BGH · II ZR 214/54
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
5er Kläger zahlte die Prämie auch nach der Währungsreform zunächst weiter, und zwar insgesamt über 2«000 DM» Auf seinen Antrag wurde die Versicherung dann aber mit dem Ablauf des 30» September *1950 in eine präaienfreie umgewandelt • Die Parteien streiten nun Über die Höhe der Rentenanwartschaft, d.h» darüber, in welcher Höhe der Kläger nunmehr nach der Umwandlung die Rente bei Eintritt des Versicherungsfalles zu beanspruchen hat» Die Beklagte er-rechnete diese Anwartschaft auf Veranlassung des Bundesaufsichtsamts zunächst wie folgt s Sie ging von einer am 20» Juni 1948 erworbenen Anwartschaft von 236,40 BM aus« Das ist unstreitig der Betrag, in dessen Höhe die Rente, zu zahlen gewesen wäre, wenn an diesem Tage der Versicherungsfall eingetreten wäre» Diesen Betrag wandelte sie auf niedriger ist als die Anwartschaft von .95 DM, die sich unstreitig ergeben hätte, wenn die Versicherung schon am 20« Juni 1948 in eine prämienf re iß umgewandelt worden wäre, der Kläger also vom 20. September 1950 in eine beitragsfreie umgewandelt worden wäre und gelangt so zu einer heitragsfreien Rentenanwartschaft von monatlich 160 DM« Diese Anwartschaft will er mit der Klage als maßgebend festgestellt wissen« Die Problematik des vorliegenden Streitfalles beruht darauf, da8 hier die Auswirkungen einer Rentenversicherung mit steigender, später aber abknickender Anwartschaft, der Währungsreform und des RAG mit denen der Umwandlung in eine prämienfreie Versicherung Zusammentreffen'und miteinander in Einklang gebracht werden müssen» Zu dem * richtigen Ergebnis führen folgende Erwägungens a) Da die Versicherung am 20» Juni 1948 nicht in eine prämienfreie umgewandelt worden war, sondern für sie weiter Prämien zu zahlen waren, hatte ihre Umstellung nach § 8 Abs 2 der 1» VODRV (in der Passung der 8»' VOI&V). VOLRV erwähnten "bis zur Währungsreform erworbenen Anwartschaft" handelt es sich also um nichts anderes als.um den erwähnten, im Verhältnis 10 : 1 umgestellten Teil« Hieraus folgt zugleich, daß mit diesem Ausdruck entgegen der vom Berufungsgericht geteilten Auffassung des Klägers nicht etwa die Rente gemeint sein kann, die der Versicherte im Palle einer am 20« Juni 1948 erfolgten Umwandlung in eine prämienfreie Versicherung zu erwarten hatte« Pie in § 8 Abs 2 der 1« VOLRV Vorgeschriebene Umstellungsberechnung gilt vielmehr nach dem ausdrücklichen'Wortlaut dieser Vorschrift nur für die Versicherungen, bei denen am.Währungsstichtag "der volle Kaufpreis noch nicht' gezahlt ist", also für Versicherungen mit weiterlaufender Prämienzahlungspflicht . Bemgemäß kann es sich auch bei der in dieser Weise berechneten Anwartscliaft nur um die Rente handeln, die der Versicherte bei Portbestand seiner Prämienzahlungspflicht auf Grund der bis zu dem Währungsstichtag geleisteten Brämieni * bei «Eintritt des Versicherungsfalles zu erwarten hatte« Wurde die Versicherung am WährungsStichtag in eine prämienfreie umgewandelt, so erfolgte die Umstellung nicht nach § 8 Abs 2 der 1« VOLRV, sondern nach deren § 1 Abs 6 in Verbindung mil; § 6 Abs 3 WO (Hartmann-Meiseh aaO Anm II, 3)o Die am Währungsstichtag bestehende RM-Ren-tenanwartschaft wurde in diesem Ralle zunächst nach § 174 VVG gemäß dem Geschäftsplan auf.eine beitragsfreie niedrigere Rente herabgesetzt und diese wurde dann im Verhältnis 10 : 1 umgestellt, wodurch