BGH · II ZR 155/51
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Berliner Druck, einem für eine Tageszeitung recht kleinen Format, gedruckt werden« Als* sich dem Beklagten die Möglichkeit bot, seine Zeitung bei einer anderen Druckerei gleichfalls im Rheinischen Format drucken zu lassen, schrieb er der Klügerin unter dem 10« März 1990, daß sie das Wiesbadener Tagblatt für ihn letztmals in der Kacht vom 19« sum 14» März 1990'drucken solle« Für die Zeit danach lieferte der Beklagte keine Matern mehr« lo Das Berufungsgericht hält die Ansichb des Beklagten, nit der Erteilung des Druckerfträges sm 19® September 1949 habe er nur ein ihn als Gesellschafter der Klägerin zustehendes Sonderrecht cusgeübt und hiervon habe er jederzeit abstehen können, für unberechtigt« Es begründet dies damit, daß zwar der Gesellschaftsvertrag für Prof« Dr« SflBHlHI, der selbst und nicht dJeB»SflBHHIBleche Buchdruckerei und Verlagsanstalt als Gesellschafter der Klägerin behandelt und genannt Korden sei, Sonderrechte vorsehe, daß aber die Verpflichtung der Klägerin, den Druck der sehen Zeitung zu übernehmen, nicht in den eigentlichen Geöellschaftsvertreg, sondern in einen Anhang dazu aufgenommen Korden sei« Diese Erwägung liegt auf tatsächlichem Gebiet und ist rechtlich nicht zu beanstanden« II« Das Berufungsgericht meint weiter, der Druckauftrag vom 19« September 1949 nutze die im Anhang zu dem Gesellschaftsvertrag übernommene Druckverpflichtung der Klägerin aus und habe zu einem Werkvertrag geführt* Dieser Vertrag habe jedoch die Besonderheit, daß er nicht auf diß Herstellung eines einzelnen Werkes, sondern auf eine Folge von Einzelnerken, nämlich den Druck der jeweiligen Ausgabe desTagblatts, gerichtet gewesen sei« Diese Besonderheit erfordere die Prüfung, ob und inwieweit die auf die Herstellung eines Einzelwerkes zugeschnittenen Bestimmungen der §§ 631 ff BGB anwendbar seien« Nach Erteilung des Druckauftrages sei es zwar zu. lücke sei durch Auslegung, auszufüllen« Die Verpflichtungs--erklärung der Klägerin im Anhang zu ihrem Gesellschaf ts-vertrag, den Druck der sehen Zeitung "gegen Zahlung der üblichen Lohndruckkosten11 • auszuführen, könne entgegen der Ansicht der Klägerin nichb dahin verstanden werden, daß der Vertrag "zu den üblichen Lohndruckbedingungen11 abgeschlossen sei« Der Vertrag zwischen der Klägerin und der TJUHHüM Verlag GmbH (im Tatbestand unter Nr 3 genannt) sehe im Unterschied zu dem Anhang des Gesellschaftsvertrages der Klägerin Lohndruckverträge nach dem Lohndruckvertragsmuster vor« Aus dieser Verschiedenheit sei m&ntels entgegenstehenden Anhaltspunkts darauf zu schließen, daß die Beteiligten eine unterschiedliche Regelung beabsichtigt hätten« Außerdem sei Prof« Dr« SflBB flm^pan dem Vertrag (Kr 3), der von den Lohndruckbedingungen spreche, unbeteiligt« Kegen der Besonderheiten des Palles könne auch nicht angenommen werden, daß sich die Parteien der dreimonatigen Kündigungsfrist des grünen Buchdruckertarifs als den handelsüblichen Bedingungen des Druckereigewerbes unterworfen hätten« Infolge der Verhältnisse sei Prof« Dr« SflIHHHiM111 seiner intschließungs-freiheit stark eingeengt gewesen« Obwohl Eigentümer der Druckereieinrichtung, habe* er sich ihrer nicht frei bedienen können, sondern daran der KflHMHB Verlag GmbH den Vortritt lassen müssen« Pür den Druck seiner eigenen Tageszeitung habe er sich mit einer Rotationsmaschine begnügen müssen, die nur ein kleineres, unscheinbares und darum nachteiliges Zeitungsformat suließ, während der auf einer anderen Rotationsma'schine des Beklagten mit Vorrecht gedruckte KflHHHfHI Kurier und eine weitere LflHHHHI Zeitung im gängigeren Rheinischen Format erschienen seien« Kenn auch die finanziellen Nachteile des Prof« Dr« 60| |aus den ihm öffentlich-rcchtlicln!auferlegten Ver- fügungsbeschränkungen dadurch erleichtert worden seien, daß ihm auf Grund der Vertrüge nun ein Pachtzins für die Brückereieinrichtung sufloß und daß er am Kapital der Klägerin mit 33# und an ihrem Gewinn mit 42jG beteiligt wurde, und wenn euch die Einräumung des Bruckrechts für die von ijam beabsichtigte Zeitung ein Entgegenkommen der Klägerin