BGH · II ZR 176/56 vom 14.11.1957
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"ist der Brand, der Blitzschlag oder die Explosion, die eine Betriebsunterbrechung hervorgerufen haben, vor der 'Währungsreform eingetreten, so sind auch die Versicherungsleistungen für die erst nach der Währungsreform hieraus entstandenen Betriebsunterbrechungs-Schäden wie BtT-Ansprüche' zu behandeln und im Verhältnis 10 s 1 umzustellen. Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des 4- Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Hüsseldorf vom 4r üai 1956.wird auf ihre Kosten zurückgewiesen. ■Für die Klägerin lief bei der Beklagten und anderen Versicherern eine Betriebsunterbrechungsversicherung* In den ihr zugrunde liegenden AVB war u»a9 bestimmt* Der Versicherer haftet für den Schaden, welchen der Versicherungsnehmer im Palle gänzlicher oder teilweiser, infolge 3rand, Blitzschlag oder Explosion eintretender Unterbrechung des Betriebes, auf welchen sich nach dem Versicherungsschein die Versicherung bezieht, in dem Betriebe durch entgehenden Geschäftsgewinn oder die Ausgabe an fortlaufenden Geschäftsunitosten erleidet* (2*) Soweit der Schaden die Folge davon ist, daß bares Geld, Wertpapiere, Urkunden oder Geschäftsbücher- durch das Schadenereignis, nämlich Brand, Blitzschlag oder Explosion, zerstört oder beschädigt werden oder bei dem Schadenereignis abhanden kommen, haftet der Versicherer nicht* daß in diesem Jahr der Versicherungswert geringer war als die Versicherungssumme* Iia April 1948 erhöhte die Klägerin die Versicherungssumme auf 16 Millionen IM* Am 24» April 1948 ereignete sich in ihrem Betriebe eine Explosion? Die Klägerin will den ihr nach der 7/öhrungsreform unstreitig in Höhe von 815«100 DM entstandenen BStriebs-uuterbrechungsschaden in voller Höhe in DM erstattet habenweil dieser Schaden auf Schadenereignissen? die erst nach der Währungsreform eingetreten seien und deshalb nicht unter § 7 Abs* 1 WO fielen« Diese Bestimmung lautetg .Die Klägerin halt ferner die Berufung der Versicherer auf die Unterversicherung für arglistig, weil die Versicherer ihrem berechtigten Verlangen, ihr statt der Präwienrückgewährklausel die Prämienendabrechnungsklausol zusugestehen, nicht entsprochen hätten und es ihr vor der Währungsreform nicht möglich gewesen sei, deren Folgen schon vorher bei Bemessung der Versicherungssumme zu berücksichtigen, .Die Klägerin hat gegen die Beklagte einen Teilbetrag von 7oOQO DU eingeklagt* Die Beklagte ist der Meinung, daß die BrtSchädigung für den gesamten Unterbrechungsschaden nach § 7 Abso 1 WO im Verhältnis 10 t 1 umzuoteilen sei, weil mit der vor der V/ährungsreform erfolgten Explosion sowohl der Versicherungsfall als auch das Schadenereignis eingetreten seien* Sie hält sich auch nicht für gehindert, sich auf die unstreitig bestehende Unterversicherung zu beru- stellt es diese Bestimmung nicht auf den Zeitpunkt der Entstehung des Versicherungsanspruchs, sondern allein dar*-auf ab, ob der Versicherungsfall oder das Schadenereignis, das den Versicherungsanspruch ausgelöst hat, vor der Währungsreform eingetreten ist* Ist dies der Fall, so werden nach dieser Regelung auch solche Versicherungsansprüche, die bereits in DU entstanden sind, wie im Verhältnis 10 s:l umzusteilende RH-Ansprüche behandelt* Es kommt also auch rtir den vorliegenden Streitfall allein darauf an, ob der Versicherungsfall oder