BGH · II ZR 165/64 vom 27.02.1967
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Klägerin hat behauptet, der Eisenträger stamme von der gesprengten Autobahnbrücke0 Daraus, daß er mit Huscheln bewachsen war, hat sie gefolgert, er müsse schon längere 2eit freigespült auf der Kanalsohle gelegen haben0 Sie hat behauptet, die Beklagte habe es schuldhaft unterlassen, wenigstens die größeren von der Sprengung herrührenden Trümmerstücke, und zwar auch die unterhalb der Tauchtiefe liegenden, zu beseitigen, obwohl die Beseitigung der Beklagten in den seit der Sprengung vergangenen 16 Jahren technisch möglich und zu demutbar gewesen sei® Infolge dieser Unterlassung sei cs zu der Havarie gekommen0 Sie beziffert ihren mit der Klage geltend gemachten Schaden auf 32«277,93 DM0 Die Beklagte hat bestritten, für die Beseitigung der Brückentrümmer nicht gesorgt zu haben, und hat vorgetrageni Es stehe nicht fest, daß der Eisenträger von der Brücke stamme oder bereits durch die Sprengung an die Unfallstelle gelangt seio Gemäß Verfügung des Oberpräsidenten von MHi sei 1945 der ganze, damals fast leere Kanal auf Schäden und Hindernisse abgesucht wurden<> Allerdings seien wegen der Hachkriegsver-hältnisse Unterlagen über die damaligen Räumungen nicht vorhandene Im Jahre 1952, nach dem Y/iederaufbau der Autobahnbrücke, habe man die Kanalsohle nochmals von einem Taucher mit negativem Ergebnis absuchen lassen« Damals sei auch das Kanalprofil unter der Brücke ausgebaggert worden0 Die Baggerarbeiten hätten sich außerdem 50 m beiderseits der Brücke auf I» Das Berufungsgericht führt aus: Die Havariestello liege innerhalb des Auswirkungsbereichs der Sprengung der alten Autobahnbrücke» Der Eisenträger, auf den der Kahn aufgelaufen sei, sei ein Teil einer Regenrinne der im Jahre 1945 gesprengten Brücke und habe schon seit der Sprengung auf dem Kanalgrund gelegen» Zwar sei im Sommer und Herbst 1945 der leere Kanal durch britische Pioniere und durch Bedienstete der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung von Trümmern geräumt worden» Damals habe sich aber etwa ln der Mitte des Kanals eine Wac-serrinne mit einer Tiefe bis zu 40 oder 50 cm befunden» Hätte sie ihre Bediensteten nach dem Umfang der Räumung von 1945 befragt, so wäre auch die Wasserrinne zur Sprache gekommen und es hätte der Anlaß zu der Präge bestanden, ob diese Rinne 1945 auf Trümmer untersucht worden sei. Die von der Wasser- und Schiffahrts-verv/altung im Jahre 1952 durch Taucher und Greifbagger vor-genommene Abschlußkontrolle habe sich nur auf das Kanaibott im nächsten Brückenbereich bis 20 m vor der Unfallstellc erstreckte Burch tastendes Absuchen Meter für Meter, wie es in jenem Bereich geschehen sei, würde der Taucher an der Havariestelle den Bisenträger entdeckt haben, denn der Träger habe nicht unter einer tiefen, unzugänglichen Schlammschicht versteckt sein können, da der Kanalgrund aus einer festen Mergelschicht bestehe, auf der sich normal ervseise kein Schlamm ablagere• Bas Absuchen mit Peilrahmen, die Echolotpeilungen und die Bearbeitung mit Eimerbagger seien unzureichend gewesen, da bei der Tiefeneinstellung dieser Geräte die Kanalsohle an der Unfallstolle nicht habe erreicht werden können«, Bio Haftung der Beklagten sei aus Organisations-Vorschulden der Wasser- und