BGH · II ZR 216/66
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
den landgerichtlichen Beschluß mit der Begründung auf, die Eintragung der Vergesellschaft als OHG sei dann unzulässig gewesen, wenn die Gesellschafter niemals eine OHG hätten errichten wollen und mit ihrer Anmeldung zu dem Handelsregister lediglich den Zweck verfolgt hätten, die irrtümlich für eine OHG gehaltene Gründergesellschaft wieder abzuwickclno Nach einer Beweisaufnahme wurde alsdann am 2o August 1961 die Eintragung gemäß § 142 PGG von Amts wegen gelöschte Der Kläger macht mit seiner Klage auf Zahlung von 20 000 DM mit 4 # Zinsen seit Klagezustellung das beklagte Land als Dienstherrn des Hechtspflegers unter dem Gesichtspunkt der Amtspflie htVerletzung für einen Teil des Schadens haftbar, den er infolge der unrichtigen Rechtsbelehrung und der darauf beruhenden Register-cintragung erlitten habe« Die einzelnen Schadensposten hat er in nachstehender Reihenfolge geltend gemacht und, wie folgt, erläuterti Io Wegen seiner Beanspruchung als Liquidator seien ihm 9 750 DM Verdienst entgangene Seine Tätigkeit sei durch die falsche Rechtsauskunft bedingt und im Ergebnis nutzlos gewesen, weil später nochmals von jedem einzelnen Gesellschafter eine Abwicklung gemäß § 11 AbSo 2 GmbHG habe durchgeführt werden müssen* zwischen dem Kläger und seinen Mitgesellschaftern sei zunächst eine ÖHG entstanden, die, nachdem sie vorzeitig wieder aufgelöst worden sei, als solche zu dem Zweck der Abwicklung und anschließenden Löschung in das Handelsregister eingetragen werden müsse, unrichtige Lie werdende GmbH unter-* steht als ein Rechtsgebilde eigener Art einem Sonderrecht, das den gesetzlichen und vertraglichen Gründungsvorschriften und dem Recht der eingetragenen GmbH, soweit es nicht die Eintragung voraussetzt, zu entnehmen ist {BGHZ 21, 242, 246; 45,, 358, 347; BAG JTW 1963 , 680) „ Einer der Bälle, in denen die gegründete, aber nicht eingetragene GmbH die Voraussetzungen für die Entstehung einer offenen Handelsgesellschaft erfüllt fvglo dazu BGHZ 22, 240; BGH WM 1965, 246; Kuhn, WM 1956 Sonderbeilage 5 So 15 ff).-, 1 o liauidationsauf wand Den .Anspruch auf Ersatz dieser Aufwendungen hält das Berufungsgericht für unbegründet;, weil die Vergesellschaft ohnehin hätte liquidiert werden müssen und darum die Aufwendungen auch dann entstanden wären, wenn der Rechtspfleger keine unrichtige Auskunft erteilt hätte und folglich die Eintragung der Vorgesellschaft als OHG unterblieben wäre <, Hiergegen ist im Ergebnis nichts einzuwenden, soweit der Kläger seine Aufwendungen für die eigene liquidationstätig-keit geltend macht0 a) Ob dem Kläger durch die unrichtige Auskunft des Rechtspflegers ein Schaden entstanden ist, beurteilt sich danach, wie die Dinge bei pflichtgemäßem Verhalten des Rechtspflegers verlaufen wären fBGH V/M 1966, 229, 23300 Hätte der Kläger nicht infolge jener Auskunft sich und die Mitgründer der GmbH irrtümlich als Gesellschafter einer OHG betrachtet, so wäre er gleichwohl nicht der Notwendigkeit enthoben gewesen, die schon geschäftlich tätig gewordene Gründergesellschaft nach ihrer Auflösung ordnungsgemäß abzuwickeln l’vgl'o BGHZ 13, 320, 323 f; BGH IM GmbHG § 11 Nr, 12) o Alsdann hätten er und die anderen Gründer gleichfalls für alle zu dem Zwecke der liquidation eingegangenen Verbindlichkeiten zu haften« Das folgt, wenn die Gründer-gesellschaft von den Gesellschaftern gemeinschaftlich abgewickelt worden wäre, unmittelbar aus den §§ 427» 451 BGB und, wenn der Kläger von seinen Mitgesellschaftern zu dem alleinigen liquidator berufen worden wäre, aus