sich zwangsläufig infolge der Herabsetzung nach § 174 WG eine niedrigere Rente als bei der Berechnung nach § 8 Abs 2 der 1» VODRV ergibt* b) Run bedurfte allerdings das dargelegte, in § 8 Abs 2 der 1«> VOLRV für die Umstellung von Renten mit gleichmäßig steigender Anwartschaft vorgesehriebene Proportio-nalverfähren bei Versicherungen der vorliegenden Art, also über Renten mit zunächst steigender, dann aber abknickender Anwartschaft dann einer Anpassung an die Besonderheit dieser Versicherung, wenn der Währungsstichtag in die Steigerungszeit fiel und sich damit die Besonderheit dieser Versicherung auf die Währungsumstellung auswirkte,. Diese Besonderheit besteht darin, daß erst die über die Steigerungszeit hinaus weiter in gleicher Höhe zu zahlenden Prämien die während der Steigerungszeit eintretenden Rentensteigerungen voll decken® Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, die über die Steigerungszeit hinaus zu zahlenden Prämien anteilig auf die vor und nach dem Währungsstichtag eintretenden Steigerungen umzulegen* Dies geschieht mit dem von den Versicherungsauf sichtsbehörden entwickelten sog* —Verfahren, wobei mit t die Steige-* rungszeit und mit n die gesamte'Beitragszahlungsdauer bezeichnet wird (Rolcke VA Hamburg 1950, 97, 124, 163)* Mit ■ diesem Verfahren wird - ebenso wie hei dem oben dargelegten reinen Proportionalverfahren - die am Währungsstichtag erreichte satzungsmäßige Anwartschaft ermittelt (Rolcke aaO S 124), also die Rente’, die an diesem Tage bei Eintritt des Versicherungsfalles aus der nicht prämienfrei gestellten Versicherung zu zahlen gewesen wäre-Demgemäß erschöpft sich hierin auch die Bedeutung dieses Verfahrens * Für die Versicherung des Klägers ergab sich nach diesem Verfahren für die bis zu dem Währungsstichtag erwor-bejie Anwartschaft von 236,40 EM unstreitig eine Umstellung auf 105,60 DM« Dieser Betrag erhöhte sich infolge der Weiterzahlung der Prämien in den folgenden 27 Monaten dann um 27 DM auf 132^60 DM« Diese Eente hätte also der Kläger ohne die Umwandlung in eine prämienfreie Versicherung bei Eintritt des Versicherungsfalles auf Grund der bis zu dem 30.« September 1950 gezahlten Prämien zu erwarten gehabt« 2«) Das Rentenaufbesserungsgesetz vom 11« Juni 1951 in der Fassung vom 15« Februar 1952 (BGBl I, 118) wirkte sich auf die streitige Versicherung ohne die Umwandlung in eine prämienfreie wie folgt auss § 2 dieses Gesetzes regelt solche am Währungsstichtag noch prämienpflichtigen Eentenversicherungsverträge, und zwar dessen Abs 2 die Eenten mit steigenden Anwartschaften, also auch die Fälle der vorliegenden Art« Hiernach werden bei Renten mit steigenden Anwartschaften * die Leistungen aus der bis zu dem 20« Juni 1948 erworbenen Anwartschaft11 gemäß Abs 1 entweder nach der Staffelung des § 1 RAG umgerechnet, oder es verbleibt., wenn dies für den Versicherten günstiger ist, bei dem sich aus der Umstellung dieser Anwartschaft nach § 8 Abs 2 der 1« VOLRV ergebenden Rentenbetrag« Hinzu treten dann in beiden Fällen noch die im Verhältnis 1 s 1 umz'urechnenden Steigerungen, die sich aus der Weiterzahlung der Prämien über den 20« Juni 1948 hinaus ergeben« Die durch das RAG normierte Aufbesserung kommt hiernach entgegen der Auffassung des Klägers nicht etwa in allen Fällen zu dem Zuge, sondern nur dann, wenn sie im jeweiligen Binzelf all hei der Berechnung der bis zu dem 20« Juni 1948 