BGH · II ZR 179/57 vom 12.02.1959
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Juni 1951 ist der Beklagte zur Zahlung von 25 000 DM nebst Zinsen und Wechselunkosten verurteilt wordene Die Wechselforderungen der Klägerin beruhen auf dem Verkauf des MS Aus dem Kaufvertrag hat der Beklagte Mindcrungs- und Schadensersatzansprüche in Höhe von zuletzt 72 615,37 DM geltend gemacht. Im Jahre 1947 war nach einer Klassenuntersuchung des Schiffes durch den Germanischen Lloyd die Klasse für 4 Jahre verlängert worden. Nach den Eintragungen des später dem Beklagten übergebenen Schiffstagebuchs soll* nachdem bis auf die Bodenwrangen alles aus dem Schiff herausgenommen worden war, die Raumentrostung auf HeflHV in der Zeit vom 13» April bis zu dem 20» Mai 1950,_.durchgefuhrt worden sein« Ber Umbau auf der Werft hat unter der Aufsicht des Germanischen Lloyd stattgefunden. Am 15» August 1950 verkaufte die Klägerin'dem Beklagten das umgebaute Schiff, Nach dem Vertrag betrug der Kaufpreis 240 225 BM, Für die bis zu dem 1, April 1951 zu leistenden Zahlungen ha*t der Beklagte die den Gegenstand der Klage bildenden Wechsel über 2$ 000 DM akzeptierte Im Kaufvertrag war u, a, bestimmt! Sohn, BlflHpfc, besichtigt worden ist Bas Schiff wird so geliefert, wie es nach dem Umbauvertrag zwischen der Firma B, W. Nr, 7, ’’Alle zur Zeit der Übergabe des Schiffes vorhandenen Mängel an der Sache und dem Recht gehen zu Ihren Lasten, Eine Gewährleistung unsererseits für Sachund Rechtsmängel ist ausgeschlossen,” Die Klägerin beruft sich auf das vereinbarte Aufrechnungsverbot und den Gewährleistungsausschluß» Sie bestreitet die Zusicherung bestimmter Eigenschaften und eine arglistige Verschweigung von Mängeln» Als sie den Umbauvertrag geschlossen habe? Io Bas Berufungsgericht ist in Übereinstimmung mit dem Bandgericht rechtsfehlerfrei zu der Überzeugung gekommen , daß das MS nIiMHPr bei Vertragsschluß und bei der Übergabe mit Fehlern behaftet gewesen, sei, die den Wert oder die Tauglichkeit für den gewöhnlichen Gebrauch und den nach dem Vertrag vorausgesetzten Gebrauch gemindert hätten (§ 459 Abs0 1 BGB)« Das Landgericht, dessen Feststellungen im angefochtenen Urteil übernommen sind, hat festgestellts Sehr wichtige Konstruktionsteile des Bodens .(Bodenwrangen und Mittelkielschwein) seien durch Verrostung stark geschwächt, zu dem Teil vollständig zerstört gewesen« die Mittelkielschwein- -Zwischenplatten hätten zu dem Teil weniger als die Hälfte der Sollstärke gehabt« An einzelnen Stellen habe die Korrosion die Eisenteile vollständig zerstört0 Das Schiff sei"bei der Übergabe an den Beklagten nicht seetüchtig gewesen^ Die Mängel hätten zu den schweren Bodenschäden vom 23«./24o November 1950 geführt« Daß dabei ein nautisch fehlerhaftes Verhalten'des Schiffsführers mitgewirkt habe, ist nicht festgestellt II* Daß Berufungsgericht ist der Auffassung des Beklagten, daß ihm durch Nr* 2 des-Kaufvertrages oder durch die Übergabe des Schiffstagebuches bestimmte Eigenschaften, insbesondere die völlige Entrostung des Schiffsbodens, zugesichert worden seien (§ 459 Abs«, 2 BGB), nicht gefolgt* Zwar ist das Berufungsgericht der Ansicht, daß der Umbau-Vertrag und die Baubesclireibung zu dem Vertragsinhalt des Kaufvertrages geworden seien» Auch könne, wie im angefochtenen Urteil ausgeführt ist, davon ausgegangen werden, daß die •Parteien bei' Vertragsschluß die Eigenschaften, die das