BGH · II ZR 194/58 vom 09.07.1959
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf -die Revision der Beklagten wird das Urteil des 1ö Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Celle vom 29a Mai 195B im Kostenpunkt und insoweit aufgehoben? Das Bandgericht^unä^idas Berufungsgericht haben die Klage abgewiesen, weiP der Wechselverpflichtung des Erblassers der Beklagten ausschließlich der Anspruch der Klägerin auf Zahlung des Kaufpreises gegen BiMM^P zugrunde gelegen habe, dieser Anspruch aber nicht mehr bestehe * da in der Überweisung der verkauften und gepfändeten Sache an die Klägerin ein Rücktritt vom Kaufverträge liege» Auf die Revision der Klägerin hat der erkennende Senat das Berufungsurteil aufgehoben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen; der Senat hat entschieden? daß der Erblasser der Beklagten durch die Ausstellung des Wechsels auch die wechselmäßige Haftung für Ansprüche der Klägerin gegen BiHIHBBi aus § 2 AbzG übernommen habe (Urteil vom 26«, November 1956, II ZR Die Parteien streiten nunmehr Uber die Höhe dieser Ansprüche« Die Klägerin ist der Ansicht, ähr stünden derartige Forderungen in Höhe des eingeklag-ten Betrages zu« Das Berufungsgericht hat die Beklagten zur Zahlung von_11 Q86?17 DM nebst Zinsen verurteilt und die Klage wegen des Restbetrages abgewiesen« Gegen dieses Urteil haben die Beklagten Revision eingelegt« der Klägerin stehe wegen der Finanzierungskosten (Wechselstem~ pelmarken für 56*85 DM.und Weohselprotestkosten in Höhe von 145»37 DM) ein Anspruch auf Aufwendungsersatz gemäß § 2 AbzG- zu« Diese Ausführungen sind zutreffend und wer-den auohdvon der Revision nicht angegriffen« 2« Das Berufungsgericht hat der Klägerin weiter einen Betrag von 1270^52 DM zugesprechen, weil sie diesen Betrag zur gerichtlichen Geltendmachung ihrer Ansprüche gegen BiflHHMV auf gewendet habe« Die Revision meint demgegenüber, es wäre nicht erforderlich gewesen? Die Beklagten haben in den fatsacheninstanzen nicht vorgetragen, SiflHNMB sei bereit gewesen, den Anhänger freiwillig zurückzug eben« Es bestand für.das Berufungsgericht, entgegen der Auffassung der Revision, auch keine Verpflichtung, die Klägerin-gemäß § 159 ZPO zu fragen«, ob sie eine derartige Behauptung aufsteilen wolle« Im übrigen setzt § 2 AbzG auch-nicht voraus, daß die Aufwendungen, die der Verkäufer infolge des Vertrages gemacht hat, objektiv notwendig sind« Es könnte sich aus dem Sinn und Zweck dieserVorschrift höchstens ergeben,, daß der Käufer keine Aufwendungen des Verkäufers zu ersetzen braucht, die nach dem Standpunkt eines ordentlichen Geschäftsmannes.überflüssig und verfehlt sind (vglo Oriaoili/Östier, Abzahlungsgesetz, 5«Aufl* 1958 § 2 Anm»22) Riese Voraussetzungen wären aber auch dann nicht gegeben, wenn die Klägerin im Oktober 1955 das Mahn- und Zwangs- -vollstreckungsverfahren ausschließlich deshalb betrieben hätte, um auf diese Weise zu versuchen, den Rücktritt vom Vertrage zu vermeiden* Renn zu diesem Zeitpunkt war die bestrittene-Präge, ob in der Pfändung und Überweisung der verkauften Sache ein Rücktritt vom Vertrage liege, noch nicht höchstrichterlich entschieden^ der Bundesgerichtshof hat diese Präge erst in dem Urteil vom 14oNovem- ■ ber 1954 (BGHZ 15,241 mit Literaturnachweisen) bejahto Es hätte daher.der Klägerin nicht zu dem Vorwurf gemacht werdenkönnen, wenn sie im Oktober 1955 versucht hätte, den Anhänger gemäß § 825 ZPO zu erwerben, gleichwohl aber am Kaufvertrag fest zuhalt en«. die Käufer müßten dem Verkäufer die Aufwendungen für die Provision ersetzen» nicht frei von Rechtsirrtum-© Denn nach § 88 HGB a«F*5 der im vorliegenden Rechtsstreit anzuwenden ist, kann der Verkäufer vom Handelsvertreter die. Dies gilt auch dam, wem der Verkäufer von seinem Recht, die Provision vom Handelsvertreter zurückzufordern, keil, nen G-ehrauch*macht0 Pie Aufwendungen des Verkäufers