BGH · II ZR 152/64 vom 13.02.1967
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11 o Januar 1961, gezahlt hat 0 Bie Zahlung der am 11 e Juli 1961 fällig gewesenen Prämie ist umstritten, muß aber für eine etwaige Leistungsfreiheit der Beklagten außer Betracht bleiben, weil es insoweit an einer qualifizierten Mahnung (§ 39 VVGi fehlt p Bie am 11P April 1961 fällig gewesene Prämie sieht das Berufungsgericht als nicht gezahlt an, weil die Beklagte die Schecks, die ihr die Klägerin am 200 September 1960 und am 17o Juni 1961 übersandt hat, auf Prämienrttckstände aus dem anderen Versicherungsvertrag Nr* für den zweiten Kraft j wagen der Klägerin habe verrechnen können0 Wäre das richtig, so hinge die auf § 39 Abs0 2 WO gestützte Leistungsfreiheit der Beklagten davon ab, ob die Aprils-Prämie nach Maßgabe des § 39 WO angemahnt worden ist, und ob die Klägerin mit der Zahlung dieser Prämie bei Eintritt des Versicherungsfalls im Verzüge gewesen ist * Die Klägerin hat, ein Mahnschreiben der Beklagten vom So Juli 1961 erhalten3 in dem es; u.a. heißt: Wenn der Versicherungsfall nach Ablauf dieser Prist eintritt und Sic mit der Zahlung der oben genannten Beträge ganz oder teilweise im Rückstand sind, ist die Gesellschaft von der Verpflichtung zur Leistung Dieses Schreiben genüge, wie das Berufungsgericht dazu ausführt , den Anforderungen, die § 39 VV& an eine qualifizierte Mahnung stelle. Eine PristbeStimmung, die ohne Beachtung dieser Vorschriften erfolgt, ist unwirksam (Abs» 1 Satz 3)o Die richtige Angabe des Prämienbetrages wird, da sie keine Rechtsfolge ist, in § 39 Abs» 2 und 3 WG nicht genannt; ein Pehler insoweit kann deshalb auf Grund des Abs» 1 Satz 3 nicht zur Unwirksamkeit der PristbeStimmung führen» Jeder weitergehende Schluß, insbesondere der Umkehrschluß, daß eine unrichtige Angabe des Prämienbetrages nur nach den allgemeinen Vorschriften zu beurteilen sei, die für die Mahnung des bürgerlichen Rechts gelten (so Prölss seit der 5« Aufl« seines Kommentars zu dem WO, vgl«, 15o Auf 10 § 39 Anm« 6; Weber, VW 1948, 248o - Dagegen Ehrenzweig, Deutsches (österreichisches) Versicherungs-Vertragsrecht, 1952, 142 zu Anmo 22; derselbe, Die Rechtslehre des Versicherungsverträge s und die klassische Dogik, 1954, 53/54), unterstellt, daß die Unwirksamkeit der Pristbestimmung in § 39 Abs« 1 Satz 3 WO erschöpfend geregelt ist, und daß es daneben keine weiteren Unwirksamkeitsgründe gibt0 Dem widerspricht schon § 39 W(r, nach dessen Abs« 4 bei Zins- oder Köstenrückständen die in Abs« 2 und 3 bezeichneten Rechtsfolgen nur eihtreten, wenn die Pristbestimmung die Höhe der Zinsen oder den Betrag der Kosten angibt« Die Bestimmung will den Versicherungsnehmer schützen, weil dieser oft nicht in der läge sein wird, die geschuldeten Zinsen richtig zu berechnen und die dem Versicherer entstandenen Kosten genau festzustellen (vgl« Amtl0 Begr« zu § 39, Neudruck der Motive zu dem WG, 1963, SQ 111) 0 Der darin zu dem Ausdruck kommende Rechtsgedanke erklärt, warum die Angabe des Prämienbetrages erforderlich sein soll, wenn Umlagen oder Nachschüsse angemahnt werden, d«h<> Deistungen, deren Umfang der Versicherungs nehmer meistens noch nicht kennt und erst durch das Mahnschreiben erfährt (so Prölss aaO; ähnlich liegt auch der vom OIG Hamburg in JRPV 1926, 261 entschiedene Pall)0 Ob die Regelung des § 39 Abs« 4 VVG darüber hinaus allgemein das argumentum a minore trägt, daß„nicht nur Nebenforderungen zu beziffern seien, sondern erst.recht auch die Prämie selbst und daß der Gesetzgeber das als selbstverständlich betrachtet habe, weil es der Verkehrsübung entspreche und sich dem Versicherer geradezu aufdränge (so Bhrenzweig aaO 54), braucht nicht entschieden zu werden« Es genügt, daß der Schutzgedanke Pie Regelung des § 39 WG dient den Interessen des Versicherers, der zur Erfüllung seiner Verpflichtungen auf den pünktlichen Eingang der Prämien angewiesen ist* Pa die gerichtliche Verfolgung von Prämienrückständen bei der großen Zahl der Versicherungsnehmer und dem oft geringen Betrage der einzelnen Prämie mit Schwierigkeiten und unverhältnismäßigen Kosten verbunden und mit den Anforderungen des Großbetriebes eines Versicherungsunternehmens nicht vereinbar ist, gibt das Gesetz dem Versicherer in § 39 WG ein Verfahren an die Hand, mit dem er sich bei Prämienrückständen in zeit- und kostensparender Weise vorübergehend oder dauernd von der Übernommenen Gefahrtragung befreien kann* Aus diesem Verfahren