das Schadenereignis vor der Währungsreform eingetreten ist«. daß dieses Ereignis eine Betriebsunterbrechung zur Folge hat« Daß sich die Bedeutung der Begriffsbestimmung des Schadenereignisses in § 2 Abs«, II AVB nicht? und daß auch die Verwendung desselben .Begriffes in § 4 Abs6 II AVB nicht nur für den Beginn der Haftzeit bedeutsam ist* sondern daß damit der Eintritt des Versicherungsfalles selbst auf dieses Ereignis zeitlich festgelegt werden sollte, ergibt sich aus folgenden Erwägungen* Die Betriebsunterbrechung als solche erstreckt sich immer auf einen mehr oder weniger langen Zeitraum* Es kann auch Vorkommen, daß sie ausnahmsweise erst einige Zeit nach dem genannten Schadenereignis einsetzt und ihr Beginn dann regelmäßig vom Versicherten mehr oder weniger beeinflußbar ist (Hax aaO HO)» Im Interesse der Rechtssicherheit ist es aber unerläßlich, den insbesondere auch für den zeitlichen Wirkungsbereich der Versicherung entscheidenden Eintritt des Versicherungsfalles zeitpunktmäßig genau und vom Versicherten unbeeinflußbar festzulegen* Baß die genannten Bestimmungen diese Bedeutung haben, kann nicht zweifelhaft sein, wenn man zugleich den zeitlichen Wirkungsbereich der Versicherung ins Auge faßt* Hätte z* B* die Versicherung mit dem Ablauf des 24. April 1948 ihr "Ende gefunden, so hätten die Versicherer zweifeisfrei auch in diesem Fall Versicherungsschutz für die infolge der Explosion am 24* April 1948 ein-getretouen Betriebsunterbrechungsschäden gewähren müssen, und zwar auch dann, wenn die tatsächliche Betriebsunterbrechung erst nach der Beendigung der Versicherung begonnen hätte* Hätte andererseits die Versicherung erst am 25. Versicherer aussulösen, nach den genannten Bestimmungen in allen Pallen mit dem genannten Schadenereignis (Brand; Blitzschlag; Explosion) als erfolgt anzusehen ist, auch dann, wenn die tatsächliche Betriebsunterbrechung selbst erst später begonnen hat. Die gegenteilige Auffassung der Klägerin, die den Versicherungsfall erst mit der Entstehung des vom Versicherer au deckenden Schadens als eingetreten ansehen will (also bei der Betriebsunterbrechungsversicherung jeweils erst dann, wenn infolge der Betriebsunterbrechung dem Betrieb Geschäftsgewinn,entgeht und die weiterlaufenden, infolge der Unterbrechung unproduktiven Geschäftsunkosten aufgewendet werden), scheitert daran, daß die Entstehung eines Schadens auch bei der reinen Schadensversicherung gar nicht Tatbestandsmerkmal des Versicherungsfalles ist (BGHZ 16, A3; BGH VersR 52, 179)-3bensowenig ist der Einwand der Klägerin begründet, daß die Abgrenzung gegenüber der Feuerversicherung verwischt wäre, wenn, wie bei dieser, schon die genannten Schadenercignisse als Versichenmgsfall angesehen würden. Dieser Unterschied hinderte die Versicherer aber nicht, auch für die BetriebsunOerbrechungsversicherung in deren AV23 festzulegen, daß bei ihr ebenfalls der Versicherungsfall immer schon mit den genannten Schadenereignissen als eingetreten anzusehen ist,. aer Umstand löst aber bereits die Rechtsfolge des § 7 WO aus, daß alle daraus erwachsenen Versicherungsansprüche, auch soweit sie in Bll entstanden sind, wie HM-Ansprüche au behandeln und im Verhältnis 10 t 1 umzustellen sind (so im Ergebnis auch Möller, Probleme der Tfährungsreform S„125, anders allerdings in seinem im vorliegenden Rechtsstreit für die Klägerin erstatteten Rechts gut achten)* Hiernach kommt