liegen in einem derartigen Pall nicht in'der Zahlung der . Provision, sondern darin, daß der Verkäufer die gezahlte Provision nicht vom (zahlungsfähigen) Handelsvertreter zurückforderto Diese Aufwendungen hat der Verkäufer je- • doch nicht infolge des Kaufvertrages gemacht$ er kann sie daher nicht vom Käufer ersetzt verlangen». Im übrigen rügt die Revision mit Hecht, daß das Berufungsgericht nicht dargelegt hat, weshalb die Klägerin zwei Vertretern Provision gezahlt hat«, Die Beklagten haben unter .Beweisantritt vorgetragen, der Kaufvertrag sei ausschließlich von iMMftwd nicht, auch von TJlrich vermittelt worden«. Das Berufungsgericht durfte sich daher nicht mit der Auskunft von UfMMV begnügen, sr habe eine. ‘1q Das Berufungsgericht hat ausgeführt, bei der Bemessung der Vergütung für den Gebrauch oder die Benutzung des Anhängers sei davon auszugehen, daß das Verhältnis zwischen dem Verkäufer und dem Käufer im Palle dbs Rücktritts- vom Vertrage wirtschaftlich Ähnlichkeit mit dem Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter habe«, Gebe' es, wie im vorliegenden Pall, keinen üblichen Mietzins, Sie meint, ein Mietzins komme nur in Betracht, wenn die verkaufte Sache üblicherweise vermietet werde« Da diese Voraussetzung bei dem Spezialanhänger, den BiflHHHfe gekauft habe nicht gegeben sei, hätte die Vergütung ohne Rücksicht auf eine theoretische Miete ermittelt werden müssen« Der Angriff der Revision ist nicht begründet„ Besteht keine übliche Miete, sö kann die Vergütung für die Überlassung der Sache in der Weise ermittelt werden, daß geprüft wird, wie hoch ein Mietzins wäre, wenn eine Vermietung üblich wäre oder üblich würde; es müssen hierbei alle Umstände berücksichtigt werden,, die für die Berechnung einer Miete maßgebend sind. 2o Die beiden wichtigsten Bechnungsfaktpren des gedachten Mietzinses von insgesamt 7670975 DM für die Zeit vom 19o JUni. bis 21« Oktober 1953 stellen nach dem Gutachten des Sachverständigen, dem sich das Berufungsgericht angeschlossen hat, die Wertminderungen des (unbereiften) Anhängers und der Reifen dar«, Der Sachverständige hat ausgeführt, der Anhänger sei bereits dadurch, daß er in Ge^-brauch genommen worden sei., nach der -Auffassung des Verkehrs 10 # weniger wert geworden, weil er durch die Ingebrauchnahme nicht mehr fabrikneu sei«, Der Sachverständige geht weiter davon aus,, daß der Anhänger, wenn er wirtschaftlich eingesetzt werde, etwa '72 000 km im Jahr fahren müsse« Lege man diese fahrtstrecke zugrunde, dann sei der Anhänger um weitere 20 $ im Werte gemindert und seien die Reifen verbraucht« Rs ergäbe sich also, wenn der Anhänger 1 Jahr in Betrieb gewesen wäre, eine Wertminderung von 6749 «>55 DM für den unbereiften Anhänger und eine Wertminde rung von 8079 DM für die Reifeno Da Bi ■■■■■fr den Anhänger aber nur 125 Tage in Besitz gehabt habe? bilde die Wertminderung einen Rechnungsfaktor in Höhe von (fff x 6749*55 + 8079 =0 5077*50 DM« Das Berufungsgericht hat diese Berechnung auch dann für zutreffend erachtet* wenn BifHHMRfe? Die Revision greift diese Ausführungen mit Recht an« Richtig ist zwar, daß der Käufer den Wert, der in der Überlassung der gekauften Sache zur Nutzung liegt, auch dann vergüten muß, wenn er die Sache nicht genutzt hat« Bei der Höhe der Nutzungsentschädigung ist aber von der gedachten Miete auszugehen,, und bei der Höhe der gedachten Miete ist zu berücksichtigen, daß diese bei einem Lastzuganhänger mit Reifen wegen der erheblichen Abnut-zung durch -den Gebrauch und die dadurch eintretende Wertminderung der Sache nicht nur von der Dauer der Mi et zeit, sondern auch von der Länge der Fahrtstrecke abhängt, die. der Anhänger während der Mietzeit zurückgelegt hat» Hierbei ist nicht die Fahrtstrecke maßgebend, die der Anhänger hätte zurüoklegen müssen,., um wirtschaftlich eingesetzt zu werden; entscheidend ist insoweit