BGH · II ZR 190/66 vom 21.10.1968
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ber IIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 21, Oktober 1968 unter Mitwirkung der Bundesrichter Br, Nörr, Liesecke, Br* Schulze, Fleck und Stimpel für Recht erkannt: Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des 12, Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Köln vom 17, Oktober 1966 aufgehoben, Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen, dem auch die Entscheidung über die Kosten dei" Revision übertragen wird. Bie Klägerin ist legitimierte Inhaberin eines auf die Sparkasse der Stadt K®J|gezogenen Verrechnungsschecks über 4 400 BM, der vom Beklagten ausgestellt und an die in iflHl zur Bezahlung einer Rechnung für geleistete Arbeiten begeben worden ist, Ber Scheck ist von der BeflHHHF in blanco indossiert und am 5, April 1965 an die Klägerin gegeben worden, Ber Scheck trug kein Ausstellungsdatum, Bie Klägerin bemerkte dies nicht, Sie legte den Scheck der Bezogenen vor, die das Fehlen des Tages der Ausstellung erkannte und den Scheck nach Streichen des Vor-legungsvermerks an die Klägerin zurückgab, Biese veranlaßte die Beisterwerft, das Batum des 10, Mai 1965 als Ausstellungsdatum einzusetzen, Ber Scheck wurde nochmals vorgelegt und am 15» Mai 1965 mit dem Vermerk versehen, daß er nicht bezahlt worden sei. Bas Berufungsgericht unterstellt die Behauptung des Beklagten als richtig, der Scheck sei von ihm versehent- daß der Eindruck eines Blankoschecks im Sinne des Art. 13 ScheckG bestehen konnte• Es sei ohne Bedeutung, ob die Klägerin den Scheck als Blankett oder irrtümlich als vollständigen Scheck aufgefaßt habe. Dem ist nicht zu folgen» Die Haftung aus veranlaßtem Rechtsschein kann Überhaupt nur in Betracht gezogen werden, wenn der Erwerber erkannt hat, der Wechsel oder Scheck sei unvollständig, aber annimmt, es werde nach den Umständen, insbesondere nach Art der fehlenden Angabe, dem Nehmer die Befugnis erteilt worden sei, die Urkunde zu ergänzen« Wer glaubt, einen gültigen Wechsel oder Scheck, der alle wesentlichen Merkmale enthält, erwoi'ben zu haben, sich aber in dieser Erwartung getäuscht sieht, vertraut nicht auf einen vom Zeichner gesetzten Rechtsschein, der es rechtfertigen könnte, diesen haften zu lassen, als habe er ein Blankett nach Art. 10 WG, Art. 13 ScheckG in den Verkehr gebracht. Die Sachlage ist anders, wenn das Fehlen einer Angabe erkannt worden ist und dem Erwerber ausdrücklich erklärt wird oder von ihm aus den Umständen zu entnehmen ist, die Urkunde sei als Blankett mit einem bestimmten Ausfüllungsrecht erworben, das nunmehr ausgeübt oder dem Erwerber überlassen werde» Dann mag Anlaß sein, die Haftung aus Rechtsschein zu erörtern und für gerechtfertigt zu halten, wenn der Erwerber auf das Vorliegen eines V/echsel- oder Scheckblanke11s vertrauen durfte und der Zeichner den Rechtsschein in zu-rcchenbarer Weise erweckt hat (vgl, Reinicke, Betrieb 1958, 390 f). Nicht anders als bei einer Haftung kraft Anscheinsvollmacht ist zu fordern, daß der Rechtsschein für die Entschließung des Geschäftsgegners ursächlich geworden ist (vgl. BGH LM BGB § 167 Nr. 13)» Die Auffassung des Berufungsgerichts würde dazu führen, daß beim Erwerbe eines Wechsels oder Schecks die Formerfordernisse in weitem Umfang nicht mehr zu prüfen wären, weil etwaige Mängel jederzeit durch den guten Glauben an ein Blankett mit Ausfüllung^- Das ist nicht der Zweck einer Haftung aus ver-anlaßtera Rechtsschein, die nur in Betracht gezogen werden kann, wenn das berechtigte und unumgängliche Vertrauen des Verkehrs anders nicht geschützt werden kann. Hier erwarb die Klägerin ohne ausreichende Prüfung der Merkmale eines gültigen Schecks und vertraute beim Erwerb nicht darauf, der Aussteller habe ein Scheckblankett gezeichnet, das der Nehmer bei der Einreichung zur Einziehung oder beim Diskont zunächst einmal entsprechend den für die Ausfüllung getroffenen Abreden zu ergänzen habe. Die nachträgliche Einfügung des Datums vom 10o Mai 1965 ist nach dem Sachverhalt, wie ihn das Berufungsgericht unterstellt hat, eine Verfälschung des Schecks im Sinne des Art. 51 Schecks, die eine Haftung des Ausstellers nicht begründet (Halbsatz 2 dieses Art«)* wenn sie dartut, daß der Scheck in blanco mit einer ausdrücklich oder stillschweigend erteilten Ermächtigung zur Ausfüllung des Datums begeben worden ist«. Baumbach/Hefermehl, Art» 2 Abs. 1 ScheckG)« Dem Beklagten muß aber die Möglichkeit eröffnet werden, diese tatsächliche Vermutung zu widerlegen« Somit bedarf es der Prüfung des Vortrages des Beklagten unter Erhebung der angetretenen Beweise, er habe den Scheck versehentlich ohne Datum ausgestellt und Geber sowie Nehmer seien davon ausgegangen, der Scheck sei vollständig« Für eine Erörterung der Rügen der Revision, die sich mit dem Zeitpunkt des guten Glaubens beim Erwerb eines Blankoschecks befassen, ist kein Raum mehr.