BGH · II ZR 183/80 vom 24.11.1980
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Für Gehalts- und Pensionsklagen von Mitgliedern des Vertretungsorgans einer Handelsgesellschaft oder Genossenschaft ist der Streitwert grundsätzlich nach § 17 Abs, 3 GKG zu berechnen (Abweichung von LM GKG 1975 § 17 Nr. 1). Der II, Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 24, November 1980 durch den Vizepräsidenten des Bundesgerichtshofes Stimpel und die Richter Fleck, Dr. Kellermann, Bundschuh und Brandes beschlossen: Das Berufungsgericht hat die Beklagte, eine GmbH, verurteilt, in Ergänzung eines mit dem Kläger als ihrem früheren Geschäftsführer abgeschlossenen Dienstvertrags einer Vereinbarung zuzustimmen, wonach der Kläger bei Dienstunfähigkeit oder Eintritt in den Ruhestand ein Ruhegeld wie ein Landesbeamter der Besoldungsgruppe B 1 erhalten soll, vermindert um Leistungen aus der Angestelltenversicherung. Nach § 17 Abs.3 GKG ist bei "Ansprüchen von Arbeitnehmern auf wiederkehrende Leistungen" der dreifache Jahresbetrag dieser Leistungen für die Wertberechnung maßgebend. Unter den Begriff "Arbeitnehmer" fallen im engeren Sinne nur sozial abhängige Arbeiter und Angestellte, nicht aber Mitglieder des Vertretungsorgans einer Handelsgesellschaft oder Genossenschaft. Auf gleiche Weise hat der Senat in ständiger Rechtsprechung bislang auch § 17 Abs.3 GKG dahin ausgelegt, daß der Streitwert für Gehalts- und Pensionsklagen von Organmitgliedern nicht nach dieser Vorschrift, sondern nach § 9 ZPO zu berechnen ist (Beschl. In neuerer Zeit ist der Gesetzgeber zunehmend dazu Ubergegangen, bei solchen Vorschriften, bei denen nicht die Eigenschaft als gesetzliches Vertretvingsorgan oder die Ausübung von Arbeitgeberfunktionen gegenüber anderen Betriebsangehörigen im Vordergrund stehen, sondern das Schutzbedürfnis von Personen, deren Lebensunterhalt auf persönlichen Dienstleistungen beruht, Gesellschaftsorgane und sogar selbständig Tätige in dem gebotenen Umfang einem Arbeitnehmer gleichzustellen. Darüber hinaus hat der Senat seit jeher einzelne arbeitsrechtliche Vorschriften oder Grundsätze dort, wo er es nach deren Zweck für angebracht hielt, auch auf Mitglieder des Vertretungsorgans einer juristischen Person angewandt; so die Einschränkung des § 323 Abs. 1 BGB unter dem Gesichtspunkt der betrieblichen Treuepflicht (BGHZ 10, 187, 190 f) oder die Ansprüche auf Urlaubsabgeltung (Urt. v..3. Auch zur Kündigungsfrist des § 622 Abs. 1 BGB, der seinem Wortlaut nach das "Arbeitsverhältnis eines Angestellten" betrifft, hat der Senat unlängst entschieden, daß diese Frist für den Geschäftsführer einer GmbH entsprechend gilt (Urt. v. Für diese Entscheidungen war vor allem der Gedanke maßgebend, daß Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder in der Regel zwar nicht in gleichem Maße wie Arbeitnehmer im arbeitsrechtlichen Verständnis sozial abhängig sind, gleichwohl aber als Angestellte dienstvertraglich gebunden und auf die hierauf beruhenden Gehalts- und Versorgungsbezüge mehr oder weniger wirtschaftlich angewiesen sind. Dieser Gedanke kann bei einer Auslegung des § 17 Abs, 3 GKG nicht mehr außer Betracht bleiben. Dabei hält es der Senat nicht für angezeigt, so wie etwa das Sozialversicherungsrecht (§ 3 Abs. 1 a AVG) zwischen GmbH-Geschäftsführern und Vorstandsmitgliedern zu unterscheiden. Das schließt nicht aus, in Fällen, auf die § 17 Abs.3 GKG offensichtlich nicht gemünzt ist, insbesondere bei Streitigkeiten über die Bezüge eines Mehrheitsgesellschafters, den Streitwert nach wie vor nach § 9 ZPO zu bestimmen.