diesen Vorschriften in Verbindung mit § 164 BGBo Dagegen ist § 11 Abs* 2 GmbHG unanwendbar. da er ein Handeln ”im Namen der Gesellschaft”, doh«, der noch einzutragenden GmbH, voraussetzt« Rechtlich blieb es gleich, ob der Kläger und seine Mitgesell-schafter aus § 128 HGB oder aus den §§ 427, 431 hafteten, Und in tatsächlicher Hinsicht hat das Berufungsgericht ohne Hechtsverstoß angenommen, daß die aufgelöste Gründergesellschaft unter der falschen Vorstellung, es sei das Recht der OHG anzuwenden, nicht anders liquidiert worden ist, als dies der Pall gewesen wäre, wenn die Rechtslage richtig erkannt worden wäre* Die Revision meint allerdings, das Berufungsgericht habe bei dieser Feststellung das Vorbringen nicht beachtet, der Kläger wäre ohne die falsche Auskunft des Rechtspflegers nicht durch Gesellschafterbeschluß zu dem Abwickler bestellt und als solcher allein tätig geworden Aber diese hypothetische Überlegung hätte untermauert werden müssen«, Gleichviel, ob eine OHG oder eine Gründergesellschaft abzuwickeln war, konnten die Gesellschafter die Vornahme der Liquidation einem von ihnen übertragen fvglo § 146 Abs, 1 HGBjo Wenn die Gesellschafter diesen Weg gewählt haben, so ist nicht dargetan* inwiefern der Rechtspfleger auch hierfür verantwortlich gemacht werden könnte, Zu Unrecht möchte die Revision in diesem Funkt die Beweislast und damit auch die Barlegungslast dem beklagten Land auf bürden«, Wer behauptet, infolge einer Amtspflichtverletzung geschädigt zu sein, muß alle anspruchsbegründenden Tatsachen vortragen und beweisen; dazu gehört grundsätzlich Ohne die unrichtige Rechtsauskunft und den darauf beruhenden Antrag wäre die bereits aufgelöste Gründergesellschaft nicht als OHG in das Handelsregister eingetragen worden* Sofern dann der Antrag auf Bestellung eines liquidators überhaupt noch gestellt worden wäre, hätte das Amtsgericht bei richtiger Beurteilung, auf die es für die trage der Ursächlichkeit ankommt (BGH WM 1966, 1248» 1963, 60, 63) , diesen Antrag ablehnen müssen, weil für ihn keine gesetzliche Grundlage bestandQ insbesondere dem Gläubigerinteresse dient und darum durch zwingende Vorschriften geregelt ist« Sie ist infolgedessen ebenso wie § 66 Abs0 1 GmbHG {BGH LM GmbHG § 11 Nr« 12} unanwendbar , v/enn eine Gründer-gesellschaft noch vor der Eintragung der GmbH wieder aufgelöst v/irdo Die Auffassung von Ganßmüller (GmoBRdsch 1963, 101), in diesem Pall liege schon eine Körperschaft vor, trifft nicht zu0 Richtig ist allerdings der Gedanke des Bundesarbeitsgerichts {HJIJ 1963s 680), daß sich der Rechtscharakter der werdenden GmbH infolge der Auflösung nicht ändert« Aber hier geht es darum, wer dieses Rechtsgebilde zu liquidieren hat, und hierfür liegt der Gedanke des § 730 BGB näher als der des § 66 GmbHG« Bas Berufungsgericht hätte daher prüfen müssen, ob den Gründer-Gesellschaftern Unkosten in Höhe der an gezahlten Vergütung auch dann entstanden wären, v/enn die gerichtliche Bestellung eines Abwicklers unterblieben wäre, und inwieweit der Kläger sich daran hätte beteiligen müssen« Bas hängt wiederum davon ab, wie sich die Dinge entwickelt hätten, v/enn die Gesellschafter nicht durch die Auskunft des Rechtspflegers irregeführt worden v/ären, insbesondere, ob der Kläger dann auch weiterhin als von den Gesellschaftern berufener liquidator tätig geworden wäre* oder ob die Gesellschafter schließlich gemeinsam oder mit Hilfe eines von ihnen bestellten Britten abgewickelt hätten« Dazu ist bisher nichts festgestellto Bas Berufungsurteil kann daher in diesem Punkt nicht bestehenbleiben« Hierzu stellt