BGH · II ZR 181/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
die den vor ihr fahrenden Talzug an dessen Steuerbordseite habe überholen wollen, sei zu spät nach Backbord ausgewichen, Bas Rheinschiffahrtsgericht hat die Klage im vollen Umfange, das Rheinschiffahrtsobergericht hat -sie zu 2/3 dem Gründe nach für gerechtfertigt erklärt und sie im übri gen abgewiesen, Mit der Revision wollen die Beklagten die Abweisung der Klage im vollen Umfange erreichen, Bie Klage rin bittet um Zurückweisung der Revision, Rutscheidungsgrundeg Io Im angefochtenen Urteil wird unter eingehender Beweiswürdigung ausgeführt; wo der rechtsrheinische Octerspaier Grund bereits zu Ende gewesen sei, in ihrer bisherigen Richtung geradeaus weitergefähren, Dieser Kurs sei fehlerhaft gewesen, weil er mit der eigenen Y/eisung der zu Berg fahrenden "StflBH **” zur Begegnung Steuerbord an Steuerbord nicht im Einklang gestanden habe«, Der fehlerhafte Kurs sei dadurch zu erklären, daß der das Ruder führende Beklagte zu 3 - offensichtlich infolge mangelnder Kenntnis des Unfallreviers - geglaubt habe, immer noch bei der Umfahrung des Grundes zu sein, So habe er seinen Kurs in Strommitte sogar mit leichter Schräglage nach Steuerbord fortgesetzt 0 Etwa 60 bis 100 m vor , die in bedrohlicher Schräglage auf "StflBH 1U zugetrieben sei, sei "St^HB 1,1 plötzlich mit dem Kopf weiter nach Steuerbord abgegangen, obwohl von dem Bergfahrer gerade noch ein Backbord signal abgegeben worden war«, Dabei sei die Maschine auf "StBIB 1,1 gedrosselt worden, Der Beklagte zu 5 habe deshalb nach Steuerbord ausv/eichen wollen, weil er durch die Eahrweise des Talmotors irritiert worden sei; er habe befürchtet, auf "MafUl1 habe man das Signal zur Begegnung an Steuerbord nicht verstanden, und angenommen, "MsBB" wolle auf seiner Backbordseite vorbeifahren o Diesen Eindruck habe auch der Schleppzugführer des B^HBJ-Suges gehabt. Dabei hätte dazu um so mehr Anlaß bestanden, al3 dem Schiffsführer von selbst die ungewöhnliche, ziemlich Steuerbord haltende Bahrweise des Bergfahrers aufgefallen sei» Erst kurz vor dem Zusammenstoß habe Kurs nach Backbord genommen,, Zu einem wirksamen Ausweichen nach Backbord sei es nicht mehr gekommen„ Darüber hinaus habe die Führung von "Maj^H den Bergfahrer unsicher gemacht, weil "Madp” in Schräglage, mit dem Kopf auf "StdH 1" gerichtet, geraten sei, Diese Lage sei nicht durch den Hang bedingt gewesen, son- erkannt habe, sei man genötigt gewesen, kräftig abzustoppen, so daß das Schiff besonders mit seinem Achterschiff in den Hang gefallen und damit eine erheblich mehr als übliche Schräglage erhalten habe» Dadurch habe nMa^H§,f den Bergfahrer irritiert und in ihm den begründeten Eindruck erweckt, der Talfahrer wolle an seiner Backbordoeite vorbeifahreno Nicht geklärt sei, ob der Talfahrer die blaue Seitenflagge zu spät oder nicht ordnungsgemäß gesetzt habe» verbot des § 37 NrD 3 RhSchPVO verstoßene Unter Kurs i0So dieser Vorschrift ist nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (VcrsR 1959, 608, 609 f; 1962, 320, 321; 1964, 184, 186) nicht die Lage und Richtung des Schiffes in Zeitpunkt der Zeichengebung, sondern der Fahrt-v/eg su verstehen, den das Schiff nach nautischen Grundsätzen zur gefahrlosen Vorbeifahrt einzuschlagen hat* Dies verkennt die Revision, wenn sie meint, f’StHBlir se^ nicht verpflichtet gev/esen, den üblichen Weg der Bergfahrt einsuhalten, es komme