BGH · II ZR 161/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der II„ Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 5» Juni 196? Die Revision gegen das Urteil des 5* Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin vom 13o Juli 1965 wird auf Kosten des Klägers zurückgev/iesen* laßt» Nach deren Tode habe die Gesellschaft nur noch aus Faul SBHB und Smma KqJB§bestanden; denn nach § 8 der am 7° März I960 beschlossenen Neufassung des Gesellschaftsvertrages habe die Gesellschaft beim Tode eines Gesellschafters allein unter den Überlebenden fortgesetzt werden sollen» Nach derselben Bestimmung hätten die Gesellschafter eine Abfindung der Erben des Verstorbenen ausdrücklich ausgeschlossen» Nachdem auch Faul verstorben sei, habe das Gesellschaftsvermögen mit den Kaufpreisansprüchen Emma KöflBgehört» Als deren Erbe stünden ihm, dem Kläger, nunmehr alle Rechte aus dem Kaufvertrag und damit auch der Anspruch auf die von dem Kaufmann WjflHi hinterlegten Beträge zu» 1o Die Entscheidung des Berufungsgerichts wird allein schon von der Feststellung getragen, die Gesellschafter und hätten sich nach Verkauf des Unternehmens über den Kaufpreisanspruch der Gesellschaft auseinandergesetzt und übereingestiramt, jeder von ihnen solle von allen künftig eingehenden Kaufpreisraten unmittelbar 1»500 DM ,rzu Eigentum erhalten" .« War das der Fall, dann hatten sie bereits zu Lebzeiten von Frau die Kanfproisansprüche aus dem Gesellschaftsvermögen ausgesondert und zu gleichen teilen auf ihr gesellschaftsfreies Privat vermögen übertragene Als Frau ftflHHI starb, war en die ihx* zugefallenen Teilansprüche Gegenstand ihres Nachlasses,, Die Beträge, die der Käufer WflB zur Erfüllung dieser Ansprüche bei Rechtsanwalt Dr« hinterlegt hat, gebühren infolgedessen den Beklagten als den Erben von Frau Eer Kläger beansprucht die hinterlegte Summe zu Unrechte Die Einigung, die Restkaufansprüche auf die einzelnen Gesellschafter zu übertragen, hat das Berufungsgericht aus den tatsächlichen Verhältnissen hergeleiteto Die Gesellschaft habe nach Verkauf des Unternehmens kein eigenes Konto mehr unterhalten« Die Gesellschafter hätten aus Altersgründen an eine anderweite Fortsetzung der Gesellschaft nicht gedacht« WflU habe die monatlichen Raten von Anfang an in getrennten Teilbeträgen von 1500 DM an die einzelnen Gesellschafter ausgezahlt« Alle drei Gesellschafter hätten sich mit dieser Handhabung einverstanden gezeigt« Die Schlußfolgerung, damit sei eine endgültige Auseinandersetzung dcT Gesellschafter über die Kaufpreisansprüche der Gesellschaft anzunehmen, ist eine tatrichterliche Beurteilung dos Sachverhalts, gegen die sich aus Rechtsgründen nichts einwenden läßt« Zu Unrecht meint die Revision, das Berufungsgericht habe bei seiner Würdigung übersehen, daß die Kapitalkonten der Gesellschafter verschieden hoch gewesen seien und daß es daher der Lebenserfahrung widerspreche anzunehmen, diese könnten sich auf eine bloße Lrittelung der Kaufpreisansprüche geeinigt und sich damit endgültig auseinandergesetzt haben« Es ist zwar richtig, daß die Gesellschafter für die Auseinandersetzung im Gesellschaftsvertrag nichts vereinbart haben und daß es der gesetzlichen Regelung entsprochen hätte, die Kaufpreisraten nach dem Verhältnis der Kapitalkonten aufzuteilen 0 Es widerspricht aber der Lebenserfahrung nicht, daß sich Gesellschafter im Einzelfall anders auseinanaersetzen« Gerade im vorliegenden Rail lag das nahe« Die Unterschiede zwischen den Konten waren verhältnismäßig gering« Rach dem Stande vom 31 o Dezember 1962 lauteten die Kapitalkonten von Raul SflHH auf 67o409,30 LH, von Frau Matthes auf 60« 184,54 LM und von Frau auf 53o356,42 LM« Hinzu kam, daß FaulSflm der das höchste, und Emma KoflB, die das niedrigste Kapitalkonto besaß, zusammen lebten und wirtschafteten« Im Ergebnis lief daher die Lrittelung der Kaufpreisraten darauf hinaus, daß Paul SflBBHI und Emma Köfl| zusammen und Gertrud sicil Jflit nur geringen Abweichungen gerade etwa das erhielten, was ihnen bei einer genauen Berechnung nach dem Verhältnis der Kapitalkonten ebenfalls zugutegekommen wäre« Unter diesen besonderen Umständen bestand für das Berufungsgericht kein Anlaß, auf den Unterschied der Kontenbeträge näher einzugehen' und daraus Bedenken gegen die Annahme herzuleiten, die Gesellschafter hätten sich über die Kaufpreisansprüche endgültig auseinandergesetzt« Insoweit ist dem Berufungsgericht auch sonst kein Verfahrensfehler unterlaufene Die Behauptung des Klägers, Brau habe einseitig von sich aus veranlaßt, die Raten in drei Teilen auszuzahlen, hat das Berufungsgericht entgegen der Ansicht der Revision nicht unberücksichtigt gelassen» Es ist vielmehr davon ausgegangen (BÜ So 13) und hat aus dem späteren Verhalten der beiden anderen Gesellschafter geschlossen, sie seien einverstanden gewesen; denn sie hätten dieser Handhabung weder widersprochen noch von Frau jemals verlangt, die ihr ausgezahlten Beträge der Gesellschaftskasse zu erstatten« Etwas anderes hätte möglicherweise gelten können, hätten Paul und Frau Köfl) die ihnen selbst Überwiese- "da der der Gesellschaft zustehende Kaufpreisanspruch noch weitere sieben Jahre einzuziehen" sei« Als dieser Vertrag geschlossen wurde, war aber Frau schon etwa ein halbes Jahr tot; beteiligt an ihm waren nur noch Faul und &nmä KÖ®po Für die Beurteilung der Frage, ob sich die Gesellschafter hinsichtlich des Kaufpreisanspruchs auseinandergesetzt haben, kommt es nicht auf später geäußerte Ansichten von Faul S^BHHIunä- Emma KÖflB’ sondern allein darauf an, ob ihr tatsächliches Verhalten zu Lebzeiten von Frau den Schluß zuläßt, daß sie 2, Da sich die Gesellschafter somit nach den rechtlich unangreifbaren Feststellungen des Berufungsgerichts bereits zu Lebzeiten von Frau M0HHI über die Kaufpreisansprüche auseinandergesetzt haben, kommt es nicht darauf an, wie der neugefaßte § 8 des Gesellschaftsvertrages auszulegen ist, ob und in welcher Form die Gesellschaft nach dem l'ode von Frau MflflHI Fortbeständen hat und ob ihr die Beklagten an Stelle von Frau 41B als Gesellschafter angehören0 Auf die hierzu vertretene Ansicht des Berufungsgerichts und die dagegen erhobenen Bedenken der Revision braucht nicht eingegangen zu werden«