Schiff nach den Klassenbestimmungen des Germanischen Lloyds haben mußte? grundlage in Frage stehe, wenn nämlich beide Teile einen bestimmton Gebrauch der Kaufsache voraussetzten, ohne daß diese Vertragsbestimmung zu dem Vertragsinhalt erhoben werde« Hier aber sei vereinbart worden, daß das Schiff so geliefert werden sollte, wie es nach dem Umbauvertrag und der Bauvor-schrift zu liefern sei« Dadurch sei die Lieferpflicht der Klägerin bestimmt und. 241; 161, 330, 336 f)Q Verpflichtet sich aber der Verkäufer, dafür ein-zustehen, daß die Sache bestimmte Eigenschaften besitzt, so sind diese Eigenschaften zugesichert (§ 459 Abs«, 2) mit der Folge, daß der Käufer statt der Wandlung oder Minderung Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen kann, wenn die Eigenschaften der Sache bereits zur Zeit des Kaufabschlusses fehlten (§ 463)» Voraussetzung ist also, daß die Erklärung vom Käufer als vertragsmäßige verlangt und vom Verkäufer in vertragsmäßig bindender Weise abgegeben wurde, .daß also der Verkäufer die Erklärung über die Eigenschaften mit dem Verpflichtungswillen, für das Vorhandensein der Eigenschaften einzustehen, abgibt? “Yfir schließen heute folgenden Kaufvertrag”, und mit der Bitte schließt, zu dem Zeichen des Einverständnisses mit diesem Vertrag die beiliegende Kopie zu unterschreiben,, Der Beklagte hat am gleichen Tag seine Einverständniserklärung unterschrieben« Bas von der Klägerin abgegebene Vertragsangebot war also vom Beklagten unverändert angenommen worden« Nachdem in Nr«, 2 des Vertrages zunächst bestimmt ist, daß das Schiff ”so verkauft und geliefert” wird, wie es von dem-Beklagten bei der Werft besichtigt worden ist, heißt es weiters ”Das Schiff wird so geliefert, wie es nach dem Umbauvertrag ### gemäß Bauvorschrift vom 30ol2#1949 o«# zu liefern ist o«,«,”# Nach dieser Bauvorschrift ist das Schiff für die Klasse G# L# + 100 A/4 K (E) unter Zugrundelegung der Bestimmungen der Beruf sgenossenschaft umzubauen, wobei noch ausdrücklich vorgesehen war, daß der Laderaum zu entrosten ist« Die Klassifikationsvorschriften des Germanischen Lloyd enthalten bestimmte Mindeststärken der Bodenkonstruktionsteile, Nach den Unfallverhütungsvorschriften der Seeberufsgenossenschaft muß das Schiff in seetüchtigem Zustand sein; solange die Baulichkeiten Mängel aufweisen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit der Versicherten bedeuten, sind sie der Benutzung zu entziehen# Es war daher das Schiff in seetüchtigem Zustand insbesondere mit den vorgesehenen Mindeststärken der Boden-teile, zu liefern*, Dies setzte voraus, daß das Schiff auf seine Seetüchtigkeit, insbesondere also auch die Bodenteile auf ihre Beschaffenheit und Stärke, geprüft wurden# Dem kann nicht entgegengehalten werden, daß die Klasse des Schiffes, die im Jahre 1947 auf die Bauer von 4 Jahren erneuert worden war, im Zeitpunkt des Umbaues noch nicht abgelaufen war# Berm das Schiff mußte infolge des Umbaues zu dem Motorschiff eine neues auf 4 Jahre, also bis zu dem Jahre 1954 laufende Klasse erhalteng Da nach den Klassifikationsvorschriften des Germanischen Lloyd Maschinenanlagen von Motorschiffen nur klassifiziert werden, wenn auch die Schiffe, in die sie eingebaut werden, Klasse erhalten, so mußte bei den Umbauarbei-ten geprüft werden, ob auch für das Schiff die Voraussetzungen für die Klasse gegeben waren0 Abgesehen davon ergab sich diese Prüfungspflicht auch