das Berufungsgericht fest, der vom Kläger behauptete Schaden beruhe nicht auf der falschen Auskunft des Hechtspflegers und der anschließenden Eintragung der bereits aufgelösten Gründer-Gesellschaft als OHG, sondern in Wahrheit auf dem Handeln einer schon vor ihrer Gründung nicht ausreichend liquiden Gesellschaft* Schon das vom Kläger eingebrachte Unternehmen sei vielfach verschuldet gewesen* Auch als Liquidator habe der Kläger Geschäfte getätigt, die er nach seinem eigenen Vortrag nicht mehr habe erfüllen können* Liese Umstände allein und nicht die falsche Eintragung seien die Ursache dafür, daß die Verraögensverhältnisse des Klagers unübersichtlich und zahlreiche Straf- und Vollstreckungsverfahren gegen ihn anhängig gewesen seieno Mithin sei es auch keine Folge der Amtspflichtverletzung, wenn der Kläger aus diesen Gründen seine Stellung bei der Firma Ki^^ verloren und seine Einstellung bei der Bundeswehr nicht erreicht haben sollteo Gegen diese tatsächliche Würdigung ist rechtlich nichts einzuwendeno Mit ihrer Rüge, das Berufungsgericht habe unter Verstoß gegen § 286 ZPO den Sachverhalt unzureichend aufgeklärt und angebotene Beweise nicht erhoben, verkennt die Revision die freiere Stellung, die das Berufungsgericht bei den hier zu treffenden Schadenfeststellungen hatte* Hierbei ist davon auszugehen, daß die Amtspfliehtver-letzung des Rechtspflegers den Kläger und seine Mitgesellschafter insofern nachteilig betroffen hat, als sie durch sie zur Stellung eines unsachgemäßen Eintragungsantrags veranlaßt worden sind« Die Präge, welche Schäden dem Kläger hieraus im einzelnen erv/aehsen sind, hatte das Berufungsgericht nach § 287 ZPO unter Würdigung aller Umstände ohne Bindung an die Beweis-antrage der Parteien nach freier Überzeugung zu entscheiden fBGHZ 4, 192, 196; 7, 287, 295; BGH WM 1963, 60, 63)o Hierbei konnte es auch zu dem Ergebnis kommen, ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Amtspflichtverletzung und dem Schaden sei zu verneinen (vglo BGH WM I960, 1150; VersR 1968, 385)« Baß der Tatrichter das ihm hiermit eingeräumte Ermessen überschritten habe, ist nicht ersichtlich0 In der lat leuchtet auch bei Berücksichtigung der Darlegungen des Klägers im Schriftsatz vom 280 Januar 1966 nicht ohne weiteres ein, wie gerade die fehlerhafte Eintragung der aufgelösten Gründergeseil-schaft als OHG dazu geführt haben könnte, daß 12 Gläubiger den Kläger wegen Betrugs oder Unterschlagung anzcigteno Diese Eücke in seinem Sachvortrag konnte der Kläger nicht schon dadurch ausfüllen, daß er sich einfach auf eine Anzahl von Ermittlungsakten oder auf die Akten eines Rechtsstreits bezog, in dem sich Wendlandt erfolgreich gegen die Ansprüche eines Gläubigers mit dem Vorbringen verteidigt haben soll* er sei nicht uHandelnder” gewesen« Das Berufungsgericht durfte auch aus den vom Kläger selbst vorgelegten Urkunden in freier Würdigung Schlüsse ziehen, die für auch unabhängig von der unrichtigen Rechtsbelehrung und Eintragung seien die Vermögensverhältnisse des Klägers undurchsichtig und die finanzielle Grundlage der von ihm mitgegründeten Gesellschaft unzureichend gewesen, und darum wären die geltend gemachten Berufsschäden ohnehin einge-treten0 Tatsächlich sind die vom Kläger beigebrachten Vollstreckungstitel, soweit sie nicht unstreitig auf seine Tätigkeit als Liquidator zurückgehen, zu dem großen Teil schon vor dem Tag der unrichtigen Eintragung £ 12o Juni 1959) ergangen, lauten aber gleichwohl insoweit überwiegend auf die frühere Firma des Klägers, & COo, ohne den Zusatz ^GmäH110 Demge- zu einem Teil auf sein persönliches