erworbenen Anwartschaft zu einem dem Versicherten günstigeren Ergebnis führt. lieh die Rente, die der Versicherte bei der Fortdauer der Prämienzahlungspflicht auf Grund der bis zu dem Währungsstichtag gezahlten Prämien bei Eintritt des Versicherungsfalles zu erwarten hatte und nicht etwa, wie der Kläger und das Berufungsgericht meinen, die Rente, die def Versicherte bei einer am Währungsstichtag erfolgten Umwandlung der Versicherung in eine prämienfreie zu erwarten hatte« Hiernach hätte sich die Rente, die der Kläger auf Grund der bis zu dem 30« September 1950 gezahlten Prämien bei Eintritt des Versicherungsfalles zu erwarten gehabt hätte, wenn die Versicherung damals nicht in eine prämienfreie umgewandelt worden wäre, gemäß § 2. II* Es ist nunmehr zu prüfen, wie sich die am 30« September 1950 erfolgte Umwandlung der Versicherung in eine prämienfreie auf diese Rentenanwartschaft auswirkte. gemäß § 174 WG von der Rente von 132,60 DM aus, die der Kläger am 30« September 1950 ohne die Umwandlung auf Grund der bis zu diesem Tage geleisteten Prämien zu erwarten hatte, so ergibt sich nach dem Geschäftsplan unstreitig eine herabgesetzte Rente von monatlich 85 DM, wie sie die Beklagte ja auch auf Grund der damaligen ursprünglichen Richtlinien des Bundesaufsichtsamts zunächst errechnet hat« Dieses Ergebnis leidet aber an dem bereits dargelegten augenfälligen Mangel, daß diese R^nte niedriger ist als die Rente von 95 DM, die der Kläger zu erwarten gehabt hätte, wenn er die Versicherung schon am 20« Juni 1948 in eine prämienfreie umgewandelt hätte« Dann wäre nämlich die damalige Anwartschaft von 236,40 RM nach § 174 WG auf eine solche von 199>10 RM herabgesetzt worden und diese Versicherung, wie sonst, von der im Zeitpunkt der Umwandr* lung erworbenen Anwartschaft aus, so führt die nach § 174 WG vorgesehriebene Herabsetzung der Rente in allen den Fällen, in denen seit der Währungsreform noch nicht genügend 3)M-3?rämien gezahlt sind, um die auf Grund des RAG eingetretene Rentenaufbesserung einzuholen, notwendig zu einer herabgesetzten Rente, die niedriger ist als die aufgebesserte Rente, die der Versicherte ohne eine Umwandlung am 20* Juni 1948 zu erwarten hatte, ja sogar niedriger als die auf gebesserte Rente*-die er zu erwarten gehabt hätte, wenn die Versicherung schon am 20* Juni 1948 in eine, prämienfreie umgewandelt worden wäre« Das -zeigt das folgende von Eartmann-v.Eenffer (aaO S 78) angeführte Beispiel? Bei einer Versicherung über eine gleichbleibende Rente von 70 RM wurde die- Rentenanwartschaft nach dem Proportional-verfahren auf 40 UM umgestellt, auf Grund der §§ 1, 2 RAG aber auf.70 EM aufgebessert« Wurde nun diese Versicherung am 1« Juli 1949 in eine prämienfreie umgewandelt, so wurde dann, wenn man bei der Herabsetzung nach § 174 VVG von der am 1« Juli 1949 erworbenen Anwartschaft ausgeht, die auf-gebesserte Rente von 70 EM auf 55 EM herabgesetzt, sank also unter den auf gebesserten Betrag« Wie der vorliegende Fall zeigt* kann sich dasselbe ab6r auch dann ergeben, Sie steht jedoch, wie jetzt auch das Bundesaufsichtsamt in seinem in der Revisionsinstanz vorgelegten Gutachten einräumt, mit dem BAG nicht in Einklang» Die (einzige) Fehlerquelle dieser zu einem so offensichtlich ungerechten Ergebnis führenden Berechnungsart liegt darin, daß bei ihr die Herabsetzung der Anwartschaft nach § 174 WG die Rente auöh unter den im RAG normierten