aus dem Hinweis auf die Vorschriften* der Seeberufsgenossehschaft, die verlangen, daß das Schiff bei Antritt jeder Reise in seetüchtigem Zustand sein Äßo In richtiger Erkenntnis dieser Sachlage ist in die Bauvorschrift überdies ausdrücklich die Entrostung des Bodenraumes auf genommen worden,, Baß die Entrostung das Kielschwein und die Bodenwrangen umfassen mußte, ergab sich ohne weiteres aus der Verpflichtung,- das Schiff in seetüchtigen Zustand zu versetzen,, Bazu kommt, daß es auch nicht zweifelhaft sein kann, daß die Entrostung des Laderaums die Bodenteile umfaßte, da es sich um ein Schiff ohne Boppelboden handeltev das lediglich ein Holzgafnier auf den Bodenwrangen enthielt (Gutachten vom 20. sprechend wurde, wie unstreitig, bis zu den Bodenwrangen alles aus dem Schiff herausgenommen„ Bie Bodenteile mußten daher auf ihre Beschaffenheit geprüft werden, und es bedeutete eine grobe Verletzung der Sorgfaltspflicht, wenn, wie sich aus den festgestellten Mängeln und aus der Aussage des Schiffsbauobermeisters H|^ bei der Werft ergibt, die Eisenteile mit einem neuen Zementanstrich versehen wurden, ohne daß eine solche Prüfung ordnungsgemäß vorausgegangen war* gegebenenfalls durch neue ersetzt werden« Hierzu war die Werft nach dem Umbauvertrag verpflichtet 5 sie durfte keinesfalls das Schiff mit derartigen Mängeln zur Probefahrt stellen und dem Beklagten als in angeblich seetüchtigem Zustand befindlich übergeben« Eine ganz andere Präge ist? daß der im Umbauvertrag vorgesehene Preis nicht nur eine bloße Berechnungsgrundlage des Verkäufers für die Höhe des Kaufpreises? so war auch die Klägerin ("das Schiff wird so geliefert ««« , wie es nach dem TJmbauvertrag o.. schon der Wortlaut des Vertrages keinen Anhaltspunkt dafür, daß die Parteien das Vorhandensein dieser Eigenschaften nur vorausgesetzt und einen seetüchtigen Zustand des Schiffes lediglich in ihre gemeinsame Vorstei- lung aufgenommen hätten» Es 1st aber auch nicht ersichtlich, daß die Erklärung nach Sachlage einen von dem Wortlaut abweichenden Sinn haben konnte* Bei dem Verkauf eines Schiffes mag es zwar häufig Vorkommen, daß die Parteien die Seetüchtigkeit des Schiffes lediglich voraussetzen, ohne daß der Verkäufer hierfür einzustehen hätte, ja daß nicht einmal eine gemeinsame Vorstellung der Vertragsparteien in dieser Richtung vorhanden ist* Hier aber hat sich der Verkäufer verpflichtet, ein der höchsten Klasse des Germanischen Lloyd und den Vorschriften der Seeberufsgenossenschaft entsprechendes Schiff zu liefern* Bas Berufungsgericht hat keinen Gesichtspunkt aufgezeigt, aus dem sich ergeben könnte, daß im vorliegenden Pall trotz des eindeutigen Wortlauts und_ Sinnes der Erklärung die Seetüchtigkeit des Schiffes nicht Vertragsinhalt geworden sein sollte* Pür eine solche Zusicherung spricht auch die Vereinbarung, daß das Schiff gute Stabilitätseigenschaften, insbesondere auch für lange Ballastfahrten über See haben soll» Auch hieraus wird auf den Verpflichtungswillen der Klägerin zu schließen sein, ein Schiff zu liefern, dessen Bodenkonstruktion beim Stampfen des in Ballast fahrenden Schiffes der Beanspruchung standhalten kann; denn noch so gute Stabilitätseigenschaften sind nutzlos, wenn der Boden des Schiffes den Anforderungen der Seetüchtigkeit nicht entspricht* Ber bisher festgestellte Sachverhalt drängt zu der Auffassung, daß die Seetüchtigkeit des Schiffes sogar ein ganz wesentlicher