuverlangen und über ihn im eigenen Namen frei zu verfügen» Ihre uneingeschränkt te Zulassung ermöglicht aber den formlosen Handel mit Geschäftsanteilen« Das zu verhindern ist der Zweck der Formvorschrift» Gleichwohl nimmt die herrschende Ansicht mit unterschiedlicher Begründung: an, daß die Abtretung des Anspruchs auf Übertragung eines Geschäftsanteils nicht der Form des § 15 Abs 3 GmbHG bedürfe (RGZ 80, 103; Schilling in Hachenburg GmbHG § 15 Anm 15 a; Scholz, GmbHG § 15 Anm 30 c; Vogel, GmbHG § 15 Anm 5 a.A.; Der vorliegende Fall erfordert keine Stellungnahme zu dieser Rechtsfrage» Denn hier dient die Abtretung des Anspruchs auf Übertragung des Geschäftsanteils dazu« den Geschäftsanteil in die Hände des Klägers zu bringen, der ihn treuhänderisch für die XPD-Kreisgruppe innehaben und verwalten soll» Wird der Treuhänder eines GmbH-Anteils durch einen anderen ausgewechselt, so dient die damit verbundene Abtretung des Mindestens deshalb bedurfte die in der Einsetzung des Klägers zu dem Treuhänder liegende Abtretung des Anspruchs der KFD-Kreisgruppe nicht der ge- b) Dieses Rechtsgeschäft würde allerdings nichtig sein, wenn die dem Kläger zugleich erteilte Vollmacht, nach erfolgreich durchgeführter Klage frei über den erlangten Geschäftsanteil zu verfügen, wegen Nichtbeachtung der Form des § 15 GmbHG nichtig wäre Und die Nichtigkeit dieses Teiles der Berechtigung des Klägers kundung, da sie den Kläger namentlich als Bevollmächtigten nennt und, insoweit unter Befreiung von seiner Treuhand-Verpflichtung, ermächtigt, über den Geschäftsanteil so su verfügen, als oh er uneingeschränkt Eigentümer und nicht Treuhänder wäre» Eine solche Urkunde kann nicht weitergegeben werden, sie ermöglicht keinen freien Handel mit dem umstrittenen Geschäftsanteil (BGHZ 13, 49) • Will der Kläger von dem ihm erteilten Hecht zur Übertragung des Geschäftsanteils Gebrauch machen, so muß er dabei die Form des § 15 Abs 3 GmbHG beachten« Auch durch die «Vollmacht” droht daher keine Umgehung dieser Bestimmung« Es durfte daher weder die Aktivlegitimation des Klägers noch die Schlüssigkeit seines Klagevortrags verneint werden« Es. war vielmehr zu prüfen, ob die Behauptung des Klägers, daß zwischen der Kreisgruppe der KPD und dem Ehemann der Beklagten mündlich ein Treuhand- oder Geschäftsbesorgungsverhältnis vereinbart worden sei, richtig ist oder nicht« Bas Berufungsurteil war daher aufzuheben, damit das Berufungsgericht Gelegenheit bekommt, den Sachvortrag auf seine tatsächliche Hichtigkeit hin zu untersuchen«