BGH · II ZR 165/63
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 10 Zivilsenats des Gberlandesgerichts Karlsruhe vom 290 Mai 1963 aufgehobene Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurlickverwieseno Von Rechts wegen Tatbestand: "In die Versicherung gilt eingeschlossen die gesetzliche Haftpflicht der Versicherungsnehmerin für solche Schäden, die sich ereignen an Motorschiffen während der Zeit,, in der sich diese Schiffe wegen Motorreparaturen in Obhut der Versicherungsnehmerin befinden* Kollisionsschäden bleiben jedoch vom Versicherungsschutz ausgeschlossene Pur alle übrigen Schäden an diesen Schiffen, für die die Versicherungsnehmerin auf Grund gesetzlicher Haftpflichtbestimmun-gen privatrechtlichen Inhalts verantwortlich gemacht wird, wird Deckung gewährt nur in Hohe der tatsächlichen Reparaturkosten,, wobei unter diesen Reparatur-kosten die Selbstkosten zu verstehen sind, die der Versicherungsnehmern aus Anlaß solcher Reparaturen erwachsen*” einem Schiff entstanden sei., das sich zur Reparatur in der Obhut der Klägerin befunden habeQ -denn die Parteien hätten nur den § 4 I Nr0 6 AHB ändern und für die darin genannten 11 Ausschlüße bjekte” eine näher bestimmte Deckungspflicht der Beklagten begründen wollem Das komme eindeutig in dem ersten und dritten Satz der Besonderen Bedingungen zu dem Ausdrucke Auch der dazwischen stehende Satz bezieheesieh nur auf Kollisionsschäden a n den zu reparierenden Schiffen* Das ergebe sich aus dem Zusammenhang und der Anknüpfung des folgenden«, dritten Satzes Mfür alle übrigen Schäden a n diesen Schiffen 00oMo Din Kollisionsschaden,, der? IIo Hiermit steht die Deckungspflicht der Beklagten jedoch noch nicht fest« Denn es bleibt zu prüfen5 ob Inhalt und Umfang des Versicherungsschutzes durch den Nachtrag Nr« 5 vom Io Oktober 1959 geändert worden sindo Hierzu hatte die Beklagte vorgetragen: Schon im Februar 1959 sei beim Verholen eines Schiffes9 das die Klägerin zu reparieren hatte,, die auf dem Nachbargelände befindliche Krananlage beschädigt worden« Die Beklagte habe sich seinerzeit auf Grund der Besonderen Bedingungen über Kollisionsschäden für leistungsfrei gehalten, den Schaden dann aber aus Kulanz unter der Bedingung reguliert;, daß künftig Kollisionscchäden jeder «Art vom Versicherungsschutz ausgeschlossen seien« Hiermit habe sich die Klägerin einverstanden erklärte und zwar in einer Besprechung9 die zwischen ihrem Geschäftsführer Eennig und dem Bezirksdirektor N^^ als Vertreter der Beklagten stattgefunden habec Im Anschluß daran habe die Beklagte den Nachtrag Nr0 5 übersandt9 dem die Klägerin nicht widersprochen habe* Die beigefügten Besonderen Bedingungen lauten u«ao: In dem Streit der Parteien,, ob die vorstehenden Bedingungen, wie die Beklagte behauptet,, Vertragsinhalt geworden seien, hat das Landgericht eine rechtswirksame Vereinbarung verneint, weil die Beklagte nicht der Vorschrift des § 5 AbSo 2 VVG- genügt habe« Bas Berufungsgericht hingegen ist auf diesen Streitpunkt gar nicht eingegangen* Der Revision, die diese Unterlassung rügt, ist zuzugeben, daß die Präge, ob die Parteien sich über die Geltung des Nachtrages K1% 5 geeinigt haben, nur dann dahingestellt bleiben kann, wenn der hier streitige Schadensfall ohnehin nicht der Regelung des Nachtrages Nr. 5 unterliegen würde« In dieser Hinsicht wird in Zweifel gezogen, ob der Begriff "Kollisionsschäden" auch Schäden umfaßt, die, wie hier, dadurch entstehen, daß ein Schiff ungewollt und steuerlos in Pahrt gerät und alsdann nicht mit einem anderen Schiff zusammenstößt, sondern gegen eine feste Anlage fährt« Bie Bedenken sind unbegründet« Kollision und Kollisionsschäden sind keine festen Rechtsbegriffe0 Der allgemeine Sprachgebrauch bezeichnet mit "Kollision” einen konkreten Zusammenstoß und in übertragenem Sinne einen Widerstreit von Interessen, Rechten oder Pflichten (vgl« Duden-Ktymologie 1963)° Im Versicherungswesen (See- und Transportversicherung) wird das Wort Kollision in den Zusammensetzungen "Kollisionshaftung" und "-Schäden" für die Polgen eines Schiffszusammenstoßes gebraucht (vgl« Ro Schmidt, Versicherungs-Alphabet 3» Aufl«)« Der Versiehe-rungsrechtsverkehr hält sich dabei aber nicht an die inhaltliche Beschränkung der §§ 734 ff HGB und 92 ff BSchG, die nur für den Zusammenstoß von Schiffen gelten, sondern spricht von Kollision auch beim Zusammenstoß eines Schiffes "mit anderen schwimmenden und festen Gegenständen aller Art"« Zu einer Kollision kann es allerdings nur kommen, wenn sieh das Schiff bewegt und dabei mit einem festen Gegenstand zusammenstößto Für eine Unterscheidung nach den fahrtaus-lösenden Ursachen gibt hingegen der Begriff der Kollision nichts her0 Gerade die ungewollte Fahrt, die ein Schiff macht,, weil z,Bo seine Maschinen, aus welchem Grunde auch immer, aus-fallen oder durchgehen, wird häufig 2u einer Kollision führen, Hierbei kann es keinen Unterschied machen, ob derartige Schaden erst während der Fahrt eines?. Unter die Kollisionsschäden im Sinne der 5r* 1 des Nachtrages Nr* 5 fällt daher auch ein Schaden, wie er hier entstanden ist* Hingegen reichen die tatsächlichen Feststellungen nicht aus, um zu entscheiden, ob der Versicherungsschutz im vorliegenden Fall ausgeschlossen ist* Fest steht allerdings, daß die einschlägige Sonderbedingung durch den Nachtrag Nr* 5 eine andere Fassung erhalten hat* Denn Kollisionsschaden werden jetzt unter Nr* 1 selbständig und unabhängig von den folgenden Nummern geregelt» Außerdem wird nicht mehr von Kollisionsschäden schlechthin« sondern von Kollisionsschäden jeder Art gesprochen* Als wichtiges Erkenntnismittel für den Zweck,, den die Parteien mit diesen Änderungen verfolgt haben5 bieten sich die vorausgegangenen Verhandlungen an» Erst wenn insoweit Klarheit besteht9 können alle für die Auslegung der Sonderbedingung wesentlichen Umstände berücksichtigt werden« Auch kann dann erst beurteilt worden«, ob die Parteien sich darüber geeinigt haben?die ursprünglich vereinbarten Bedingungen durch die Bedingungen des Nachtrages Nr« 5 zu ersetzen« Eine solche Änderung des Versicherungsvertrages war an keine Eorm gebunden und konnte auch mündlich vereinbart werden« Entsprach den getroffenen Vereinbarungen der später übersandte Nachtrag* so ist für eine Anwendung des § 5 Abs«.