BGH · II ZR 189/53
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Vermögenslage bewußt geworden sei* Die Klägerin behauptet dagegen, daß ihr Mann durch einen Unfall ums Leben gekommen sei* Er habe sieb am Abend des 27* Dezember 1951 im Kühlraum aufgehalten, um das selbständige Einund Ausschalten der damals nicht funktionierenden Kühlmaschine zu kontrollieren,, wie er das auch vorher schon öfter getan habe* Der Sack mit Sägespänen sei eigens zu dem Zweck, ihm während der Kontrollen eine Sitzmöglichkeit zu geben, in den Kühlraum geschafft worden* Es sei möglich, daß ihr Mann den Gässchlauch deshalb in den Kühlraum hineingeführt habe, um mit einer Gasflamme die zur Kontrolle- der Kühlmaschine erforderlichen Temperaturschwai kungen in diesem Raum herbeizuführen* 1,) Das Berufungsgericht geht, rechtlich bedenkenfrei davon aus, daß der Versicherte durch Gasvergiftung ums Leben gekommen ist* Diese Feststellung steht nicht, wie die Revision meint, im Widerspruch zu der Aussage des Arztes Dr* von Dieser hat bei seiner Vernehmung allerdings bekundet v daß neben der Gaseinatmung auch Alkoholgenuß sowie der Aufenthalt des Versicherten im Kühlraum für den Tod ursächlich gewesen seien und daß der Versicherte noch hätte gerettet werden können, wenn sich der Vorgahg nicht im Kühlraum abgespielt hätte\ er habe nämlich nicht so viel Gas eingeatmet, daß das allein ausgereicht hätte, um den Tod herbeizuführen, Wenn hiernach auch die Gasvergiftung nicht die alleinige Ursache für den Tod bildete, so gestattete diese Aussage dem Berufungsgericht doch durchaus die Feststellung, daß der Tod ohne die Gaseinatmung nicht eingetreten wäre, also jedenfalls mit ursächlich für die Todesfolge war., Ihr läßi sich dagegen nicht entnehmen* daß die Kälte und die Alkoholeinwirkung auch schon für sich allein zu dem Tode geführt haben könnten, wie die Revision meint, Das Berufungsgericht meint nun weiter« daß der Versicherte mit einer derartigen Hereinleitung des Gases in den Kühlraum, in dem er sich selbst aufhielt« gar keinen anderen Zweck verfolgt haben könne9 als sich eine tödliche Gasvergiftung beizubringen« Die vom Landgericht auf Grund des Vorbringens der Klägerin berücksichtigte Möglichkeit, daß der Versicherte den Gasschlaüch in den Kühlraum verlegt habe, um dort mit einer Gasflamme die zur Kontrolle der unstreitig nicht ordnungsmäßig funktionierenden Kühlmaschine erforderlichen TemperaturSchwankungen herbeizuführen, scheide deshalb aus, weil an dem Gasschlauch keine besondere Vorrichtung zu dem • Die Revision greift aber mit Recht die Feststellung des Berufungsgerichts, daß an dem Gasschlauch keine Flamme habe entzündet werden können, weil er keine entsprechende Vorrichtung gehabt habe, nach § 286 ZPO als verfahrensrechtlich nicht einwandfrei an, Die Klägerin hatte schon in erster Instanz vorgetragen und unter Beweis gestellt, daß der ständig an die Gasleitung angeschlossene lange Schlauch benötigt worden sei, um in den Räucherkammern das dort aufgehäufte zu dem Räuchern benutzte Sägemehl in Brand zu setzen, sowie um die Haare von den Tierköpfen abzusengen (Schriftsätze vom 28c5.-1952 und 7o801952),> Diesem von der Beklagten nicht bestrittenen Vorbringen war bereits zu entnehmen, daß als Zubehör zu dem Gasschlauch eine Vorrichtung vorhanden gewesen sein muß, die das Entzünden einer Flamme an dem Schlauch ermöglichte« Y,Tenn das Berufungsgericht hierüber noch Zweifel hatte, so hätte es, wie die Revision mit Recht rügt, naeh § 159 ZPO durch Befragung der Klägerin auf eine Aufklärung hinwirken müssen-. Erweist sich diese Behauptung als richtig, so ist schon damit der angefochtenen Entscheidung ihre wesentlichste Grundlage entzogen; denn dann läßt sich die Verlegung des Gasschlauches in den Kühlraum nicht, wie das Berufungsgericht angenommen hat, lediglich mit einer Selbstmordabsicht des Versicherten« sondern auch damit erklären., Nach dem Vorbringen der Revision hätte diese dann behauptet und unter Beweis gestellt, daß ihr Ehemann des öfteren nach Ladenschluß zur Ausführung von Arbeiten in die Geschäftsräume«, insbesondere in den Kühlraum gegangen sei und daß er sogar in den Geschäftsräumen schon wiederholt aus Müdigkeit und unter Alkoholeinwirkung eingeschlafen sei«. Weiter gewinnt dann auch die von der Zeugin T^ bestätigte Behauptung der Klägerin an Bedeutung, daß die Tür zu dem Kühlraum nicht geschlossen, sondern nur angelehnt gewesen sei, ein Vorbringen, dessen nach § 286 ZPO unzulässige Übergehung durch das Berufung sgericht die Revision ebenfalls rügto Schließlich wendet sich die Revision auch mit Recht gegen die Auffassung des Berufungsgerichts, der Umstand, daß sich der Versicherte auf die wiederholten Telefonanrufe der Klägerin im Geschäft am Abend des 27c Dezember 1951 nicht gemeldet habe, deute darauf hin, daß er aus dem Leben habe scheiden wollen* Dieser Umstand kann in der Tat auch ganz andere Ursachen gehabt haben, insbesondere die» daß der Versicherte zur Zeit der Anrufe schon eingeschlafen oder gar bereits gestorben wäre Hiernach war das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen* wobei es zweckmäßig erschien, gemäß § 565 Abs 1 Satz 2 ZPO die Zurückverweisung an einen anderen Senat vorzunehmen* Sollte sich aus der weiteren Tatsachenverhandlung ergeben* daß für den Schlauch tatsächlich eine Vorrichtung zu dem Entzünden einer Flamme vorhanden war« so wäre allerdings noch die Möglichkeit ins Auge zu fassen, daß sie der Versicherte bei jenem Vorfall bewußt nicht benutzt hat* Das zu beweisen wäre dann aber Sache der Beklagten, der die Beweislast für einen Selb mord obliegt«