dürfen jedoch dem Versicherungsnehmer keine unbilligen Nachteile erwachsen, zu demal bei laufenden Prämien der Zeitpunkt für die jeweilige Zahlung leicht übersehen wird (Amtl* Begr* aaO 108, 110; ebenso Roelli zu dem § 39 WG entsprechenden Art* 20 des Schweizerischen Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag, Kommentar I, 1914, Art* 20 Azim* 1) * Pas unter diesen Gesichtspunkten eingeführte, förmliche Mahnverfahren stellt eine in sich geschlossene versicherungsrechtliche Sonderregelung dar, der eine Betrachtung nicht gerecht wird, die darin nur eine Mahnung des bürgerlichen Rechts mit einer zusätzlichen gesetzlichen PristbeStimmung sieht* Hach § 284 Abs* 2 Satz 1 BGB bedürfte es bei laufenden Versicherungsprämien gar keiner Mahnung, weil die Leistungszeit nach: dem Kalender bestimmt ist* Purch die Mahnung des bürgerlichen Rechts kommt der Schuldner in Verzug (§ 284 Abs» 1 Satz 1 BGB) „ Die sich daraus ergebenden Rechtsfolgen (§§ 286, 288, 320 ff BGB) Sind nicht annähernd mit den weit größeren Rechtsnachtöilen zu vergleichen, die den Versicherungsnehmer treffen, wenn er gemäß § 39 VVGr die 'angemahnte Prämie nach Pristablauf bei Eintritt des Versicherungsfalls noch nicht gezahlt hat«. einer zu dem Nachteil des Versicherungsnehmers nicht abänderbaren Vorschrift (§ 42 WG), würde in sein Gegenteil verkehrt wer-den, wenn der Versicherungsnehmer durch einen zu hoch angegebenen Pr ämienrückstand irregeführt werden könnte, ohne daß die Wirksamkeit der Mahnung dadurch berührt würdeo Dem kann nicht entgegengehalten werden, der Versicherungsnehmer könne anhand seiner Unterlagen oder durch Rückfrage beim Versicherer die Angabe des geschuldeten Prämienbetrages überprüfen und eine Unrichtigkeit selbst feststellen« Diese Ansicht ist schon im Ausgangspunkt verfehlt„ § 39 WG gibt dem Versicherer gegenüber dem Versicherungsnehmer, der mit der Zahlung der Prämie in Verzug kommt, mehr Rechte, als er nach den allgemeinen Rechtsregeln hätte, verpflichtet ihn dafür aber, auf die infolgedessen besonders schutzbedürftigen Interessen des Versicherungsnehmers gebührende Rücksicht zu nehmen o Muß der Versicherer den Versicherungsnehmer über die wirkliche Sachund Rechtslage z u t r e f f e n d unterrichten, so darf der Versicherungsnehmer auf die Richtigkeit dieser Angabe vertraueno 33s steht ihm frei, die Richtigkeit von sich aus zu überprüfen; er braucht das aber nicht zu tun, zu demal zu einer Überprüfung oft kein Anlaß bestehen wirdc Der Versicherungsnehmer ist dazu häufig auch gar nicht in der Lage, weil er aus seinen eigenen Unterlagen nicht ersehen kann, ob der Versicherer die Zahlung erhalten und wie er sie,^insbesondere bei me3fm:ereh Vefsicheru hältnissen, verrechnet hat« IIIo Unrichtigen Angaben in der qualifizierten Mahnung müssen mißverständliche Angaben gleichstehen, wenn sie beim Versicherungsnehmer ebenfalls irrige Vorstellungen über sein Recht, die Säumnisfolgen durch Zahlung des Rückstandes abzuwenden, hervorrufen können«, Auch aus diesem Grunde ist das Mahnschreiben der Beklagten vom 6«, Juli 1961 als unwirksam anzusehen 0 Dehn die Beklagte hatte unter Verwendung eines unverändert gelassenen Mahnformulars, dessen Text sich auf Rückstände aus einem VersicherungsVerhältnis bezog, die Prämienrückstände aus z w: e i verschiedenen Versicherungsverhältnissen zusammen angemahnt und derart miteinander gekoppelt, daß der Eindruck entstehen mußte, der Versicherungsschutz für das eine oder das andere Versicherungsverhältnis hange von der Zahlung des gesamten, für beide Versicherungsverhältnisse errechneten Prämienrückstandes ab«, Rach dem Inhalt des Mahnschreibens mußte die Klägerin annehmen, daß sie sich den Versicherungsschutz für ihre Kraftdroschke nur erhalten könne, wenn sie außer den beiden dafür angemahnten Prämien (536 DM) noch .drei weitere Prämien, die aus dem anderen Versicherungsverhältnis rückständig waren (804 DM), also mehr als doppelt soviel zahle«, IV o Die qualifizierte Mahnung der Beklagten vom 6«, Juli 1961 ist danach aus doppeltem Grunde unwirksam« Es fehlt infolgedessen an einer notwendigen Voraussetzung für die Beistungs-freiheit der Beklagten, die nur auf § 39 Abs«, 2 VVG gestützt werden konnte«, Ebenso wie der Streit der Parteien, ob die April-Prämie nicht gezahlt worden ist, kann damit auch die offengebliebene*■ Präge, ob die Klägerin bei Eintritt des Versicherungsfalls mit der Zahlung dieser Prämie im Ver zuge gewesen ist, auf sich beruhen0