BGH · II ZR 168/67
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am 26o Juli 1962 nachts gegen 1 Uhr führte ein Schiffsjunge des der Beklagten gehörenden, am Liegeplatz von .Andernach bei Stromkilorae tor 611,8 etwa 70 ra vom linken Rheinufer entfernt vor Anker liegenden MS "Heinrich Adolf" mit diesem ein nautisch fehlerhaftes Verholraanöver aus« Dadurch wurden mehrere Schiffe beschädigt, und der abtreibende SK "Rheintreue" (920 t) verlor seinen 74-0 kg schweren Klippanker nebst der ca» 80 m langen Ankerkette0 Der Verlust des Ankers wurde von dem Schiffsführer des SK "Rhointreue" sofort der Wasserschutzpolizei gemeldet» Das von dem Ankerverlust fernmündlich verständigte Wasser- und Schiffahrt samt Koblenz-Lützel nahm am 26 * und 27o Juli 1962 die Suche auf und ließ am 10 und 2» August 1962 den Rhein von km 611,5 bis 612,4 abrahmen, ohne jedoch den Anker zu finden» An. 10o August 1962 stieß das bei der Klägerin versicherte MS "Odenwald 2" bei kn 611,7 auf einen ira Fahrwasser liegenden Anker und wurde dabei beschädigte Bei einer daraufhin durchgeführten erneuten Suchaktion wurde an 13o August 1962 bei km 612,1 in der Nähe der Steile, wo das MS "Odenwald 2" nach seiner Beschädigung am 10o August 1962 geankert hatte, der Anker des SK "Rhein-treue" geborgene Die Klägerin hat von der Beklagten und dem Schiffsführer des MS "Heinrich Adolf" aus übergegangenem und abgetretenen Recht Ersatz des durch die Berührung mit dem Anker entstandenen Schadens verlangt, den sie mit 23o933,05 DM beziffert hat,, Sie hat behauptet, bei dem Anker, auf den das MS "Odenwald 2" aufgelaufen sei, habe es sich un den von SK "Rheintreue" verlorenen Anker gehandelt« MS "Odenwald 2" on 10» August 1962 bei km 611,7 auf den infolge Verschuldens eines Besatzungsmitgliedes des MS "Heinrich Adolf" am 26» Juli 1962 bei km 611*8 verlorengegangenen Anker des SK "Rheintreuo" gestoßen und dabei beschädigt worden sei0 Die Verlagerung des Ankers von der Verluststellc bis zur Anstoßstelle (ca0 100 m stromaufwärts) hat es damit erklärt, daß eine solche Verlagerung nach Oberström erfahrungsgemäß durch Einwirkungen der Schiffahrt möglich sei« Hach der Berührung habe MS "Odenwald 2U den Anker dann bis zu dem km 612,1 ver-schleifto IIo 1o Dio Revision rügt, § 286 ZBO sei verletzt» Sie räumt -zwar, die Möglichkeit ein, daß der verlorengegan-gene Anker mit Kette von einem dritten unbekannten Schiff erfaßt und 100 n stromaufwärts mitgenommen worden sei» Sie meint aber, das könne nicht unbemerkt geschehen sein; jenes Schiff habe vielmehr schwere Beschädigungen davontragen müssen0 Da ein solcher Vorfall nicht bekannt gev/orden sei, sei es nahezu ausgeschlossen, daß MS ''Odenwald 2" auf den spater bei km 612,1 aufgefundenen Anker aufgelaufen soi; vielmehr spreche alles dafür, daß es eine andere Art von Bodenberührung gehabt habe« Außerdem sei auch der spätere Bundort des Ankers uner-klärlicho Es sei kaum vorstellbar, daß der Anker mit seiner 80 m langen Kette unbemerkt um 400 m mitgeschleift worden sei0 Auch gebe es keine Erklärung dafür, daß der geborgene Anker ca0 25 m vor dem eigenen Anker des MS "Odenwald 2" gefunden worden sei, nachdem das Schiff zunächst weiter stromabwärts, ohne Anker zu setzen, gewartet und sich dann