BGH · II ZR 203/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
gntschei dungsgründ e tr Io Das Berufungsgericht hat zunächst ausgeführt, die Forderung auf Rückzahlung der zuviel gezahlten Abgaben sei bereits zur Zeit ihrer Entrichtung, also in den Jahren 1948 bis 1950, entstanden. Der Vertrag, der die Veräusserung der Zweigniederlassung nebst den in ihr begründeten Forderungen zu dem Gegenstand gehabt habe, habe sich demgemäß auch auf die Forderung auf Rückzahlung der Abgaben gerichtet«, Es sei nicht erforderlich, daß die Vorstellung der Parteien die einzelnen Aussenstände des Geschäfts umfaßten«, Es sei auch unerheblich, daß die Forderung nicht in der Bilanz berücksichtigt worden sei, die im Zusammenhang mit der Veräußerung der Zweigniederlassung aufgestellt worden sei; die Bilanz sei nicht Vertragsinhalt gewesen«, Der Veräußerungsvertrag könne auch nicht im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung so ausgelegt werden, daß die Rückzahlungsforderung von dem Übergang auf den Kläger ausgeschlossen worden sei; denn die Parteien hätten ihre Beziehungen erschöpfend geregelt, also keine Lücke offengelassen«, Diese Ausführungen des Berufungsgerichts enthalten keinen Rechtsirrtum; sie sind auch von der Revision nicht angegriffen wordene gehöre, wenn im Einzelfall nichts dagegen spräche, das Gleichgewicht zwischen Leistung und Gegenleistung<> Die Parteien hätten heim Abschluß des*Vertrages nichts von der Forderung auf Rückzahlung der Abgaben gewußt; sie hätten mit der Möglichkeit einer solchen Forderung nicht gerechnet o Die Forderung sei daher, wie zwischen den Parteien unstreitig sei, bei der Bemessung des Kaufpreises außer Betracht geblieben« Die Parteien hatten, also die Zweigniederlassung in der Annahme für 10 006 DM veräussert, daß ihre Leistungen zu demindest annähernd gleichwertig gewesen seien; in Wirklichkeit habe sich aber allein unter den mitübertragenen Aussenständen eine Forderung von nahezu dem vierfachen Betrag des Kaufpreises befunden« Der Vertrag weise also, entgegen den Vorstellungen der Parteien, eine offenbare und grobe Äquivalenzstörung auf« Damit habe dem Vertrag, wenn sich dies auch erst später hefausgestellt habe, von vornherein die Geschäftsgrundlage gefehlt« § 157 BGB könne nicht angewandt werden, weil der Vertrag keine Lücke, enthalte; das Berufungsgericht habe aber trotzdem auf Grund des § 157 BGB den Übergang der Forderung auf Rückzahlung der Abgaben auf den Kläger ausgeschlossen«. weil der Veräußerungsvertrag erschöpfend geregelt sei und damit eine ergänzende Vertragsauslegung nicht in Betracht komme, daß aber bei der Frage, wie der Vertrag, dem die Geschäftsgrundlage fehle, an die wirkliche Sachlage anzupassen sei, neben § 242 BGB auch der in § 157 BGB ausgedrüokte Rechtsgedanke Berücksichtigung finden könne» Diese Ausführungen enthalten keinen Widerspruche Das Berufungsgericht lehnt nur'die unmittelbare, nicht die mittelbare Anwendung des § 157 BGB ab« Die Revision, ist weiter der Ansicht, das Berufungsgericht hätte bei der Frage, ob eine Äquivalenzstörung zwischen der Leistung des Klägers und der Gegenleistung des Beklagten anzunehmen und wie der Vertrag gegebenenfalls, um diese Äquivalenzstörung zu beheben, auszugestalten sei? lo Die Revision legt insbesondere Wert auf die Feststellung, daß der Kläger die Zweigniederlassung vor allem wegen der mit ihr verbundenen Einfuhrkontingente erworben habe, daß diese Kontingente aber bereits mehrere Monate nach dem Erwerb der Zweigniederlassung wertlos geworden seien, weil zu diesem Zeitpunkt die Kontingentierung aufgehoben worden sei«. Das Berufungsgericht habe diesen Gesichtspunkt nicht hinreichend gewürdigt« Es habe ausgeführt, der Kläger habe angesichts der.fortschreitenden Liberalisierung des deutschen Aussenhandels, die schon längere Zeit vorher eingesetzt habe, mit einer solchen Entwicklung durchaus rechnen müssen« Die Revision meint, mit dieser Begründung hätte das Berufungsgericht auch bezüglich der 2u-rtickzuzahlenden Abgabe davon ausgehen "können, daß mit der Rückzahlung habe gerechnet werden können und daß die Parteien auch damit hätten rechnen müssen« Das Berufungsgericht gehe aber in diesem Fall davon aus, daß die. Parteien nicht damit gerechnet hätten, und es knüpfe hieran seine Erörterungen über den Wegfall der Geschäftsgrundlage* Wenn es aber beim Wegfall der Geschäftsgrundlage nicht darauf ankomme, ob eine Partei mit einer Vorstellung rechnen müsse, sondern nur darauf, ob sie damit gerechnet habe, so