Inhalt der Vertragsbestimmungen selbst ist» Etwas anderes würde sich auch nicht ergeben, wenn, wie die Revisionsbeantwortung meint, die Klägerin kein Risiko eingehen wollte, das sie ihrerseits durch den Vertrag mit der Werft nicht abgedeckt hat* Hätte die Klägerin sich dahin verpflich- Die Tragweite des Ausschlusses der Gewährleistung in .Kr, 7 des Kaufvertrages wird vom Berufungsgericht ebenfalls zu prüfen sein* In der Hegel wird sich ein Haftungsausschluß nicht auf zugesicherte Eigenschaften beziehen» BreiZeichnungsklauseln sind regelmäßig eng auszulegen (vgl» BGHZ 22, 90, 36; 24; 39? wenn der Vertrag von dem sich Ereizeichnenden entworfen ist» Wenn der Verkäufer sich verpflichtet, ein seetüchtiges Schiff zu liefern, so kann er nicht gleichzeitig sich von der Haftung für Mängel, die der Seetüchtigkeit entgege’nstehen, freizeichnen, weil hierdurch seine auf die Seetüchtigkeit gerichtete Verpflichtung ihrem wesentlichen Inhalt nach gegenstandslos würde« Dazu kommt, daß sich die Ausschlußklausel im Zweifel nicht auf Sachmängel bezieht, die nicht erkannt werden können (HG JW 1937? 2591)* Wenn die Eigenschaft der Seetüchtigkeit einen Kernpunkt der Verpflichtung der Klägerin bildete, hätte sie ihre dahingehende Zusicherung nur dadurch ihres rechtlichen Charakters entkleiden können, daß sie dem Beklagten gegenüber klar und eindeutig zu dem Ausdruck gebracht hätte, daß sie gerade für diese Zusicherung nicht einstehen wolle (vgl,‘HG JW 1938, 1595)» Da die Klägerin nicht einmal eine Rachbesserungspflicht übernommen hat, würde der Beklagte trotz der, wie hier unterstellt, von der Klägerin übernommenen Verpflichtung rechtlos sein, ein Ergebnis, das bei der Bedeutung der gegebenen Zusicherungen mit Treu und Glauben nicht vereinbar wäre« könnte aber wegen des Aufrechnungsverbotes von Bedeutung sein0 Das Berufungsgericht hat die Frage verneinto Trotz Bedenken hat es nicht fest stellen könnendaß eine Arglist der Klägerin oder ihrer Erfüllungsgehilfen, insbesondere des Inspektors der Klägerin, Ba^H^? eindeutig vom Beklagten bewiesen worden seio Bei der neuen Verhandlung wird das-Berufungsgericht prüfen müssen, ob der Inspektor Ba0D von den Leuten der Werft auf die verrosteten Teile hingewiesen wurde (vgl0 seine Aussage GA 245) und ob auf seinen bedingten Vorsatz daraus geschlossen werden könnte, daß er trotz des Hinweises nicht die erforderlichen Maßnahmen ergriffen hat c weil unter dem Gesichtspunkt der Minderung nicht der volle beanspruchte Betrag zugesprochen werden kann (RGZ 87; 237 ff)o Macht er den Minderungsanspruch geltend, so kenn er damit die Klage ganz oder teilweise (je nach der Höhe seines Minderungsanspruches, die noch nicht Gegenstand der Verhandlung war) zu Fall bringen; jedoch ist dann seine Widerklage unbegründete Verlangt er Schadensersatz wegen Nichterfüllung, so ist die Klage, falls nicht eine Arglist der Klägerin festgestellt wird, begründet, da dann eine Aufrechnung gegen den Kaufpreisanspruch nach Nr* 4 des Kaufvertrages wirksam ausgeschlossen ist; aber seine Widerklage ist dem Grunde nach gerechtfertigt, jedoch dem Betrage nach noch zu prüfen« Der Beklagte wird in der neuen Verhandlung Gelegenheit haben, den einen oder anderen Anspruch als Hauptanspruch geltend zu machen, solange nicht durch Einigung oder rechtskräftige Zubilligung die Rechte des Beklagten auf einen dieser Ansprüche sich beschränken (Soergel BGB 8« Aufl.