stromaufv/ärts bewegt und bei etwa 1cm 612,15 vor Anker gegangen sei«. rieht zutreffend dargclegt hat, in erster Instanz unstreitig gev;orden0 Die Zurückweisung des späteren Bestreitens durch das Berufungsgericht als verspätet ist nicht zu beanstanden» Aber auch die Feststellung des Berufungsgerichts , .bei dem Anker, mit dem MS ‘‘Odenwald 2“ kollidiert sei;, habe 03 sich um den des SK “Rheintreue“ gehandelt, unterliegt keinen rechtlichen Bedenken» Sie ist möglich, frei von Widerspruch und enthält keinen Verstoß gegen die Denkgesetso oder gegen Erfahrungs-satzoo Der Ansicht der Revision, ein Versetzen des Ankers um zunächst 100 m stromaufwärts und dann um 400 m stromabwärts habe nicht unbemerkt erfolgen können und schwere Schäden bei dem verschleppenden Fahrzeug hervor rufen müssen, kann nicht gefolgt werden» Auif dem frequentierten liege-, lade- und Löschplatz von Andernach kann ein verholendes oder abfahrendes Schiff einen an einer 80 m langen Kette befestigten Anker auf eine Strecke von 100 n unbemerkt mitnehmen, ohne daß das Schiff beschädigt wird» Ebenso ist es möglich, daß das MS “Odenwald 2“, das durch den Anker beschädigt wurde, Kette und Anker 400 m talwärts mitgozogen hat» Auch die Fundstelle des geborgenen Ankers ist entgegen der Ansicht der Revision ohne weiteres erklärlich» Auch wenn man von der Behauptung der Revision ausgoht, MS “Odenwald 2“ sei zu seiner Ankerstelle zuletzt stromaufwärts gefahren, Icönnen aus der Fundstelle keine Bedenken gegen die Ansicht dos Berufungsgerichts hergeleitet werden» Die Revision stutzt ihre Behauptung auf den vom Aufsichtsbezirk V gefertigten lageplan (G-A 69) » In diesem ist die Anker stelle von MS “Odenwald 2“ nur mit einem Kreuz ein-gezeichnet, vor dom in 20 m Entfernung die Fundstelle ven merkt ist» Auch ein stromaufwärts fahrendes Schiff sackt, Ankers des MS "Odenwald 2” ersichtlich wurde und daß bei einer daraufhin eingeloiteten Suche in unmittelbarer Nähe dieser Stelle der Anker des SK "Rheintreue“ nebst Kette, nicht aber ein anderer Anker oder eine andere Ankerkette , gefunden wurden, so kann gegen die Feststellung des Berufungsgerichts, MS »Odenwald 2" sei auf den Anker des SK "Rheintreue" aufgelaufen, rechtlich nichts cingewendet werden«, 1o Auch die Revision geht zunächst zutreffend davon aus, daß derjenige, der schuldhaft das Abwerfen eines Ankers in nicht hinreichend tiefem Fahrwasser veranlaßt, mit Schäden an anderen Schiffen rechnen muß und für solche einzustehen hat. 3o Entgegen der Ansicht der Revision kann sich die Beklagte hier auch nicht darauf berufen, sie brauche für den Schaden deshalb nicht einsutreten, weil Meldung von dem schadenstiftenden Ereignis erstattet worden sei und die für die Sicherung der Wasserstraße zuständige Behörde die notwendigen und zu demutbaren Sicherungsmaß-nahmon getroffen oder nicht getroffen habe* Das Verhalten dieser Behörde ist ohne Einfluß auf die adäquate Kausalität.des von der Beklagten zu vertretenden schadenstiftenden Ereignisses, wenn es zu einem Schaden kommto Der ursächliche Zusammenhang wird durch das Vorhandensein eines anderen, zur Gefahrenabwehr Verpflichteten nicht beseitigt, ebensowenig wie das sich auf die Handlung und nicht auf den schädigenden Erfolg beziehende Verschulden