Handeln für die Gesellschaft zurückzuführen sind (Schriftsätze vom 28o Januar 1966 So 22 und vom 13o April 1966 So 2)0 Her Vorv/urf der Revision, das Berufungsgericht habe seine Peststellungen ohne genügende tatsächliche Grundlage getroffen, ist daher auch insoweit unbegründet o 3 o Befriedigung von Gläubigern aus Bestellungen des Gesellschafters Has Berufungsgericht meint, der Kläger habe ohnehin für alle namens der Gesellschaft abgeschlossenen Geschäfte nach § 11 Abs» 2 GmbHG gehaftet, weil er in die Geschäftseröffnung eingewilligt habe o Hierbei ist es von der seinerzeit auch in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (HM GmbHG § 11 Nr» 6) vertretenen Auffassung ausgegangen, der Gründer einer GmbH hafte für die vor deren Eintragung vorgenommenen Geschäfte als ’’Handelnder" gemäß § 11 Abs* 2 GmbHG auch dann persönlich, wenn er lediglich der Geschäft eröffnung vorher allgemein zugestimmt habeo In seinem nach Erlaß des Berufungsurteils ergangenenUrteil BGB25 47, 25 ist der erkennende Senat dieser Auffassung nicht gefolgto Er hat vielmehr entschieden, daß das bloße Einverständnis mitder Eröffnung des Geschäftsbetriebs nicht ausreicht, um die Haftung aus § 11 Abs« 2 GmbHG zu begründeno Andererseits erfordert diese Bestimmung kein unmittelbares Handeln in eigener Person (BGHZ 47, 25, Armu 22)o Eine aktive Einflußnahme auf die konkrete Geschäftstätigkeit kann genügen0 Iri dieser Hinsicht könnte hier von Bedeutung sein, daß der Kläger seihst das von der Gründergesellschaft betriebene Unternehmen eingebracht hat, und inwieweit er selber namens der Gesellschaft geschäftlich tätig gewesen ist, um dieses werbende Unternehmen zu erhalten und in die künftige GmbH überzuleiten» Nach Lage der Hinge kommt in Betracht, daß er neben einem oder beiden Mitgesellschaftern auf Grund ausdrücklicher oder stillschweigender Abmachungen laufend wie ein Geschäftsführer in Erscheinung getreten ist und hierbei auch den Abschluß konkreter Geschäfte wesentlich mitbestimmt hato Sollte es sich so verhalten, dann hätte der Kläger auf Grund dieser tätigen Zusammenarbeit die Mitverantwortung für alle in dem vereinbarten Rahmen abgeschlossenen Geschäfte übernommene In einem solchen Fall kann die Haftung nach § 11 Abs« 2 GmbHG nicht jeweils von dem mehr oder minder zufälligen Umstand abhängen, welcher von den mehreren Geschäftsführern gerade bei dem einzelnen Geschäft unmittelbar handelnd nach außen aufgetreten ist» Has wird besonders deutlich, wenn man an den fall denkt, daß eine von den Ge sc häf t sführ ern gemeinsam angestellt e Hilfskraft im Rahmen ihrer Vertretungsmacht nach § 54 HGB ein Geschäft abgeschlossen hat; dann kann es für die Haftung nach § 11 Ahs 0 2 GmbHG nicht darauf ankommen, welcher von den Geschäftsführern - und ob überhaupt einer von ihnen - den Angestellten gerade zu diesem Geschäft eigens ermächtigt hatteo Vielmehr sind dann grundsätzlich alle Gründer- Geschäftsführer infolge ihres fortwährenden aktiven Zusammenwirkens als Handelnde im Sinne von § 11 Abs» 2 GmbHG anzusehen» Nur eine solche Lösung wird zugleich den Bedürfnissen des Rechtsverkehrs und den Belangen sowohl der Gläubiger als auch der beteiligten Gründer-Gesellschafter gerecht» Hiernach hätte der Kläger auch für die auf Bestellungen des Gesellschafters Maase zurückgehenden Verbindlichkeiten nach § 11 Abs» 2 GmbHG persönlich aufkommen müssen und könnte daher nicht mit Erfolg geltend machen«, er habe diese Verbindlichkeiten nur beglichen, weil er sieh im Vertrauen auf die Auskunft des Rechtspflegers irrtümlich als persönlich haftbar angesehen habe»