BGH · II ZR 210/67
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Klägerin und Revisionsklägerin, Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Br, gegen GrmbH für HflfllBstr im Beklagte und Revisionsbeklagte, Der IIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 9* Januar 1969 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr» Kuhn und der Bundesrichter Dr„ Schulze, Pieck, Stimpel und Dr» Schubath für Recht erkannt: Rudolf W^^und zwei weitere Gesellschafter hatten 1949 die beklagte GmbH gegründet und waren deren Geschäftsführer„ Nachdem sich die Geschäfte günstig entwickelt hatten, erwogen die Gesellschafter die Möglichkeit einer Altersversorgung, in die auch ihre Ehefrauen einbezogen werden sollten* Über die hierzu erforderlichen Rückstellungen holten sie ein versicherungsmathematisches Gutachten ein, wobei ihre Geburtsdaten und die ihrer damaligen Ehefrauen zugrunde gelegt wurden» Auf Grund eines Gesellschafterbeschlusses vom 28» Mai 1957 erhielten alle drei Gesellschafter von der Beklagten ein auf den 31 * Dezember 1956 zurückdatiertes Schreiben, das jeweils die Monate März "bis Mai 1966 das volle Gehalt ihres verstorbenen Ehemannes ausgezahlt, weitere Zahlungen aber mit der Begründung abgelehnt, die Versorgungszusage beziehe sich nur auf die erste Ehefrau des Verstorbenem Hiergegen wendet sich die Klägerin mit ihrer Klage auf Zahlung von lo800 DM Gehalt für Juni 1966» Sie ist der Ansicht, das Pensionsversprechen gelte nach Wortlaut, Zweck, Verkehrsanschauung und aus dem Gesichtspunkt der Gleichbehandlung der Gesellschafter zugunsten der jeweiligen Ehefrauc Die Beklagte hat um Klagabweisung gebeten und mit ihrer in der Berufungsinstanz erhobenen Widerklage beantragt festzustellen, daß die Klägerin auch über die im vorliegenden Rechtsstreit eingeklagten 1»800 DM und die in einem weiteren Rechtsstreit geltend gemachte Forderung von 9oQ00 DM hinaus keinen Ruhegeldanspruch gegen die Beklagte habe«. Das Berufungsgericht hat sich zunächst mit der Frage befaßt, ob die schriftlichen Versorgungszusagen vom 31c Dezember 1956 und vom 180 April 1961 aus sich heraus erkennen lassen, daß die Witwenrente nicht nur der im ersten Schriftstück namentlich genannten damaligen Ehefrau des Geschäftsführers sondern, wenn diese vor ihrem Ehemann verstarb und er wieder heiratete, der Witwe aus der" zweiten Ehe zustehen sollte <> Es verneint diese Frageo Weiter hat es geprüft, ob der Vertrag in diesem Punkt eine Lücke aufweist, die durch eine ergänzende Auslegung zu schließen wäre, und ist auch insoweit nicht dem Standpunkt der Klägerin gefolgte Auf diese von der Revision bekämpften Ausführungen kommt es nicht an» Steht nämlich fest, was die Vertragschließenden übereinstimmend gewollt haben, so ist für eine abweichende Auslegung kein Raum □ehr (BGH IM BGB § 157 (Gf) Nr* 2)„ Ebenso entfällt die Möglichkeit, im Wege ergänzender Vertragsauslegung eine bestimmte Regelung als vereinbart anzusehen, wenn die Beteiligten von einer solchen Regelung bewußt abgesehen haben (BGH NJW 1965, I960; WM 1965, 1284 zu II 2). Aus diesen Gründen habe man in der schriftlichen Zusage vom 51» Dezember 1956 die damaligen Ehefrauen namentlich benannte Bei diesen Feststellungen stützt sich das Berufungsgericht in erster Linie auf die eidliche Aussage des langjährigen Bilanzprüfers und Steuerberaters der Beklagten. stellung aufgelöst wurde und daß der Ehemann der Klägerin dem zugestimmt und nach seiner WiederVerheiratung bei einer im Oktober 1965 abgehaltenen Besprechung des Jahresabschlusses für 1964 nicht auf die Notwendigkeit hingewiesen habe, im laufenden Jahr 1965 für seine jetzige Ehefrau eine neue Rückstellung zu bilden. Zu Dnrecht meint die Revision, die Überlegungen der Gesellschafter über das wirtschaftliche Risiko, das mit einer Ausdehnung der Versorgung auf künftige Ehefrauen verbunden gewesen wäre, könnten nur für das Pensionsver-cprechen von 1957, aber nicht mehr für den Rachtrag von 1961 gegolten haben0 Die Gefahr, daß die Beklagte eine unübersehbare und ohne entsprechende Deckung nicht zu verantwortende Belastung auf sich nahm, wenn sie noch unbekannte Berechtigte, auf deren Person die gebildeten Rückstellungen nicht 2ugeschnitten waren, in die Hinterbliebenenversorgung einbezog, war 1961 nicht geringer als 1957o Dementsprechend stellt das Berufungsgericht rechtlich fehbrfrei fest, der Nachtrag von 1961, der auf das Schreiben vom 31» Dezember 1956 ausdrücklich Bezug nimmt, habe den Kreis der Versorgungsberechtigten nicht erweiterte Da die Gesellschafter somit bewußt jedes unbekannte Versorgungsrisiko von vornherein ausgeschaltet haben, kann es nicht auf den von der Revision hervorgehobenen Unstand ankommen, daß Rudolf später tatsächlich eine Frau in zweiter Ehe geheiratet hat, die nur 5 Jahre jünger als seine verstorbene Ehefrau war« Pas Berufungsgericht durfte die von der Klägerin unter Beweis gestellte Äußerung ihres Ehemannes, im Falle seines lodes habe sie die Versorgung durch die Gesellschaft, unterstellen, ohne aus ihr die von der Klägerin gewünschten Schlüsse zu ziehen0 Seine Erwägung, diese Äußerung lasse sich leicht als Ausdruck der Überzeugung erklären, die beiden Mitgesellschafter demnächst für eine Versorgungszusage gegenüber der Klägerin gewinnen zu können, bedeutet entgegen den Ausführungen der Revision keine unzulässige Vorwegnahme der BeweisWürdigung, da es sich nur um eine Hilfstatsache handelt (BGH IM ZPO § 539 Nr0 l}0 Schließlich ist der Grundsatz der gleichmäßigen Behandlung, der gegenüber freiwilligen Vereinbarungen der Gesellschafter ohnehin zurücktritt (BGH WM 1965> 1284 zu II 4), nach der zutreffenden Auffassung des Berufungs-gerichts bei der von ihm angenommenen Beschränkung der Pensionszusage durchaus gewahrte Denn aus der hier maßgebenden Sicht zur Zeit des Vertragsabschlusses hatte jeder Gesellschafter die gleiche Chance, daß im Falle seines Vor-versterbens seine damalige Ehefrau die versprochene Rente erhielt0 Biese Chancengleichheit wird nicht dadurch be-