müsse dies auch bei der Frage gelten, welche Bedeutung die Aufhebung der Kontingentierung habe« Dieser Angriff.der Revision.kann keinen Erfolg haben« Die Geschäftsgrundlage eines Vertrages wird, wie das Berufungsgericht zutreffend ausgeführt hat, durch die beim Vertragsabschluß zutage getretenen, dem Geschäftsgegner erkennbaren und von ihm nicht beanstandeten Vorstellungen der einen oder durch die gemeinschaftliche Vorstellung beider nuar 1956 Innegehabt habe« Im übrigen ist die Frage, wie iange der Kläger das Geschäft fortgeführt hat, unerheblich für die Frage, ob wegen der Forderung auf Rückzahlung der * zuviel gezahlten Abgaben die Geschäftsgruhdlage des Veräusse-rungsvertrages gefehlt hat und wie der Vertrag gegebenenfalls der wirklichen Sachlage anzupassen ist« Wie lange der * Kläger das Geschäft fortgefühft {und: welchen Gewinn oder Verlust er hierbei erzielt) hat,-ist lediglich seine Angelegenheit; diese Umstände können bei .der Anpassung des Vertrages, dem ausschließlich aus einem anderen Grunde die Ge-sohäftsgrundlage fehlt, nicht berücksichtigt werden« 3« Die Revision beanstandet, daß;das .Berufungsgericht den Brief des Beklagten vom 7« April 1953 nicht berücksichtigt habe« Aus diesem Brief ergebe sich, daß der Beklagte seinerseits nicht daran gedacht habe, einer veränderten Geschäft sgrundlage Rechnung zu tragen« Das Berufungsgericht hat, was den Brief vom 7p April 1953 angeht, ausgeführt, dieses Schreiben sei erst nach der letzten mündlichen Ver handlung vorgelegt, also schon aus diesem Grund nicht zu berücksichtigen, im übrigen lasse aber auch sein Inhalt ' nicht erkennen, daßder Beklagte den Verlust einer Forderung von der hier in Frage stehenden Größenordnung in Kauf genommen habe« Diese Ausführungen sind zutreffend« In dem Brief vom 7 o 'April 1953 hat der Beklagte ledigiich;geschrieben, daß er die Haftung für alle Geschäfte ablehne, die der Kläger als Nachfolger der Firma in Zukunft abschliesse oder die er seit seiner Kenntnis von der Liquidation der Hauptfirma abgeschlossen habe« Aus diesem Schreiben ergibt sich nichts für die Frage, ob dem Veräusserungsver-trag wegen der Rückzahlungsforderung die Geschäftsgrundlage fehlt und wie der Vertrag gegebenenfalls auszugestalten ist« Las gleiche gilt für den Hinweis der Revision, die Aussenhandelsstelle sei nicht von sich aus auf den Kläger zugekommen, er habe vielmehr eine Reihe von Anträgen einreichen und eine umfangreiche Korrespondenz führen müssen« 4« Die Revision weist weiter darauf hin, daß der Kläger einen Betrag von rund 2000 TM an Steuern nachgezahlt habe, an die man bei Abschluß des Vertrages nicht gedacht habe* Las Berufungsgericht habe diesen Bosten zu TJnrecht als geringfügig bezeichnet« Der Auffassung der Revision kann nicht gefolgt werden«* Las Berufungsgericht hat bei der Frage, ob sich die Geschäftsgrundlage auch zu dem Nachteil des Klägers verschoben habe? ausgeführt, der Kläger habe die Geschäfte der Zweigniederlassung bereits vor ihrem Brwerb als Prokurist praktisch allein geführt, er habe also überblicken können, welche Verbindlichkeiten ihn nach der Geschäftsübernahme träfen« Im übrigen handle es sich auch nur um eine durchaus unwesentliche Erhöhung der Verpflichtung, wie sie in der dem Vertragsschluß zugrunde gelegten Bilanz schon berücksichtigt gewesen sei« Liese Ausführungen sind zutreffend« In der Bilanz waren Rückstellungen von 1*400 LM wegen Steuern und dergleichen vorgesehen«, 5o Lie Revision führt schließlich aus, die Forderungen, die auf den Kläger übergegangen seien, seien weitgehend wertlos gewesen, und zu den Verbindlichkeiten der Zweigniederlassung hätten auch Verpflichtungen gegenüber ihm, dem Auch diese Ausführungen der Revision Können nicht zu dem Ergebnis führen, die Geschäftsgrundlage habe nun auch zu dem Nachteil des Klägers gefehlt oder sei weggefallen und es müsse deshalb bei der Anpassung des Veräusserungs Vertrages an die wirkliche Sachlage.anders vorgegangen werden» als es das Berufungsgericht getan habe» Einmal hat die Revision nicht berücksichtigt, daß der Kläger selbst vorgetragen hat, der Kaufpreis habe für ändere Dinge bezahlt werden sollen als für die in der Bilanz ausigewieeenen Vermögenswerte» Im übrigen wußte der Kläger, von der Forderung auf Rückzahlung der zuviel bezahlten Abgaben abgesehen, über den Bestand und den Wert der Forderungen und Verbindlichkeiten beim Abschluß des Vertrages Bescheide, Von einem Fehlen oder einem Wegfall der ßeschäftsgrundiage kann daher insoweit keine Rede sein»