vielmehr die pahrtstrecke, die der Anhänger tatsächlich zurückge-' legt hat« Die Beklagten brauchen im Rahmen der gedachten ■ Miete nicht für eine Abnutzung oder dadurch verursachte \ Wertminderung aufzukommen,, die bei einer Pahrtstrecke von 25o00Q km eintritt, wenn ihr Rechtsvorgänger, wie sie behauptet, nur 3o30Q km gefahren ist«. Crisolli/östler aaO § 2 Anm»83 b mit Literaturnachweisen) ausgeführt, bei der gedachten Miete müßten alle« Umstände berücksichtigt werden, die für die Berechnung.einer Miete maßgebend, seien; hierzu gehöre auch ein Unter-hehmergewinn, ohne den die Vermietung nicht lohnend wäre» Per Sachverständige hat aber, wie die Revision mit Recht rügt, den Untern'ehmergewinn nicht richtig ermittelt» Er ist von dem Unternehmergewinn ausgegangen, den der Verkäufer erzielt; er hat diesen Gewinn mit 15 $ des (Bar-)- des Berufungsgerichts an,'die Beklagten schuldeten Zinsen in Höhe von 2 $ über den jeweiligen Biskontsätz der LandesZentralbank, mindestens jedoch 6 $» Pie Revision meint, es komme nur ein Zinssatz von 4 $ in Betracht, weil die Beklagten nur für Ansprüche der Klägerin aus § 2 'Abzß, aber nicht für« die wechselmäßige Kaufpreis- Zahlung hafteten® Der Angriff der Revision ist nicht begründeto Die Beklagten haften als Erben des Wechselausstellers wechselmäßig für die Ansprüche der Klägerin gegen SiflHMMfe* Bis Klägerin kann daher die Zinsen beanspruchen? ob den Wechselforderungen der Klägerin gegen die Beklagte und BiflBHflHVAnsprüche auf den Kaufpreis oder Ansprüche gemäß § 2 Abz& zugrundeliegend Zutreffend-ist allerdings die Auffassung der Revision? Nach alledem 1st das Berufungsurteil aufzuhebeno Da die Sache nicht zur Endentscheidung reif ist, ist die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zürückzuverweisen«, In der neuen Verhandlung wird das Berufungsgericht prüfen müssen, ob mit dem Anhänger nur 3300 Km gefahren ist0 Ist dies der Fall, dann wird das Berufungsgericht nicht von der Nutzungs-* Entschädigung ausgehen können, die der Sachverständige für den-Fall errechnet hat? daß BiHHHHP mit dem Wagen rund 25 OQQ km gefahren isto Der Sachverständige hat allerdings bei der Errechnung der Nutzungsentschädigung hilfsweise die Wertminderung auch für den Fall errechnet, daß BiflttMHfrden Wagen nur für eine Fahrtstrek-ke von 33öO-bis 6D0Ö km verwendet hat, Bas Berufungsgericht wird aber auch diese Berechnung des Sachverständigen nicht unverändert übernehmen können, weil der Sachverständig* zu dem sonderbaren und von der Revision mit Recht beanstandeten Ergebnis gekommen ist, daß die Wertminderung in diesem Fall größer ist, als wenn BiMHHHI mit dem Anhänger 25 000 km gefahren wäre. Der Fehler des Gutachtens liegt darin, daß der Sachverständige für den Fall, daß BiflHMHBnur 3300 bis 6000 km gefahren ist, im Gegensatz zu dem-Fall, daß er/ ihn im normalen Umfange verwendet hat, eine zusätzliche Wertminderung von 8 $> an-nimmto Bieser Abschlag beruht nach Ansicht cfßs Sachverständigen darauf, daß der Spezialanhänger lediglich für den (Transport von Bangmaterial geeignet sei und daher, was sich .auf den Kaufpreis, auswirke, nur einen kleinen . Soweit bei der Errechnung der gedachten Miete eine Verzinsung des Anlagekapitals zu berücksichtigen ist,, wird das Berufungsgericht zu beachten haben, daß es,insoweit nicht, wie der Sachverständige angenommen hat,, auf den MAnschaffungsbetrag von 31<>924 DM1’, also .den Anschaffungswert der Sache für den Käufer ankommto Entscheidend ist vielmehr der Anschaffungswert für den Verkäufer (vgl» Crisolli/östler § 2 Anm083); es ist also auf die Herstellungskosten abzustelleno Schließlich wird das Berufungsgericht auch beachten müssen, daß der Kläger durch die Gewährung der Ansprüche aus § 2 AbzG im Ergebnis jedenfalls nicht besser stehen darf als"er stünde, wenn BifHHMMl seinen Verpflichtungen aus dem Kaufverträge nachgekommen wäre«,