Aufbesserungsbetrag hinunter ab.sinken läßt» Bas widerspricht aber dem Sinn und Zweck des BAG. Dieses Gesetz will vielmehr aus sozialen Gründen in' jedem Fälle die aufgebesserte Mindestrente sichern Wie sich aus § 2 ergibt, ist es mit dieser Zielsetzung unvereinbar, wenn die Rentenanwartschaft bei einer nach dem WährungsStichtag erfolgten Umwandlung in eine prämienfreie Versicherung trotz zunächst erfolgter Weiterzahlung der Prämien in IM auf eine niedrigere Rente als die durch das RAG normierte Mindestrente herabgesetzt wird., und dies ist bei einer am 20» Juni 1948 noch nicht prämienfrei gewordenen Versicherung gemäß § 2 RAG diejenige Rente, die der Versicherte bei Anwendung der Staffel des § 1 RAG auf die RM-Anwartschaft am 20« Juni 1948 bei noch prämienpflichtiger-Versicherung zu erwarten gehabt hätte« Roch offensichtlicher ist die Unvereinbarkeit der von Hartmann-v^enffer befürworteten Berechnungsweise mit dem RAG in den Fällen der vorliegenden Art, also bei Renten mit steigender Anwartschaft, bei denen'nach der ausdrücklichen Vorschrift de3 5 2 Abs 2 RAG die nach dem Währungs Stichtag zunächst weiter Zur Beseitigung dieser Fehlerquelle ist es erforderlich, aber auch ausreichend, daß im Palle einer nach der Währungsreform vorgenommenen Umwandlung in eine prämienfreie Versicherung bei der Herabsetzung der Rente nach § 174 WS die durch das RAG aufgebesserte Mindestrente aus der am 20c Juni 1948 erworbenen Anwartschaft unter zusätzlicher Berücksichtigung der sich aus den späteren DM-Prämienzahlungen ergebenden Steigerungen nicht angetastet werden darf, daß also die Rentenanwartschaft nicht unter diese Grenze herabgesetzt werden darf® Das bedeutet, daß in den Fällen der vorliegenden Art, in denen die nach § 174 TO vorgenommene Herabsetzung der am Tage der Umwandlung erworbenen Anwartschaft eine geringere Rente ergibt als die aufgebesserte Mindestrente aus der am 20* Juni 1948 erworbenen Anwartschaft (unter zusätzlicher Berücksichtigung der noch eingetretenen Steigerungen), für die Herabsetzung diese höheren Beträge maßgebend sind.- Aus der Anwendung dieses Grundsatzes ergibt sich für den vorliegenden Streitfall folgende Berechnung* Da, hier die eben genannte Voraussetzung vorliegt, ist in diesem Pall zunächst von der am 20® Juni 1948 erworbenen HM-Anwartschaft auszugehen® Da damals die Versicherung noch prämienpflichtig war, ist für diese Anwartschaft der obengenannte, unstreitige Betrag von 236,40 RM zugrunde zu legen® Er bessert sich bei Anwendung der Staffel des § 1 RAG auf 98,70 DM auf.® Diese auf gebesserte Anwartschaft, unter die aus den dargelegten Gründen auch bei einer Herabset zung nach § 174 WG nicht heruntergegangen werden kann, erhöht sich* um die nach § 2 Abs 2 RAG nicht der Aufbesserung unterworfene, sondern im Verhältnis 1*1 umzursehnende 1 20o Juni 1948 erworbenen, durch das RAG aufgebesserten DM-Anwartschaft hinzu, so ergibt sich die streitige Anwartschaft aus der am 30» September 1950 prämienfrei gestellten Versicherung* Die Anwendung dieser Berechnungsart wirkt sich auf den vorliegenden Pall unstreitig wie folgt aus* Das ist die Rente, die der Kläger aus seiner am 30® September 1950 umgestellten Versicherung bei Eintritt des Versicherungsfalles zu erwarten hat« In dieser Höhe hat sie auch das Bundesaufsichtsamt nunmehr in seinem von der Hebeninterrenientin in der Revisionsinstanz vorgeiegten Rechtsgutachten errechnet®