BGH · II ZR 164/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Hach § 5 des Ergänzungsvertrages vom 6» Juli 1953 zu dem Gesellschaftsvertrag sind dem Beirat bestimmte Verwaltungs-, Überwachungs- und Geschäftsführungsaufgaben übertragen, bis er zur Überzeugung komme, eine der löchter könne das Unternehmen selbst leiten» Zu den namentlich im Ergänzungsvertrag berufenen Beiratsmitgliedern, die nicht zugleich Gesellschafter sind, gehört der Beklagte» Dieser ist außerdem seit dem lode Herbert Otto zflH der vertraglich vorgesehene Vorsitzende des Beirats; als solcher hat er diesen ’’nach außen und innen” zu vertreten» Sie wirft ihm vor, sie benachteiligt, seine Befugnisse überschz'itten, ihren Vater falsch beraten und die Gesellschaft geschädigt zu haben» Zunächst hat sie eine einstweilige Verfügung erwirkt, mit der dem Beklagten untersagt worden ist, bis zur rechtskräftigen Entscheidung in der Hauptsache als Vorsitzender und Mitglied des Beirats für diesen Hechte in Anspruch zu nehmen, welche über die Aufgaben eines Aufsichtsrats gemäß §§ 95 - 99 AktG hinausgehen» In einer Gesellschafterversammlung vom 15» Juli 1964 hat sie sodann eine Abstimmung Uber ihren Antrag herbeige-führt, den Beklagten als Mitglied des Beirats abzuberufen» Für diesen Antrag stimmten sie und der Kommenditist Im vorliegenden Rechtsstreit hat die Klägerin unter anderem beantragt, dem Beklagten zu verbieten, sich als Vorsitzender und Mitglied des Beirats zu betätigen» Insoweit haben das Land- und das Oberlandesgericht die Klage abgewiesen» Mit der Revision, die der Beklagte;iund die Nebenintervonientin zuruckzuweisen beantragen, verfolgt die Klägerin diesen Antrag weiter« Bas Berufungsgericht hat die Klage im Ergebnis zu Recht abgewiesen, weil die Klägerin für sich allein nicht die Sachbefugnis hat, den Beklagten aus dem Beirat der Gesellschaft auszuschließen oder ihm im Prozeßwege zu untersagen, die Mitglieds- und Vorsitzendentätigkeit im Beirat auszuüben« Bie Ausführungen, mit denen die Revision eine gegenteilige Ansicht zu vertreten versucht, geben zu einer abweichenden Beurteilung keinen Anlaß« Rer Beirat der Kommanditgesellschaft ist nicht Vertreter einer Gesellschaftergruppe, sondern Träger von Punktionen, die sich aus dem gemeinsamen Recht aller Gesellschafter herleiten, Dementsprechend stehen seine der Gesellschaft nicht angehörenden Mitglieder in einem Rechtsverhältnis zur Gesellschaft, Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß die Klägerin - sei .es als Kommanditistin, sei es in ihrer Eigenschaft als Beiratsmitglied - weder ein eigenes, allein in ihrer Person begründetes Gestaltungsrecht noch Ansprüche hat, die auf eine rechtliche Beendigung der Zugehörigkeit des Beklagten zu dem Beirat oder auch nur auf eine tatsächliche Beendigung seiner Amtsausübung abzielen. Aus eigenem Recht ist die Klägerin daher auch zu keiner Prozeßführung befugt, die die tatsächliche oder rechtliche Beendigung der Amtstätigkeit eines Beiratsmitglieds zu dem Gegenstand hat. Aus der Ermächtigung, die der Geschäftsführer der GmbH (als der persönlich haftenden Gesellschafterin der Kommanditgesellschaft) zur Führung dieses Prozesses erteilt hat, läßt sich die Sachbefugnis der Klägerin ebenfalls nicht herleiten» Allerdings kann die Frage, ob diese Ermächtigung die Prozeßführung deckt, nicht mit der Begründung des Berufungsgerichts verneint werden, daß die besonderen Voraussetzungen nicht vorlägen, unter denen nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats ein nicht geschäftsund vertretungsberechtigter Gesellschafter gemäß § 432 BGB Ansprüche der Gesellschaft geltend zu machen befugt sei (vgl» BGHZ 12, 308, 313; 17, 340, 347} 39, 14, 17 ff). Denn die geschäftsführende Gesellschafterin - die GmbH - hat die Klägerin ermächtigt« Es kommt daher darauf an, ob die Ermächtigung rechtswirksam war« Das hängt davon ab, ob die GmbH auf Grund ihrer gesetzlichen Vertretungsmacht (§§ 125, 126 HGB) befugt gewesen wäre, selbst einen solchen Prozeß zu führen« Das muß verneint werden» Die Einrichtung des Beirats, die Bestimmung seiner Funktionen und seine für die Gesellschafter bedeutungsvolle personelle Zusammensetzung sind Bestandteile der besonderen gesell-schaftsvertraglichen Ausgestaltung dieser Gesellschaft» Der Ausschluß eines Mitglieds aus dem Beirat oder auch nur das Verbot, die Amtsgeschäfte tatsächlich auszuüben, berühren daher die Grundlage der Gesellschaft» Darüber zu disponieren ist nicht Sache der Gesellschaft, sondern Dem vertretungsberechtigten Gesellschafter kann nicht gestattet sein, der notwendigen Klärung dieser Frage unter den Gesellschaftern dadurch vorzugreifen, daß er sie im Hamen der Gesellschaft zu dem Gegenstand eines Rechtsstreits mit dem nicht der Gesellschaft angehörenden Beiratsmitglied macht und auf diese Weise eine gerichtliche Entscheidung mit Rechtskraft für oder gegen die Gesellschaft herbeiführt, die auf die Abänderung des Gesellschaftsvertrages hinauslaufen kann, ohne daß hieran die anderen Gesellschafter mitgewirkt haben. Auf die Präge der Wirksamkeit des Beschlusses vom 15« Juli 1964 und die Gründe, die die Klägerin für die Entfernung des Beklagten aus dem Amt oder zu demindest für die Einstellung seiner Amtsausübung geltend gemacht hat, kommt es nach alledem für die Entscheidung dieses Rechtsstreits nicht an.