dargestellt habe, so bleibe doch als Tatsache bestehen, daß sich der Beklagte in einer lege befunden habe, die ihm nicht die Freiheit der Entschließung gelassen habe« Bie Bedingungen des Bruckereigewerbes seien aber auf Personen zugeschnittenr die sich annährend gleich gegenüberträten« Ba es hieran fehle, könne die KÜndl- " gungsklausel des grünen Buchdruckertarifs nicht zur Ergänzung des Vertrages herangezogen werden« Bie Vertragslücke könne nur durch den Richter geschlossen werden« Es sei eine Regelung zu suchen gewesen, die auf der Grundlage und in den Grenzen des erklärten Parteiwillens unter Berücksichtigung der berechtigten Interessen beider Parteien nach Treu und Glauben angemessen erscheine« In den Vereinbarungen komme zu dem Ausdruck, daß die anderen Beteiligten einschließlich der Klägerin dem Beklagten in seiner schwierigen Lage so weit helfen wollten, als es ihre eigenen Interessen zuließen« Ber Wille, zu helfen, würde in sein Gegenteil verkehrt werden, wenn der Beklag- . Die Parteien jaind sich darüber einig« daß der geschlossene Druckvertrag keine ausdrückliche Regelung seiner Lösbarkeib enthält« Rechtlich ist nicht zu beanstanden, daß das Berufungsgericht aus dem unterschiedlichen \7ortlaut derjenigen Vertrages teilen, die von den'Lohn-druckkosten und den Lohneruckvertrügen nach dem Lohndruckvertragsmuster handeln, einen Anhaltspunkt für die Bedingungen des umstrittenen Vertrages entnimmt, den Inahlb dieses Vertrages nach den besonderen Verhältnissen des Palles beurteilt und nicht als durch den grünen Buchdruk- ■ kert8rif bestimmt ansieht« Der Revision kann nicht zugegeben werden, das Berufungsgericht bleibe in unzulässiger reise am Wortlaut haften, wenn es die verschiedene TTortfassung berücksichtigt und 'daraus ableitet« im Verhältnis zu dem Beklagten seien nur die üblichen Lohndruckkosten und nicht auch die Bedingungen des grünen Buchdruckertarifs vorgesehen worden« Es. konnte dahingestellt bleiben, ob der Inhalt des grünen Buchdruckertarifs als Handelsbrauch anzusehen ist oder nicht« Die Revision hat grundsätzlich darin Recht, daß Erklärungen, die Kaufleute im Geschäftsverkehr abgeben, so verstanden werden müssen, wie sie handelsüblich aufzufassen sind, und daß Verträge unter Eaufleuten in der Regel nach Kaßgabe der im Handelsverkehr geltenden Gewohnheiten und Gebräuche aussulegen sind« Diese durch insbesondere von dem Revisionsvortrag, der Beklagte habe den grünen Buchdruckertarif genau gekannt, er habe sich nicht in einer Zwangslage befunden, er sei Sowohl eis Verpächter wie als Gesellschafter der Klägerin daran interessiert, daß ihr Druckereibetrieb Gewinn bringe, er habe, wenn ihm das kleinere Format für seine Zeitung nicht genügte, der Klägerin* keinen Druckcuftrcg zu' erteilen .brkubhen oder sich jedenfalls auf eine dreimonatige Kündigungsfrist einrichten müssen« Alle diese tatsächlichen Erwägungen sind der Revision verschlossen« Es konnte sich daher nur darum handeln, ob der vom Berufungsgericht festgestellte Sachverhalt es rechtfertigt, die Bedingungen des grünen Buchdruckertarifs und eines etwaigen darin zu dem Ausdruck gekommenen Handelsbrauchs außer Anwendung zu lassen« Diese Frage war zu.bejahen« Frof« Dr« SflH su helfen« In der Gestaltung der eingangs des Tatbestandes genannten drei Verträge drückt sich beiderseita ein Entgegenkommen aus, das eine Besserstellung des Druckauftrages des Beklagten gegenüber anderen Druckaufträgen vollauf begründet« Bot sich Frof« Dr« SHl^iziacli Erteilung des Druckauftrages augenblicklich die Möglichkeit, seine Zeitung anderweit günstiger drucken zu lassen, so kann es nach Lage des Falles nicht der Absicht der Parteien entsprochen haben, daß er der Klägerin gegenüber für 3 Monate verpflichtet blieb und vor der Alternative stand, entweder die günstigere Druckmöglichkeit ungenutzt zu lassen oder sie zu ergreifen und dann der Klägerin rund 27«000,—DH neben seinen Kosten bei der anderen Druckerei zu zahlen« Unter allen diesen Umstünden war für eine Her* anziehung der Bedingungen des grünen Buchdruckertarifs auch dann kein Baum, wenn sie als Hiederschlag eines Handelsbrauchs anzusehen sind«