BGH · II ZR 210/61 vom 24.09.1962
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 24- September 1962 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr. Fischer, Dr, Kuhn, Mesecke, Dr, Reinicke und Dr, Bukow für Recht erkannt: Der Kläger behauptet, der Aufsichtsratsvorsitzende SchdB^ habe ihm im Einverständnis mit dem Aufsichtsrat mündlich zugesichert, die Beklagte werde ihn genau so stellen, wie er bei der Bayerischen Beamtenversicherungsanstalt gestanden habe, und auf Grund seines Vertrages mit dieser Anstalt stände ihm ein Ruhegehalt von monatlich 600 DK zu. In der Berufungsinstanz machte der Kläger weiter geltend, die Beklagte sei ihm auch nach den Grundsätzen über das Verschulden bei Vertragsverhandlungen Schadens* ersatzpflichtig« Er warf der Beklagten vor, sie habe die Erfüllung der Verpflichtung des § 5 des Anstel lungs Vertrages, ihm einen "erweiterten Vertrag” zu geben, immer wieder und wieder hinausgeschoben, ihn mit Ausflüchten vertröstet und hinters Licht geführt; wenn die Beklagte alsbald gesagt hätte, sie würde ihm keinen Pensionsvertrag gewähren, würde er sich sofort um eine andere Stellung bemüht haben« Vor 1950 würde er auch eine gefunden haben« Nach der Kündigung sei das jedoch ausgeschlossen gewesen, da nach der Währungsreform alle seinen Fähigkeiten entsprechenden Stellungen besetzt worden seien und er inzwischen zu alt gev/orden sei« Auf diese Weise sei ihm seit seiner Entlassung der übliche Verdienst eines Vorstandsmitglieds des Versicherungsfachs entgangen« Biesen Verdienstausfall bezifferte er für die Zeit von 1950 bis 1959 auf 86«711,5S DM; Er verlangte diesen Betrag mit einem Hilfsantrag. Mit der Berufung hat der Kläger drei Ansprüche geltend gemacht: den Erfüllungsanspruch, den Anspruch auf Schadensersatz wegen Nichterfüllung des § 5 des Anstellungsvertrages und einen auf positive Vertragsverletzung und Verschulden Bei Vertragsverhandlungen gestutzten Anspruch. A»), die Beklagte habe sich in § 5 des Anstel-lungsverträges verpflichtet, mit ihm einen Pensionsvertrag abzuschließen, falls das Dienstverhältnis über das Probejahr hinaus verlängert werde; hierzu hat er darauf hinge-v/iesen, daß sowohl der Staatsminister a. D. FfllHHHI wie der frühere Aufsichtsratsvorsitzende SchflHM als Zeugen bekundet haben, in jenem § 5 sei unter dem 11 erweiterten Vertrag” ein Vertrag mit Pensionszusage verstanden worden; er meint, die Beklagte habe diese Verpflichtung schuldhaft nicht erfüllt und müsse ihn so stellen, wie er gestanden haben würde, wenn es zu dem vorgesehenen Schließlich hat er geltend gemacht, infolge Verschuldens der Beklagten habe er keine anderweite Stellung gefunden und auf diese Weise Verdienstausfall erlitten; diesen Vorwurf stützt er einmal auf das Rundschreiben an alle Münchener Versicherungsgesellschaften und zu dem anderen darauf, die Beklagte habe den Abschluß eines Pensionsvertrages schuldhaft verschleppt und dadurch bewirkt, daß er sich nicht um eine anderweite Anstellung beworben habe; das sei nach der Kündigung wegen seines Alters und deshalb ausgeschlossen gewesen, weil inzwischen alle nach dem zweiten Y/eltkrieg offenen Stellen des Versicherungsfachs wieder besetzt gewesen seien und weil das Rundschreiben einem anderweiten Unterkommen entgegengestanden habe- 2s kann nicht angenommen werden, daß der Kläger den Anspruch auf Schadensersatz wegen Nichterfüllung jenes § 5 fallengelassen hat. Die gegenteilige Annahme des Berufungsgerichts mag daraus zu erklären sein, daß die Berufungsinstanz vornehmlich mit Ausführungen darüber angefüllt war, ob die Beklagte die Verhandlungen über den Ruhegehaltsvertrag verschleppt und das Vertrauen de3 Klägers auf das Zustandekommen eines oolchen Vertrages mißbraucht und ob der Kläger durch ein derartiges als Verschulden bei Vertragsverhandlungen angesprochenes Verhalten Verdienstausfall erlitten habe. Aber das ändert nichts daran, daß der Kläger den Anspruch wegen Nichterfüllung des § 5 des Anstellungsvertrages aufrechterhalten hat, nachdem er vom Rentenanspruch auf den schließ lieh gestellten Antrag über gegangen ist. Gewiß konnte der Kläger mit dem Vorwurf der Nichterfüllung dieser Vertrags-bestimmung nur laufend denjenigen Betrag zugesprochen erhalten, den er von der Bayerischen Beamtenversieherungsan-otalt als Pension bezieht, während er, wenn er durch die Beklagte in seinem Port kommen behindert word en wäre, ganz allgemein Verdienstentgang beanspruchen konnte, wie er mit seinem Schlußantrag verlangt. Aber es läßt sich nicht von der Hand weisen, daß der Kläger unter Verdienstentgang auch dasjenige verstand, was ihm die Beklagte bei Abschluß eines Pensionsvertrages als Pension hätte zahlen müssen. Es war das Anliegen der Klage und aller Ausfüh- I rungen zu den gestellten Anträgen, den Kläger so gestellt I zu sehen, wie er gestanden haben würde, wenn ihm die Be- B klagte die gleiche Pension versprochen hätte, die ihm I gegenüber der Bayerischen Beamtenversicherungsanstalt I zustand und zusteht* Mit dem bezifferten Hilfsantrag und I dem Schlußantrag suchte der Kläger nur der Schwierigkeit I zu begegnen, die sich daraus ergab, daß sowohl die Ertei- K lung der behaupteten Pensionszusage wie eine Verpflichtung, | einen Pens ions vertrag abzuschließen, verneint, jedoch angenow men werden könnte, die Beklagte habe den Kläger bei den mit dem Ziel eines Pens ions Vertrages tatsächlich geführten Verhandlungen hingehalten und hierdurch sei ihm ein Schaden entstanden* Hach dem Verlauf des Prozesses kann nicht angenommen werden, der Kläger habe den Vorwurf der schuldhaften Nichterfüllung des § 5 seines Anstellungsvertrages fallengelassen und unter dem Gesichtspunkt des Schadensersatzes nicht mehr denjenigen Betrag verlangt, der ihm zustehen würde, wenn die Beklagte verpflichtet ?/äre, ihm nach Ablauf des Probejahrs denselben Pensionsvertrag zu geben, den er bei der Bayerischen Beamtenversieherungsan-stalt hatte*