BGH · II ZR 215/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
35o BV-ÜmstG, wenn=die'Tätigkeit des Geschäftsführers später vom; zuständigen^ Organ'.der uristischen Person genehmigt worden ist \ - -"r Klägerin gegen das Urteil der 2c Kammer für Handelssachen des Landgerichts in Köln vom 21o Pebruar 1957 wird zurückgewiesen„ Die Klägerin ist das für bestimmte Gebietsteile Deutsch-£ lands östlich der Elbe in Form einer Gesellschaft mit be-; schränkter Haftung errichtete Kohlensyndikat, das seinen -/Sitz bis zu dem Jahre 1945 im heutigen Ostsektor Berlins hatteo sie ohne Absicht eigener Gewinnerzielung durchführte® Die Klägerin ist durch die Maßnahmen der sowjetischen Besatzungsmacht in deren Zone im Jahre 1946 enteignet und aufgelöst wordene Sie besitzt weiteres Vermögen im Gebiet der Bundes-republiko Die Parteien streiten darüber, ob die Klägerin bereits am 21o Juni 1948 den Ort ihrer Geschäftsleitung im 'Währungsgebiet hatte® Auf Antrag einer Gläubigerin hat das Amtsgericht Köln am 27o April 1948 für die Klägerin den Wirtschaftsprüfer K^B^-zu dem Pfleger mit dem Wirkungskreis bestellt, ihre Borderungerechte gegen das Rheinische BraunkohlenSyndikat zu verwalten® Am 9.* Juni 1948 wurde sein Wirkungskreis dahin erweitert, daß er die Klägerin in einem gegen sie geführten Rechtsstreit vertreten solle® Im Jahre 1949 wurde zu dem Pfleger für alle Vermögensangelegenheiten, die in der Britischen Zone zu erledigen seien, bestellt® Die Gesellschafterversammlung der Klägerin beschloß im Jahre 1951 die Verlegung des Sitzes der Gesellschaft nach KBM>« Sämtlichen AufSichtsratsmitgliedern wurde für die Zeit vom 1® April 1944 ah Entlastung erteilt® Es wurde ein neuer Aufsichtsrat bestellt, der den bisherigen Pfleger Wirtschafts- . daß der Ort der Geschäftsleitung der Klägerin sich am 21„ Juni 1948 in KflRV befunden habe* Die Beklagte hat lediglich die Umstellung im Verhältnis 100 s 5 gemäß dem Umstellungsergänzungsgesetz vom 21 o September 1953 anerkannt«, Mit der Klage verlangt die Klägerin den Unterschieds^ betrag von 12 505?20 DMo Die Beklagte hat beantragt? daß durch die Tätigkeit des Pflegers KfBB* nicht "Ort der Geschäfts leitung" geworden sei0 daß sich nach Verlust des satzungsmäßigen Sitzes nicht automatisch im Hinblick auf das Westvermögen der Sitz in das Gebiet der Bundesrepublik verlagert hat«, Ein Sitz hätte zwar beim Vorhandensein von Vermögen in der Bundesrepublik hier ohne Sitzverlegung neu begründet werden können? daß die Gesellschaft ‘in der Bundesrepublik an einem bestimmten Ort wieder in Punktion tritt„ Ein derartiger Akt fehlt hier0 Die Wahrnehmung von Vermögensinteressen durch einen Pfleger oder durch einen Beauftragten einzelner Aufsichtsratsmitglieder reicht für' einen solchen nicht aus«, leitung gemacht habe» Ber Pfleger ist vor dem 21* Juni 1948 zur Verwaltung einer*' einzelnen Forderung der Klägerin (Verfügung des Amtsgerichts Köln vom 27c April 1948) und zur Vertretung in einem gegen sie gerichteten Rechtsstreit (Verfügung vom 9° Juni 1948) verpflichtet wordene Seine Bestellung diente gerade wegen des Pehlens einer Geschäftsleitung in KflM^der Fürsorge für einzelne bestimmte Vermögensangelegenheiten? sende