Scliiffahrtsdirektion begründet« Der Ansicht im angefochtenen Urteil, die Beklagte habe im Jahre, ,1952 ihre Sorgfaltspflicht verletzt, weil sie damals die Abschlußkontrolle der Kanalsohle nicht auf den gesamten Bereich der Sprengwirkung angeordnet habe, kann nicht zuge-otimmt werden« Die Trümmer der gesprengten Brücke sind im Jahre 1945 beseitigt worden« 1952 bestand kein Anlaß zu einer nochmaligen Kontrolle, da es sich damals nur darum gehandelt hat, die für die Freigabe des Kanalabschnitts zu dem zweischiffi-gen Verkehr erforderlichen Maßnahmen zu treffen, insbesondere das im Kanalbett für den einschiffigen Verkehr eingebaute Leitwerk nebst seinen Pfählen zu beseitigen« Dazu bedurfte es nicht der Kontrolle der Kanalsohle bis zur Unfallstolle« Mangels irgendwelcher konkreter Anhaltspunkte bestand für die Behörde im Jahre 1952 kein Anlaß, die Frage, ob die Brückentrümmer im Jahre 1945 im Bereich der ganzen Sprengwirkung ordnungsgemäß beseitigt worden seien, erneut zu prüfen« Einen solchen Anlaß bildete auch nicht die Tatsache, daß wegen der Hachkriegoverhältnissc (Besatzungszoit) schriftliche Unterlagen über die Durchführung der vom Oberpräsidenten in im Jahre 1945 angeordneten Kanaluntersuchung nicht mehr vorhanden waren« Da inzwischen 7 Jahre vergangen waren, konnte die Behörde davon ausgehen, daß die Trüraraerbeseitigung ordnungsgemäß vorgenommen worden war; sie konnte sich in diesem Zeitpunkt und in der Folgezeit darauf beschränken, das Kanalbett durch auf Solltiefe eingestellte Bagger oder entsprechende Peilungen zu überprüfen (vgl« BGH VersE 1965, 551 J.o Es ist auch eine unzulässige rückschauende Betrachtung, wenn das Berufungsgericht meint, bei eingehender Befragung ihrer Bediensteten wäre die Sprache auf die Wasserrinne gekommen und die Frage aufgetaucht, ob diese gründlich auf Trümmer untersucht worden sei« Wenn das Berufungsgericht dabei auf Zugunsten der Klägerin mag unterstellt werden, daß im Jahre IQA5 die Bediensteten der Wasser- und Schiffahrtc-verwaltung die WaRnerrlnne pflichtwidrig nicht abgesucht haben und daß die Beklagte für diese Versäumnisse haftet 0 Auch dann ist die Klage nicht begründet, da nicht feststeht, daß durch eine solche pflichtwidrige Unterlassung der Beklagten der Schaden verursacht worden isto Der entscheidende, oben unter I wörtlich wiedorgegebene Satz des angefochtenen Urteils enthalt keine PestStellung darüber, daß der Eisenträger 1945 tatsächlich fläch der Bange nach in der Wasserrinne des ausgelaufenen Kanals gelegen habeo Er besagt vielmehr, daß der Träger dann nicht sichtbar gewesen wäre, wenn er so in dieser Rinne gelegen hätteo Damit ist nur gesagt, daß die Möglichkeit einer solchen zufälligen und außergewöhnlichen läge bestand0 Bas genügt nicht für eine Haftung der Beklagten0 Pie Eage des bei gründlichem Absuchen auffindbaren Eisenträgers in der Wasoer-rinne, deren Breite nicht einmal festgestellt ist, gehört zu den haftungsbegründenden Tatsachen; denn das Berufungsgericht wirft der Beklagten lediglich vor, sie habe die Wasoerrinnc nicht gründlich absuchen lassen; dieser Vorwurf kann aber nur dann zu einer Schadensersatzpflicht der Beklagten führen, wenn sich der Eisenträger dort befunden hat» Dafür ist die Klägerin nach § 286 ZPO voll beweispflichtigo Diesen Beweis la