es nicht mehr darauf an, was unter dem in § 7 VVO als alternative Voraussetzung aufgeführten Begriff des ,*Schadenereigni3ses,t zu verstehen ist* 2.) Bas Berufungsgericht hat schließlich auch mit Recht keine Möglichkeit gesehen, dem Klagebegehren durch eine einengende Auslegung des § 7 WO zu entsprechen* Bie Klägerin meint allerdings unter Berufung auf die Entscheidung des I„ Zivilsenats vom 19- Dezember 1950 (VersR 1951, 47), die Entschädigung für die erst nach der Währungsreform entstandenen 3etriebsunterbrechungsschaden falle deshalb nicht unter 5 7 VVO, weil es zu dem Eintritt dieser Schäden erst weiterer Geschehnisse bedurft habe, so daß diese Schäden nicht mehr als auf dem Schadenereignis beruhend angesehen werden könnten* Ber I, Zivilsenat hat jedoch in dem von ihm entschiedenen Pall mit Recht nicht etwa die Aufträge zur Reparatur der beschädigten Schuten, die Zahlung der Separatarkosten oder die Inanspruchnahme des Haftpflichtversicherten durch den Vermieter der Schuten als derartige, den unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Schadenereignis und dem Schaden unterbrechende Geschehnisse gewertet, sondern ungeachtet dieser Umstande den dem Haftpflichtversicherten entstandenen Schaden als unmittelbar durch die Beschädigung der Schuten ausgelöst angesehen* Dementsprechend kann auch im vorliegenden Pall nicht bezweifelt v/erden, daß die von den Versicherern zu deckenden Unterbrechungsschäden unmittelbar durch die Explosion aus- 334 C340])9 eine einengende Auslegung ira Sinne des Klagebegehrens nicht zu* Pa die Klägerin für die Gefahrtragung der Versicherer in der Zeit vor der "Währungsreform ihre Prämien in RM gezahlt hat und deshalb'die Versicherer für die bis zu diesem Zeitpunkt eingetretenen Versicherungsfälle die hierfür erforderlichen Reserven auch nur in. kann nach dem Grundprinzip des § 24 UmstG und § 7 WO auch die Entschädigung für solche Versicherungsfälle in vollem Umfange nur wie ein Reichsmarkanspruch geltend gemacht werden (BGHZ 14? 339)« Hieran ändert auch der Einwand der Klägerin nichts daß sie ja nach der Währungsreform ihre Prämien weiter in DU gezahlt habe; denn diese weiteren Prämienzahlungen waren nur das Entgelt für die Gefahrtragung der Versicherer in der Seit nach der Währungsreform? daß die Entschädigung für die gesamten durch die Explosion am 24® April 1948 verursachten Unterbrechungsschäden nur aus den RM-Prämienzahlungen hätte erfolgen können® An diesem Grundsatz ändert sich hier auch dadurch nichts? Soweit die Klägerin in erster Instanz gegen die Kürzung der Versicherungsentschädigung wegen der unstreitig bestehenden Unterversicherung den Dinwand der Arglist erhoben hat, weil ihr statt der von ihr gewünschten Prämienendabrechnungsklausel nur die Prämienrückgewährklausel eingeräumt worden ist, hat schon das Landgericht mit Recht ausgeführt, daß die Prämienrückgewährklausel bereits den berechtigten Belangen der Versicherungsnehmer in hinreichendem Maße Rechnung trägt, daß lediglich die Möglichkeit eines hierbei entstehenden Zinsverlustes diese Klausel noch nicht als sittenwidrig erscheinen läßt, und daß die Versicherer für die hier nur als Folge der l,7ährungsreform eingetretene Unterversicherung nicht verantwortlich gemacht werden können« Hiergegen hat die Klägerin weder mit ihrer Berufung noch mit der Revision Einwendungen erhoben, so daß es sich erübrigt, hierauf weiter einzugehen«.