BGH · II ZR 152/57 vom 05.03.1959
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Dezember 1944 ordnungsmäßig zu dem Vorstandsmitglied der Aktiengesellschaft und vorm« Joh, Dav, in bestellte Ais sein eigener Sitz war Be^H^ bestimmt« Er hatte Anspruch auf ein festes Gehalt* eine jährliche Mindesttantieme und Spesenersatz« Die Gesellschaft* die nach Ausbruch des Krieges als (englisches) Feindvermögen behandelt wurde* wurde Ende 1941 zu dem jüdischen Besitz erklärt« Zum Verwaltungstreuhänder wurde der Rechtsanwalt Dr« bestellt« In einer Besprechung vom 14« November 1941 erklärte N( dem Kläger* er habe sich jeder Tätigkeit für die Gesellschaft zu enthalten« Mit Schreiben vom 5« Dezember 1941 brachte zu dem Ausdruck* die Befugnisse des Klägers als Vorstandsmitglied ruhten* seine Pflichten aus dem Dienstvertrag beständen aber weiter, solange der Vertrag in Kraft sei > Aktiengesellschaft und dann in die von der Beklagten geführte Firma geändert oder das gesamte Vermögen der Gesellschaft über die FaflMBi und InflBHHHMHP Aktiengesellschaft auf die Beklagte übertragen worden« Die Beklagte ist nach 1945 von der CSR entschädigungslos in Volkseigentum überführt worden« Sie besitzt jedoch 10 000 DM Aktien der U0B^-GflP-AktiengeSeilschaft in Fü0/to Der Kläger errechnet sich an Gehalt* Tantieme und 2o) Mit Rocht hat das Berufungsgericht dahingestellt gelassen, ob nur eine mehrfache Firmenänderung vorliegt oder ob die FaflHHHP und InflflHHHMfe AG eine Neugrün&ung war* Im ersten Falle ist die Beklagte mit der Dionsthorrin dos Klägers identische Im zweiten Falle trifft § 419 BGB zu0 Rach dieser Bestimmung haftet derjenige? als die jüdischen Aktionäre und der ihnen genehme Vorstand von der Entscheidung über diese Vermögensübertragung ausgeschaltet waren* Nur wenn das Gesell-schaftsvermögen seinem Rechtsträger entzogen und als das Vermögen eines anderen als das der Bienstherrin des Klägers in eine neu gegründete Gesellschaft cingebracht worden wäre, würde es an einer auf Vertrag beruhenden Vermögensübertragung fehlen..- Alsdann würde es auf die vom Reichsarbeitsgericht (RAG 13? Denn nach der Prozeßlage ist nur mit der Entziehung der jüdischen Aktien und nicht mit der Entziehung des Gesellschaf tsvermögens zu rechnen«, Um die Dienstherrin des Klägers zu 'frisieren*1, war eine Enteignung der juristischen Person weder erforderlich noch? daß das Gesclischaftsvermögen der Bienstherrin des Klägers nicht als Eigentum dieser Gesellschaft? und das wiederum ist in der Revisionsinstanz unbeanstandet geblieben* Wurde die Bienstherrin des Klägers aber in der Weise "liquidiert"? schaft, oingebracht wurde, so trifft § 419 BGB ohne weiteres zu« Es braucht darum nicht erst entschieden zu werden, ob die Entziehung jüdischen Vermögens auch mit einer Entrechtung aller oder einzelner Gläubiger verbunden war und ob nicht § 419 BGB auch dann anzuwenden wäre, wenn das entzogene .jüdische Vermögen seinen Gläubigern verhaftet blieb * Die Verjährung der Ansprüche des Klägers sei während der Neziherrschaft gehemmt gewesen (§ 203 BGB),da, der Kläger durch eine Reihe von Umständen persönlich gefährdet gewesen sei und bei einer Geltendmachung seiner Ansprüche mit seiner Verhaftung habe rechnen müssen« Auch nach dem Kriege sei er an der Rechtsverfolgung gehindert gewesen, da Ungewißheit über das Rechtsschicksal der Beklagten bestanden habe« Dieser Zustand sei jedoch beseitigt worden, als der Kläger davon erfahren habe, daß die Beklagte enteignungsfrei gebliebenes Vermögen besitze« Diese Kenntnis habe er nach seinem eigenen Vortrag im Spätsommer oder im Herbst 1953 erlangt« Unter Zubilligung einer gewissen Bedenkzeit habe die sich aus den §§ 203, 205 BGB ergebende' restliche Verjährungsfrist von 6 Monaten mit dem lo Januar 1954 zu laufen begonnen« Daher sei der Klageanspruch bei Einreichung der Klage (30«12«1954) und auch schon bei