BGH · II ZR 214/63 vom 12.07.1965
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am Gesellschaftskapital und damit auch am Gewinn und Verlust waren der Beklagte zunächst mit 59#, die Klägerin mit 25,5# beteiligt« Im Jahre 1952 wurde das Gesellschaftskapital von 20.000,- BM auf 50.000,- BM erhöht« Bie Erhöhung wurde durch eine entsprechende Umbuchung von den Kapitalkonten IX auf die Kapitalkonten I der Gesellschafter vorgenommen« Bei dieser Erhöhung erklärte sich die Klägerin ebenso wie ihre Schwester, die als Kommanditistin bis dahin ebenfalls mit 25,5# am Gesellschaftskapital beteiligt war, damit einverstanden, daß der Anteil des Beklagten am Gesellscbaftskapital von bisher 59# durch eine entsprechende höhere Umbuchung auf 51# erhöht und .daß ihre Anteile durch eine entsprechend geringere Umbuchung auf je 19,5# ermäßigt wurden. Gegen diese Maßnahmen hat sich die Klägerin gewandt und zuletzt beantragt festzustellen, daß die Durchführung der Erhöhung der Kapital- und Kommanditeinlagen der Gesellschaft um 200«000,- DM von der Gesellschafterversammlung nicht beschlossen wurde« Das [Landgericht hat die Klage abgewiesen, das Oberlandesgericht hat ihr stattgegeben« Mit der Revision, die die Klägerin zurückzuweisen beantragt, erstrebt der.Beklagte die Wiederherstellung des erstinstanzlichen Urteils« Das Oberlandesgericht ist der Meinung, der Beschluß über die Erhöhung der Einlagen sei nicht wirksam geworden« Denn im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung habe die Gewinnverteilung neu geregelt werden sollen« Hierüber hätten sich die Parteien nicht geeinigt« Infolgedessen sei gemäß §154 Abs« 1 BGB die gesamte Vertragsänderung nicht zustandegekommen» Io Zu Unrecht meint sie, das Berufungsgericht habe die Voraussetzungen des § 154 Abs0 1 BGB verkannt* Es habe übersehen, daß die Vorschrift nur angewandt werden könne, wenn festgestellt sei, daß die Kapitalerhöhung und die anderen Verhandlungspunkte Teile eines Vertrages hätten sein sollen« Die Parteien und ihre Mitgesellschafter haben darüber verhandelt, ob und wie mehrere Funkte des Gesellschaftsvertrages abzuändern seien» In einem solchen Palle ist es, wie der Revision zuzugeben ist, nicht selbstverständlich, daß alle Punkte nur zusammen geändert, werden sollten aus der fehlenden Einigung in einem Punkte kann nicht ohne weiteres auf die Unverbindlichkeit der Einigung über einen anderen Punkt geschlossen werden» Andererseits kann ihre Ansicht, jede einzelne Vertragsänderung sei für sich gesehen im Sinne des § 154 Abs» 1 BGB "der Vertrag" (der ohne weiteres selbständig wirksam werden müsse), in dieser Allgemeinheit nicht zugestimmt werden» Das hat das Berufungsgericht nicht verkannt» Die von der Revision vermisste Feststellung, daß die Parteien oder zu demindest die Klägerin die Kapitalerhöhung und die künftige Gewinnverteilung als zusammengehörend behandelt wissen wollten, hat das Berufungsgericht getroffen. 14) hat es aus dem objektiven Zusammenhang zwischen Kapitalerhöhung und Gewinnverteilung und der räumlich und zeitlich zusammenhängenden Erörterung beider Punkte $urch die Gesellschafter geschlossen* die Kapitalerhöhung sei nur ein 11 feil der als regelungsbedurftig erkannten Maßnahmen gewesen" ( BU S« 14)9 Und zuvor hatte es ausgefUhrt (BU S« 13)9 daß "beide Punkte nach dem erkennbaren Willen der Klägerin nur zusammen geregelt werden sollten"o Damit hat es hinreichend die gewollte Einheitlichkeit festgestellt« Es konnte daher ohne Hechtsfehler davon ausgehen* daß der Beschluss über die Kapitalerhöhung gemäß § 134 Abs« 1 BGB im Zweifel nicht wirksam war* obgleich sich die Parteien über diesen Punkt geeinigt und ihn im Protokoll schriftlich festgelegt hatten« Juni I960 erörterten Verhandlungspunkte feile eines einheitlichen Vertrages hätten werden sollen« Zwar stehe im Protokoll* daß sowohl, die Kapitalerhöhung als auch die Gewinnverteilung im neuen Gesellschaftsvertrag festzuhalten seien« Daraus ergäbe sich aber nichts; selbstverständlich habe auch eine (wirksam) beschlossene Kapitalerhöhung in einem neu gefaßten Vertrage ihren Niederschlag finden müssen« liehen” aus dem Protokollinhalt abgeleitet, wie die Revision meinto Es hat dem Protokoll und der Beweisaufnahme entnommen, daß die Klägerin und der Beklagte den Zusammenhang zwischen Kapitalerhöhung und Gewinnverteilung gesehen und daher beides im unmittelbaren Zusammenhang erörtert haben; hieraus und aus dem Gang der Verhandlungen am 20 Juni I960, wie er sich nach der Beweisaufnahme darstellte, hat es erst auf die gewollte Zusammengehörigkeit der beiden Verhandlungspunkte geschlossen» In diesen Grenzen war es rechtlich bedenkenfrei, den Protokollin-halt für die Beweiswürdigung heranzuziehea« b) Die Revision meint’ ferner, das Berufungsgericht habe nicht beachtet, daß die Kapitalerhöhung in einem besonderen Absatz des Protokolls behandelt sei« Diese besagen aber nur, daß sich die Gesellschafter über die Kapitalerhöhung geeinigt haben«' Hiervon ist das Berufungsgericht ausgegangen« 3s hat daraus und aus dem weiteren Inhalt der Zeugenaussagen keinen Anhaltspunkt dafür entnommen, daß die Kapitalerhöhung selbständig und sofort habe in Kraft treten sollen. 4« Das Berufungsgericht hat die Unwirksamkeit des umstrittenen Qesellschafterbeschlusses zusätzlich damit begründet» daß dieser Beschluß nach dem erklärten Willen der Klägerin in den neu zu fassenden Gesellschaftsvertrag hätte aufgenommen werden müssen, um wirksam zu werden (§ 154 Abs. 2 BGB}.