ausschließlich darauf an, ob der Bergfahrer dem Talfahrer einen geeigneten Weg zu dem Begegnen freigelassen habe«. Per Bergfahrer ist bei der Umfahrung des Ooterspaier Grundes an der rechten Fahrwassergrenze, die dort wegen des Grundes in Strommittc verläuft, gefahren„ Sein "Kurs” i»S» des § 37 Hr. 3 RhSchPVO verlief entsprechend der von ihm der Talfahrt gegebenen Vfeisung an der rechten Fahrwassergrenze» Biesen- Kurs hätte er beibehalten müssen, als der Grund zu Ende war und die Fahrwassergrenze nunmehr näher am rechten Ufer verlief<> Um seinen Fahrtweg an der rechten Fahrwassergrenze fortzusetzen, hätte daher “St^H 1,r nach Backbord gehen müssen» Bas hat ihr Rudergänger, der Beklagte zu 3? nicht getan; er ist vielmehr geradeaus in Stromraitte, die nun nicht mehr mit der rechten Fahrwassergrenze zusammenfiel, weiterge-fahren» Bamit hat er seinen Kurs nach Steuerbord in Richtung des vom Talfahrer zu befahrenden Fahrtwegeo geändert» Bas war verboten» Bie etwaige Unkenntnis des Beklagten zu 3 über die Bago und Ausdehnung des Osterspaier Grundes kann ihn nicht entschuldigen» mußte auch dann entsprechend ihrer Weisung an der rechten Fahrwassergrenze verbleiben, wenn sich der Talfahrer, was nicht festgestellt ist, dort befunden haben sollte» Hur v/enn ausnahmsweise besondere Umstände i»S» des § 5 RhSchPVO vorliegen, kann ein Verhalten des Bergfahrers, das seiner eigenen Weisung widerspricht, gerechtfertigt oder wenigstens entschuldbar sein» Solche Umstände liegen aber nach dem vom Berufungsgericht festgestellten Sachverhalt nicht vor; jedenfalls sind sie von den Beklagten nicht substantiiert behauptet, geschweige denn bewiesen» Bie Meinung der Revision, das Berufungsgericht verlange, daß I’1 “reichlich spät“ erkannt habe, darin gesehen, daß erst kurz vor dem Zusammenstoß nach Backbord ausgewichen sei und durch seine bis zu diesem Ausweichen nach Steuerbord gerichtete Schräglage den Eindruck hervorgerufen habe, “Mamp11 wolle den Entgegenkommen entgegen dessen Weisung an Backbord passieren, wodurch dieser irritiert worden sei«, Auch die Ausführungen des angefochtenen Urteils, die starke Schräglage sei entgegen der Behauptung der Klägerin nicht durch den Hang bedingt gewesen, lassen einen Rechtsirrtum nicht erkennen» Die Führung von hat hierdurch gegen § 59 Nr» 1 RhSchPVO verstoßen und ihre nautische Sorgfaltspflicht (§ 4 RhSchPVO, § 276 BOB) verletzt» Beide Schiffsführer sind nicht den vom Bergfahrer gewiesenen Weg gefahrene, ’’StfllB “l" ^at nicht den Kurs an der rechten Fahrwassergrenze beibehalten und ist erst im letzten Augenblick nach Backbord ausgewichenc Auch "Maggi" hat nicht rechtzeitig Backbordkurs eingeschlagen, sondern ist erst kurz vor dem Zusammenstoß nach Backbord ausgewicheno Bas überwiegende Verschulden der Führung von sieht das Berufungsgericht darin, daß sie, nachdem sie schon zunächst unzureichend nach Backbord beigegangen sei, dann unter grobem Verstoß gegen die grundlegenden Begegnungsregeln kurz vor dem Q?alfahrer den festgolegten und noch durch Backbordsignal bekräftigten Kurs gewechselt habe« Zwar ist der Revision zuzugeben, daß angesichts der Fahrweise von "Maggg* und des sich schnell abspielenden Unfallgeschehens von einem groben Verstoß des Bergfahrers nicht gesprochen werden kann, (Trotzdem überwiegt sein Verschulden, weil erst durch seine eigene falsche Fahrweise in ihm Zweifel über die Kursabsichten von "Mag^M" aufkommen konnten.