Anbringung des Antrages auf Bestellung eines Pflegers für das enteignungsfrei gebliebene Vermögen des Beklagten (23«Hol954) verjährt gewesen« ansprüchs der Vors bände von Aktiengesellschaften der kurzen Verjährung des § 19b Nr«, 8 BGB unterlägen«, ist nicht beden-kenfrei® Unter diese Vorschrift fallen Ansprüche von Personen«, die im Privatdienste stehen«, Dem Wortlaut nach trifft das auf Vorstandsmitglieder zu, Die Motive (l 303) zählen als Privatbedienstete jedoch bloß Personen auf«, die in einem sozialen Abhängigkeitsverhältnis stehen® Hierzu gehören die Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften nicht (BGIIZ 12? Dieser Zweck besteht darin* für die zahlreichen und zu demeist unbedeutendcn Geschäfte des täglichen Verkehrs eine kurz bemessene Verjährungsfrisü vorzusehen* da'es den an derartigen Geschäften Beteiligten in der Regel nicht zuzu demuten ist* diese Geschäfte niedersu'legen und Beweismittel längere Zeit aufzubewahren (RAG 15* 156)* Ganz anders liegt es bei den Anstellungsverträgen der Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaf ten* denn dabei geht es jeweils nur um wenige Verträge* die außerdem ihrer Bedeutung und ihres rechtlichen Inhalts wegen schriftlich festgelegt werden» Andererseits könnte die Anwendung des § 196 Nr» 8 BGB auf die Gehaltsansprüche der Vorstandsmitglieder einfach damit begründet werden* daß sonst eine Privilegierung dieser Ansprüche einträte und daß dies aus der Stellung der Vorstandsmitglieder nicht zu rechtfertigen sei» Die Präge braucht jedoch im vorliegenden Pall nicht entschieden zu werden* Denn* wenn nicht schon § 196 Nr» 8 BGB eingreift* trifft jedenfalls § 197 BGB zu» Nach dieser Bestimmung verjähren in vier Jahren u»a» die Ansprüche auf Rückstände von Unterhaltsbeiträgen und anderen regelmäßig wiederkelirenden Leistungen* Ein Anspruch ist dann auf regelmäßig wiederkehrende Leistungen gerichtet* wenn der Zeitfaktor das für die Porm des Anspruchs maßgebende Element ist oder* anders ausgedrückt* es sich um eine Verbindlichkeit handelt* die nur in fortlaufenden Leistungen besteht und darin ihre charakteristische Erscheinung hat (RGZ 24, Die AusZahlungstermine sind zwar nicht das den Anspruch allein bestimmende Element» Der Anspruch auf Gehalt ist vielmehr* von den Pallen der Krankheit und anderweiter unverschuldeter Arb eitsbehinderung abgesehen (vgl„ BGHZ 10* 187) , ein arbeiLsabhängig^r Anspruchs, woil er die Leistung von Diensten voraussebzt* Aber- wenn Arbeit geleis bot wird - und in der Hegel entsteht der Vergütungsanspruch nur unter dieser Voraussetzung so ist in bestimmten Zeitabständen zu zahlen* Es mag Fälle geben, in denen Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften während des Laufs des An-stellungsverIrages und wegen dor das Ansteilungsverhältnis überdauernden freupflicht noch Jahre nach ihrem Ausscheiden eine Gohaltsklage nicht ohne Gefährdung ihrer selbst odor der Belange der Diensthorrin erheben können, Das rechtfertigt es aber nicht, selbst den § 197 BGB beiseite zu schieben und den § 195 BGB, also die dreißigjährige Verjährungsfrist anzuwenden* Unterlagen die Ansprüche des Klägers aber einer Verjährungsfrist von äußerstens vier Jahren, so waren sie schon bei Einreichung der Klage und selbst bei Anbringung dos Antrages-auf Bestellung eines Pflegers für das Westvermögen der Beklagten verjährt* Es kann ganz dahingestellt bleiben» ob die Ungewißheit des Klägers über das Portbeste- * ■ ■> • III •- > • mr heil der Beklagten als ein Grund angesehen werden kann, der die Verjährung nach § 205 Abs* 2 BGB hemmte, und ob dem Kläger nach der im Spätsommer oder Herbst 1953 erlangten Kenntnis; daß die Beklagte noch V/estvermögen besaß, noch eine die Verjährung hemmende Bedenkzeit cugebilligt werden kann* Denn, selbst wenn man dem Berufungsgericht in diesen Punkten folgt, war die Verjährungsfrist im Hinblick auf