Tätigkeit für die Klägerin ausgeübt, die der Ermittlung und Verwaltung ihrer Forderungen und Verbindlichkeiten dientet Pie Revision greift diese Feststellungen mit einer Verfahrensrüge an, doch bedarf es ihrer Prüfung nicht«, Auch dann* wenn die beanstandeten Feststellungen der rechtlichen Beurteilung zugrunde .gelegt werden, ist keine Geschäftsleitung der Klägerin in am 21«, Juni 1948 dar getane Von der Geschäftsleitung einer juristischen Person am einem bestimmten Ort im Sinne des § 6 der 35«, PVO zu dem UmstG kann dann gesprochen werden, wenn dort entweder ihre zuständigen Organe selbst oder von ihnen rechtsgeschäftlich bestellte Vertreter derart tätig werden, daß der Ort als Mittelpunkt geschäftlicher Oberleitung erscheint«. Gleichwohl nimmt das Berufungsgericht an, daß hier-durch eine ,?Gesehäf tsleitung" der Klägerin in KjfPI begründet worden sei, weil die Gesellschafterversammlung im Jahre 1951 aus Anlaß ihrer Beschlußfassung über die Verlegung des Sitzes nach Kf^und über die Entlastung des bisherigen Aufsichtsrats die Tätigkeit mindestens stillschweigend genehmigt habe^ gleichzeitig vom neuen Aufsichtsrat in Kenntnis seiner Maßnahmen seit Frühjahr 194-8 zu dem neuen Geschäftsführer bestellt worden* Diese Auffassung hält, wie der Revision zuzugeben ist, einer rechtlichen Nachprüfung nicht stand* Durch § 6 DVO zu dem UmstG wurde der Kreis der Verbindlichkeiten, derentwegen Geldinstitute im Währungsgebiet aus Anlaß der Umstellung in Anspruch genommen werden können, näher bestimmt. das die Zuordnung einer Verbindlichkeit zu dem Währungsgebiet begründet, gegeben gewesen sein* Die "Geschäftsleitung" verlangt aber, wie ausgeführt, in jedem Palle die tatsächliche Vornahme geschäftlicher Maßnahmen für die juristische Person mit Hechtswirkung für -diese* Es handelt sich bei der Begründung einer Geschäftsleitung an einem bestimmten Ort nicht um ein Rechtsgeschäft,, dessen.Wirkungen bei Pehlen einer erforderlichen Zustimmung zunächst in der Schwebe- bleiben . Damals wurde in Köln für die Klägerin eine Geschäftsführung ohne Auftrag Yorgenommen0 Es bestand aber keine Geschäftsleitung« Es wäre mit dem Zweck der 35« DVO zu dem UmstG* nach dem Stande vom 21o Juni 1948 abschließend eine Zuordnung bestimmter juristischer Personen zu dem Währungsgebiet vorzunehmen* nicht verträglich* wenn durch spätere Maßnahmen eine bis dahin für die Geschäftsleitung nicht ausreichende Tätigkeit zu einer solchen gemacht werden konnte« Die Genehmigung wie sie das Berufungsgericht als dargetan angesehen hat* mag für die Ansprüche und Verpflichtungen des Geschäftsführers ohne Auftrag und die etwa von ihm getroffenen Verfügungen bedeutsam sein» Sie kann aber nicht mehr denjenigen Tatbestand schaffen* an den die Umstellungsgesetzgebung die Zuordnung zu dem Währungsgebiet geknüpft hat« nach den Peststellungen des Berufungsgerichts in der Ermitt lung und Verwaltung des Vermögens der Klägerin erschöpft un nur der Vorbereitung der Abwicklung gedient hat* überhaupt eine Geschäftsleitung im Sinne des § 6 Abs» 1 Kr« 2 a der 55c, DVO zu dem UmstG darstellt* braucht unter diesen Umständen nicht entschieden zu werden« Auch,auf die Verfahrensrügen ist nicht mehr einzugehen«